Scharon u. die Siedler zerstören palästinensische
Infrastruktur
Scharon u. die Siedler zerstören palästinensische
Infrastruktur9 palästinensische Bauern wurden zur
nächstgelegenen (israelischen) Militärbasis verfrachtet. Dort
angekommen, wurden sie von den Soldaten angesprungen. Man fesselte ihnen die
Hände auf den Rücken u. verband ihnen die Augen mit einem Stück
Tuch. Dann brachte man sie an einen abgelegenen Ort innerhalb der Basis u. wies
sie an, sich auf den Boden zu setzen. Die Soldaten bedrohten u. beschimpften
sie stundenlang. Wagte einer der Bauern, zu fragen, weshalb sie überhaupt
hier wären oder bat er darum, auf die Toilette zu dürfen oder
beklagte sich sonstwie, wurde er getreten, geschlagen, oder man drückte
ihn nach unten, mit dem Kopf gegen den Boden. Das einzige Verbrechen dieser
Bauern: Sie hatten - vergebens - versucht, ihre Äcker zu pflügen;
dafür sperrte man sie jetzt ein.
Dieser Vorfall ist Teil einer
laufenden Kampagne der israelischen Regierung u. der jüdischen Siedler.
Hauptziel dieser Kampagne ist es, die Existenzgrundlage der okkupierten
Palästinenser so zu unterminieren, dass diese sich gezwungen sehen, sich
den israelischen Forderungen zu beugen u. den Anspruch auf ihr eigenes Land
aufzugeben. Dies ist der Kampf gegen Tzumud (palästinensischer
Begriff für: enge, zähe Verbundenheit mit seinem Land,
seiner Heimat). Den ganzen letzten Sommer über hatten (jüdische)
Siedler - oftmals unterstützt durch israelisches Militär - versucht,
die Olivenernte sowie die Ernte der Trauben u. der übrigen
(Feld-)Früchte zu verhindern. Und jetzt, da die Zeit gekommen ist, die
Äcker zu bestellen, werden viele Palästinenser daran gehindert, auf
ihre Felder zu gehen. Wenn diese Obstruktionsstrategie Erfolg haben sollte,
wird es im Frühjahr keine Ernte geben. Der Vorfall, (von dem oben die Rede
war) nahm Ende November seinen Anfang, als die palästinensischen Einwohner
Süd-Hebrons damit begannen, ihre Äcker zu pflügen. Kaum hatten
die Bauern nämlich mit dem Pflügen ihrer Felder in der Nähe
einer jüdischen Siedlung begonnen, kamen die Siedler u. schikanierten sie,
das Millitär verhaftete die Bauern u. hielt sie für mehrere Stunden
fest. An diesem Punkt hatten sich die Palästinenser entschlossen, Kontakt
mit der Israeli Civil Administration (Zivile Israelische
Administration) aufzunehmen, um ihre Pflügarbeiten mit ihr zu koordinieren
- man hatte die Hoffnung, die israelische Administration werde die Bauern vor
den Schikanen der jüdischen Siedler schützen. Darüberhinaus
nahmen die Bauern Kontakt zu der arabisch-jüdischen
Partnerschaftsorganisation Taayush auf* u. baten sie,
für sie zu intervenieren. Die Zeit drängte. Es musste ja
ausgesät werden, noch bevor die Regenperiode einsetzte. Die Tage
vergingen. Schon nahte Silvester, u. noch immer kein Wort, keine Reaktion, von
Oberstleutnant Tarek, dem Kommandanten der Zivilen Administration in der
Region. Die Taayush-Aktivisten intervenierten im Namen der
Palästinenser. Man teilte ihnen mit, die Palästinenser sollten
mitsamt den Trekkern auf ihre Feldern kommen, die Zivile Adminstration werde
sich dort mit ihnen treffen. Die Bauern kamen Tag für Tag, aber immer
wurden sie vertröstet: Kommt morgen wieder, heute klappt es
nicht. Zuletzt drohte die palästinensische Seite der Zivilen
Administration, man werde den Obersten Gerichtshof anrufen, sollte nicht
umgehend ein Termin festgesetzt werden. Daraufhin informierte (die Zivile
Administration) die Bevölkerung, sie könne am 1. Februar, einem
Samstag, auf die Felder kommen u. pflügen. Inzwischen waren mehr als zwei
Monate vergangen u. die Zeit zum Pflügen schon fast
vorüber.
Oberstleutnant Tarek traf erst gegen 10 Uhr ein. Aber
anstatt vor Ort zu bleiben u. die Palästinenser zu beschützen, teilte
er ihnen nur kurz mit, sie könnten jetzt anfangen pflügen u.
verschwand dann wieder. Trotz des späten Starts konnten die
Palästinenser zunächst ohne Störung arbeiten - bis gegen 12 Uhr.
