Gegen das «Herabsinken der
israelischen Gesellschaft in einen Morast der Gewalt und
Brutalität»
In Israel hat sich eine neue Gruppe zu
Wort gemeldet, die sich «Forum von Holocaust-Überlebenden und ihrer
Nachkommen zur Verhinderung des Niedergangs des israelischen Humanismus»
nennt. Ende letzten Jahres hat sie eine Petition lanciert.
«Palästinensischer Terror ist ein verabscheuungswürdiges
Verbrechen», heisst es in der Petition von Zvi Gil, dem Koordinator des
Forums, und dem Journalisten Raoul Teitelbaum. Diesem klaren Statement folgt
die Erklärung, dass «wir kein reines Gewissen haben können
angesichts der massenhaften, willkürlichen Zerstörung von
Häusern der Zivilbevölkerung, den entwurzelten Olivenbäumen und
dem Erdboden gleich gemachten Obstplantagen. Wir können die weitreichenden
Unterbrechungen des täglichen Lebens und die Misshandlungen an den
Checkpoints nicht akzeptieren, egal ob sie aus Selbstzweck oder aus anderen
Gründen erfolgen.»
Seit die Petition am 15. Dezember
2002 in Umlauf gebracht worden ist, haben jeden Tag Dutzende von
Holocaust-Überlebenden und ihre Nachkommen ihren Namen hinzugefügt.
Sie sind sich darin einig, dass «die israelische Gesellschaft in einen
Morast von Gewalt und Brutalität, der Missachtung der Menschenrechte und
der Geringschätzung des menschlichen Lebens hinabsinkt». Und sie
stimmen darin überein, dass «die Herrschaft über ein anderes
Volk gegen seinen Willen den Lektionen des Holocausts im moralischen, humanen
und politischen Sinn widerspricht».
Unter den Unterzeichnern sind so
bekannte israelische Persönlichkeiten wie die Professorin Hannah Jablonsky
von der Ben-Gurion-Universität, Negev, eine der weltweit führenden
Forscherinnen zum Thema Holocaust-Überlebende, und Aryeh Barnea, der
Direktor des Gymnasiums Herzlia und Gründer von Lapid, einer Bewegung von
Holocaust-Forschern.
Zvi Gil sagt, dass die Autoren Savyon
Liebricht und Miriam Akiva die Petition unterzeichnet haben sowie die
Schauspieler Gila Almagor und Shmuel Atzmon. Nava Semel, Ofra Gelbert-Avni,
Benny Handel, Dr. Gad Kenar und Dr. Yehudith Feuer sind alle dem Aufruf
«auf der Grundlage der grausamen Lektionen des Lebens, die wir
durchgemacht haben» gefolgt, damit Israel sich selbst von der Besetzung
befreie.
Alle beziehen sich auf den Holocaust
als «ein Element der israelischen Identität» und warnen, dass
der Konflikt mit den Palästinensern nicht nur aus Israel ein Land macht,
in dem es gefährlich ist zu leben, sondern dass er auch die jüdischen
Gemeinden auf der ganzen Welt gefährdet.
Die Organisatoren der Petition
verlangten ein Treffen mit dem damaligen Generalstabschef Shaul Mofaz, um ihm
ihre Sicht darzulegen. Sie erhielten nie eine Antwort.
Quelle: Haaretz vom
31.12.2002
***
rw. Israelische
Holocaust-Überlebende und ihre Nachkommen verlangen, dass der israelische
Staat aufhört, die Palästinenser mit brutaler Gewalt zu
unterdrücken, zu misshandeln und ihnen ihre Lebensgrundlagen gezielt zu
zerstören. Diese Unmenschlichkeiten können sie, obwohl sie selber den
Holocaust durchgemacht haben, mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren. Eine
Haltung, die vorbildlich ist und die denjenigen ins Stammbuch geschrieben
werden müsste, die mit dem Holocaust gegenüber dem jüdischen
Volk die territoriale Expansionspolitik Israels, das heisst die
völkerrechtswidrige israelische Besetzung des Landes der
Palästinenser, rechtfertigen.
Artikel 7: Zeit-Fragen Nr.1
vom 13. 1. 2003, letzte Änderung am 14. 1. 2003 |