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Weitere Hintergrundinformationen
(auf englisch) zu den hier angesprochenen Problemen finden Sie im Anhang der
englischen TCPA/Palladium-FAQ und auf der
Economics and Security Resource Page. Sämtliche
Links in der FAQ verweisen auf englischsprachige Inhalte. Ergänzende
deutschsprachige Informationen bietet der
Anhang.
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- Wofür steht
TCPA/Palladium?
- Auf gut deutsch,
was bringen TCPA/Palladium?
- Ich kann also keine
mp3s mehr auf meinem PC hören?
- Wie funktioniert
es?
- Wozu können
TCPA und Palladium noch verwendet werden?
- Ok, es gibt also
Gewinner und Verlierer - Disney macht den großen Reibach und
Smartcard-Anbieter gehen pleite. Aber sicherlich investieren Microsoft und
Intel Hunderte von Millionen Dollar nicht aus reiner Barmherzigkeit? Wie wollen
die damit Geld machen?
- Woher kam die
Idee?
- Was hat das mit der
Seriennummer des Pentium III zu tun?
- Woher kommt die
Bezeichnung "Fritz-Chip"?
- OK, die TCPA
verhindert also, dass Jugendliche Musik abziehen und hilft Firmen, ihre Interna
vertraulich zu verwahren. Sie könnte auch der Mafia nützen,
außer das FBI bekommt eine Hintertür eingebaut, wovon man ausgehen
kann. Aber wer, abgesehen von Raubkopierern, Industriespionen und Aktivisten,
könnte ein Problem damit haben?
- Wie kann die TCPA
missbraucht werden?
- Erschreckende
Aussichten. Aber kann man das nicht einfach abstellen?
- Es geht hier also
um wirtschaftliche Aspekte?
- Moment mal,
billigt das Gesetz den Leuten nicht zu, Schnittstellen für
Kompatibilität durch Reverse Engineering zu erstellen?
- Kann TCPA nicht
geknackt werden?
- Wie umfassend
werden die allgemeinen ökonomischen Effekte sein?
- Wer wird noch
verlieren?
- Autsch. Was
noch?
- Ich kann mir gut
vorstellen, dass mancher sich darüber aufregen wird.
- Moment mal, ist
die TCPA entsprechend dem Antitrust-Gesetz nicht illegal?
- Wann wird es
losgehen?
- Was ist TORA
BORA?
- Aber ist ein
sicherer PC nicht eine tolle Sache?
- Warum spricht man
dann vom "vertrauenswürdigen Computereinsatz"? Ich wüßte nicht,
was daran vertrauenswürdig ist!
- Ein
"vertrauenswürdiger Computer" ist also einer, der meine Sicherheit
untergräbt?
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| 1.) |
Wofür steht TCPA/Palladium? |
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TCPA steht für
Trusted
Computing Platform
Alliance (Allianz für vertrauenswürdige
Computerplattformen), eine von Intel geführte Initiative. Deren
erklärtes Ziel ist die "Etablierung einer Computerplattform für das
nächste Jahrhundert, die für größeres Vertrauen in den PC
sorgen soll". Palladium ist eine Software, die Microsoft in
kommende Windows-Versionen integrieren will. Sie soll auf TCPA aufsetzen und
zusätzliche Features bereitstellen.
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| 2.) |
Auf gut deutsch, was bringen TCPA/Palladium? |
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Zusammen bilden sie eine Computerplattform die
verhindert, dass der Anwender die darauf laufenden Anwendungen manipulieren
kann, welche abgesichert mit dem Programmhersteller kommunizieren können.
Der offensichtliche Anwendungszweck ist das
Digital Rights Management (DRM): Disney kann dann DVDs
verkaufen, die sich nur auf einer Palladium-Plattform entschlüsseln - also
anschauen - lassen, die aber nicht kopiert werden können. Die
Musikindustrie kann dann Musikdownloads verkaufen, die nicht mit anderen
getauscht werden können. Sie können dann CDs verkaufen, die man nicht
mehr als drei mal abspielen kann oder nur am eigenen Geburtstag. Eine
Fülle neuer Vermarktungsmöglichkeiten wird sich eröffnen.
TCPA/Palladium wird es zudem viel schwieriger
machen, nicht lizensierte Software zu nutzen. Raubkopien können von
außerhalb des Computers entdeckt und gelöscht werden. Zudem wird es
leichter sein, die Software zu vermieten statt sie zu verkaufen; wenn man die
Miete nicht mehr zahlt, kann nicht nur die Software aufhören zu arbeiten,
sondern auch alle mit ihr erstellten Dateien. Seit Jahren träumt Bill
Gates davon, einen Weg zu finden, die
Chinesen
für seine Software zahlen zu lassen: Palladium könnte die
Erhörung seiner Gebete sein.
Es gibt vielerlei Möglichkeiten. Regierungen
könnten nur solche Systeme einsetzen auf denen alle Word-Dokumente, die
auf Beamten-PCs erstellt wurden als "klassifiziert" gelten und nicht mehr
digital an Journalisten weitergegeben werden könnten. Auktions-Sites
könnten auf vertrauenswürdiger Proxy-Software zur Abgabe von Geboten
bestehen, so dass ein taktisches Bieten über Bietagenten oder
ähnliches nicht mehr möglich wäre. Die Benutzung von Cheats bei
Computerspielen könnte erschwert werden.
Es gibt natürlich auch Nachteile. Es wird
ferngesteuerte Zensur geben: die gleichen Mechanismen, die zur Löschung
von raubkopierter Musik verwendet würden, könnten Dokumente
löschen die ein Gericht (oder eine Softwarefirma) als anstößig
ansieht - dabei könnte es sich um alles handeln, von Pornographie bis zu
Schriften, die Politiker kritisieren. Softwarefirmen könnten es auch
erschweren, Produkte eines Mitbewerbers einzusetzen; z.B. könnte Word alle
Dokumente so verschlüsseln, dass nur Microsoft-Produkte Zugriff darauf
haben; somit könnten diese auch nicht mit einem anderen Officeprogramm
gelesen werden.
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| 3.) |
Ich kann also keine mp3s mehr auf meinem PC
hören? |
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Bereits vorhandene MP3s sollten für eine
gewisse Zeit keine Probleme bereiten. Microsoft behauptet, dass Palladium
nichts sofort am Funktionieren hindern würde. Ein kürzlich
erschienenes Update zum Media Player hat allerdings eine
Debatte dadurch ausgelöst, dass Anwender zur Benutzung
dieser Software künftigen Anti-Raubkopiermaßnahmen seitens Microsoft
zustimmen müssen; dies könnte ein Löschen raubkopierter Inhalte
einschließen. Zudem ist es unwahrscheinlich, dass einige Programme, die
dem Anwender erweiterte Kontrolle über ihren PC geben, wie
VMware und
Total Recorder,
unter TCPA noch funktionieren. Man wäre also gezwungen, einen anderen
Player einzusetzen - und sollte dieser dann raubkopierte MP3s abspielen, ist es
unwahrscheinlich, dass er dies mit neuen, geschützten Titeln tun
würde.
