Ein bemerkenswertes Interview aus dem niederländischen
Magazin ELSEVIER (21.01.03) Folgendes Interview zwischen dem
niederländischen Magazin ELSEVIER und dem jüdischen
Militärhistoriker Martin van Creveld fand einer unser Leser auf der
Internetseite des linken Pressedienstes Indymedia. Da die darin zu Tage
tretenden Ansichten und Meinung in gewissenentlarven die Politik Israels in
einer Offenheit, die man sich wohl nur leisten kann, wenn man Jude ist. Diese
Worte aus dem Munde eines nichtjüdischen Politikers würden vermutlich
eine Kampagne auslösen, gegen die sich die Haßaktionen gegen
Möllemann relativ klein ausnehmen würden. Wir empfehlen unseren
Lesern ein aufmerksames Studium dieses Interviews. Einleitung: Professor Martin
van Creveld, international bekannter und umstrittener Professor der
Militärgeschichte an der hebräischen Universität in Jerusalem,
sieht für die weitere Zukunft nur extreme Entwicklungen voraus. Die Art
und Weise, wie Israel momentan gegen die Intifada kämpft, sei zum
Scheitern verurteilt. Die Möglichkeiten eines Friedensprozesses und der
Gründung eines palästinensischen Staates nehmen zusehends ab. Ein
Gespräch mit einemPessimisten, der, wie er sagt, im eigenen Land
geschmäht wird: El Sevier: Ihre Spezialität ist Krieg. Ist hier
überhaupt von Krieg die Rede? Van Creveld: Ja doch, obwohl es bei den
Palästinensern keine Regierung, keine Armee und kein Volk gibt. Es geht
alles durcheinander. Deshalb auch werden wir den Krieg nicht gewinnen. Wenn wir
jeden Terroristen identifizieren und eliminieren könnten, würden wir
diesen Konflikt innerhalb von 48 Stunden gewinnen. Die palästinensische
Verwaltung hat dieselben Schwierigkeiten.Selbst wenn Arafat sich in Anbetracht
unserer Bedingungen morgen entschließen würde zu kapitulieren,
würde nahezu sicher die Intifada weitergehen El Sevier:Gibt es auf der
israelischen Seite auch etwas Ähnliches? Van Creveld: Wenn die
Auseinandersetzung sehr lange dauert, wird die israelische Regierung die
Kontrolle über das Volk verlieren. Denn die Leute werden dann sagen:
"Diese Regierung kann uns nicht schützen, was kann sie dann überhaupt
noch für uns tun? Wenn die Regierung nicht gewährleisten kann,
daß wir morgen noch leben, was bringt uns das noch? Wir werden uns selbst
verteidigen." El Sevier: Also Israel hat im voraus schon verloren? Van Creveld:
Ich will dazu Kissinger zitieren: »In Feldzügen wie diesen verlieren
die Antiterror-Brigaden, weil sie nicht gewinnen, und die Rebellen gewinnen
dadurch, daß sie nicht verlieren.« Das trifft hier sicher zu. Ich
betrachte eine totale israelische Niederlage als unabwendbar. Das bedeutet den
Zerfall der israelischen Gesellschaft und des Staates. Wir werden uns selbst
vernichten. El Sevier: Hat die neuerliche israelische Militäroffensive
überhaupt noch einen Sinn? Van Creveld: Die Militäroffensive ist
total nutzlos, die Palästinenser werden dadurch nur noch zorniger werden.
Möglicherweise kehrt für eine kurze Zeit Ruhe ein, aber letzten Endes
wird es doch noch mehr Selbstmordanschläge geben. El Sevier: Ist da noch
Hoffnung? Van Creveld: Wenn ich Arafat wäre, würde ich auch nicht
damit aufhören. Ich würde nur aufhören im Tausch für ein
sehr weitreichendes politisches Abkommen. Und es sieht so aus, daß wir
eine Art Regierung haben, die Arafat ein solches nicht anbieten wird. Wenn es
heute Wahlen gäbe, würden die Linken völlig weggewischt werden.
El Sevier: Manche behaupten, daß der Feind von auswärts Israel
gerade zusammenhält. Van Crefeld: Das ist richtig. Ich wünschte mir,
daß es auswärtige Feinde wären, aber das ist nicht der Fall.
Wir haben so viele Jahre gegen unsere äußeren Feinde gekämpft.
