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7.11.2002   Toko Hagen
NAZIjäger-Zentrum

-- Jagd auf Japaner

Am 7. November war auf der (englischsprachigen) "Homepage" des Wiesenthal Centers http://www.wiesenthal.com/ die nachfolgende drohend gehaltene Anklage gegen Japan nachzulesen. Übersetzung aus dem Englischen Osamu Nishi:

Jetzt reden die Japaner in sozialen und wirtschaftlichen Verlautbarungen vom "raffgierigen, teuflischen Juden"

Das Wiesenthal Zentrum drängt den japanischen Ministerpräsidenten, Maßnahmen gegen einen Regierungsbeamten, der antijüdische Beschimpfungen von sich gegeben hat, zu ergreifen

Das Simon Wiesenthal Zentrum hat den Ministerpräsidenten Japans Junichiro Koizumi aufgefordert, unzweideutige Maßnahmen gegen Yoshio Kimura, Staatssekretär im Gesundheits- und Sozialministerium, zu ergreifen, welcher Anfang dieser Woche anläßlich einer Diskussion sozialer und wirtschaftlicher Themen das Wort vom "raffgierigen, teuflischen Juden" in den Mund genommen hatte.

In seinem Brief an den japanischen Ministerpräsidenten stellte der beigeordnete Vorstand des Wiesenthal Zentrums, Rabbi Abraham Cooper, fest, daß es Herrn Kimura gelungen ist, Juden in der ganzen Welt zu beleidigen und zu gefährden.

"Schlimmer noch", fährt Cooper fort, "ist die Tatsache, daß der Staatssekretär durch unwahre Argumentierung und üble Symbolik gerade jenem Haß schürt, der die Terroristen und Selbstmord-Kommandos, welche auf drei Kontinenten Juden ermorden und jüdische Einrichtungen angegriffen haben, motiviert. Falls (Anm: seitens des Ministerpräsidenten) keine angemessenen Maßnahmen erfolgen, werden die Bombenleger glauben, daß sie neue Freunde und Verbündete in Japan gefunden haben.

Bei dem Wiesenthal Zentrum handelt es sich um eine der größten jüdischen Menschenrechts-Organisationen mit über 400.000 Mitglieder-Gruppen in den USA. Es ist eine NGO (Anm: Nicht-Regierungs-Organisation) und als solche bei den Vereinten Nationen, der UNESCO und dem Europarat präsent. Über viele Jahre hinweg hat das Wiesenthal Zentrum eine Reihe von Ausstellungen über den NAZI-Holocaust und Menschenrechte in Japan organisiert.

Rabbi Coopers Brief an Ministerpräsident Koizumi ist im folgenden widergegeben. Nähere Information stellt das Wiesenthal Zentrum, Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit, unter der Telefon-Nummer (310) 533-9036 zur Verfügung.


Ministerpräsident Koizumi
1-6-1 Nagata-Cho
Chiyoda-Ku
Tokyo 100
Japan

Lieber Herr Ministerpräsident Koizumi

Das Simon Wiesenthal Zentrum fordert Sie dringend auf, unverzüglich ernsthafte, unmißverständliche Maßnahmen gegen Yoshio Kimura, Staatssekretär im Gesundheits- und Sozialministerium, wegen haßvoller, unwahrer und schädigender Redensarten über Juden zu ergreifen.

Durch den Ausdruck "raffgierige, teuflische Juden" im Zusammenhang mit Verlautbarungen über soziale und wirtschaftliche Themen, hat dieser Regierungsvertreter es geschafft, Juden in der ganzen Welt zu beleidigen und zu gefährden und so die Bemühungen des Simon Wiesenthal Zentrums und anderer Japan-Freunde, welche um eine Verbesserung der gegenseitigen Beziehungen unserer Völker bemüht waren, zunichte zu machen.

Schlimmer noch, Herr Ministerpräsident, ist die Tatsache, daß der Staatssekretär durch unwahre Argumentierung und üble Symbolik gerade jenen Haß schürt, der die Terroristen und Selbstmord-Kommandos, welche auf drei Kontinenten Juden ermorden und jüdische Einrichtungen angegriffen haben, motiviert. Falls Ihrerseits keine angemessenen Maßnahmen erfolgen, werden die Bombenleger glauben, daß sie neue Freunde und Verbündete in Japan gefunden haben.