Die Anwendung bestimmt dann unter Benutzung eines
Onlineservers, welche Sicherheitsrichtlinien auf dem System gelten. Der Media
Player wird also erkennen, welche Nutzungsbedingungen an einen geschützten
Titel geknüpft sind, und ich gehe davon aus, dass Microsoft eine Menge
unterschiedlichster Vereinbarungen mit Contentanbietern treffen wird, die
jegliche Art von Geschäftsmodell ausprobieren werden. Es wird
wahrscheinlich CDs zu einem Drittel des herkömmlichen Preises geben, die
aber nur drei mal abgespielt werden können; zahlt man die restlichen zwei
Drittel, erhält man die kompletten Rechte.
Es könnte erlaubt sein, Kopien digitaler Musik
an Freunde zu verleihen, wobei aber gleichzeitig die Originale auf der eigenen
Festplatte gesperrt und erst dann wieder abspielbar sind, sobald man die Kopie
zurückbekommen hat. Es ist allerdings wahrscheinlicher, dass man Musik
überhaupt nicht mehr verleihen kann. Diese Richtlinien werden einigen
Leuten das Leben schwer machen; z.B. könnten Regionalcodes ein Abspielen
der polnischen Version verhindern, wenn der PC außerhalb Europas gekauft
wurde.
Dies alles könnte bereits heute geschehen -
Microsoft müsste nur einen Patch in unseren Player einspielen. Sobald aber
TCPA/Palladium es den Anwendern erschwert, die Player Software zu
verändern und es Microsoft erleichtert, Upgrades und Patches zu
kontrollieren, wird es schwieriger sein, dem Ganzen zu entgehen und somit weit
attraktiver fürs Geschäft.
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| 4.) |
Wie funktioniert es? |
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TCPA sorgt für den Einbau einer
Überwachungs- und Meldekomponente in künftige PCs. Die bevorzugte
Variante in der ersten Phase der Einführung ist ein "Fritz"-Chip - ein
Smartcard-Chip oder Dongle, der aufs Motherboard gelötet wird.
Sobald der PC gebootet wird, übernimmt der
Fritz-Chip die Kontrolle. Er überprüft, ob das Boot-ROM den
Erwartungen entspricht, führt es aus und bewertet den Zustand des
Rechners; dann wird der erste Teil des Betriebssystems überprüft,
geladen und ausgeführt, dann wird wieder der Zustand des Systems bewertet
und so weiter. Die Vertrauensgrenze, die Hardware und Software als bekannt und
überprüft bewertet, wird kontinuierlich erweitert. In einer Tabelle
werden Hardware (Soundkarte, Grafikkarte, etc.) und Software (Betriebssystem,
Treiber, etc.) nachgehalten; der Fritz-Chip überprüft, ob die
Hardwarekomponenten auf der TCPA-genehmigten Liste stehen, dass die
Softwarekomponenten signiert sind, und dass keine dieser Komponenten eine
erloschene Seriennummer aufweist.
Sollten bedeutsame Änderungen an der
PC-Konfiguration vorgenommen worden sein, muss der PC online gehen, um sich
erneut zu zertifizieren. Das Ergebnis ist ein Rechner, der sich in einem
bekannten Zustand mit einer genehmigten Kombination an Hardware und Software
(deren Lizenz noch nicht abgelaufen ist) befindet. Die Kontrolle wird dann an
den Teil des Betriebssystems abgegeben, der die Einhaltung der Richtlinien
überwacht - dies wird Palladium sein, falls man Windows als Betriebssystem
verwendet.
Sobald sich der Rechner in diesem Zustand befindet,
kann Fritz Inhalte für Dritte zertifizieren; z.B. wird Disney per
Authentifizierungsprotokoll versichert, dass der Rechner ein geeigneter
Empfänger von "Schneewittchen" ist. Dies bedeutet dann, dass der Rechner
momentan eine autorisierte Anwendung laufen hat - Mediaplayer, Disneyplayer,
was auch immer. Der Disney Server sendet darauf hin die verschlüsselten
Inhalte mit einem Schlüssel, den der Fritz-Chip zur Entschlüsselung
derselben verwendet. Diesen Schlüssel stellt der Fritz-Chip nur der
autorisierten Anwendung zur Verfügung und auch nur so lange, wie die
Rechnerumgebung als "vertrauenswürdig" gilt. Daher müssen zuvor die
Sicherheitsrichtlinien, die den Rechner als "vertrauenswürdig" definieren
vom Server des Herstellers der Playersoftware heruntergeladen werden.
Dies bedeutet, dass Disney sich den Hersteller eines
bestimmten Players als berechtigt zum Abspielen seiner Premiuminhalte aussuchen
kann, der im Gegenzug die Möglichkeit, mit seiner Anwendung unautorisierte
Kopien zu ziehen, unterbindet. Disney kann also dem Anwender die Bedinungen zum
Abspielen der Inhalte diktieren; dies gilt auch für die Sicherheitsstufe,
die von der TCPA gesetzt werden muss. Das Ganze kann mit Bezahlung einhergehen:
Disney kann darauf bestehen, dass die Anwendung bei jedem Anschauen des Films
einen Dollar verlangt. Tatsächlich könnte sogar die Anwendung selbst
nur gemietet sein, und dies interessiert die Softwarefirmen natürlich
brennend. Die Möglichkeiten scheinen lediglich durch die Vorstellungskraft
der Marketingleute begrenzt zu sein.
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| 5.) |
Wozu können TCPA und Palladium noch verwendet
werden? |
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TCPA kann auch zur Durchsetzung viel stärkerer
Zugangskontrollen zu vertraulichen Dokumenten verwendet werden. Eine Armee
könnte beispielsweise ihre Soldaten dazu veranlassen, nur Dokumente mit
dem Status "vertraulich" oder höher zu erstellen, und dass nur TCPA PCs,
die vom eigenen Geheimdienst zertifiert wurden, diese lesen können. Dies
nennt man "erzwungene Zugangskontrolle", und die Regierungen sind ganz scharf
darauf. Die Palladium-Ankündigung weist darauf hin, dass das Microsoft
Produkt dies unterstützen wird: man wird Word so konfigurieren
können, dass es alle Dokumente, die für eine gewisse Abteilung
erstellt wurden so verschlüsselt, dass sie nur für Anwender einer
genau bestimmbaren Gruppe lesbar sind.
Firmen werden dies auch machen können, um das
Ausplaudern von Betriebsgeheimnissen zu unterbinden. Sie können festlegen,
dass Dokumente nur auf Firmen-PCs gelesen werden können, es sei denn, eine
autorisierte Person gäbe sie zur weiteren Verbreitung frei. Zudem
könnten Zeitsperren eingebaut werden: es könnte z.B. so arrangiert
werden, dass alle E-Mails automatisch nach 90 Tagen verschwinden, außer
es würde jemand besondere Anstrengungen zu deren Sicherung unternehmen.
Man kann sich vorstellen, wie nützlich das für Enron, Arthur Andersen
oder Microsoft während des Antitrust-Verfahrens gewesen wäre.
Die Mafia könnte dieselben Methoden nutzen: das
Spreadsheet mit den jüngsten Drogenlieferungen könnte nur auf von der
Mafia anerkannten PCs gelesen werden und würde am Monatsende verschwinden.
