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Jagd auf Japaner
Am 7. November
war auf der (englischsprachigen) "Homepage" des Wiesenthal Centers
http://www.wiesenthal.com/ die
nachfolgende drohend gehaltene Anklage gegen Japan nachzulesen.
Übersetzung aus dem Englischen Osamu
Nishi:
Jetzt
reden die Japaner in sozialen und wirtschaftlichen Verlautbarungen vom
"raffgierigen, teuflischen Juden"
Das Wiesenthal
Zentrum drängt den japanischen Ministerpräsidenten, Maßnahmen
gegen einen Regierungsbeamten, der antijüdische Beschimpfungen von sich
gegeben hat, zu ergreifen
Das Simon
Wiesenthal Zentrum hat den Ministerpräsidenten Japans Junichiro Koizumi
aufgefordert, unzweideutige Maßnahmen gegen Yoshio Kimura,
Staatssekretär im Gesundheits- und Sozialministerium, zu ergreifen,
welcher Anfang dieser Woche anläßlich einer Diskussion sozialer und
wirtschaftlicher Themen das Wort vom "raffgierigen, teuflischen Juden" in den
Mund genommen hatte.
In seinem
Brief an den japanischen Ministerpräsidenten stellte der beigeordnete
Vorstand des Wiesenthal Zentrums, Rabbi Abraham Cooper, fest, daß es
Herrn Kimura gelungen ist, Juden in der ganzen Welt zu beleidigen und zu
gefährden.
"Schlimmer
noch", fährt Cooper fort, "ist die Tatsache, daß der
Staatssekretär durch unwahre Argumentierung und üble Symbolik gerade
jenem Haß schürt, der die Terroristen und Selbstmord-Kommandos,
welche auf drei Kontinenten Juden ermorden und jüdische Einrichtungen
angegriffen haben, motiviert. Falls (Anm: seitens des Ministerpräsidenten)
keine angemessenen Maßnahmen erfolgen, werden die Bombenleger glauben,
daß sie neue Freunde und Verbündete in Japan gefunden
haben.
Bei dem
Wiesenthal Zentrum handelt es sich um eine der größten
jüdischen Menschenrechts-Organisationen mit über 400.000
Mitglieder-Gruppen in den USA. Es ist eine NGO (Anm:
Nicht-Regierungs-Organisation) und als solche bei den Vereinten Nationen, der
UNESCO und dem Europarat präsent. Über viele Jahre hinweg hat das
Wiesenthal Zentrum eine Reihe von Ausstellungen über den NAZI-Holocaust
und Menschenrechte in Japan organisiert.
Rabbi Coopers
Brief an Ministerpräsident Koizumi ist im folgenden widergegeben.
Nähere Information stellt das Wiesenthal Zentrum, Abteilung für
Öffentlichkeitsarbeit, unter der Telefon-Nummer (310) 533-9036 zur
Verfügung.
Ministerpräsident
Koizumi
1-6-1 Nagata-Cho
Chiyoda-Ku
Tokyo
100
Japan
Lieber
Herr Ministerpräsident Koizumi
Das
Simon Wiesenthal Zentrum fordert Sie dringend auf, unverzüglich
ernsthafte, unmißverständliche Maßnahmen gegen Yoshio Kimura,
Staatssekretär im Gesundheits- und Sozialministerium, wegen
haßvoller, unwahrer und schädigender Redensarten über Juden zu
ergreifen.
Durch
den Ausdruck "raffgierige, teuflische Juden" im Zusammenhang mit
Verlautbarungen über soziale und wirtschaftliche Themen, hat dieser
Regierungsvertreter es geschafft, Juden in der ganzen Welt zu beleidigen und zu
gefährden und so die Bemühungen des Simon Wiesenthal Zentrums und
anderer Japan-Freunde, welche um eine Verbesserung der gegenseitigen
Beziehungen unserer Völker bemüht waren, zunichte zu
machen.
Schlimmer
noch, Herr Ministerpräsident, ist die Tatsache, daß der
Staatssekretär durch unwahre Argumentierung und üble Symbolik gerade
jenen Haß schürt, der die Terroristen und Selbstmord-Kommandos,
welche auf drei Kontinenten Juden ermorden und jüdische Einrichtungen
angegriffen haben, motiviert. Falls Ihrerseits keine angemessenen
Maßnahmen erfolgen, werden die Bombenleger glauben, daß sie neue
Freunde und Verbündete in Japan gefunden haben.
