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An Herrn Bremer zur
Kenntnisnahme!
Leserbrief zum Artikel
"Uneinigkeit über Friedenspläne
in Israel"
FAZ, 27.03.2003
S. 6
Sehr geehrte Damen und Herren der
Redaktion!
In seinem oben genannte Artikel schreibt Ihr
Redakteur jöb (Jörg Bremer) u.a.: "Noch am Dienstag hatten
israelische Soldaten in Bethlehem drei Islamisten erschossen, aber auch ein
zehn Jahre altes Mädchen. Die drei Opfer waren in einem Auto unterwegs,
als die Soldaten das Feuer eröffneten."
Ich finde es befremdend, wenn der sonst so um Sachlichkeit
bemühte Jörg Bremer gerade in diesem Fall, der die gsamte Region
Bethlehem erschüttert hat wie wahrscheinlich noch kein
anderer, selbstverständlich von "Islamisten" spricht, ohne weiter auf
die ganze schreckliche "Aktion" einzugehen. Ein ziviles, israelisches
Sonderkommando, getarnt als Palästinenser, hatte sich am
Shephard-Hotel postiert und wartete auf ein Auto, in dem ein mutmaßliches
Hamas-Mitglied sitzen sollte. Auf das heranfahrende Auto eröffnen die
"Incognito-Soldaten" sofort das Feuer und erschossen die drei Insassen -
Islamisten? Dem folgenden Auto gleichen Typs und Farbe geschah gleiches, nur:
In diesem Auto saß der Rektor der grieschisch-orthodoxen Schule von Beit
Sahour mit seiner Frau und den beiden Töchtern. Die 12-jährige
Christine wurde so schwer getroffen, dass sie auf dem Weg ins Krankenhaus
starb, die Eltern und die Schwester wurden z.T. schwer verletzt.
Die Frage ist auch in dieses Mal wieder zu
stellen: Warum darf Israel es sich ungestraft "leisten", wahllos
abzuknallen, wer seinen Soldaten als mutmaßlicher Terrorist
erscheint und dabei jeden "Kollateralschaden" in Kauf zu nehmen? Wieviele
Menschen werden noch von der israelischen Armee ermordet, nur weil sie
zur falschen Zeit am falschen Platz waren - und wie schon so
oft, so auch hier: die Welt und die Presse schweigen!?!
Die Beerdigung Christine's gestern hat in Bethlehem eine
noch nie dagewesene Öffentlichkeit erfahren. Sie war eine friedliche
Großdemonstration von Christen und Muslimen - nicht Islamisten! Auch dazu
in der FAZ leider kein Bericht. Schade, wieder eine vertane Chance, um auf
die zarten Pflänzchen "Hoffnung" für einen friedlichen Weg
aufmerksam zu machen´, und stattdessen die Konservierung
des üblichen Klischees.
P. Rainer Fielenbach
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