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Wenn
wir nachstehend diesen schwarzen unchristlichen linksextremistischen Bischof zu
Wort
kommen lassen, so nicht deshalb, weil wir Ihnen für
einen besonderen Experten in Sachen Frieden
halten. Wir lassen ihn deshalb zu Wort kommen, weil sein
Wort bei den Linksintellektuellen von
Gewicht ist und weil er bisher als Freund der USA galt,
die ihn massiv unterstützten. Die
Amerikaner und die Linken sollten sich schon
anhören, was ihnen ihr politischer Freund zu sagen
hat.
Apartheid im 'Heiligen Land'
von Desmond Tutu
In der Zeit, als wir gegen die Apartheid (in Südafrika)
gekämpft haben, zählten Juden zu unseren größten
Verbündeten. Sie haben sich quasi instinktiv auf die
Seite der Entrechteten gestellt, auf die Seite derer, die
ohne Stimme waren u. die gegen Ungerechtigkeit,
Unterdrückung u. das Böse ankämpften.
Mein Herz war immer beim jüdischen Volk. Ich bin
deswegen auch Pate eines Holocaust-Zentrums bei uns in
Südafrika. Ich glaube daran, daß Israel das Recht
hat, seine Grenzen zu sichern. Was ich jedoch nicht
begreife u. keinesfalls billige, ist die Art, wie Israel mit
einem anderen Volk umspringt - um seine eigene
Existenz zu sichern. Während meiner Reise ins 'Heilige
Land' sah ich Dinge, die mich tief erschüttert haben
- weil sie mich nämlich genau an jene Dinge erinnerten,
die uns Schwarzen damals in Südafrika angetan
wurden. Ich habe gesehen, wie Palästinenser an
Checkpoints u. Straßensperren gedemütigt wurden. Das hat
mich daran erinnert, was wir durchmachten, wenn junge
weiße Polizisten uns an unserer Bewegungsfreiheit
hinderten. Auf einer meiner Reisen ins 'Heilige Land' fuhr
ich zusammen mit dem Anglikanischen Bischof
von Jerusalem zu einer Kirche. Er deutete auf die
(Israelischen) Siedlungen, u. Tränen schwangen in seiner
Stimme mit. Natürlich kam mir das Bedürfnis der
(jüdischen) Israelis nach Sicherheit in den Sinn - aber was
ist eigentlich mit den Palästinensern, die doch ihr
Land u. ihre Heimstätten verloren haben? Ich habe mit
Palästinensern gesprochen, die auf eine Stelle
hinzeigten: dort hat früher unser Haus gestanden, u. jetzt
leben dort Israelische Juden. Einmal machte ich
beispielsweise in Jerusalem einen Spaziergang mit
Kanonikus Naim Ateek (Leiter des Ökumenischen Zentrums
von Sabeel). Er wies (mit der Hand) in eine
bestimmte Richtung u. sagte: "Dort drüben war meine
Heimat. Man hat uns von dort vertrieben. Jetzt ist sie
von Israelis besetzt. Mein Herz bricht. Warum nur
haben wir ein so kurzes Gedächtnis? Haben unsere
jüdischen Schwestern u. Brüder denn ihre eigene
Demütigung inzwischen schon vergessen? Haben sie die
Geschichte ihrer eigenen 'kollektive Bestrafung', die
Zerstörung ihrer eigenen Häuser vergessen? Haben sie
sich abgewandt von ihren tiefgründigen u.
idealistischen religiösen Traditionen? Denken sie nicht mehr
daran, daß Gott doch auf seiten der Entrechteten ist?
Durch die Unterdrückung eines anderen Volkes wird
Israel nie wirklich Sicherheit u. Ruhe erlangen. Wahrer
Friede gründet sich letztendlich immer auf
Gerechtigkeit. Wir verurteilen die Gewalt der
Selbstmordattentäter, u. wir verurteilen den Haß, der jungen
Leuten gepredigt wird u. der ihre Köpfe verwirrt. Aber
ebenso vehement verurteilen wir die Gewalt
militärischer Operationen in den besetzten Gebieten, u.
wir verurteilen die Unmenschlichkeit einer Politik,
die es Ambulanzen verbietet, zu verletzten Menschen zu
fahren. Ich sage mit großer Sicherheit voraus: die
derzeitige Militäraktion wird den Israelis nicht den
Frieden u. die Sicherheit bringen, die sie sich von ihr
erhoffen. Sie wird vielmehr den Haß schüren.
