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13.01.1999 David G. Hattan, Ph.D.  
FDA-Zentrum für Arzneimittel-Beurteilung und -Forschung

Der Nahrungs- und Arzneimittelausschuss (FDA) der Vereinigten Staaten

Antwort auf die 'Nancy Markle'-Behauptungen

Mittwoch, 13. Januar 1999

Das FDA-Zentrum für Arzneimittel-Beurteilung und -Forschung ersuchte mich,

Ihrer Bitte um eine Einschätzung des von Nancy Markle verfassten Artikels

zur angeblichen Giftigkeit des künstlichen Süßungsmittels Aspartam

nachzukommen. Frau Markles Artikel ging per E-Mail ein.

Mein Name ist David Hattan, ich bin zur Zeit geschäftsführender Direktor der

Abteilung für die Beurteilung von Gesundheitsauswirkungen im Zentrum für

Nahrungsmittelsicherheit und angewandte Ernährung des Nahrungs- und

Arzneimittelausschusses der Vereinigten Staaten (USFDA). Seit 1978 habe ich

mich wiederholt mit Fragen der Sicherheit von Aspartam befasst, und ich bin

mit den durchgeführten Sicherheitsstudien vertraut, die die Sicherheit

dieses Nahrungsmittelzusatzes belegen sollen. Es wurden vor der Genehmigung

von Aspartam zur Freigabe durch die zuständigen Behörden weit über 100

separate toxikologische und klinische Studien durchgeführt, die die

Sicherheit von Aspartam feststellen sollten. Seit der Freigabe von Aspartam

durch den USFDA 1981 untersuchten viele zusätzliche Studien die Behauptungen

einiger der glaubwürdigeren Berichte, dass Aspartam schädliche Wirkungen

verursache. Ich habe unten kurz versucht, auf bestimmte, von Nancy Markle

aufgestellten Behauptungen in Bezug auf Giftigkeit einzugehen.

Erstens sind Berichte über die Nahrungsaufnahme von Aspartam bei Patienten,

die später an Multipler Sklerose oder systemischem Lupus erkrankten,

offensichtlich kein haltbarer Beweis dafür, dass Aspartam für beide

Krankheiten verantwortlich ist. Bei beiden Krankheiten sind spontane

Besserungen und Verschlechterungen zu beobachten. Es ist daher durchaus

möglich, dass, nachdem Patienten kein Aspartam mehr zu sich nahmen, sie rein

zufällig auch eine Linderung ihrer Symptome erlebten. Mir ist kein

glaubwürdiger Beweis bekannt, der dafür spricht, dass Aspartam multiple

Sklerose oder systemischen Lupus hervorruft.

Zweitens entspricht die Behauptung, dass die Aufnahme von Aspartam zu einer

Produktion von Methanol, Formaldehyd und Ameisensäure führt, den Tatsachen.

Aspartam wird im Magen-Darm-Trakt inseine Bestandteile - Methanol - und zwei

Aminosäuren, Phenylalanin und Asparaginsäure, hydrolisiert. Das Methanol

wird von den Körperzellen augenommen und zunächst zu Formaldehyd und dann im

Stoffwechsel zu Ameisensäure verarbeitet. Frau Markle verschweigt die

Tatsache, dass durch die Aufnahme von Aspartam nur sehr geringe Mengen von

Methanol produziert werden. Andere Nahrungsmittel liefern ebenso viel, wenn

nicht sogar noch mehr Methanol, wie z. B. Zitrusfrüchte und -säfte sowie

Tomaten oder Tomatensaft. Und bei der Einnahme von Äthanol gelangt noch mehr

Methanol in den Körper. Letztendlich liegt hier also das gleiche Methanol

vor, wie wir es von anderen Nahrungsmitteln aufnehmen. Die durch Aspartam

erzeugten Methanolmengen können leicht und natürlich über einen

biochemischen Zyklus mit einem einzelnen Kohlenstoffradikal zu völlig

harmlosen, natürlichen Körperelementen verarbeitet werden.