Jedes Mal, wenn es Krieg gab, haben wir einen ganz großen Hammer
genommen, um unsere Feinde damit zu treffen, und nachdem sie einige Maleeine
Niederlage erlitten haben, ließen sie uns in Ruhe. Das Problem mit dem
palästinensischen Aufstand ist, daß er nicht von außen kommt,
sondern von innen. Deswegen können wir den Hammer nicht benutzen. El
Sevier: Also ist die Lösung, die Palästinenser außerhalb der
Grenze zu halten? Van Crefeld: Genau, und darüber gibt es momentan eine
fast hundertprozentige Übereinstimmung. Wir müßten eine Mauer
bauen, die "so hoch ist, daß kein Vogel darüber hinweg fliegen
kann". Das einzige Problem ist, wo wird die Grenze gezogen? Weil wir uns nicht
entscheiden können, ob die in 1967 eroberten Gebiete dazugehören oder
nicht, improvisieren wir vorläufig nur ein bißchen. Wir bauen eine
Serie von kleinen Mauern, die viel schwieriger zu schützen sind. Das ist
aus militärischer Sicht sehr dumm. Jeder Supermarkt hat allmählich
seine eigene lebende Mauer von Wachmannschaften. Die eine Hälfte der
israelischen Bevölkerung schützt die andere Hälfte, unglaublich.
Das bedeutet eine entsetzliche Verschwendung und ist fast vollkommen nutzlos El
Sevier: Das bedeutet, daß die Palästinenser also innerhalb der
Grenzen bleiben? Van Creveld: Nein, das bedeutet, daß sie alle deportiert
werden. Die Leute, die dies anstreben, warten nur auf den richtigen Führer
und die geeignete Stunde. Vor zwei Jahren waren nur 7 oder 8 Prozent der
israelischen Bevölkerung der Meinung, daß dies die beste Lösung
wäre, vor zwei Monaten waren es schon 33 Prozent und jetzt sind es nach
einer Gallup-Umfrage 44 Prozent. El Sevier: Wird das denn jemals stattfinden
können? Van Creveld: Sicher, denn verzweifelte Zeiten haben verzweifelte
Maßnahmen zur Folge.Momentan steht es 50:50, wo die Grenze gezogen wird.
Vor zwei Jahren wollten 90 Prozent die Mauer entlang der alten Grenze bauen.
Das hat sich jetzt völlig geändert, und wenn es so weiter geht, wenn
der Terror nicht aufhört, wollen in zwei Jahren vielleicht 90 Prozent die
Mauer entlang des Jordan bauen. Die Palästinenser sprechen von "Summutt",
das bedeutet durchhalten und sich an Grund und Boden festklammern. Ich habe
enorme Achtung vor den Palästinensern, sie kämpfen heldenmütig.
Aber wenn wir sie tatsächlich über den Jordan stoßen wollen,
würden wir dazu nur einige Brigaden benötigen. Wenn die Syrier oder
Ägypter das zu verhindern versuchen würden, würden wir sie
ausradieren. Der Führer ist Ariel Sharon. Er hat immer einen Plan, er
improvisiert nicht. El Sevier: Den Plan, die Palästinenser zu deportieren?
Van Creveld: Ich denke, daß es sehr gut möglich ist, daß er
das anstrebt. Er will den Konflikt eskalieren lassen. Er weiß, daß
alles, was wir sonst machen, keinen Erfolg haben wird El Sevier: Denken Sie,
daß die Welt eine derartige ethnische Säuberung zulassen wird? Van
Creveld: Das liegt daran, wer es macht und wie schnell es geht. Wir haben
einige Hundert von Atomsprengkörpern und Raketen und können sie auf
Ziele überall werfen, vielleicht selbst auf Rom. Mit Flugzeugen sind die
meisten europäischen Hauptstädte ein Ziel. El Sevier: Dann wird
Israel ein Schurkenstaat sein? Van Creveld: Ich will dazu General Moshe Dayan
zitieren: "Israel muß wie ein toller Hund sein, zu gefährlich, um
ihn zu berühren". Ich halte alles dies jetzt für eine hoffnungslose
Situation. Wir werden versuchen müssen zu vermeiden, daß es so weit
kommt, wenn nur irgendwie möglich. Aber unsere Armee ist von der
Stärke her nicht die Nummer 30 in der Welt, sondern die Nummer 2 oder 3.
Wir haben die Möglichkeit, die Welt mit uns zusammen untergehen zu lassen.
Und ich kann Ihnen versprechen, daß dies auch geschieht, bevor Israel
untergeht. El Sevier: Ist dies nicht Ihre eigene persönliche Vorstellung?
Van Creveld:Natürlich nicht. Sie fragten mich, was geschehen könnte
und ich habe das beschrieben. Es ist nur die Frage, ob es nicht schon zu
spät ist für die andere Lösung, die ich befürworte, und ob
die israelische öffentliche Meinung davon noch überzeugt werden kann.
Ich denke, daß es zu spät ist. Mit jedem Tag der vorübergeht,
wird die Vertreibung der Palästinenser wahrscheinlicher. Die Alternative
wäre die totale Vernichtung und Desintegration Israels. Was also erwarten
Sie von uns? (Quelle: Das Gespräch für El Sevier
führte Ferry Biedermann in Jerusalem") |