Meiner Meinung nach hat Israel jetzt drei Optionen: es kann
zurückkehren zu seiner früheren Politik/Situation
des Stillstands, es kann die Palästinenser ganz vertreiben
oder es kann - und das hoffe ich sehr -, sich um einen
Frieden bemühen, der auf Gerechtigkeit gründet
sowie auf dem Rückzug aus allen 'Besetzten Gebieten';
zudem muß Israel einen lebensfähigen
Palästinensischen Staat ermöglichen (in den
'Besetzten Gebieten'): zwei Staaten Seite an Seite, zwei
Staaten in sicheren Grenzen. Wir in Südafrika durften
einen relativ friedlichen Übergang erleben. Aber wenn
der Wahnsinn in unserem Land auf diese gute Weise beendet
werden konnte, wieso sollte das dann nicht
überall auf der Welt möglich sein? Wenn der Friede
nach Südafrika kommen konnte, so kann er doch gewiß
auch ins 'Heilige Land' kommen, oder nicht? Mein Bruder Naim
Ateek hat die gleichen Worte gebraucht, wie
wir sie früher gebraucht haben: "Ich bin nicht pro
dieses Volk oder pro jenes. Aber ich bin pro Gerechtigkeit,
pro Freiheit, u. ich bin andererseits contra Ungerechtigkeit
u. contra Unterdrückung. Aber Sie wissen
wahrscheinlich genausogut wie ich, daß die Israelische
Regierung (von den USA) auf ein Podest gehoben
wurde. Wenn man diese Regierung kritisiert, wird man
sogleich als 'antisemitisch' hingestellt - geradeso, als
ob die Palästinenser keine Semiten wären! Ich bin
noch nicht einmal 'anti-weiß' - und mit diesem anderen
Wahnsinn habe ich erst rechts nichts im Sinn. Außerdem
möchte ich die Frage aufwerfen:
Weshalb hat der Staat Israel damals eigentlich mit dem
Apartheids-Staat Südafrika so eng in
Sicherheitsfragen kooperiert? In diesem Land (USA)
fällt es den Menschen schwer, öffentlich zu sagen,
Seite 398 WIR LASEN IN ANDEREN MEDIEN
29.11.2002
daß falsch gleich falsch
ist. Die jüdische Lobby ist mächtig - sehr mächtig. Aber was
soll das? Um
Himmelswillen - dies ist doch eine göttliche Welt! In
unserem Universum regiert die (göttliche) Moral! Das
Apartheids-Regime in Südafrika war so unglaublich stark
- und dennoch hat es aufgehört zu existieren.
Hitler, Mussolini, Stalin, Pinochet, Milosevic u. Idi Amin -
alles starke Männer, aber letzten Endes wurden sie
doch zerschmettert. Ich sage Ihnen: Ungerechtigkeit u.
Unterdrückung werden niemals siegen. Diejenigen
mit Macht werden sich am göttlichen 'Lackmus-Test'
messen lassen müssen, der da untersucht: Wie geht ihr
mit den Armen um? Wie mit den Hungernden? Mit denen, die
keine Stimme haben? Auf der Basis dieser
Fragen wird Gott sein Urteil (über die Mächtigen)
sprechen. Wir müssen folglich einen Weckruf an die
Regierung von Israel sowie an das Palästinensische Volk
starten u. ihnen sagen: glaubt uns, der Frieden ist
machbar - ein wirklicher Frieden auf der Grundlage von
Gerechtigkeit ist machbar. Und wir, wir werden alles
tun, um Euch bei diesem Frieden behilflich zu sein - das ist
ja Gottes Traum - und ihr werdet
freundschaftlich als Brüder u. Schwestern zusammen
leben können.--
(Quelle: The Guardian Übersetzt von: Andrea
Noll, Orginalartikel: "Apartheid in the Holy Land")
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