Das würde dem FBI das Leben schwer machen - allerdings verhandelt
Microsoft mit den Regierungen, ob Polizei und Spione einen gewissen Zugriff auf
Generalschlüssel bekommen sollten. In jedem Fall aber wird jemand, der
einem Journalisten Firmendokumente zukommen lässt, wenig erreichen, da der
Fritz-Chip des Journalisten ein Entschlüsseln verhindern wird.
TCPA/Palladium scheint auch für elektronische
Bezahlsysteme bestimmt zu sein. Eine von Microsofts Visionen ist anscheinend,
dass Funktionalität, die derzeit noch auf Bankkarten aufbaut, in Software
übertragen werden könnte, sobald die Anwendungen gegen Manipulationen
gesichert sind. Dies wird nötig sein, wenn wir tatsächlich einer
Zukunft entgegensehen sollten, in der wir für Bücher, die wir lesen,
und für Musik, die wir hören, einen gewisse Summe Cent pro Minute
oder Seite zahlen müssen. Auch wenn dieses Geschäftsmodell nicht
ankommen sollte - und dafür gibt es
gute Gründe - so wird dies sicherlich Probleme
für die Anbieter anderer Online-Zahlungssysteme aufwerfen inklusive
möglicher Nebeneffekte für die Anwender. Falls es in ca. 10 Jahren
mühsam sein sollte, online per Kreditkarte zu bezahlen, es sei denn, man
verwendet die Palladium- Plattform, könnte dies ein Menge Leute zur
Akzeptanz des Systems bewegen.
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| 6.) |
Ok, es gibt also Gewinner und Verlierer - Disney
macht den großen Reibach und Smartcard-Anbieter gehen pleite. Aber
sicherlich investieren Microsoft und Intel Hunderte von Millionen Dollar nicht
aus reiner Barmherzigkeit? Wie wollen die damit Geld machen? |
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Meine Spione bei Intel sagten mir, Intel agiere aus
der Defensive. Da sie den Grossteil ihres Geldes durch Mikroprozessoren
für PCs verdienen und damit einen Grossteil des Marktes besetzen, kann die
Firma nur durch Vergrößerung des Marktes wachsen. Sie sind
überzeugt, dass der PC im Zentrum des künftigen Heimnetzwerkes stehen
wird. Falls Unterhaltung die Killeranwendung werden sollte und DRM die
benötigte Technologie zu deren Durchsetzung, dann muss der PC das DRM
übernehmen oder riskieren, vom Heimanwendermarkt zu verschwinden.
Microsoft wäre auch motiviert, jegliche Form
der Unterhaltung in sein Imperium aufzunehmen. Falls sich auch nur eins der
beiden Systeme verbreiten sollte, werden sie allein schon deswegen zu den zu
den Gewinnern gehören, weil sie dann die Möglichkeit haben, die
Verbreitung von Raubkopien ihrer Software dramatisch zu verringern. "Die
Chinesen zum Bezahlen für Software zu bewegen" war schon immer ein
großes Ding für Bill; mit Palladium kann er jeden PC an eine
individuell lizensierte Kopie von Office binden und mit TCPA jedes Motherboard
an seine individuell lizensierte Kopie von Windows. TCPA wird auch eine
weltweite Blacklist mit Seriennummern sämtlicher raubkopierter
Officeversionen enthalten.
Schließlich würde Microsoft es auch gerne
verteuern, wenn jemand von ihren Produkten (wie Office) auf Konkurrenzprodukte
(wie OpenOffice) wechseln möchte. Sie könnten so mehr verlangen, ohne
dass die Anwender wechseln würden.
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| 7.) |
Woher kam die Idee? |
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Zuerst tauchte sie in dem Aufsatz
A Secure and
Reliable Bootstrap Architecture von Bill Arbaugh, Dave Farber and Jonathan
Smith, im Rahmen des IEEE Symposium on Security and Privacy (1997), Seiten
65-71 auf. Daraus entstand das US Patent: "Secure and Reliable Bootstrap
Architecture", U.S. Patent No. 6,185,678, February 6th, 2001. Bills Gedanken
entwickelte sich aus seiner Arbeit an der Code-Signierung für die NSA im
Jahre 1994. Die Leute bei Microsoft haben
Patentschutz für die das
Betriebssystem betreffenden Aspekte beantragt. Die
Patentanträge gibt es
hier und
hier.
Es könnte allerdings eine Menge an Prior
Art geben. Markus Kuhn schrieb schon vor Jahren über einen
TrustNo1
Processor, und die Grundidee, ein sicherer "Referenzmonitor", der die
Computerzugriffskontrollfunktionen überwacht, geht mindestens auf einen
Aufsatz zurück, den James Anderson 1972 für die
USAF verfasst hat. Seitdem ist sie Merkmal sämtlicher Überlegungen zu
militärischen Sicherheitssystemen.
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| 8.) |
Was hat das mit der Seriennummer des Pentium III zu
tun? |
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Mitte der 90er startete Intel ein früheres
Programm, das bis zum Jahr 2000 die Funktionalität des Fritz-Chip in den
Hauptprozessor oder den Cache Controller integrieren sollte. Die Pentium
Seriennummer war ein erster Schritt auf diesem Weg. Die ablehnenden
öffentlichen Reaktionen scheinen sie erst zum Abwarten, dann zur Bildung
eines Konsortiums mit Microsoft und anderen und schließlich zu einem
erneuten Anlauf mit vereinten Kräften gebracht zu haben.
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| 9.) |
Woher kommt die Bezeichnung "Fritz-Chip"? |
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Der Name wurde zu Ehren des Senators von South
Carolina - Fritz Hollings - gewählt, der unermüdlich im Kongress
daran
arbeitet, TCPA als zwingend für sämtliche
Konsumelektronik vorzuschreiben.
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| 10.) |
OK, die TCPA verhindert also, dass Jugendliche Musik
abziehen und hilft Firmen, ihre Interna vertraulich zu verwahren. Sie
könnte auch der Mafia nützen, außer das FBI bekommt eine
Hintertür eingebaut, wovon man ausgehen kann. Aber wer, abgesehen von
Raubkopierern, Industriespionen und Aktivisten, könnte ein Problem damit
haben? |
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Viele Firmen werden auf der Verliererseite stehen.
Es sieht z.B. so aus, als würde die europäische Smartcard-Industrie
Schaden nehmen, da die Funktionen ihrer Produkte in die Fritz-Chips von
Laptops, PDAs und Mobiltelefone der dritten Generation wandern werden.
Tatsächlich wird sich ein Grossteil der Informationssicherheitsindustrie
Sorgen machen, wenn TCPA zum großflächigen Einsatz kommt. Microsoft
behauptet, dass Palladium Spam, Viren und so ziemlich alles schädliche im
Cyberspace stoppen wird - falls das stimmt wird den Herstellern von
Antivirensoftware, den Spammern, den Spamfilter-Herstellern, den
Firewall-Firmen und den Leuten aus dem Bereich der Intrusion Detection die
Butter vom Brot genommen.