Wir erwarten Ihr umgehendes Eingreifen.

Hochachtungsvoll

Rabbi Abraham Cooper, beigeordneter Vorstand

 

Osamu Nishi meint hierzu:

Der an den Ministerpräsidenten Japans gerichtete Brief zeichnet sich in der Form auch nach westlichen Formalien nicht durch besondere Höflichkeit aus; so fehlt beispielsweise in der Adressierung das Wort "Herr" (Mr. Prime Minister), und das in der Anrede verwendete "dear" (= lieb/liebe/lieber) kann wie im Deutschen zweideutig (drohend: "...nun paß' einmal gut auf, mein Lieber...") verstanden werden.

Was nun den Inhalt des Schreibens und die darin aufgezeigten - möglicherweise aus dem Zusammenhang gerissenen - pauschalen Vorwürfe gegen den Staatssekretär anbelangt, so "outet" sich der Verfasser und Unterzeichner des Briefes nicht gerade als Japan-Kenner. Vielmehr kann der Eindruck entstehen, daß hier von einer Art plutokratischer Herrenposition aus ein Ultimatum gestellt wurde.

Aber Japan ist nun einmal nicht mit den "westlichen Demokratien" zu vergleichen. In einem Land, welches auf Harmonie setzt, soll man sich auf eine IAIDO/AIKIDO/JUDO-Reaktion gefaßt machen - ein scheinbares Zurückweichen, ein schneller (auch geistiger) "Hebel", und der Angreifer fällt sich selbst mit seiner eigenen Energie, die auf ihn zurückgelenkt wird.

Abgesehen davon dürften bei Japan-Kennern an den durch das Wiesenthal Zentrum dargestellten angeblichen Äußerungen eines hohen Regierungsmitgliedes Zweifel aufkommen, da Japaner - insbesondere solche in exponierten Positionen - nicht die im "Westen" üblichen "unmißverständlichen" Formulierungen benutzen (Unternehmer, die Geschäftsbeziehungen zu Japan pflegen, kennen diese Eigenheit zu Genüge!), sondern daß die "JUDO-Flexibilität" auch in Gedanken und Worten zum Ausdruck kommt.

Es ist allerdings eine Tatsache, daß - ausgehend von Malaysia - sich in Ostasien eine kritische Haltung entfaltet, welche hierzulande tabuisiert wird, indem Kritiker durch den Kampf-Terminus "Antisemitismus" stigmatisiert werden (sollen). Im übrigen sind laut F.A.Z. ("Bürger, auf die Barrikaden! - Deutschland auf dem Weg zu einer westlichen DDR", 19.11.02) "abgesehen von der Sexualität bei uns alle Themen tabuisiert...".

Wie wir an dem "Fall Möllemann" hautnah und öffentlich erleben konnten, wird u.a. sogar sachlich belegte Kritik an EINZELNEN Personen jüdischen Glaubens (auf Weisung von "Oben"?) in den (europäischen) Medien pauschal als "antisemitisch" bezeichnet.

Auf ein solches Niveau des Gesinnungsterrors ist die japanische Gesellschaft nicht herabgestiegen. Hinzu kommt in Japan noch der Zusammenhalt der "Familie", ausgehend von der Blutsfamilie, über die Angestellten eines Unternehmens bis hin zu den Angehörigen staatlicher Obrigkeit. Einen "Judas" in Japan zu finden dürfte auch heute noch schwer fallen. Koizumi-Shusho wird folglich kaum dem Druck der Wiesenthäler nachgeben (dürfen). Osamu Nishi hat denn auch bisher vergeblich in den "angesehenen" japanischen Medien nach Berichten über diesen "Fall" gesucht.

