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Letzte Nacht fegten 30 israelische Invasionssoldaten durch
ein Haus am Rande eines der Bethlehemer Flüchtlingslagers. Sie kamen gegen
Mitternacht, mit 12 schwergepanzerten Jeeps u. blauen Lichtern. Sie nahmen
Maß an dem Haus, in dem die Familienmitglieder einer ausgedehnten Sippe
leben - in verschiedenen Wohneinheiten - auch das Nachbarhaus vermaßen
sie. Das Nachbarhaus ist klein. Es gehört einer alten Großmutter.
Jetzt sitzt sie auf einem Stuhl in ihrem laubübersäten Garten vor dem
Haus. Sie sieht zur Seite, sagt nichts, sie weint auch nicht. Die Soldaten
werden das Haus der Großmutter in die Luft jagen, um ins
größere Nachbarhaus zu gelangen. In den Nächten während
der Ausgangssperre hatten sich auf dem Dach des großen Hauses oft viele
Menschen versammelt, um mittels einer alten Blechbüchse Barbecue zu
feiern. Aufgrund der Ausgangssperre sind die meisten Cafés u.
Restaurants geschlossen, die Leute können sich nicht mehr treffen, u. Geld
haben sie auch keins. Letzte Nacht, kaum waren die israelischen
Soldaten verschwunden, kamen die Leute vom Flüchtlingslager aus ihren
Häusern, um den Familien zu helfen, ihr rettbares Hab u. Gut aus dem Haus
zu holen: ein Plakat mit dem Motiv der Al-Aqsa-Moschee, ein halbzerstörter
Fernseher, Decken, Koffer. Ein kleines Mächden tritt aus der Tür,
trägt einen Packen auf dem Rücken - Hand in Hand mit ihrem Freund.
Sie muss sich einen neuen Schlafplatz suchen - jeder hier muss das jetzt.
Freunde aus dem Lager kommen, schütteln Hände. Einer kommt
schulterzuckend auf mich zu. Der Mann, dem das zerstörte Haus gehört,
sagt "danke" (zu den Leuten), und "so Gott will". Heute, am Tag, sitzen die
Frauen des Hauses auf Stühlen auf der engen Gasse. Sie nehmen die
Kondelenzbezeigungen - Händeschütteln, Wangenküssen - ihrer
Nachbarn entgegen. Sie sind jetzt alle obdachlos. Die israelischen Soldaten
sagten, sie würden zurückkehren, um die Häuser endgültig in
die Luft zu jagen - vielleicht jetzt, vielleicht später. Diese
Ungewissheit ist ganz normaler Bestandteil der psychologischen
Kriegsführung der israelischen Militärregierung gegen das
palästinensische Volk. Vor 4 Monaten im Flüchtlingslager Deheisha war
es genauso. Seither sitzen die Menschen dort immer noch vor ihren Häusern
- jeden Moment können die israelischen Soldaten ja zurückkommen u.
alles abreißen. Israelische Truppen haben die Hauptstraße
von Beit Sahour aufgerissen, dadurch ist eine Straßenblockade entstanden,
höher als zwei Autos übereinander. Eine alte Frau hier erzählt
mir, wie schön ihr Blumengarten einst war und der Steinzaun davor zur
Straße hin. In den Hügeln dahinter stehen jetzt Panzer, Jeeps
brettern über eine zu Schlamm verkommene Straße. Meine Freunde hier
erinnern mich andauernd daran: morgen ist Valentinstag. --
Übersetzt von: Andrea Noll Orginalartikel: "Thousands
of Palestinians Rendered Homeless" |