Es gibt ernste Bedenken über die Nebeneffekte
auf Informationsgüter- und Diensteanbieter, besonders aber in bezug auf
Innovationen, die Geschwindigkeit von Unternehmensgründungen und die
Wahrscheinlichkeit, dass vorherrschende Unternehmen ihre Monopole festigen
könnten. Die Probleme, die sich für Innovationen ergeben,
erläutert der bekannte Ökonom Hal Varian in einer
kürzlich erschienenen Kolummne in der New York Times.
Aber es gibt weit schwerwiegendere Probleme. Die
fundamentale Gefahr ist, dass wer auch immer den Fritz-Chip kontrolliert,
über eine unheimliche Macht verfügt. Der Besitz dieser
Kontrollschnittstelle ist ungefähr so, als brächte man alle dazu, die
gleiche Bank, den gleichen Steuerberater oder den gleichen Anwalt zu haben. Es
gibt viele Möglichkeiten, diese Macht zu missbrauchen.
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| 11.) |
Wie kann die TCPA missbraucht werden? |
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Eine Sorge gilt der Zensur. TCPA wurde von Anfang an
so konzipiert, dass damit eine zentrale Löschung von raubkopierten
Inhalten möglich ist. Raubkopierte Software wird erkannt und von Fritz
deaktiviert, sobald man sie lädt; aber was ist mit raubkopierter Musik und
Filmen? Und wie könnte man Lieder oder Filme, für die man bezahlt
hat, auf den eigenen Zweit-PC übertragen ohne sie auf dem anderen zu
löschen? Die angedachte Lösung ist, dass die Sicherheitsrichtlinien
einer TCPA-konformen Anwendung, wie dem Media Player oder Word, ferngesteuert
über einen Server verwaltet werden, der eine Liste mit unerlaubten Dateien
unterhält.
Diese wird regelmäßig heruntergeladen und
mit den Dateien, die die Anwendung öffnet, verglichen. Die Löschung
von Dateien kann dann anhand des Inhaltes, ihrer Seriennummer oder zahlreicher
anderer Kriterien erfolgen. Die Idee dahinter ist nicht nur, dass wenn jeder in
China die gleiche Kopie von Office laufen hat, man diese Kopie auf jedem
TCPA-konformen Rechner deaktivieren kann; dies würde die Chinesen
lediglich dazu bringen, normale statt TCPA-konforme PCs einzusetzen.
Zusätzlich sorgt man nämlich dafür, dass weltweit jeder
TCPA-konforme PC ein Öffnen von Dokumenten verweigert, die mit dieser
raubkopierten Version erstellt wurden.
Das allein ist schon schlimm genug, aber das
Potenzial zum Missbrauch erstreckt sich weit über das Ausstechen
unliebsamer Mitbewerber und ökonomische Kriegsführung, nämlich
bis zur Zensur. Ich erwarte, dass diese schrittweise kommen wird. Anfangs wird
eine, mit guten Absichten eingesetzte, Abteilung der Polizei damit beauftragt,
pornographische Bilder von Kindern oder Handbücher zur Sabotage von
Bahntransporten zu entfernen. Alle TCPA-konformen PCs werden diese Dateien
löschen, oder vielleicht erst nur melden. Dann wird ein Prozessanwalt im
Falle einer Verleumdungs- oder Copyrightklage eine gerichtliche Verfügung
gegen das auslösende Dokument durchsetzen; vielleicht werden die
Scientologen versuchen, das berühmte Fishman Affidavit auf die schwarze
Liste zu bekommen. Sobald Anwälte und Regierungen das Potenzial erkennen,
wird das Rinnsal zu einer Flut.
Nun begann das moderne Zeitalter erst damit, dass
Gutenberg in Europa den Buchdruck erfand, der es ermöglichte, Information
zu bewahren und zu verteilen, obwohl Fürsten und Bischöfe dies
unterbinden wollten. Als z.B. Wycliffe 1380 die Bibel ins Englische
übersetzte, konnte seine antiklerikale Lollarden-Bewegung noch leicht
unterdrückt werden; als aber Tyndale 1524 das Neue Testament
übersetzte, konnte er 50.000 Kopien drucken, bevor er gefangen und auf dem
Scheiterhaufen verbrannt wurde. Die alte Ordnung in Europa brach zusammen und
das moderne Zeitalter begann. Gesellschaften, die versuchten, Informationen zu
kontrollieren verloren ihre Wettbewerbsfähigkeit und mit dem Zusammenbruch
der Sowjetunion scheint der liberale, demokratische Kapitalismus als Sieger
dazustehen. Aber nun bedrohen TCPA/Palladium die unbezahlbare
Hinterlassenschaft Gutenbergs. Elektronische Bücher sind angreifbar,
sobald sie einmal veröffentlicht wurden; die Gerichte können
durchsetzen, dass sie "unveröffentlicht" werden, und die
TCPA-Infrastruktur wird die Drecksarbeit übernehmen.
Nach dem Versuch der Sowjetunion, alle
Schreibmaschinen und Faxgeräte zu registrieren und zu kontrollieren,
versucht nun die TCPA, alle Computer zu kontrollieren. Die Implikationen
für Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit sind erschreckend.
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| 12.) |
Erschreckende Aussichten. Aber kann man das nicht
einfach abstellen? |
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Sicher kann man das abstellen - außer
natürlich der Systemadministrator konfiguriert die Rechner so, dass TCPA
zwangsweise läuft. Lässt man seinen PC dagegen mit
Administratorprivilegien laufen, kann man auch unsichere Anwendungen benutzen.
Aber selbst in diesem Modus kann man den Fritz-Chip nicht dazu bringen,
raubkopierte Software zu ignorieren. Selbst wenn der Chip weiß, dass der
Rechner in einem unsicheren Zustand bootet, wird er immer noch
überprüfen, ob sich das verwendete Betriebssystem auf der schwarzen
Liste befindet.
Dies hat weitreichende Implikationen für die
Souveränität einer Nation. Falls Saddam dumm genug sein sollte, auf
TCPA-konforme PCs umzusteigen, kann die amerikanische Regierung beim
nächsten Krieg gegen den Irak die Windows-Lizenzen deaktivieren und somit
die PCs. Das Booten des Rechners im nicht vertrauenswürdigen Modus
wäre dann sinnlos. Er müsste seine alten Kopien von Windows 2000
ausgraben, zu GNU/Linux wechseln oder einen Weg finden, den Fritz-Chip auf den
Motherbards zu isolieren ohne sie zu zerstören.
Falls der US Präsident Sie persönlich
nicht hasst, hätten Sie natürlich kein Problem damit. Falls Sie aber
TCPA ausschalten, werden die TCPA-konformen Anwendungen nicht mehr oder nur
eingeschränkt laufen. Das wäre wie ein heutiger Wechsel von Windows
zu Linux; man hat mehr Freiheit aber weniger Auswahl. Falls die Anwendungen,
die mit TCPA/Palladium laufen der Masse attraktiver erscheinen, wären Sie
letzten Endes dazu gezwungen dasselbe zu tun - genauso wie viele Leute
Microsoft Word benutzen müssen, weil ihre Freunde und Kollegen ihnen
Dokumente in diesem Format schicken.
Microsoft behauptet, dass Palladium im Gegensatz zu
TCPA in der Version 1.0 vertrauenswürdige und nicht vertrauenswürdige
Anwendungen zur gleichen Zeit in verschiedenen Fenstern laufen lassen kann;
dies wird es den Leuten wahrscheinlich einfacher machen sich daran zu
gewöhnen, Palladium einzusetzen.
