|
Wer immer
denkt, was alle denken und wer immer glaubt, was alle glauben, läuft
niemals Gefahr für verrückt gehalten zu werden. Doch wehe, jemand
vertritt auf einsamem Posten eine gewagte Ansicht, die der allgemeinen
Überzeugung (oder Propaganda) zuwiderläuft. Schnell hat's sich's da
mit einer Fern- und Fehldiagnose der Marke Der tickt nicht mehr richtig!"
Es ist dabei völlig irrelevant, wie wohl begründet oder sachlich
fundiert die Ansicht auch sein mag. Diesem Mechanismus erlag ein Herr Galileo
Galilei eben so wie einst ein gewisser Herr Sokrates. Heute sind es die
Anhänger der Neuen Medizin", AIDS-Leugner",
Impfkriti-ker" oder WTC-Verschwörungstheoretiker", die
über den Horizont der Mainstreammei-nung hinausblicken und daher derselben
Gefahr unterliegen. Wenn man dann zudem noch Wissenschaftler ist, verhält
sich die Sache doppelt so fatal, denn wie kann es (a) ein Mitglied der eigenen
Gilde wagen, das seriöse akademische Nest zu beschmutzen und (b) wie kann
er sich herausnehmen, die großzügigen Finanzströme aus der
Wirtschaft zu gefährden? Abgesehen davon, dass das Hinterfragen
wissenschaftlicher Wahrheiten" auch die Industrie
selbst in
Gefahr bringen kann. Mögliche Folge: Wer heute in seiner Garage einen
Motor austüftelt, der mit bloßem Wasser fährt, ist zu 80 %
Wahrscheinlichkeit schon tot, außer er lebt auf den Philippinen, wo so
etwas keinen interessiert. Lebensgefährlich kann es also werden, wenn ein
Wissenschaftler den Fehler begeht, auf eigene Faust durch aufrichtig motivierte
Forschungsarbeiten bestehende Wirtschaftsmärkte in zu Gefahr bringen bzw.
vielleicht sogar über militärische Interessen und Geheimnisse
stolpert.
Dr. Reinhard
Munzert, Lehrbeauftragter an der technischen Fakultät in Erlangen, trat in
dieser Hinsicht kürzlich in die Gesamtauswahl aller bestehenden
Fettnäpfe, denn er investigierte ein Thema, das (a) wirtschaftliche
Interessen der Industrie gefährdet, (b) verheimlichte wissenschaftliche
Erkenntnisse aufdeckt und (c) militärische Missetaten potentiell
enthüllt: Wir sprechen von Mikrowellen.
Selbst
betroffen, begann Dr. Munzert das Thema Mikrowellen zu erforschen und fand bald
heraus, dass man handelsübliche Mikrowellen-
herde mit nur
wenigen Handgriffen so umbauen kann, dass sie sich anschließend dazu
eignen, nicht bloß das Mittagsmenü zu grillen, sondern auch
unliebsame Zeitgenossen. Dr. Munzert wies nach, dass die Wohnung seiner
Freundin mit Frequenzen im Bereich von 2,5 Gi-gahertz(1) bestrahlt
wurde (was sog. Mikrowellen" gleichkommt).
Es ist Herrn
Dr. Munzert durchaus bewusst, dass dies ungeheuerlich klingt", doch so
abstrus sich dies auf den ersten Blick erscheinen könnte, so wenig steht
Dr. Munzert mit seinem Problem alleine da, denn bereits 150 Strafverfahren sind
laut Auskunft des Rechtsanwalts Detlev Eidebenz aus Frankfurt derzeit
anhängig, wo Nachbarn sich mit manipulierten Herden attackierten. Der
ebenfalls von einer solchen Offensive betroffene Elektrotechniker Kühn
hatte jedes Mal, wenn er nach Hause kam, das Gefühl, zu kochen und
einen Sonnenbrand zu bekommen" und reichte nach etlichen Recherchen Anzeige
wegen Körperverletzung ein, doch die Staatsanwaltschaft wollte sich
mit seinen Hirngespinsten" nicht abgeben. Es hat sich daher bereits eine
Interessengemeinschaft der Opfer von Elektrowaffen" zusammengeschlossen,
die das Ziel vorantreibt, den Tatbestand bei Polizei und Staatsanwalt
hoffähig" zu machen. Erste Erfolg sind in Sicht: In einem
Frankfurter Polizeirevier will man der Angelegenheit nun nachgehen, bis
die Sache strafrechtlich gewürdigt wird".