Eine zentrale Ziel-Figur des sogenannten Antisemitismus in Ost/Süd-Ostasien ist der zwielichtige Mega-Spekulant und Milliardär George Soros, gegen welchen wegen seiner dunklen Geschäfte in Frankreich ein Prozeß vorbereitet wird. (Dieser Fall dürfte aber wahrscheinlich genau so im Sande verlaufen wie der einmal in Belgien geplante Kriegsverbrecher-Prozeß gegen Scharon: rien ne vas plus). George Soros hatte u.a. bekanntlich Währungen zum Vorteil seiner eigenen Tasche manipuliert und so letztlich Finanzkrisen zu Lasten der Menschen der betreffenden Regionen ausgelöst, worunter die Länder Malaysia, Thailand und Süd-Korea am meisten gelitten haben. Kein Wunder, daß mehr und mehr Menschen - auch Publikationsorgane - in Japan dies zum Vorwand nehmen, um die Dauer-Rezession auch in ihrem Lande zu erklären.

Und wenn unter solchen Vorzeichen ein hoher Vertreter des Sozial-Ministeriums darauf hingewiesen haben sollte, daß Figuren wie beispielsweise George Soros die uralten stereotypen Assoziationen weiter Bevölkerungskreise von "hab- und raffgierigen Juden" scheinbar bestätigen, aber gleichzeitig solche Pauschal-Vorwürfe gegen ALLE Menschen dieser Glaubensgemeinschaft zu entkräften versucht, indem er sie personalisiert, um eventuell aufkeimenden tumben Antisemitismus zu entschärfen, dann wird ein solcher Mann des Ausgleichs zum Angriffsobjekt für eine angebliche Menschenrechts-Organisation?

Wie denken wohl die "Wiesenthäler" und andere Repräsentanten eines solchen von ihnen ausgeübten und auch hierzulande bekannten "Mahn-Wache-Anklage-Judentums", wenn sie die als ein Beispiel wachsender jüdischer Kritik an den Mißständen in den "eigenen Reihen" vorgestellte Warnung des jüdischen NS-Forschers Raul Hilberg lesen?

Mit seiner unmißverständlichen Anklage gegen Auswüchse im Judentum/Zionismus steht Hilberg bekanntlich nicht allein. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an den Namen Norman Finkelstein.

Wenn nun ein Otto von Habsburg seine Besorgnis über den offenbar übergroßen Einfluß des Judentums ausdrückt, insbesondere was dessen Einflußmöglichkeiten auf die Militärmaschinerie der USA angeht, führt diese Aussage in eine "neue Dimension". Muß es die Menschen unserer Zeit nicht nachdenklich stimmen, wenn der in seinem langjährigen Leben als Abgeordneter des Europa-Parlaments stets als zurückhaltend bekannte Otto von Habsburg in hohem Alter und gerade jetzt, wo trotz aller "Friedensbemühungen" ein Krieg gegen den Irak unvermeidbar scheint, und "so ganz nebenbei" der Tschetschenien-Konflikt weiter zu eskalieren droht, warnende Worte von sich gibt? Warum werden die Argumente des Habsburgers nicht Gegenstand öffentlicher Diskussion, zumal der Judenstaat selbst, welcher derzeit innenpolitisch und wirtschaftlich alles andere als stabil bezeichnet werden kann, auf eigenem Territorium über ein riesiges Arsenal von Massenvernichtungswaffen verfügt?

Im Gegenteil, warum werden Otto von Habsburgs Warnungen als "weltpolitischer Rundumschlag" gebrandmarkt, und warum wird der würdige, erfahrene Herr, der die Finger auf eine gefährliche Wunde gelegt hat, in gewohnter Weise von den "Gutmenschen" in die "rechte/rechtsextreme/rechtsradikale/antisemitische Ecke" gerückt? 

Droht dieser Welt, in der die Mächtigen immer mehr die Kontrolle über sich selbst und ihre Machtapparate zu verlieren scheinen, die in der Bibel und auch in den Schriften anderer Kulturen prophezeite Apokalypse?

Diese Frage bewegte Osamu Nishi in den frühen Morgenstunden des 22.11.2002......

http://www.toko-hagen.de/gedanken/2_jujap1.htm

 



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