ZDF-Reporter und AOK-Ermittler deckten neue Form der OK
auf Wie kommt man auf einfache Weise und Kosten der Allgemeinheit zu viel
Geld? Am besten, man wird Politiker, Bauamtsleiter oder Zahnarzt. Der
Wanderpokal der deutschen Korruptionsfreunde geht in diesen Tagen eindeutig an
die letztere Berufssparte, nachdem er einige Wochen den Trophäenschrank
der FDP zierte. Zahnärzte in ganz Deutschland sollen ihren Patienten
jahrelang Prothesen eingesetzt haben, die billig im Ausland gefertigt, den
Kassen und Patienten aber mit den vielfach höheren deutschen Preisen in
Rechnung gestellt wurden. Es war einem klassisch investigativ arbeitenden
Reporterteam des ZDF-Magazins »Frontal« gelungen, diese Form der
organisierten Kriminalität anschaulich zu dokumentieren. Die Ermittler der
AOK gehen inzwischen von einem ergaunerten Betrag in dreistelliger
Millionenhöhe aus, den sich die Dentalhandelsgesellschaft Globudent in
Mülheim »redlich« mit den Zahnärzten geteilt habe.
Daneben wirken die Mitte der 90er Jahre aufgeflogene Herzklappenmafia, die
Bestechung vieler Ärzte seitens der Pharmaindustrie zwecks Verschreibung
besonders teurer Medikamente und der florierende Rezeptschwindel einiger
Apothoker wie Eierdieberei.
Vermutlich wird die zuständige
Standesorgansisation, die Bundeszahnärztekammer, in Kürze ihre
beliebten Statements über »einige schwarze Schafe« in den
eigenen Reihen verbreiten. Bei bis zu 1000 beteiligten Zahnärzten handelt
es sich aber wohl doch eher um eine veritable Herde. Anscheinend haben die
ständigen Beschwörungen ärztlicher Standesvertreter, daß
die Angehörigen der freien Heilberufe auch betriebswirtschaftlich denken
und handeln müßten, endlich auch in der Breite gefruchtet. |