Dann kamen jüdische Siedler aus der Siedlung Susya - in Begleitung von
Soldaten. Sie schwangen Gewehre u. zwangen die Palästinenser, mit ihrer
Arbeit aufzuhören. Dabei verprügelten sie einige. Sofort riefen
Taayush-Leute die Zivile Administration sowie die Polizei an.
Sie sollten umgehend auf die Felder kommen. Auch die Aktivisten entschlossen
sich einvernehmlich, hinzufahren - trotz des Umstands, dass die ganze
Süd-Westbank zur militärischen Sperrzone erklärt worden war -,
die Aktivisten stellten fest, dass es ihnen nicht gelang, respektive nicht
gelingen konnte, in die Region vorzudringen. Die Abriegelung der Gebiete zeigt
uns wiedermal: unser Verdacht, alle Taayush-Aktivitäten
würden geheimdienstlich überwacht, ist durchaus
begründet.
Ein Auto mit 5 Aktivisten schaffte es dennoch
durchzukommen - via Umgehungsstraße. Sie trafen genau in dem Moment ein,
als die Zivile Administration die 9 palästinensischen Bauern samt ihrer 4
Traktoren in Gewahrsam nahm. Man brachte sie in eine 3 km entfernte
Militärbasis. Die übrigen Taayush-Mitglieder wurden
von der Polizei etwa einen Kilometer vor den Feldern gestoppt. Die Aktivisten
sprangen aus ihren Fahrzeugen u. liefen auf jene 5 Aktivisten zu, die bereits
bis zu den Palästinensern vorgedrungen waren. Zu der Zeit war lediglich
ein einziger Polizei-Van vor Ort. Also konnten die Polizisten nicht alle
Aktivisten stoppen; sie schaffte es aber, 3 von ihnen zu verhaften. Die meisten
aus der Gruppe setzten ihren Fußmarsch fort. Einige wenige blieben aber
an der Straßensperre zurück, um aufzupassen, dass ihre verhafteten
Mitglieder nicht weggebracht wurden. Sie setzten sich protestierend u. im Kreis
um den Polizei-Van. Massive Polizeiverstärkung wurde angefordert -
inklusive Spezialeinheiten u. gepanzerte Fahrzeuge. Diese Kräfte waren
umgehend vor Ort u. stoppten die Aktivisten, die mittlerweile zu Fuß bis
auf ungeführ 350 Meter an die Palästinenser rangekommen waren. Die
Taayush-Aktivisten handelten mit der Polizei ein Abkommen
aus: Sie würden sich zurückziehen, sollten ihre 5 Mitaktivisten
(inzwischen waren nämlich 2 weitere auf dem Weg zu den Feldern verhaftet
worden) sowie die 9 Palästinenser samt ihrer Traktoren wieder freikommen.
Mittlerweile sammelten die 5 Aktivisten, die schon vorher durchgekommen waren,
eidesstattliche Erklärungen der Palästinenser. Einige
Palästinenser waren von den Siedlern verprügelt worden. Die
Palästinenser erzählten, wie sie plötzlich von einer Gruppe
Siedler angegriffen worden waren, während sie gepflügt u. gesät
hätten. Eine junge Palästinenserin war dabei mit einem Gewehr
geschlagen worden. Die 5 Aktivisten setzten sich mit der Knesset-Abgeordneten
Zahava Galon in Verbindung, die daraufhin Oberstleutnant Tarek anrief. Er
versicherte der Abgeordneten, die Palästinenser würden binnen kurzem
wieder freigelassen u. erhielten auch ihre Traktoren zurück. Sie
könnten ihre Felder am folgenden Tag weiterpflügen. Aber auch diesmal
log Tarek - wie sich herausstellen sollte. Zudem: Abmachung war ja gewesen,
Tarek sollte bei den Palästinensern bleiben, bis diese mit ihrer Arbeit
fertig wären, um sie zu beschützen. Um diesen Bruch seiner Abmachung
zu kaschieren, beschuldigte Oberstleutnant Tarek jetzt (gegenüber Galon)
die Palästinenser. Es ist schließlich immer das Einfachste, die
Schuld auf das Opfer zu schieben. Weder hatte Oberstleutnant Tarek dafür
Sorge getragen, dass die Siedler sich nicht nähern konnten, noch nahm er
jetzt die Verantwortung für seine Abwesenheit auf sich, stattdessen erfand
er diese Story: die Palästinenser hätten außerhalb der Grenzen
gepflügt. Daher trügen sie die Schuld an allem, was passiert sei. Die
Palästinenser, die man über 2 Monate mit Gewalt vom Pflügen
ihres eigenen Landes abgehalten hatte - u. die jetzt sogar noch verprügelt
u. verhaftet worden waren, nachdem man ihnen endlich die Erlaubnis, ihr Land zu
pflügen, erteilt hatte -, diese Leute wurden nun also auch noch
beschuldigt, an der ganzen Situation schuld zu sein. Und das alles nur, weil
ein Offizier der Zivilen Administration verantwortungslos gehandelt hatte u.
dies vertuschen wollte bzw. weil er die jüdischen Siedler nicht verprellen
wollte - die Siedler sind ohnedies die wahren Herrscher der Region.
