Vor einem Jahr begann in Den Haag der Prozeß gegen
Slobodan Milosevic Mit dem Prozeß gegen Slobodan Milosevic, der vor
einem Jahr begann, meinte die sich im Monopolbesitz der modernen Kommunikation
befindliche westliche Wertegemeinschaft, der Aggression gegen Jugoslawien einen
letzten Triumph hinzufügen zu können. Doch der Schauprozeß
platzte schon nach eineinhalb Tagen. Ab da fand ein Wegschauprozeß statt.
Es dürfte wohl so sein, daß Lügenerfinder dazu verdammt
sind, früher oder später ihren eigenen Lügen Glauben schenken zu
müssen. Anders ist das Desaster nicht zu erklären, das die
politischen und juristischen Betreiber dieses Tribunals und ihre medialen
Hofschranzen gleich zu Prozeßbeginn hinnehmen mußten. In Den Haag
trat nicht der »Slobo« auf, den sie sich über all die Jahre
zurechtgelogen hatten, nicht der Widerling, nicht der rücksichtslose
Machtpolitiker, der, sobald der Macht verlustig gegangen, zu einem
Häuflein Elend zusammensackt, sprachlos geworden, oder um Gnade winselnd.
In Den Haag nahm eine Persönlichkeit die Herausforderung eines gewaltigen
Gerichtsapparates an. Schon in seinem ersten Statement wurde der Angeklagte zum
Ankläger. Das war der modernen Mediengesellschaft nicht länger
zuzumuten. Gleich am zweiten Prozeßtag verbannte die virtuelle
Realität die Realität aus der öffentlichen Wahrnehmung. Das
Tribunal, das zur Reality-Show hätte werden sollen, versank im medialen
Dunkel des Mittelalters. Im Dunkel von Den Haag kämpft Milosevic
inzwischen um sein physisches Überleben.
Am 12. Februar 2002
begann der illegale Prozeß gegen Milosevic. Ein Jahr danach läuft
der Countdown zum illegalen Krieg gegen den Irak. Man sollte sich des
Zusammenhanges bewußt werden. |