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| 13.) |
Es geht hier also um wirtschaftliche Aspekte? |
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Exakt. Die größten Profite im Bereich der
IT-Produkte und Dienstleistungen gehen vornehmlich an jene Firmen, die eigene
Plattformen (wie Windows oder Word) etablieren und Kompatibilität mit
diesen so kontrollieren können, dass der Markt für ergänzende
Produkte auch in ihrer Hand ist. Beispielsweise benutzen
einige Handyhersteller ein gewisses
Authentifizierungsverfahren zur Überprüfung ob der verwendete Akku
ein Originalteil oder ein billiger Klon ist - in diesem Fall würde das
Telefon ein Aufladen verweigern, oder sogar den Akku so schnell wie
möglich entladen. Einige Drucker überprüfen die Tonerkartuschen
elektronisch, falls man ein billiges Konkurrenzprodukt verwendet, schaltet der
Drucker unauffällig von 1200 auf 300 dpi. Sonys Playstation 2 nutzt ein
ähnliches Authentifizierungsverfahren um sicher zu gehen, dass
Speicherkarten von Sony und nicht die eines Billiganbieters verwendet werden.
TCPA scheint zur Maximierung dieses Effektes, und
damit der ökonomischen Marktmacht, konzipiert zu sein. Bedenkt man die
zahlreichen strategischen Kniffe Microsofts in der Vergangenheit, kann man
davon ausgehen, dass Palladium ihnen nützen wird. Wenn jemand also eine
TCPA-konforme Anwendung kontrolliert, kann der Richtlinienserver die eigenen
Regeln dafür durchsetzen, welche anderen Anwendungen die erstellten
Dateien bearbeiten dürfen. Die Dateien können durch starke
Kryptographie verschlüsselt werden, die durch die Fritz-Chips in jedem
Computer kontrolliert wird. Dies bedeutet, dass eine TCPA-konforme Anwendung
der Softwarefirma, die sie kontrolliert viel mehr Geld einbringt, da sie den
Zugang zu den Schnittstellen für jeden Preis, den der Markt noch hergibt,
vermieten kann.
Es wird also großen Druck auf
Softwareentwickler geben, ihre Anwendung TCPA-konform zu machen; und falls
Palladium das erste Betriebssystem ist, das TCPA unterstützt, wird dies
ein Wettbewerbsvorteil gegenüber der Entwicklergemeinde für GNU/Linux
und MacOS sein.
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| 14.) |
Moment mal, billigt das Gesetz es den Leuten nicht
zu, Schnittstellen für Kompatibilität durch Reverse Engineering zu
erstellen? |
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Natürlich, und dies ist auch besonders wichtig
für das Funktionieren des Marktes für IT-Produkte und
Dienstleistungen (siehe hierzu Samuelson and Scotchmer,
The Law and Economics of
Reverse Engineering, Yale Law Journal, Mai 2002, Seiten 1575-1663). Das
Gesetz gibt einem zwar in den meisten Fällen das Recht dazu, aber keine
Möglichkeit, dies auch durchzusetzen. Zu den Zeiten als Kompatibiltät
noch das Herumfummeln mit Dateiformaten bedeutete, gab es regelrechte
Wettbewerbe - als Word und Word Perfect um die Marktdominanz kämpften
versuchte jeder, des anderen Formate zu lesen und es möglichst schwer
für ihn zu machen, die eigenen zu lesen. Wie dem auch sei, mit TCPA ist
das Spiel vorbei; ohne Zugriff auf die Schlüssel, oder Möglichkeiten,
den Fritz-Chip zu umgehen war's das dann.
Mitbewerber von den eigenen Anwendungsformaten
auszuschließen war einer der Gründe für die Gründung der
TCPA (siehe hierzu ein Posting von Lucky
Green und seine Website Def Con
für weitere Informationen). Es handelt sich um eine Taktik, die auch
außerhalb der Computerwelt um sich greift. Der Kongress erregt sich
derzeit über Autohersteller, die proprietäre Datenformate nutzen, um
ihre Kundschaft daran zu hindern, Reparaturen bei unabhängigen
Werkstätten erledigen zu lassen. Und die Jungs bei Microsoft sagen, sie
wollen Palladium überall haben, sogar in Uhren. Die ökonomischen
Konsequenzen für unabhängige Unternehmen sind bisher noch gar nicht
absehbar.
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| 15.) |
Kann TCPA nicht geknackt werden? |
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Die anfänglichen Versionen werden für
jeden angreifbar sein, der genug Werkzeuge und Geduld hat, die Hardware zu
cracken (z.B., indem man den unverschlüsselten Datenverkehr auf dem Bus
zwischen der CPU und dem Fritz-Chip abhört). Sobald aber der Fritz-Chip in
Phase zwei in der CPU selbst verschwindet, wird es viel schwieriger. Ernsthafte
Gegner mit genügend Kapital werden ihn auch dann noch cracken können.
Es wird allerdings immer schwieriger und teurer werden.
Zudem wird in vielen Ländern das Cracken des
Fritz-Chips illegal sein. In den USA sorgt bereits der Digital Millennium
Copyright Act (DMCA) dafür, während es in der EU von Land zu Land
verschieden sein kann, je nachdem wie die EU Copyright-Direktive in nationales
Recht übertragen wird.
Zudem wird bereits in vielen Produkten die
Kompatibilitätskontrolle willkürlich mit der Copyrightkontrolle
verbunden. So enthält der Authentifizierungschip der Sony Playstation 2
zugleich auch den Algorithmus zur Entschlüsselung (also zum Abspielen) der
DVDs, so dass Leute, die Reverse Engineering betreiben, für die Umgehung
eines Copyright-Mechanismus nach dem DMCA belangt werden können. Die
Situation wird wahrscheinlich ziemlich heikel - und dies wird große
Firmen mit entsprechend budgetierten Rechtsabteilungen begünstigen.
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| 16.) |
Wie umfassend werden die allgemeinen
ökonomischen Effekte sein? |
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Die Medienindustrie wird ihren Anteil durch die
Verhinderung von Raubkopien machen - rechnen Sie damit, dass Sir Mick Jagger
noch ein bisschen reicher wird. Ich erwarte allerdings, dass sich die
wichtigsten ökonomischen Effekte in einer Stärkung der Position von
Informationsinhabern- und Dienstleistern auf Kosten neuer Marktteilnehmer
äußern werden. Dies mag den Marktwert von Firmen wie Intel,
Microsoft und IBM steigern - aber dies zu Lasten von Innovation und Wachstum.
Eric von Hippel
schreibt, dass die meisten Innovationen, die das
ökonomische Wachstum anregen, nicht von den Herstellern der Plattformen,
auf denen sie basieren, vorhergesehen wurden; zudem verstärkt sich ein
technologischer Wandel im Markt der IT-Produkte und Dienstleistungen meistens
gegenseitig. Gibt man den Platzhirschen die Möglichkeit, andere am
Entwickeln neuer Einsatzmöglichkeiten für ihre Produkte zu hindern,
so wird dies viele Nachteile und kranke Ideen mit sich bringen.
