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07.03.2003 Rainer Balcerowiak Junge Welt
Kein Thema mehr
Die Pharmaindustrie plündert die Krankenkassen aus
 
Keine Partei hat während des letzten Bundestagswahlkampfes einen Zweifel daran gelassen, daß eine »grundlegende Reform« der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zu den wichtigsten Aufgaben des 15. Deutschen Bundestags gehören wird. In dieser Phase und auch noch kurz nach der Regierungsbildung spielte die Diskussion um die Profitgier der Pharmaindustrie und die daraus resultierenden explodierenden Kosten für Arzneimittel eine gewichtige Rolle.

Die Zahlen sind eindeutig: Der von den Krankenkassen zu erstattende Arzneimittelumsatz stieg 2002 wie schon im im Jahr zuvor trotz weniger Einzelverordnungen um zwei Milliarden Euro. Die »Zielvereinbarung« zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und den Kassen über eine Senkung der Arzneimittelausgaben um 4,7 Prozent erwies sich erwartungsgemäß als Makulatur. Schließlich war es der Pharmalobby bereits in der vergangenen Legislaturperiode gelungen, der Bundesregierung die geplante Positivliste verschreibungsfähiger Medikamente und somit den Ausschluß wirkstoffgleicher und wirkungsvergleichbarer, aber wesentlich teurerer Präparate aus dem Leistungskatalog der Krankenversicherungen regelrecht abzukaufen.

Inzwischen spielt die mögliche und sinnvolle Senkung der Arzneimittelausgaben mittels Profitbeschneidung für die Pharmaindustrie keine Rolle in der offiziellen Diskussion mehr. Statt dessen weisen die Kassen der gesetzlichen Krankenversicherungen ein Defizit von drei Milliarden auf, für das die Mitglieder jetzt zur Ader gelassen werden sollen – zum Wohle der Pillenkonzerne.

Dabei würde alleine die Ersetzung von dreißig besonders häufig verschriebenen Medikamenten durch sogenannte Generika die Kassen jährlich um eine Milliarde Euro entlasten. Insgesamt wird das Einsparvolumen durch Verzicht auf überflüssige Medikationen von Experten auf jährlich 4,2 Milliarden Euro beziffert.

Doch das ist schon lange kein Thema mehr bei den diversen »Reform«kommissionen, die sich mit dem Gesundheitswesen beschäftigen. Dort wird statt dessen mit Vehemenz über die Ausgliederung von Zahnbehandlungen und Freizeitunfällen aus der GKV, »Eintrittsgelder« für Arztbesuche und die Reduzierung der Unternehmerbeiträge zur GKV nachgedacht.

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat entsprechende Maßnahmen inzwischen zur Expreß- und Chefsache erklärt. Am 14. März wird er die geplanten Grausamkeiten konkretisieren und als »dringend notwendige Reform« verkaufen. Im Mittelpunkt seiner Rede wird stehen, daß die Einnahmen der Pharmaindustrie und anderer Profiteure des Gesundheitssystems nicht angetastet werden.

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