Wir
erwarten Ihr umgehendes Eingreifen.
Hochachtungsvoll
Rabbi
Abraham Cooper, beigeordneter Vorstand
Osamu Nishi
meint hierzu:
Der an den
Ministerpräsidenten Japans gerichtete Brief zeichnet sich in der Form auch
nach westlichen Formalien nicht durch besondere Höflichkeit aus; so fehlt
beispielsweise in der Adressierung das Wort "Herr" (Mr. Prime Minister), und
das in der Anrede verwendete "dear" (= lieb/liebe/lieber) kann wie im Deutschen
zweideutig (drohend: "...nun paß'
einmal gut auf, mein Lieber...") verstanden
werden.
Was nun den
Inhalt des Schreibens und die darin aufgezeigten - möglicherweise aus dem
Zusammenhang gerissenen - pauschalen Vorwürfe gegen den
Staatssekretär anbelangt, so "outet" sich der Verfasser und Unterzeichner
des Briefes nicht gerade als Japan-Kenner. Vielmehr kann der Eindruck
entstehen, daß hier von einer Art plutokratischer Herrenposition aus ein
Ultimatum gestellt wurde.
Aber Japan ist
nun einmal nicht mit den "westlichen Demokratien" zu vergleichen. In einem
Land, welches auf Harmonie setzt, soll man sich auf eine
IAIDO/AIKIDO/JUDO-Reaktion gefaßt machen - ein scheinbares
Zurückweichen, ein schneller (auch geistiger) "Hebel", und der Angreifer
fällt sich selbst mit seiner eigenen Energie, die auf ihn
zurückgelenkt wird.
Abgesehen
davon dürften bei Japan-Kennern an den durch das Wiesenthal Zentrum
dargestellten angeblichen Äußerungen eines hohen
Regierungsmitgliedes Zweifel aufkommen, da Japaner - insbesondere solche in
exponierten Positionen - nicht die im "Westen" üblichen
"unmißverständlichen" Formulierungen benutzen (Unternehmer, die
Geschäftsbeziehungen zu Japan pflegen, kennen diese Eigenheit zu
Genüge!), sondern daß die "JUDO-Flexibilität" auch in Gedanken
und Worten zum Ausdruck kommt.
Es ist
allerdings eine Tatsache, daß - ausgehend von Malaysia - sich in Ostasien
eine kritische Haltung entfaltet, welche hierzulande tabuisiert wird, indem
Kritiker durch den Kampf-Terminus "Antisemitismus" stigmatisiert werden
(sollen). Im übrigen sind laut F.A.Z. ("Bürger, auf die Barrikaden! -
Deutschland auf dem Weg zu einer westlichen DDR", 19.11.02) "abgesehen von der Sexualität bei uns alle
Themen tabuisiert...".
Wie wir an dem
"Fall
Möllemann" hautnah und öffentlich erleben konnten,
wird u.a. sogar sachlich belegte Kritik an EINZELNEN Personen jüdischen
Glaubens (auf Weisung von "Oben"?) in den (europäischen) Medien pauschal
als "antisemitisch" bezeichnet.
Auf ein
solches Niveau des Gesinnungsterrors ist die japanische Gesellschaft nicht
herabgestiegen. Hinzu kommt in Japan noch der Zusammenhalt der "Familie",
ausgehend von der Blutsfamilie, über die Angestellten eines Unternehmens
bis hin zu den Angehörigen staatlicher Obrigkeit. Einen "Judas" in Japan
zu finden dürfte auch heute noch schwer fallen. Koizumi-Shusho wird
folglich kaum dem Druck der Wiesenthäler nachgeben (dürfen). Osamu
Nishi hat denn auch bisher vergeblich in den "angesehenen" japanischen Medien
nach Berichten über diesen "Fall" gesucht.