TCPA/Palladium repräsentiert eine
Zusammenballung großer ökonomischer Macht, die großen Firmen
gegenüber kleinen nutzen wird; ähnlich den Autoherstellern, die
Autobesitzer dazu zwingen, Inspektionen nur bei autorisierten Werkstätten
machen zu lassen, werden Palladium-konforme Anwendungen es den großen
Firmen ermöglichen, neben den Gewinnen aus ihrem Kerngeschäft noch
Einnahmen aus den nachgelagerten Märkten abzuschöpfen. Da der
Großteil der Angestelltenzuwächse im mittelständischen Sektor
entsteht, könnte dies Konsequenzen für die Arbeitsmärkte haben.
Zudem könnten regionale Effekte auftreten.
Beispielsweise haben Subventionen die europäische Smartcard-Industrie
gestärkt und dabei andere innovative Technologien in der EU an den Rand
gedrängt. Altgediente Industrielle mit denen ich gesprochen habe, erwarten
einen Einbruch der Smartcard-Verkäufe, sobald in der zweiten Phase der
TCPA die Fritz-Funktionalität in die CPU integriert wird. Gewisse Insider
aus TCPA-Firmen haben mir gegenüber zugegeben, dass die Verdrängung
der Smartcards vom Markt der Authentifizierungsmodelle eins ihrer
Geschäftsziele ist. Viele Einsatzmöglichkeiten, die Smartcard
Hersteller für ihre Produkte vorsehen werden stattdessen von den
Fritz-Chips in Laptops, PDAs und Handys übernommen. Falls dieser
Industriezweig von der TCPA erledigt wird, könnte Europa ein großer
Nettoverlust entstehen. Andere große Bereiche der
Informationssicherheitsbranche könnten als Verluste abgeschrieben werden.
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| 17.) |
Wer wird noch verlieren? |
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In vielen Bereichen wird es zu Umwälzungen der
Geschäftsprozesse kommen mit denen sich Copyright-Inhaber neue
Gewinnmöglichkeiten eröffnen. Ich selbst habe z.B. kürzlich
beantragt, unser brachliegendes Ackerland in einen Garten umzuwandeln; dazu
mussten wir in unserer Verwaltung sechs Kopien einer Karte des Feldes im
Maßstab 1:1250 vorlegen. Früher besorgte man sich für so was
einfach eine Karte aus der öffentlichen Bücherei und kopierte sie.
Nun liegen die Karten auf einem Server der Bücherei, inklusive
Copyright-Schutz, und man kann maximal vier Kopien eines Dokumentes bekommen.
Als Individuum kann ich so was einfach umgehen, indem ich heute vier Kopien
kaufe und einen Freund morgen für die anderen beiden vorbeischicke. Aber
Unternehmen, die viel mit Karten arbeiten, stehen am Ende da und müssen
viel mehr Geld an die Kartenfirmen bezahlen. Das hört sich nach einem
kleinem Problem an; multipliziert man das Ganze aber tausendfach, bekommt man
einen Eindruck von den Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft. Der Nettotransfer
von Einkommen und Vermögen wird wahrscheinlich erneut von kleinen zu
großen und von neuen zu alten Firmen stattfinden.
Dies erzeugt hoffentlich politischen Widerstand. Ein
wohlbekannter englischer Copyright-Anwalt sagte, das Copyright würde nur
deswegen toleriert, weil es nicht gegen die große Masse der unbedeutenden
Copyrightverletzer durchgesetzt werde. Es wird allerdings ein paar sehr
auffällige Pechvögel geben. So wie ich das sehe, werden die für
später dieses Jahr in England anstehenden Copyright-Regelungen die Blinden
daran hindern, ihre Spezialsoftware nach dem Prinzip des Fair-Use zum Lesen von
E-Books zu entfremden. Normalerweise wäre ein solcher bürokratischer
Schwachsinn ziemlich egal, da ihn die Leute ignorieren würden, und die
Polizei wäre clever genug, nicht jeden zu verfolgen. Falls aber die
Copyright-Regelungen mittels Hardwareschutzmechanismen durchgesetzt werden, die
nur mit großem Aufwand geknackt werden können, dann werden die
Blinden als die großen Verlierer dastehen. Viele andere Minderheiten sind
ähnlichen Bedrohungen ausgesetzt.
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| 18.) |
Autsch. Was noch? |
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TCPA wird die General Public License (GPL)
untergraben, unter der viele freie und offene Software vertrieben wird. Die GPL
verhindert, dass private Unternehmen die Früchte gemeinsamer freiwilliger
Arbeit zu Profitzwecken einsacken können. Jeder kann die unter dieser
Lizenz vertriebene Software verwenden oder modifizieren, solange man bei der
Verteilung dieser veränderten Versionen auch den Quellcode mitgibt, so
dass andere wiederum Änderungen an diesem Code vornehmen können.
Wenigstens zwei Firmen haben bisher mit der Arbeit
an TCPA-erweiterten Versionen von GNU/Linux begonnen. Dies umfasst eine
Bereinigung des Codes und das Entfernen einiger Features. Zum Erhalt eines
Zertifikates durch das TCPA Konsortium muß der Sponsor den beschnittenen
Code an ein Labor zu Testzwecken übergeben, ergänzt um einen Haufen
Dokumentation, warum verschiedene bekannte Angriffe auf den Code nicht
funktionieren würden. Die Bewertung erfolgt auf Stufe E3 - teuer genug, um
die Gemeinschaft freier Softwareentwickler draußen zu halten, aber noch
billig genug für die meisten kommerziellen Softwarehersteller, ihren
lausigen Code durchzubekommen. Obwohl diese Software hinterher von der GPL
gedeckt und der Quellcode für jeden zugänglich sein wird, ist die
ganze Palette an TCPA-Features erst dann aktivierbar, wenn man ein, für
den eigenen Rechner gültiges, Zertifikat erworben hat. Dies wird man
bezahlen müssen, wenn nicht zu Anfang dann sicherlich später.
Man wird zwar noch die Möglichkeit haben, den
geänderten Code selber auch noch mal zu verändern, allerdings wird
man dann kein Zertifikat erhalten, das vollen Zugriff auf das TCPA-Subsystem
ermöglicht. Ähnliches gilt für die Linuxvariante, die Sony
für die Playstation 2 anbietet; der Kopierschutzmechanismus der Konsole
verhindert sowohl, dass man ein alternatives Linux Binary laufen lässt,
als auch die Nutzung einiger Hardware Features. Selbst wenn ein Philantrop ein
sicheres unkommerzielles GNU/Linux-System entwickelt, wäre das keine
GPL-Version eines TCPA Betriebssystems, sondern lediglich ein proprietäres
Betriebssystem, das er kostenfrei verteilen würde. Es würde sich
weiterhin die Frage stellen, wer für die Anwenderzertifikate aufkommt.