Auch die
WELT am Sonntag widmete dem Thema einen Artikel, in dem Klaus Munter von
der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig bestätigte,
dass es technisch möglich ist", Nachbarn durch Wohnungswände
hindurch mit umgebauten Herden zu bestrahlen. Und Professor Pauli von der
Universität der Bundeswehr ergänzte: Ein Mikrowellengerät
hat eine Leistung von 800 Watt. Um diese in einen Strahl zu bündeln,
braucht man eine starke Richtantenne." Zudem müssten zwei
Sicherheitsschalter überbrückt werden. Wem dies gelänge, der
könne seinen Nachbarn mit einer Dosis tyrannisieren, die annähernd
hundertfach stärker ist, als es das Bundesemis-sionsschutzgesetz
erlaubt.
Dr. Munzert
nun sollte am 6. September 2002 auf der nicht unbedeutenden amerikanischen
Sicherheitskonferenz Infowar Conference" in Washington D.C. zum Thema:
Mikrowellenwaffen - eine neue Form von High-Tech-Verbrechen" referieren
(www.infowar.com). Doch dazu kam es nicht, denn es wurde ein richterlicher
Beschluss gegen ihn erwirkt, wonach er sich einem psychiatrischen Gutachten zu
stellen habe. Als er dies verweigerte, wurde er wenige Tage darauf von
freundlichen Herrschaften in Grün abtransportiert und gegen seinen Willen
zwangsweise in die geschlossene Psychiatrie in Erlangen eingewiesen, wo seine
schizophrenen Wahnvorstellungen" fachkundig therapiert" werden
sollten. Dass er nach drei Wochen gesundheitlich unbeschadet wieder frei kam,
hat er mehreren Umständen zu verdanken: Dr. Munzert trat aus Protest
sofort in Hungerstreik, verweigerte sämtliche
(1) Giga-Hertz:
Nach dem deutschen Physiker Heinrich Hertz benannte Einheit fürdie
Anzahl der Schwingungen pro Sekunde (Abkürzung Hz). Ein Giga-Hertz
entspricht einer Milliarde Schwingungen pro Sekunde. Abkürzung GHz.
Weitere Einheiten sind KHz (= Kilo-Hertz für 1000 Schwingungen pro Sekunde
und MHz = Mega-Hertz für eine Million Schwingungen pro
Sekunde.
(2) Hörbarkeit von
Mikrowellen: Die Hörbarkeit von Mikrowellen unter bestimmten
Voraussetzungen wurde bereits mehrfach vor etlichen Jahrzehnten u.a. durch
deutsche, russische und amerikanische Wissenschaftler nachgewiesen, was jedoch
einen gewissen Psychiater offensichtlich kaum zu interessieren scheint.
Näheres dazu und Quellenangaben im Artikel von Heiner Gehring ab Seite
11.
(3) Internetforum zum
Thema unter: www.findefux.de/forum.Iist.php4?f=84 oder über die
Webseite: www.tolzin.de/e-smog/munzert/
Psychopharmaka
bzw. Therapeien" und informierte seine Freunde, die den Fall sozusagen
noch am selben Tag im Internet veröffentlichten und Rund-E-mails
verschickten. So wurde innerhalb kürzerster Zeit immense Publicity
kreiert, und der Fall verbreitete sich in Windeseile unter wachen Zeitgenossen.
Auch Jo Con-rad und Hans Tolzin wurden aktiv. Hans beispielsweise rief bei
Herrn Dr. Munzert mehrfach in der Klinik an, informierte Freunde, die Polizei
(wegen Freiheitsberaubung) und nervte den verantwortlichen Psychiater mit
Fragen zur Richtigkeit des fatalen Gutachtens. Hans richtete zudem ein eigenes
Internetforum'3' ein, in dem er Interessierte über aktuelle
Neuigkeiten informierte. Das im Fall Munzert erzeugte öffentliche
Interesse schlug solche Wellen, dass neben drei Tageszeitungen auch
BILD-Nürnberg unter der Überschrift Erlanger Professor in
Nervenklinik" wahrheitsgemäß berichtete: Sein skurril
klingendes Thema 'Mikrowellenverbrechen' wurde ihm zum
Verhängnis..."
