Zurück zur Seite vorher


Seitenzugriffe seit dem 03.07.2006293

Druckversion dieser Seite

Diese Information an einen Freund senden

 
Wie beurteilen Sie diesen Artikel Wie beurteilen Sie die Quelle dieses Artikels
Hier können Sie Ihren persönlichen Kommentar eingeben,
bzw. Kommentare von anderen Besuchern lesen
Kommentare
bisher
0
Infos von  www.das-gibts-doch-nicht.info
24.02.2003 Klaus Fischer Junge Welt
Unaufhaltsam
Nach den Bomben fallen die letzten Hemmungen. Irak-Krieg zielt auf Neuaufteilung der Welt
 
Das US-Verteidigungsministerium hat der französischen Regierung wirtschaftliche Interessen bei ihrer Suche nach einer diplomatischen Lösung in der Irak-Krise vorgeworfen. Frankreich wolle einen Krieg gegen Irak vermeiden, um seine »vorteilhaften Beziehungen« zu Bagdad nicht zu gefährden, sagte Pentagon-Berater Richard Perle in einem Interview mit der britischen Zeitung The Observer vom Sonntag. Da ist etwas dran. Ganz offensichtlich verfolgen die Regierungen Frankreichs und auch Deutschlands mit ihrer Politik in erster Linie eigene langfristige Wirtschaftsinteressen. Allerdings tun das die USA auch. Im Gegensatz zu der reinen Defensivposition des »alten Europa« streben Bush und seine willigen Helfer jedoch aktiv eine Neuaufteilung der Welt an.

Selbstverständlich geht es beim Irak-Krieg wirtschaftlich um die Kontrolle der strategischen Ölreserven in der gesamten Region. Ebenso selbstverständlich ist, daß es für die Erlangung dieser Kontrolle einer grundlegenden Änderung dessen bedarf, was sich so schön internationales und Völkerrecht nennt. Gelingt es Washington nicht, die UNO – und hiervon hauptsächlich den Sicherheitsrat – zu instrumentalisieren, wird die Position »wir tun, was uns angemessen erscheint« eben anderweitig durchgesetzt. Dafür braucht es nicht einmal eines »Prager Fenstersturzes«, keines »Attentats von Sarajevo«, keines »Gleiwitz« und eigentlich auch keiner neuen UN-Resolution. Das brennende World Trade Center war den USA Anlaß genug, eine »neue Weltordnung« anzustreben. So stark fühlt sich Washington und so stark ist es auch.

Allerdings ist das nationalistische Rachegefühl nach dem 11. September längst einem kühlen Kalkül gewichen. Die Bush unterstützenden Teile des US-Finanzkapitals sind es offenbar leid, mit »Partnern« wie Japan, Frankreich oder Deutschland zu teilen. Ein mittelalterliches, vom Wohlwollen des Herrschenden abhängiges Vasallensystem scheint ihnen im Weltmaßstab inzwischen angemessen. Und wie es aussieht, ist der Zeitpunkt dieser Revolution der globalen Machtstruktur nicht willkürlich von Bush bestimmt. Eine fortschreitende ökonomische und juristische Integration Europas unter dem Mantel der EU zwingt die USA ebenso zum Handeln, wie der unaufhaltsame Aufstieg Chinas – nicht ohne Hilfe des japanischen Großkapitals – zum wirtschaftlichen und politischen Dominator in Asien. Dazwischen fungieren fast zweihundert Staaten Afrikas, Lateinamerikas und Asiens als Dispositionsmasse, die je nach Interesse und Gutdünken der Machtzentren manipulierbar scheinen.

Diese Interessenlage dürfte den Leuten an der politischen Macht überall klar sein. Die Reaktion darauf ist vor allem in Staaten mit parlamentarisch-demokratischen Systemen von kurzfristigem Taktieren, gemessen an den jeweiligen Legislaturperioden, bestimmt – Irrationalität eingeschlossen. Schröder und Chirac versuchen also lediglich, einen Status Quo zu wahren, der den Kapitalverwertungsinteressen ihrer Einflußbereiche nützt. Dies nicht zu erkennen und zu befördern, disqualifiziert Leute wie Aznar, Berlusconi, Stoiber und Merkel als Lobbyisten des real existierenden Kapitalismus ihrer Staaten.