Die Leute waren überzeugt, dass es
unmöglich für ein Unternehmen sein würde, gemeinschaftlich
entwickelten Code einfach zu stehlen. Das war für viele der Grund, in
ihrer Freizeit freie Software zum Nutzen aller zu entwickeln. Die TCPA wird
dies aber ändern. Sobald der Großteil der PCs auf dem Markt
TCPA-konform ist, wird die GPL nicht mehr so funktionieren, wie sie gedacht
war. Der Hauptnutzen für Microsoft ist nicht der, das freie Software damit
zerstört wird. Es geht vielmehr darum, dass die Menschen erkennen werden,
dass sogar Software unter der GPL zu kommerziellen Zwecken zweckentfremdet
werden kann, woraufhin idealistische junge Programmierer viel weniger motiviert
sind, freie Software zu schreiben.
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| 19.) |
Ich kann mir gut vorstellen, dass mancher sich
darüber aufregen wird. |
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Es gibt da noch viele andere politische Probleme -
die Transparenz der Verarbeitung persönlicher Daten, die in der EU
Richtlinie zum persönlichen Datenschutz festgelegt ist; das Problem der
nationalen Souveränität, ob Copyright-Regelungen von den
Nationalparlamenten, wie derzeit üblich, oder von Firmen in Portland oder
Redmond festgelegt werden; ob Microsoft TCPA zum Ausschalten von Apache
benutzt; und ob die Leute sich mit dem Gedanken anfreunden können, dass
ihr PC tatsächlich unter externer Kontrolle steht - Kontrolle, derer sich
Gerichte oder Regierungsorgane ohne ihr Wissen bemächtigen könnten.
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| 20.) |
Moment mal, ist die TCPA entsprechend dem
Antitrust-Gesetz nicht illegal? |
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Intel hat eine
"Plattformführerschaft"-Strategie ausgefeilt, in der sie die Anstrengungen
der Industrie bündeln, Technologien zu entwickeln, die den PC
nützlicher machen. Intels Verfahrensweise beschreiben Gawer und Cusumano
in
ihrem Buch. Intel gründet ein Konsortium zur
Verteilung der Entwicklungsarbeit an der Technologie, wobei die
Gründungsmitglieder einige ihrer Patente mit einbringen,
veröffentlicht Standards und lizensiert diese Technologie, sobald das
ganze einmal ins Rollen gekommen ist, an Lizenznehmer die ihrerseits alle
kollidierenden Patente kostenlos an alle Konsorten lizensieren müssen.
Als positiver Aspekt dieser Strategie lässt
sich das Wachstum auf dem PC Markt ansehen; der Nachteil ist, dass so jeglicher
Mitbewerber daran gehindert wird, eine starke Position mit jeglicher
Technologie zu erreichen, die Intels Dominanz über PC Hardware bedroht
hätte. Deshalb konnte Intel es sich nicht erlauben, IBM den Microchannel
Bus durchsetzen zu lassen; nicht nur als konkurrierender Kern der PC
Architektur sondern auch, weil IBM kein Interesse daran hatte, die Bandbreite
zur Verfügung zu stellen, die ein Konkurrieren mit High-End-Systemen
ermöglicht hätte. Strategisch betrachtet, gleicht dieser Effekt der
alten römischen Praxis, alle Hütten und Wälder im näheren
Umkreis ihrer Burgen zu zerstören. Keine konkurrierende Architektur ist
nahe Intels Plattform erlaubt; alles muss vereinheitlicht werden. Dies aber
schön, ordentlich und wohl-reguliert: Schnittstellen sollten "offen aber
nicht frei" sein.
Der Konsortium-Ansatz hat sich zu einer sehr
effektiven Methode, die Antitrust-Gesetzgebung zu umgehen entwickelt. Bisher
scheint sich die Obrigkeit nicht allzu viele Sorgen über solche Konsortien
zu machen - so lange wie die Standards für alle Firmen offen und
zugänglich sind. Sie sollte vielleicht ein bisschen cleverer werden.
Sollte Fritz Hollings sein Gesetz durch den Kongress
bekommen wird TCPA natürlich zwingend vorgeschrieben und das Antitrust
Problem wäre dann vom Tisch, zumindest in Amerika. Bleibt zu hoffen, dass
die Europäer mehr Rückgrat beweisen.
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| 21.) |
Wann wird es losgehen? |
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Es hat bereits angefangen, die
Spezifikation
wurde 2000 veröffentlicht. Atmel verkauft bereits einen
Fritz-Chip und obwohl man selbst ein non-disclosure
agreement unterschreiben muß um an die Daten zu kommen, kann man seit Mai
2002 bereits eine Implementation in den Laptops der
IBM Thinkpad Serie erwerben. Einige der bereits in Windows
XP und der
X-Box vorhandenen Features sind bereits TCPA-konform: wenn
man z.B. die Hardware-Konfiguration seines PCs wesentlich ändert,
muß man seine XP-Installation wieder in Redmond aktivieren. Zudem
arbeitet Microsoft bereits seit Windows 2000 daran, alle Treiber zu
zertifizieren; XP beschwert sich, sobald man einen unbekannten Treiber
installiert. Das Interesse der
US Regierung am technischen Standardisierungsprozess nimmt
bereits zu. Der Zug ist schon in Bewegung.
Die Zeitplanung für Palladium ist derzeit
weniger gewiss. Momentan scheint ein Machtkampf zwischen Microsoft und Intel
stattzufinden; Palladium wird auch auf konkurrierender Hardware, wie der von
Wave Systems, laufen und Anwendungen, die
auf der ersten Version von TCPA aufsetzen sollen, müssen für
Palladium umgeschrieben werden. Das Spielchen läuft wohl darauf hinaus,
dass Microsoft allein die sichere Computerplattform der Zukunft kontrollieren
will. Andererseits könnte dies eine Taktik sein, mit der andere Firmen
davon abgehalten werden sollen, auf TCPA basierende Softwareplattformen zu
entwickeln.
Intel und AMD planen anscheinend die kostenlose
Implementation der 2. Generation von TCPA Funktionalität in ihre
Prozessoren. Dies könnte größere Sicherheit bedeuten, zudem
aber auch, dass sie und nicht Microsoft die Entwicklung kontrollieren
würden. Palladium wurde über einen Monat, nachdem ich auf der am 20.
Juni stattfindenden Open Source
Software Economics Konferenz ein Papier vorstellte, angekündigt.
Dieser Aufsatz
kritisierte die TCPA als wettbewerbshindernd, was sich durch die
Veröffentlichungen in letzter Zeit ja mehr als bestätigt hat.
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| 22.) |
Was ist TORA BORA? |
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Das scheint ein interner Witz bei Microsoft zu sein,
siehe hierzu die Ankündigung von Palladium.
Die Idee ist, dass eine Trusted Operating
Root Architecture
("vertrauenswürdige Systemarchitektur", also Palladium) den
Break Once Run
Anywhere-Ansatz ("einmal geknackt läuft es
überall") vereiteln würde; dies bedeutet, dass ein Inhalt nur ein
einziges Mal geknackt werden muß, um danach von jedem im Netz verteilt
werden zu können.
Seither scheint ihnen aufgefallen zu sein, dass
dieser Witz schlechten Geschmack beweist. Bei meinem Gespräch mit
Microsoft Research am 10. Juli lautete der geänderte Slogan
BORE-Widerstand wobei BORE für Break
Once Run Everywhere
steht.