Eine zentrale
Ziel-Figur des sogenannten Antisemitismus in Ost/Süd-Ostasien ist der
zwielichtige Mega-Spekulant und Milliardär George Soros, gegen welchen
wegen seiner dunklen Geschäfte in Frankreich ein Prozeß vorbereitet
wird. (Dieser Fall dürfte aber wahrscheinlich genau so im Sande verlaufen
wie der einmal in Belgien geplante Kriegsverbrecher-Prozeß gegen Scharon:
rien ne vas plus). George Soros hatte u.a. bekanntlich Währungen zum
Vorteil seiner eigenen Tasche manipuliert und so letztlich Finanzkrisen zu
Lasten der Menschen der betreffenden Regionen ausgelöst, worunter die
Länder Malaysia, Thailand und Süd-Korea am meisten gelitten haben.
Kein Wunder, daß mehr und mehr Menschen - auch Publikationsorgane - in
Japan dies zum Vorwand nehmen, um die Dauer-Rezession auch in ihrem Lande zu
erklären.
Und wenn unter
solchen Vorzeichen ein hoher Vertreter des Sozial-Ministeriums darauf
hingewiesen haben sollte, daß Figuren wie beispielsweise George Soros die
uralten stereotypen Assoziationen weiter Bevölkerungskreise von "hab- und
raffgierigen Juden" scheinbar bestätigen, aber gleichzeitig solche
Pauschal-Vorwürfe gegen ALLE Menschen dieser Glaubensgemeinschaft zu
entkräften versucht, indem er sie personalisiert, um eventuell
aufkeimenden tumben Antisemitismus zu entschärfen, dann wird ein solcher
Mann des Ausgleichs zum Angriffsobjekt für eine angebliche
Menschenrechts-Organisation?
Wie denken
wohl die "Wiesenthäler" und andere Repräsentanten eines solchen von
ihnen ausgeübten und auch hierzulande bekannten
"Mahn-Wache-Anklage-Judentums", wenn sie die als ein Beispiel wachsender
jüdischer Kritik an den Mißständen in den "eigenen Reihen"
vorgestellte Warnung des jüdischen NS-Forschers Raul Hilberg
lesen?
Mit seiner
unmißverständlichen Anklage gegen Auswüchse im
Judentum/Zionismus steht Hilberg bekanntlich nicht allein. Erinnert sei in
diesem Zusammenhang an den Namen Norman Finkelstein.
Wenn nun ein
Otto von Habsburg seine Besorgnis über den offenbar übergroßen
Einfluß des Judentums ausdrückt, insbesondere was dessen
Einflußmöglichkeiten auf die Militärmaschinerie der USA angeht,
führt diese Aussage in eine "neue Dimension". Muß es die Menschen
unserer Zeit nicht nachdenklich stimmen, wenn der in seinem langjährigen
Leben als Abgeordneter des Europa-Parlaments stets als zurückhaltend
bekannte Otto von Habsburg in hohem Alter und gerade jetzt, wo trotz aller
"Friedensbemühungen" ein Krieg gegen den Irak unvermeidbar scheint, und
"so ganz nebenbei" der Tschetschenien-Konflikt weiter zu eskalieren droht,
warnende Worte von sich gibt? Warum werden die Argumente des Habsburgers nicht
Gegenstand öffentlicher Diskussion, zumal der Judenstaat selbst, welcher
derzeit innenpolitisch und wirtschaftlich alles andere als stabil bezeichnet
werden kann, auf eigenem Territorium über ein riesiges Arsenal von
Massenvernichtungswaffen verfügt?
Im Gegenteil,
warum werden Otto von Habsburgs Warnungen als "weltpolitischer Rundumschlag"
gebrandmarkt, und warum wird der würdige, erfahrene Herr, der die Finger
auf eine gefährliche Wunde gelegt hat, in gewohnter Weise von den
"Gutmenschen" in die "rechte/rechtsextreme/rechtsradikale/antisemitische Ecke"
gerückt?
Droht dieser
Welt, in der die Mächtigen immer mehr die Kontrolle über sich selbst
und ihre Machtapparate zu verlieren scheinen, die in der Bibel und auch in den
Schriften anderer Kulturen prophezeite Apokalypse?
Diese Frage bewegte
Osamu Nishi in den frühen Morgenstunden des
22.11.2002......
http://www.toko-hagen.de/gedanken/2_jujap1.htm