Nach
der Zusage an Zahava Galon u. der Zusage der Polizei, die verhafteten
Aktivisten wieder freizulassen, beschlossen die Taayush-
Aktivisten, sich zurückzuziehen. In etwa 1 km Entfernung von den Feldern
erwarteten sie die Freilassung der 9 Palästinenser. Eine Menge Polizei u.
Militär wartete mit ihnen.
Gegen 14 Uhr...
... nach weiteren
Verhandlungen u. Tareks Versprechen, die Palästinenser binnen Stundenfrist
freizulassen, zog sich ein Teil der Gruppe noch weiter zurück. Nur 5
Aktivisten blieben in der Nähe der Siedlung Susya zurück. 4
Polizei-Vans mit 25 Polizisten warteten ebenfalls. Weitere 2 Stunden
später teilte der verantwortliche Polizeiführer, Moshe Moshe, den
Aktivisten mit, man habe die Palästinenser inzwischen in die
Polizeistation von Hebron gebracht. Er versprach den Aktivisten, die
Palästinenser würden nun sehr bald freikommen. Gegen 16.30 Uhr
beschlossen die 5 verbliebenen Taayush-Aktivisten,
eigenhändig zur Polizeistation Hebron zu fahren u. nach dem Verbleib der
Palästinenser zu forschen. Zudem wollten sie gegen Oberstleutnant Tarek u.
die Siedler Beschwerde einreichen. Als man in Hebron ankam, war es bereits
dunkel. Die Aktivisten schafften es aber noch , ihre Beschwerde einzureichen -
von den Palästinensern keine Spur. Moshe Moshe unternahm den erneuten
Versuch, herauszufinden, wo diese geblieben waren. Diesmal allerdings mit dem
Ergebnis, so teilte er den Aktivisten mit, die Palästinenser befänden
sich nach wie vor in der Militärbasis bei den Feldern. Der
Freilassungsprozess sei aber bereits in vollem Gange. 20 Minuten später
gelang es den Aktivisten endlich, Kontakt mit einem der festgehaltenen
Palästinenser herzustellen. Der Palästinenser erzählte, wie man
sie in die Militärbasis gebracht hatte. Er erzählte auch, wie man sie
in eine Ecke gesetzt hatte, mit auf den Rücken gefesselten Händen u.
einem Stück Tuch um die Augen. 6 ganze Stunden mussten sie so in der Ecke
auf dem Fußboden ausharren. Soldaten hatten sie immer wieder
willkürlich getreten, sie bedroht u. beschimpft. Ihre 4 Traktoren hatte
man ihnen nicht zurückgegeben. Die blieben in Verwahrung.
Aber
damit nicht genug. Am nächsten Tag meldeten sich die Palästinenser
erneut bei Taayush, um uns mitzuteilen, die Siedler
hätten nun auch noch ihre Felder übernommen u. damit begonnen,
Bäume anzupflanzen - also exakt auf jenem Land, das die Bauern seit
nunmehr 2 Monaten versuchten zu bepflügen. Und es war auch exakt jenes
Land, von dem die Zivile Administration noch einen Tag zuvor gesagt hatte -
versprochen hatte - es sei freigegeben zum sicheren
Bepflügen. Die Palästinenser, die zur Militärbasis gingen, um
ihre Traktoren abzuholen, wurden erneut gefesselt, u. man verband ihnen auch
wieder die Augen, bevor man sie stundenlang festhielt. Dann wurden sie wieder
freigelassen. Das Militär zeigt sich somit entschlossen, sämtliche
Bemühungen der Palästinenser, ein normales Leben zu führen, im
Keim zu ersticken.
Falls Sie mehr über Taayush
erfahren oder unsere Aktionen in Süd-Hebron unterstützen wollen:
http://www.taayush.org/
Anmerkung d.
Übersetzerin
*zu den Taayush-Aktionen siehe auch
unser ZNet-Artikel: Taayush-Aktivisten auf dem Weg zur Feldarbeit
von Siedlern angegriffen, von Aviad Albert.
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