Auch ein
Bayerischer Landtagsabgeordneter setzte sich für Dr. Munzert ein und
schrieb an das Staatsministerium.
Die
Vorwürfe, die seitens des sachverständigen" Psychiaters zur
Einweisung Dr. Munzerts führten, lesen sich wie folgt: Die Existenz
von Mikrowellenwaffen seien Teil von Dr. Munzerts Wahnsystem. Sein
Glaube auf einem Kon-gress in den USA sprechen zu sollen, seien schizophrener
Größenwahn. Die Hörbarkeit von Mikrowellen'21
seien eine Wahnvorstellung.
Dass diese
Kriterien keinesfalls Teil eines Wahnsystems" sind, sondern erschreckende
Realität, belegt Heiner Gehrings heutiger Artikel in drastischster
Deutlichkeit. Erschreckender ist höchstens noch die Arroganz des sich
Gutachter nennenden Psychiaters.
Wer sich von
Dr. Munzerts Geisteszustand selbst überzeugen möchte, kann dies am
14. Dezember in Stuttgart tun, wo er im Rahmen des Neue-Impulse-Treffens
schildern wird, wie es
ihm in der
Psychiatrie ergangen ist, wie (leicht) man reinkommt, aber auch, wie man
geistig lebendig und körperlich gesund wieder rauskommt. Auch auf das
Thema seiner Forschungen wird Dr. Munzert eingehen, denn die Gefahren durch
Mikrowellen sind lange nicht so belanglos, wie man das uns braven Bürgern
weiszumachen versucht.
Dies wird auch
durch ein Schreiben des Knut W. Schlanert deutlich, der sich ebenfalls in der
Sache Munzert rege engagierte. Er schickte als Spezialist für
Antennenfragen im niedersächsischen Landesinnungsverband der
Elektro-handwerke und Mitinitiator des Sachverständigenvereins der
Elektrohandwerke in Niedersachsen eine persönliche Stellungnahme durch die
virtuelle Welt, in welcher er beschreibt, wie er als Forscher der ersten Stunde
in Sachen Mobilfunk und Mikrowellen auf deren Gefahren aufmerksam wurde. Er
schreibt Handys sind viel zu nahe (am Körper) und viel zu
kräftig, um nicht gesundheitliche Gefahren auszulösen. Mikrowellen
sprengen alle diese Grenzen.
Wir warnten
als ausgebildete Fachleute der Elektrotechnik und Elektronik damals schon vor
der Mikrowelle als Küchengerät. Unser warnender Ruf wurde in keiner
Zeitung erwähnt, zu stark waren die Interessen der herstellenden
Industrie." Diese Erfahrungen berichtete ich dem Bundestagsabgeordneten
Paterna. Er interessierte sich dafür ohne uns kritiklos zu glauben. Seine
Zweifel waren groß und er bat um stichhaltige Nachweise. Allein sein
erkennbares Interesse reichte aus, um im Bundestag ganz plötzlich
'kaltgestellt' zu werden. Gerade dadurch gewinnt die Psychiatrisierung des Dr.
Munzert eine besondere Bedeutung. Ich würde immer an jede neue Erscheinung
skeptisch herangehen, aber das Recht zur Neugier und zu eigenständigen
Forschungen würde ich und werde ich mir nie verbieten lassen. MUSS ich
dafür auch in die Psychiatrie? Wo leben wir nur??"
Eine
berechtigte Frage, wie ich meine.
die vollständigen Texte unter: Nr. Nr 43/2002 Kent Depesche
Sabine Hinz Verlag Hasenbergstr. 107 70176 Stuttgart Tel. 0711 6361811 Fax 0711
6361810 info@sabinehinz.de www.sabinehinz.de
|