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05.01.2003 unbekannt  
Kontrolle der Nahrungskette

Die Terminator-Technologie

Die Leute, um die es in diesem Kapitel geht, sind wahrscheinlich brave Familienväter; sie gehen vermutlich in die Kirche und glauben an einen liebevollen Gott; sie folgen wohl den üblichen Geschäftspraktiken. Warum also werden sie gefürchtet?

Die "Terminator-Technologie" war eine logische Geschäftsidee. Statt Anwälte dafür zu bezahlen, dass sie Bauern verklagen, wenn diese patentiertes Saatgut aus der letzten Ernte zurückbehalten und wieder aussäen ("nachbauen", vgl. letztes Kapitel), konnte man das Saatgut auch genetisch so programmieren, dass es gewissermaßen Selbstmord beging. Dadurch fielen die Erträge zwar etwas geringer aus, und man verbesserte auch nicht unbedingt die Fähigkeiten der Menschheit im Bereich der Pflanzenzucht, aber Monsantos Freunde im United States Department of Agriculture (USDA), dem amerikanischen Landwirtschaftsministerium, halfen gerne. Wir wollen sie hier zitieren:

Monsanto: "Die Terminator-Technologie wird wichtige weltweite Saatgutmärkte, wo heute das Saatgut noch aus der letzten Ernte abgezweigt und im nächsten Jahr ausgesät wird, für den Verkauf transgener Produkte öffnen."

Willard Phelps, Sprecher der US-Regierung: "Die wichtigste Funktion der Terminator-Technologie besteht darin, den Wert des patentierten Saatguts im Besitz der US-Saatgutfirmen zu erhöhen und neue Märkte in Ländern der Zweiten und Dritten Welt zu eröffnen."

Melvin J. Oliver, USDA-Wissenschaftler und an kein Unternehmen gebunden, erklärt: "Unsere Mission besteht darin, die US-Landwirtschaft zu schützen und uns angesichts der internationalen Konkurrenz wettbewerbsfähig zu machen. Und es gibt keine andere Möglichkeit, patentiertes Saatgut zu schützen."

Nachdem die Pläne weltweit für massiven Ärger gesorgt haben, hat sich Monsanto zunächst bereit erklärt, die Markteinführung des Terminator-Saatguts zu verschieben, bis weitere Untersuchungen über die ökologischen, ökonomischen und sozialen Folgen abgeschlossen wären. Widerwillig haben sie zugegeben, dass "wir ein gewisses Maß an öffentlicher Akzeptanz für unsere Geschäfte brauchen." Dennoch wurde an der Weiterentwicklung gearbeitet und man sicherte sich in vielen Ländern die Patente.

Andere Firmen stellen das Wohl der Pflanzen zugunsten kommerzieller Vorteile ebenfalls auf den Kopf:

  • AstaZeneca (inzwischen mit Novartis zur Syngenta verschmolzen) entwickelt Saatgut, das erst aufgeht, wenn es mit den firmeneigenen Chemikalien behandelt wird.

  • Novartis (Syngenta) entwickelt sogar Pflanzen, deren natürliche Resistenzen gegen Viren und Bakterien beseitigt wurden.
  • Pflanzen, die steril sind, Pflanzen, die ohne Chemikalien sterben, Pflanzen, die keine Widerstandskraft gegen Krankheiten haben – sie gehören zu den Errungenschaften der Biotechnologie-Konzerne. Und die Firmen behaupten, Patente auf Leben seien notwendig, damit ein Unternehmen in diese Forschung investieren könne.

    Aber das ist noch nicht alles. Kontrolle über die menschlichen Nahrungsquellen ist nur ein Teil von Monsantos Ambitionen. Um Bob Shapiro, bis zum Aufkauf durch Pharmacia Upjohn Ende 2000 Vorstandsvorsitzender von Monsanto, zu zitieren: "Es ist wirklich ganz einfach, jede Menge Geld mit den menschlichen Grundbedürfnissen zu verdienen: Nahrung, Obdach, Kleidung."

    "Was Sie hier sehen", sagte Robert Farley von Monsanto 1998, nachdem er die Übernahme von Saatgutfirmen aus aller Welt beschrieben hatte, "ist nicht nur eine Konsolidierung von Saatgutfirmen, sondern wirklich eine Konsolidierung der gesamten Nahrungskette. Da Wasser für die Nahrungsmittelproduktion ebenso zentral ist wie Saatgut, versucht Monsanto jetzt, das Wasser unter Kontrolle zu bekommen. Wir planen, einen neuen Geschäftszweig mit Wasser aufzubauen, zunächst in Indien und Mexiko, weil in diesen beiden Ländern das Wasser knapp wird. Das sind die wichtigsten Märkte für uns als Life-Science-Unternehmen, das der Welt Nahrung, Gesundheit und Hoffnung geben will. Dort liegen unsere Chancen, gute Geschäfte zu machen."

    Aus einem Monsanto-Strategie-Papier: "Wir sind begeistert über das Potential einer Partnerschaft mit der Weltbank in Joint-Vénture-Projekten auf sich entwickelnden Märkten. Die Bank hat großes Interesse an einer Zusammenarbeit mit Monsanto."

    Viele Inder interpretieren das so, dass Monsanto oder seine Nachfolgeunternehmen die lebenswichtigen Ressourcen auf dem indischen Subkontinent unter ihre Kontrolle bringen wollen und dabei ihre Investitionen aus öffentlichen Mitteln (der Weltbank) finanzieren. Die indische Landwirtschaft wäre dann abhängig von der Gnade eines privaten Unternehmens, das lediglich Profitinteressen verfolgt.

    Im Jahre 2025 wird Indien mehr Wasser brauchen, als dann auf dem Subkontinent zur Verfügung steht. Die Krise wird sogar noch größer werden, wenn die Gletscher im Himalaya, die im Sommer den Indus und den Ganges speisen, weiter abschmelzen. Es gibt Prognosen, die davon ausgehen, dass diese Gletscher in 35 Jahren verschwunden sein werden. Der Grundwasserspiegel in den meisten indischen Staaten fällt um 1 Meter pro Jahr. Wasserversorgungsunternehmen werden mehr an der Industrie als an armen Bauern und der durstigen Landbevölkerung interessiert sein.

    Literaturtips: Beatrix Tappeser: Welternährung und Gentechnologie. Praxis und ethische Beurteilung, Wichern, Berlin 1998

    Michael Emmerich: Im Zeitalter der Bio-Macht. 25 Jahre Gentechnik – Eine kritische Bilanz, Mabuse/PRO, Frankfurt 1999

    Web-Adressen:

    www.monsanto.de

    www.gen.de/argument/texte/_termin/f_termin.html.




Hinweis eines Lesers:
Auch wenn Sie nicht der Autor sind, sollten Sie im Sinne Ihres Credo daran interessiert sein, daß diese Aussage Unsinn ist.   Es gab schon immer sterile Einzelpflanzen (die sich als pollenstrile Pflanzen durch Fremdbestäubung aus nicht-sterilen Pflanzen dennoch weiterentwickeln konnten), wobei Sterilitäten seit jeher auch vererbbar sind. Die Vermehrung,steriler Pflanzen  z.B. durch Zellkultur ist eine technisch handwerkliche Angelegenheit, die selbst in studentischen Praktika zu bewältigen ist.


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