Der Anschlag von kenia und die »seriösen
Journalisten« Verschwörungstheorien sind dann keine
Verschwörungstheorien, wenn sie erstens von »seriösen
Journalisten« in »verantwortlichen Medien« aufgestellt werden
und zweitens in das politisch opportune Weltbild passen. Das gilt auch im Fall
der jüngsten Terroranschläge gegen das israelische Hotel und
Passagierflugzeug in Kenia. Eine unbekannte Gruppe, die sich mal
»Exilregierung Palästinas« oder »Armee
Palästinas« nennt, hat die Verantwortung für die beiden
Anschläge in Kenia übernommen. Obwohl jeder weiß, daß in
Palästina und Israel fast tagtäglich mörderische
Vergeltungsanschläge zwischen Israelis und Palästinensern
ausgetauscht werden, und obwohl es keiner besonderen Scharfsinnigkeit bedarf,
um nachzuvollziehen, warum eine palästinensische Terrorgruppe ein schlecht
geschütztes israelisches Ziel in Kenia einem besser geschützten in
Israel vorgezogen hat, haben »seriösen Medien« in den USA aus
dieser klaren und eindeutigen Geschichte bereits ein komplexes
verschwörungstheoretisches Elaborat gesponnen: von der weltweiten
Bedrohung durch Al Qaida und der »Achse des Bösen«,
insbesondere aber von der angeblich vom Irak ausgehenden Gefahr.
In den
US-Medien gilt es inzwischen als Fakt, daß für die Anschläge in
Kenia Al Qaida verantwortlich ist. Die wärmesuchenden
SA-7-Flugabwehrraketen alter russischer Bauart, die von den Terroristen gegen
die israelische Passagiermaschine zum Glück erfolglos
abgefeuert worden waren, könnten entweder aus Irak, Iran oder Syrien
stammen. Als einziger Beweis gilt die diesbezügliche Spekulation des
israelischen Premierministers Ariel Scharon. Al Qaida könnte sich
verschworen haben, nun auch weltweit israelische Zivilisten anzugreifen,
heißt es weiter. Die Al-Qaida-Verschwörer könnten von
Mitverschwörern im Irak, Iran und Syrien bewaffnet und ausgerüstet
worden sein.
Ohne geringsten Beweis wird weiter gefolgert, daß
diese Angriffsmethode Europäern und US-Amerikanern »einen
Vorgeschmack auf zukünftige Angriffe auf westliche Flughäfen durch
Al-Qaida-Zellen geben könnte«. Hinzu kommen die gleichbleibenden
»Warnungen« der Bush-Regierung, daß Irak sich insgeheim
Massenvernichtungswaffen beschaffen und sie mit Hilfe von Al Qaida gegen die
USA einsetzen könnte. Es spielt kaum eine Rolle, daß diese
Behauptungen jeglicher Logik entbehren und ohne einen Funken eines Beweises
aufgetischt werden. Die meisten werden es schon glauben. Schließlich
handelt es sich hier um »seriösen Journalismus« und
nicht, zum Beispiel, um die irre Behauptung, daß es der US-Regierung mit
ihren Kriegsplänen gegen Bagdad weder um Abrüstung noch um
Menschenrechte, sondern lediglich um die Kontrolle des irakischen
Ölreichtums geht. Dies sei eine »dubiose
Verschwörungstheorie«, war kürzlich in der New York Times zu
lesen. |