Rezensionen von Amazon
Kurt Köpruner, war
erstaunt, als er 1990 vor Ort ein ganz anderes Jugoslawien vorfand als das, was
in den Medien zu sehen war. Bei Besuchen in Kroatien, die eigentlich der
Anbahnung von Geschäftsbeziehungen dienen sollten, wurde er Zeuge, wie
kroatische Nationalisten zunehmend an Einfluß gewannen. Die Häuser
einzelner Serben wurden angesteckt, ganz offen die Ermordung unliebsamer
Zeitgenossen diskutiert. Rasch breiteten sich die Symbole und Parolen des
klerikalfaschistischen Ustascha-Regimes wieder über Kroatien aus.
Örtliche Medien hetzten offen gegen alles Nicht-Kroatische. Krieg werde
kommen, erfuhr Köpruner von seinen Gesprächspartnern. Zunächst
ungläubig - nichts davon war den gängigen deutschen Medien eine
Schlagzeile wert gewesen -, dann zunehmend entsetzter beobachtete
Köpruner, wie die Einheimischen recht behielten. In den nächsten zehn
Jahren bereiste Kurt Köpruner immer wieder den Balkan, pflegte private wie
Geschäftskontakte und ließ sich von den Menschen vor Ort
erzählen. Was er hörte, paßte nun ganz und gar nicht zu dem
einfachen Schwarz-Weiß-Bild, das hiesige Politiker und Medien malten. Er
begann, festzuhalten, was er sah und hörte, was ihm berichtet wurde und
was zeitgleich in deutschsprachigen Medien zu lesen war. Gut die Häfte des
Buches "Reisen in das Land der Kriege" besteht aus solchen Berichten.
Köpruner erweist sich als ausgezeichneter Beobachter. Lebendig und genau
berichtet er von seinen Eindrücken, Erlebnissen und Gesprächen. Aus
Kroatien, in das er schon während der Kriege immer wieder reiste, aus
Bosnien und Serbien nach dem Daytoner Abkommen, und auch in das
NATO-Protektorat Kosovo. Manches ist beängstigend, das wenigste ist
spektakulär - spannend wird es gerade deshalb, weil es eine ganz andere
Wirklichkeit beschreibt als die, die man gemeinhin in den Medien
vorgeführt bekam. Dabei beschönigt Köpruner nichts, relativiert
weder Titos Diktatur nur die Untaten einzelner Ethnien, nimmt nicht Partei
für die eine oder andere "gute Sache". Die Erlebnisse eines "ganz
normalen" Menschen, der unvermittelt mit etwas konfrontiert wird, das ganz und
gar nicht "normal" ist, der genauer hinzuschauen und genauer nachzufragen
beginnt - die sind ungemein spannend zu lesen. Die Hintergründe, die
Köpruner immer wieder einstreut, hätten kürzer beschrieben
werden können, und es gibt dazu auch bessere Bücher. M.-J. Calics
"Krieg und Frieden in Bosnien-Hercegovina" zum Beispiel, und H. Loquais "Der
Kosovo-Konflikt". Hier hat jemand eine Reise getan, und er hat eine ganze Menge
zu erzählen - aus einem Land, das in Bürgerkriegen zerfiel, und von
den Menschen dort, und von ihren Geschichten. Köpruner schafft es, auch
die in den Bann zu schlagen, die sich für den Balkan eigentlich gar nicht
sonderlich interessieren. Unbedingt reinschauen!
Dieses Buch ist
ein MUSS für jeden, der sich mit der Geschichte des letzten Balkankrieges
kritisch auseinandersetzt. Der Autor war während der gesamten 90er Jahre
sehr häufig auf dem Balkan beruflich und privat unterwegs, u.a. 1999 als
erster Tourist im Kosovo. 1991 geriet er auf einer Geschäftsreise
zufällig in den ausbrechenden Konflikt in Kroatien und berichtet von den
damaligen Ereignissen als völlig neutrale und unvorbelastete Person. Es
wird mit zahlreichen in unseren Köpfen existierenden Vorurteilen
aufgeräumt, u.a. dem von den grundbösen, rassenhassenden Serben und
den harmlosen, wehrlos verfolgten Kosovo-Albanern. Mit der einseitigen
Berichterstattung zum Thema in den westlichen Medien und den durch unsere
Politiker verbreiteten Halbwahrheiten wird in diesem Buch zum ersten Mal
wirklich hart ins Gericht gegangen.
"Reisen in das Land der Kriege"
ist das mit Abstand beste Buch, das über die letzten zehn Jahre in
Jugoslawien geschrieben wurde: Atemberaubend und authentisch, alle bisherigen -
wesentlichen - Veröffentlichungen wurden verarbeitet, alle anstehenden
Fragen und Ungereimtheiten wurden aufgeworfen, und das ganze in einer allgemein
zugänglichen Sprache, bei aller analytischer Präzision. Wenn man Ihr
Buch liest, dann erspart man sich die Lektüre aller anderen Bücher zu
diesem Thema. Es erinnert mich sehr stark - in jeder Beziehung - an John Reeds
epochales Werk "10 Tage, die die Welt erschütterten".
Dieses Buch gibt es bei Amazon hier: oder einmal auf die
Seite des Verfassers
schauen. |