Denn was wird wohl nach dem Krieg sein? Politisch wird sich kein Staat Washington mehr zu widersetzen wagen. Denn wer möchte schon zum »Schurken« erklärt werden? Ökonomisch verbilligt sich zunächst das Öl. Wall Street lebt gewaltig auf, die US-Wirtschaft setzt zu einem neuen Boom an. Kapital fließt aus allen Teilen der Welt in Strömen nach New York, nach Chicago und finanziert das gigantische US-Defizit. Der Dollar wird wieder unangefochtene Nummer eins und Weltwährung schlechthin. Die EU ist ein Torso im US-Schlepptau, Fusionen verändern das Gefüge der multinationalen Konzerne weiter zugunsten des US-Kapitals. WTO-Regeln werden zu Regeln aus dem US-Handelsministerium, Klimaschutz zum Unwort. Bushs Vasallen dürfen ungestraft ihre kleinen Kriege führen, ob im Baskenland, Palästina oder Kurdistan. Rußland unterwirft sich den neuen Regeln, um Tschetschenien »befrieden« zu können. China mutiert zum letzten großen Feind dieser «neuen Welt«, und Globalisierung wird zu Amerikanisierung. Niemand kann diese Entwicklung aufhalten, und Hollywood verkauft uns die entsprechenden Filme dazu.

Niemand? Zwar sind Millionen Antikriegsdemonstranten keine wirklich politische Macht, aber ihre öffentliche Wirkung ist gewaltig. Der Kapitalismus funktioniert in weiten Teilen der Welt nicht, oder nicht mehr. Die Antiglobalisierungsbewegung macht das bewußt. In den US-Vasallenstaaten scheint es eine Frage der Zeit, wann die derzeitigen Regimes durch Wahlen hinweggefegt werden. Eine Milliarde Moslems weltweit betrachten die USA – und damit alles, was dazugehört – als Feind. Sollte Washington seine, nach einem Krieg gewonnene neue Machtpositionen bewahren wollen, muß es dafür sorgen, daß die politischen Spielregeln des täglichen Kapitalismus geändert werden: Weitere Einschränkung der Pressefreiheit, Dominanz des inneren Repressionsapparates gegenüber demokratischen Regeln, Zerschlagung von Gewerkschaften. Soziale Unruhen werden mit Militär bekämpft, Reichtum ghettoisiert, und Gewalt gegen alles, das anders denkt und handelt wird in ihrer urprünglichsten Form hoffähig werden. Alle zivilisatorisch verbrämten Hemmungen werden fallen, was letztlich dazu führen dürfte, daß der Kapitalismus überhaupt nicht mehr funktioniert. Die Barbarei läßt grüßen.

Diese Domain  www.das-gibts-doch-nicht.info an einen Freund weiterempfehlen

Diese Seite zu den Favoriten hinzufügen

Diese Seite auf Ihrem PC speichern!

Möchten Sie diese Domaine als Startseite haben...

 

Das Kopieren und Verteilen dieser Information ist ausdrücklich erwünscht!
www.das-gibts-doch-nicht.info


Sinn dieser Informationen

Zurück zur Seite vorher

Zur Gesamtübersicht



Wenn Sie sich wegen irgendeiner Information ärgern, deswegen wütend oder frustriert werden bzw. Hass oder Wut auf entsprechende Personen bekommen, sind SIE selbst der einzige der diese Emotion in Form von Krankheiten zurückbekommt. Ihre Wut trifft niemals den anderen.
Einen Herrn Bush zum Beispiel interessiert es herzlich wenig, ob Sie sich über ihn ärgern.
Sie sind Schöpfer der Ereignisse die in Ihrem Leben eintreten, also seien Sie sich bewußt
wie Sie denken oder sprechen.