Drittens zu der Behauptung, die beiden Aminosäuren Phenylalanin und

Asparaginsäure hätten eine neurotoxische Wirkung. Es trifft zu, ber nur bei

bestimmten Personen und bei ausgesprochen hohen Dosen. Die einzige

Untergruppe, denen Phenylalanin schaden könnte, sind Personen mit

homozygotischer Phenylketonurie. In diesem Fall erhöhen jedoch

Nahrungsmittel mit hohem Phenylalaningehalt, dem Eiweiss aus normaler

Nahrungsaufnahme die Toxizität bei diesem Kreis erheblich mehr.

Phenylketonuriker, die ihre Phenylalaninaufnahme sorgfältig kontrollieren

wollen, müssen nur auf die Phenylalanin-Konzentration in Aspartam-Produkten

achten oder können, was noch einfacher ist, ganz auf diese Produkte

verzichten. Die USFDA schreibt speziell im Hinblick auf

Phenylketonurie-Patienten die Kennzeichnung aspartamhaltiger Produkte vor,

so dass diese Patienten auf das Vorhandensein in diesen Produkten aufmerksam

gemacht werden. Was die andere Aminosäure in Aspartam betrifft, so ist die

mit Aspartam aufgenommene Konzentration an Asparaginsäure viel geringer als

die Konzentration, die für negative Wirkungen auf das Gehirn von Tieren

und/oder Menschen verantwortlich sein könnte. Es ist auch nicht erwiesen, ob

die durch Tierexperimente gewonnenen Daten auch auf Menschen anwendbar sind.

Auf jeden Fall liegt die durch Aspartam eingenomme Konzentration an

Asparaginsäure aber um ein mehrfachesunter dem Niveau, das zur Auslösung von

neurologischen Wirkungen notwendig ist.

Viertens wurden zahlreiche Studien mit Tieren und Menschen durchgeführt um

herauszufinden, ob Aspartam Anfälle hervorruft oder die Anfälligkeit für

Anfälle vergrößert. Klinische Studien an Kindern und Erwachsenen, die

bereits zuvor Anfälle erlitten hatten, konnten ein verändertes Auftreten

oder die Schwere eines Anfalles bei anfallempfindlichen Personen nicht

belegen. Zusätzliche Untersuchungen an für Anfälle empfindlichen

experimentellen Tiermodellen prüften den möglichen Einfluss von Aspartam auf

Anfälle. Das Ergebnis war das gleiche, und es konnte kein Einfluss auf die

Häufigkeit oder Schwere von Anfällen nachgewiesen werden.

Fünftens wurde Aspartam umfassend daraufhin untersucht, ob es sich auf die

Fortpflanzung auswirkt oder Geburtsfehler auslöst. Bei allen Tierversuchen

gab es keine Anzeichen für irgendwelche Folgen durch Aspartam. Und das bei

Dosierungen, die um ein Vielfaches über den Dosierungen lagen, denen

Menschen ausgesetzt sind.

Sechstens wurden neuere Behauptungen, dass Aspartam eine erhöhte Inzidenz

von Gehirntumoren bei Menschen auslöst, von der Regierung und von

anerkannten Wissenschaftlern umfassend widerlegt.

Das Internet ist ein bequemes Mittel, umInformationen aller Art potenziell

sehr breitflächig zu verbreiten. Leider hat der Empfänger dieser

Informationen keine Möglichkeit, die Plausibilität und Korrektheit dieser

Informationen zu prüfen. Es gibt eine Anzahl von Internet-Webseiten, die

regelmäßig über negative Reaktionen berichten, die angeblich durch Aspartam

verursacht werden. Diese Berichte beruhen jedoch auf Anekdoten, die nicht

bestätigt werden können. Durchgeführte Versuche, die diese Behauptungen über

negativen Reaktionen durch Aspartam-Einnahme bestätigen oder nachvollziehen

sollten, waren nicht erfolgreich. Die USFDA betrachtet Aspartam weiterhin

als einen der meist getesteten Zusatzstoffe. Diese Informationen bestätigen

weiterhin die Sicherheit von Aspartam.

David G. Hattan, Ph.D.

GeschäftsführenderDirektor, Abteilung für die Beurteilung von

Gesundheitsauswirkungen

Wenn Sie die Ansichten des Nahrungs- und Arzneimittelausschusses der USA

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