Übrigens bezeichnete der Sprecher das
Einfügen von Wasserzeichen zu Copyrightzwecken als "Inhaltskontrolle", ein
Begriff, der bisher im Zusammenhang mit dem Schutz Jugendlicher vor
Pornographie verwendet wurde: die Marketingmaschine läuft anscheinend auf
vollen Touren, um neue Euphemismen auszubrüten! Er teilte uns zudem mit,
dass es nur auf vertrauenswürdigen Betriebssystemen laufen würde. Als
ich ihn fragte, ob dies dazu diene, Linux loszuwerden, antwortete er, die
Linuxanwender müssten dazu gebracht werden, Inhaltskontrolle anzuwenden.
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| 23.) |
Aber ist ein sicherer PC nicht eine tolle Sache? |
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Die Frage ist: sicher für wen? Man kann es
begrüßen, sich keine Sorgen wegen Viren machen zu müssen, aber
weder TCPA noch Palladium werden das hinbekommen: Viren nutzen es aus, dass
Softwareanwendungen (wie Microsoft Office und Outlook) Scripting verwenden. Man
kann sich über Spam ärgern, aber der wird auch nicht aufhören.
Microsoft weißt zwar darauf hin, dass man dies durch Filtern aller
unsignierter Mails erreichen kann - aber die Spammer werden einfach auch TCPA
PCs verwenden. Man würde also besser fahren, indem man sein aktuelles
Mailprogramm so konfiguriert, dass Mail von Unbekannten in einen bestimmten
Ordner verschoben wird, den man einmal pro Tag überfliegt. Man könnte
sich Sorgen um seine Privatsphäre machen aber weder TCPA noch Palladium
werden diese schützen; so ziemlich alle Verletzungen der Privatsphäre
resultieren aus dem Missbrauch autorisierten Zugriffes, für den man sich
die Zustimmung erzwungen hat.
Nur weil man plötzlich einen "sicheren" PC
einsetzt, wird die Krankenversicherung jedenfalls nicht damit aufhören,
die Zustimmung des Versicherungsnehmers zu verlangen, seine private Daten
weiterhin dem Arbeitgeber oder jedem sonst, der dafür zu zahlen bereit
ist, verkaufen zu dürfen. Im Gegenteil, sie werden sie sogar noch an viel
mehr Leute verkaufen, da die Computer dann ja "vertrauenswürdig" sein
werden.
Ökonomen haben festgestellt, dass die
Herstellung "grüner" Produkte oft die Verschmutzung erhöht, weil
Menschen lieber grün als weniger kaufen; wir werden wahrscheinlich das
Äquivalent einer sogenannten "social choice trap" im Bereich der
IT-Sicherheit erleben. Dazu kommt noch, dass TCPA durch Erweiterung und
Festigung der Monopole die Preisdiskriminierung vorantreibt und so auch die
Verwendung persönlicher Daten zur Profilerstellung.
Die bisher wohlmeinendste Sichtweise legte ein
Microsoftforscher dar: es gibt ein paar Anwendungen, für die man die
Anwendungsmöglichkeiten der Benutzer beschränken möchte. Man
möchte beispielsweise sichergehen, dass ein Besitzer den Tachometer nicht
manipulieren kann, wenn er sein Auto weiterverkaufen will. Ähnlich ist es,
wenn man DRM einsetzen will, man muß den Nutzer als den Feind betrachten.
Denkt man in diesen Kategorien, so bieten TCPA und
Palladium keine Sicherheit für den Benutzer sondern für PC
Hersteller, Softwareanbieter und die Contentindustrie. Sie bieten keinen
Mehrwert für den Benutzer sondern zerstören ihn. Sie schränken
die Anwendungsmöglichkeiten für den PC ein und ermöglichen es so
den Serviceanbietern, mehr Geld von einem abzuschöpfen. Dies ist die
klassische Definition eines Kartells - eine Vereinbarung der Industrie, die die
Handelsbedingungen so verändert, dass die Konsumentenrente verringert
wird.
Zweifellos wird Palladium in ein Bündel neuer
Features verpackt, die das Paket kurzfristig als lohnend erscheinen lassen,
aber die langfristigen ökonomischen, sozialen und legalen Folgen geben
Anlaß zu ernsthaften Bedenken.
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| 24.) |
Warum spricht man dann vom "vertrauenswürdigen
Computereinsatz"? Ich wüßte nicht, was daran vertrauenswürdig
ist! |
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Das ist eigentlich ein Insiderwitz. Das US
Verteidigungsministerium versteht unter einem "vertrauenswürdigen" System
ein solches, das "die Sicherheitsrichtlinien durchbrechen kann". Dies klingt
erst mal widersprüchlich, aber wenn man darüber nachdenkt, wird es
einem klar. Der gesicherte Mailserver oder die Firewall, die zwischen einem
geheimen und einem streng geheimen System stehen, können - falls sie
überwunden werden - die gesamten Sicherheitsrichtlinien untergraben, die
besagen, dass die Mail immer nur vom geheimen zum streng geheimen System aber
nie in die andere Richtung gehen soll. Sie werden daher als
vertauenswürdig angesehen, die Richtlinie zum Informationsfluss
durchzusetzen.
Oder nehmen wir ein ziviles Beispiel: nehmen wir an,
sie vertrauen darauf, dass ihr Arzt ihre Krankenakte unter Verschluss
hält. Dies bedeutet, dass er Zugang zu ihren Daten hat und sie an die
Presse weitergeben könnte, wenn er sorglos oder boshaft wäre. Sie
vertrauen mir ihre Akten nicht an, denn ich habe sie nicht; egal ob ich sie mag
oder hasse, ich könnte nichts tun, um zu erreichen, dass ihre Daten
veröffentlicht würden. Ihr Arzt kann das aber; und die Tatsache, dass
er in einer Position ist, ihnen Schaden zuzufügen, ist genau was (auf
Systemebene) damit gemeint ist, wenn sie sagen, dass sie ihm vertrauen. Sie
könnten bei ihm ein gutes Gefühl haben, oder vielleicht müssten
sie ihm einfach nur deswegen vertrauen, weil er der einzige Arzt auf ihrer
Insel ist. Es ist völlig egal, die Definition von "Vertrauen" des US
Verteidigungsministeriums wischt all diese unklaren, emotionalen Aspekte, die
Menschen bei diesem Begriff verwirren könnten, beiseite.
Man erinnere sich an Al Gores Vorschlag Ende der
neunziger Jahre, in denen über Regierungskontrolle der Kryptographie
diskutiert wurde, zur Einsetzung eines "vertrauenswürdigen Dritten" - eine
Institution die einen Zweitschlüssel sicher aufbewahren sollte, für
den Fall, dass FBI oder NSA ihn brauchen würde. Die Bezeichnung wurde
genauso als Marketinggag verlacht wie der Name "Demokratische Republik"
für die ostdeutsche Kolonie Rußlands. Dies ist im Einklang mit der
Denkweise des US Verteidigungsministeriums. Ein vertrauenswürdiger Dritter
ist jemand, der meine Sicherheitsrichtlinien umgehen kann.
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| 25.) |
Ein "vertrauenswürdiger Computer" ist also
einer, der meine Sicherheit untergräbt? |
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Nun haben Sie's kapiert! |
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© 2002 by
Moon -
Korrekturvorschläge erwünscht |
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