Zurück zur Seite vorher


Seitenzugriffe seit dem 13.07.2006197

Druckversion dieser Seite

Diese Information an einen Freund senden

 
Wie beurteilen Sie diesen Artikel Wie beurteilen Sie die Quelle dieses Artikels
Hier können Sie Ihren persönlichen Kommentar eingeben,
bzw. Kommentare von anderen Besuchern lesen
Kommentare
bisher
0
Infos von  www.das-gibts-doch-nicht.info
24.02.2003 von Gideon Levy
Übersetzt von: Andrea Noll
Orginalartikel: "Only Sderot. Only us."
ZNet
Nur Sderot. Nur wir
Das sind ihre Namen: Al’a Hilo, 23 u. sein Bruder Said, 28, Tamer Qata, 27, Amar al-Dayeh, 19, Abd al-Karim Bakroun, 25, Mohammed Salhoub, 27, Abd al-Rahman Kassam, 26, Munzar Safadi, 27, Ali Abu al-Hir, 30, Iyad Abaed, 27 u. Abd al-Rahim Abu Naja, 30. Diese 11 Palästinenser mussten sterben, weil die Israelische Armee (IDF) im Viertel Sejiya/Gaza-Stadt eine Operation durchführte. Letzten Mittwoch war es. Die meisten dieser Männer (aber keineswegs alle) waren Bewaffnete. Standen sie alle auf der Todesliste? 2 weitere Palästinenser wurden in Nablus getötet, eine Person in Dschenin. Die Bluternte eines einzigen Tages: 15 tote Palästinenser.

Am nächsten Tag jedoch lautete die schreiende Schlagzeile im israelischen Massenblatt Yedioth Ahronoth: ‘Stadt unter Granatbeschuss’. Welche Stadt ist hier gemeint? Sderot, in Südisrael. Im Zwillingsblatt ‘Ma’ariv’ ebenfalls kein Hinweis (zumindest in keiner Überschrift oder Subüberschrift) auf die getöteten Palästinenser bzw. auf die Zerstörungen, die die Givati-Infanteriebrigade (israelische Eliteeinheit) mit Panzer- u. Helikopterunterstützung in Gazas Sejiya-Viertel angerichtet hat. Nur um Sderot dreht sich alles, um die Kassam-Raketen, nur um uns. Als die Sejiya-Operation begann, wurden (von Palästinensern) 4 Kassams auf die südisraelische Stadt Sderot abgefeuert. Bei dem Angriff wurde der Gabelstaplerfahrer Vladimir Valodya, 48, leicht verletzt. Valodya arbeitet in einer lokalen Duschen-Fabrik (ursprünglich war gemeldet worden, sein Zustand sei kritisch). Das israelische Interesse fokussierte sich ganz allein auf ihn u. seine Stadt - fast schon hysterisch. Wird später mal ein Geschichtsforscher unsere Zeitungen ausgraben u. durchforsten, gelangt er zur Schlussfolgerung, nur Sderot sei an jenem Tag, letzten Mittwoch also, Opfer eines Beschusses geworden. Wiedermal hat man den Israelis beigebracht, sie seien die einzigen Opfer von Gewalt. Oder wer sollte wohl von den Tötungen, der Zerstörung in Sejiya gehört haben? Wer weiß darüber Bescheid? Ebenso (fast) verschwiegen die Tatsache, dass der Raketenangriff eine direkte Reaktion auf die israelische Aktion in Sejiya war. Drei Wochen hatte an der Kassam-Front Ruhe geherrscht, u. die Palästinenserbehörde hatte alles getan, um die Raketenangriffe zu stoppen - auch dies kaum einer Nachricht wert. Die Palästinenser schießen eben, und niemand interessiert sich für die Gründe.

Das israelische TV-Nachmittagsprogramm mit den neuesten Nachrichten - ein extrem guter Indikator - brachte ausschließlich die Sache mit den Kassam-Raketen. Keine Telefonreportage aus Gaza, nichts über die Toten dort, die Schwerverletzten. Ursprünglich wollte ‘New Evening’ (Channel One) ein Interview mit einem IDF-Offizier über die Operation in Gaza - aus Perspektive der IDF - senden, doch das Büro des IDF-Sprechers torpedierte das Interview. Nach dem Kassam-Anschlag entschloss man sich, zu tun, was das Militär wollte u. brachte ausschließlich die Sderot-Story. Das geplante Interview mit dem israelischen Offizier wurde abgesagt. Auf die Idee, vielleicht Leute aus dem blutenden Gaza zu interviewen, kam man nicht. Die israelischen Medien berichteten wiedermal die Wahrheit - die halbe Wahrheit. Nur in den Abendnachrichten wurde ein - halbwegs - ausgewogenes Bild gezeichnet.

