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10.12.2002 (Aus dem Englischen übersetzt:
Ellen Rohlfs)
Junge Welt
Dienst an den Siedlern
junge Welt dokumentiert ein Inserat von Gush Shalom in der israelischen Tageszeitung Haaretz (6.12.2002).

Vor 20 Jahren bestätigte Moshe Dayan, daß es das Ziel der Siedler in Hebron sei, die ganze Bevölkerung der Stadt zu vertreiben – und zwar als erstes Stadium der Vertreibung der Palästinenser aus dem restlichen Land.

Seit Beginn der jüdischen Siedlungen, seit 1968, hat die Stadt keinen einzigen ruhigen Tag erlebt. Lewinger, Goldstein und ihre Nachfolger haben eine unendliche Serie von Provokationen verursacht, um dieses Ziel zu erreichen.

Nach dem Überfall, bei dem elf Soldaten und Sicherheitsleute getötet wurden, hat das Scharon-Mofaz-Ya’alon-Trio entschieden, einen ganzen palästinensischen Stadtteil zu zerstören, seine Einwohner zu vertreiben und auf den Ruinen eine neue jüdische Siedlung zu bauen, die Kirjat Arba mit der Siedlerkolonie im Zentrum der Stadt verbindet.

Es ist das erste Mal, daß die Regierung und das oberste Kommando der Armee kaltblütig eine klare Politik der ethnischen Säuberung ausführen.

Es ist ganz egal, welcher Maßstab angelegt wird, dies ist ein internationales Verbrechen.


Enteignung und Zerstörung in Hebron stoppen


junge Welt dokumentiert einen Brief des israelischen Friedensaktivisten Uri Avnery an Herrn Elyakim Rubinstein, Rechtsberater der israelischen Regierung.

Sehr geehrter Herr Rubinstein,

wir haben das Dekret 61/02/T, unterzeichnet von General Moshe Kaplinsky, dem Befehlshaber der israelischen Armee im Gebiet von »Judäa und Samaria«, in unsern Händen.

Dieses Dekret befiehlt die Enteignung von 61 Landparzellen mit folgenden Worten:

»Ich erkläre hiermit, daß dieser Landbesitz aus militärischen Gründen enteignet wird. Hiermit befehle ich aus militärischen Gründen die Zerstörung dieser Gebäude.«

Nach unserm besten Wissen und nach unseren Erkenntnissen gibt es keine militärische Notwendigkeit für diesen Akt, der die Zerstörung eines ganzen Stadtteiles betrifft. Der Zweck dieses Dekretes ist es, einen »territorialen Zusammenhang« zwischen den Siedlern von Kirjat Arba und denen im Zentrum von Hebron zu schaffen.

Da es an einem dringenden militärischen Grund mangelt, kann dieser Akt nach internationalem Gesetz als Kriegsverbrechen betrachtet werden. Es ist nicht nötig hinzuzufügen, daß die pure Existenz einer israelischen Siedlung in Hebron nach internationalem Gesetz illegal ist.

Als israelische Friedensbewegung machen wir uns große Sorgen um die moralische Substanz und das internationale Ansehen unseres Staates. Deshalb ersuchen wir Sie,

1. den Ministerpräsidenten und den Verteidigungsminister davon zu informieren, daß die oben genannte Aktion offensichtlich illegal ist und sofort zurückgenommen werden muß;

2. General Moshe Kaplinsky zu warnen, daß der oben genannte Akt als Kriegsverbrechen betrachtet werden kann und jederzeit ernsthafte persönliche Konsequenzen für ihn mit sich bringen kann.

Wir sind davon überzeugt, wenn Sie dies tun, werden Sie es zum Wohle unseres Staates und der Armee tun.

Wir glauben, daß es die Pflicht eines jeden Bürgers eines demokratischen Staates ist, vor Aktionen zu warnen, die ein Kriegsverbrechen darstellen, und alle legalen Schritte zu unternehmen, diese zu verhindern. Genau dies tun wir hiermit.

Ihr ergebener
Uri Avnery
Früheres Mitglied der Knesset,
Gush Shalom
Jerusalem, 5. Dezember 2002


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