Natürlich darf der Terror, der über die Menschen von Sderot gekommen ist, nicht verharmlost werden - auch nicht die Verletzungen des Herrn Valodya. Aber ebensowenig darf vergessen werden: gleichzeitig, am selben Tag also, kam es in Gaza zu massiven Tötungen u. Flächenzerstörungen. In den ersten 20 Tagen des Februar wurden nicht weniger als 56 Palästinenser getötet (laut Palästinensischem Zentrum für Menschenrechte), darunter 7 Kinder u. Jugendliche. Was erfuhr man darüber bzw. über die Umstände unter denen sie umkamen? Sogut wie gar nichts. Wenn man etwas über das Schicksal dieser Menschen erführe, wäre das denn sofort gleichbedeutend mit Identifizierung? Ist es nicht vielmehr Pflicht von uns Israelis, zu wissen, was in Sejiya geschah? Schließlich warnen selbst Verteidigungsstellen nach jeder dieser brutalen Operationen vor einer möglichen neuen Welle des Terrors - als Reaktion. Was wir hier erleben, das systematische Unterdrücken von Information, ist ein massiver Missbrauch unseres Vertrauens an die Medien.

Moralisch verabscheuungswürdig mit welcher Ausschließlichkeit auf die Opfer unserer Seite fokussiert wird, während man die Opfer der anderen Seite unbeachtet läßt. Davon abgesehen zeigt diese Praxis aber auch politische Folgen. Wen wundert’s angesichts der selektiven u. verzerrten Informationsvermittlung, die der israelischen Öffentlichkeit geboten wird, dass unser Land massiv nach Rechts abdriftet? Jeder vernünftige Mensch, der seine Informationen (ausschließlich) durch die israelische Presse bezieht, muss doch mit der Zeit derart denken. Die Palästinenser, sie sitzen sicher versteckt in ihren Häusern, so ist aus israelischen Medienberichten zu folgern und schießen trotzdem mit Raketen auf uns. Die politische Schlussfolgerung ist eindeutig: Gewalt ist die Lösung. Denn gäbe es die Okkupation nicht, nicht das schreiende Unrecht u. die Kriegsverbrechen auf unserer Seite, ließe sich doch folgern: die Palästinenser tun das alles nur, weil sie eben blutrünstig geboren sind.

Schlagzeilen und Nachrichtenprogramme in TV u. Radio formen das Denken der Öffentlichkeit (zu diesen Themen) wesentlich nachhaltiger als es tausend aufgeklärte u. intelligente Kommentatoren tun können. “Unsere Ansichten unterscheiden sich, nicht zuletzt, weil sich unsere Nachrichten unterscheiden”, so der Kolumnist Paul Krugman letzte Woche in der New York Times. Thema war der immense Graben, der sich zwischen Amerika u. Europa aufgetan hat. Dasselbe könnte man mit wesentlich mehr Recht auch über den Nahen Osten sagen. Abend für Abend flimmern in der arabischen Welt - u. mit gewissen Abstrichen auch in der westlichen - Gräuelbilder aus den besetzten Gebieten über die Bildschirme. Die israelischen Fernsehzuschauer hingegen erfahren nichts über diese Dinge, die weniger als eine Autostunde von ihrem Haus entfernt geschehen. Alles, was s i e zu sehen bekommen, sind brutale Selbstmordattentate u. Kassam-Raketen.

--

Übersetzt von: Andrea Noll
Orginalartikel: "Only Sderot. Only us."

Diese Domain  www.das-gibts-doch-nicht.info an einen Freund weiterempfehlen

Diese Seite zu den Favoriten hinzufügen

Diese Seite auf Ihrem PC speichern!

Möchten Sie diese Domaine als Startseite haben...

 

Das Kopieren und Verteilen dieser Information ist ausdrücklich erwünscht!
www.das-gibts-doch-nicht.info

Zurück zur Seite vorher

Zur Gesamtübersicht


Wenn Sie sich wegen irgendeiner Information ärgern, deswegen wütend oder frustriert werden bzw. Hass oder Wut auf entsprechende Personen bekommen, sind SIE selbst der einzige der diese Emotion in Form von Krankheiten zurückbekommt. Ihre Wut trifft niemals den anderen.
Einen Herrn Bush zum Beispiel interessiert es herzlich wenig, ob Sie sich über ihn ärgern.
Sie sind Schöpfer der Ereignisse die in Ihrem Leben eintreten, also seien Sie sich bewußt
wie Sie denken oder sprechen.