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Bonzeladel, Bundesadler und
Bettelarme oder Exponentielle
Geldvermehrung
Ach, Achtziger! Ach, goldene
Achtziger Jahre! In den Achtziger Jahren war die Welt der Sozialen
Marktwirtschaft noch OK. Die Wirtschaft florierte. Der Schweizer Franken war
hart. Der Österreichische Schilling schillerte. Die Deutsche Mark war
markig. Die Wolkenkratzer Frankfurts kratzten die Wolken. Oder besser gesagt,
sie hätten gerne Wolken gekratzt. Doch am Himmel des Kapitalismus war nur
eitel Sonnenschein. Vom Sommergewitter, das sich 1990 aufbraute, war in der
Wirtschaft noch nichts zu erkennen.
Die Bedingungen der Achtziger waren günstig
für den Kapitalismus. Er mutierte zu einer Art Ersatzreligion. Wessis,
Ossis, SchweizerInnen, ÖsterReicherInnen und
ÖsterÄrmerInnen glaubten in heiliger Einfältigkeit
an den dekadenten Gott des Geldes. Anstatt vom Nikolausi kamen die Gaben nun
vom schnöden Mammon und den sieben Wirtschaftsweisen aus dem
Wirtschaftswunderland.
Die KapitalistInnen hatten sogar einen Jesus der
Marktwirtschaft. Dieser Jesus Chistus hieß Ludwig Erhard. Er
hard heilige Wunder vollbracht, heilige Wirtschaftswunder. Wen
wunderts da, daß er ebenfalls gekreuzigt wurde. Die
christlich-sozialen WählerInnen huldigten ihm nämlich mit einem Kreuz
auf den Wahlzetteln. Halleluja! Der Ludewig lief zwar nicht über die
Wasser des Sees Genezareth, aber zumindest war er mit allen Wassern gewaschen
und lieferte die seelige Genesung.
Wo ein Jesus Christus ist, muß als Gegenpart
der Teufel her. Der Teufel ist bekanntlich rot und lebt in der schwarzen
Hölle. Und so mußte der rote Kommunismus und die schwarze Anarchie
als Synonym für alles Böse herhalten.
Das fiel den KapitalistInnen auch gar nicht schwer.
Schließlich gabs damals die Mauer noch. Und die Unterschiede in der
Wirtschaftsversorgung waren unübersehbar. Hier florierte die Wirtschaft,
dort drüben herrschte eine Bananenrepublik. Hier gab es Bananen,
do drieben gobs geene Bononen. Hier hui, drüben
pfui.
Doch wahrlich, wahrlich, der heilige Panokrator
saget Euch, die Menschen fallen vom Glauben ab. Das Unglück begann in den
Tagen des Falls der Mauer, nicht der von Jericho, sondern der von Berlin. Nach
den fetten Jahren begannen sieben magere Jahre. Die neue Armut durchzog das
ganze Abendland. Armen! Pardon, ich meine Amen!
Seit dem Fall der Mauer ist nichts mehr so wie
vorher. In der EG stieg die
Arbeitslosigkeit im Sommer 1997 auf über elf Prozent. Dies ist an und
für sich schon eine alarmierende Zahl, doch in Wahrheit ist die Situation
noch verheerender. Denn in vielen EG-Ländern werden die
Arbeitslosenstatistiken schöngerechnet. In Holland wird zum Beispiel
niemand mehr als arbeitslos eingestuft, der einen Gelegenheitsjob angenommen
hat. In Großbritannien wird die hohe Arbeitslosigkeit dadurch kaschiert,
daß sich viele Langzeitarbeitslose nicht arbeitslos melden. Rund 300.000
workless people tauchen in der Statistik nicht auf, weil sie keine
Unterstützung mehr erhalten. Statistisch entzaubert liegt damit die
Arbeitslosenquote in Großbritannien bei mindestens sieben Prozent.
Enjoy Seven Up! Der Anstieg der Arbeitslosigkeit fiel in Europa je nach Region
höchst unterschiedlich aus. Spanien, Portugal, Finnland und die Schweiz
blieben noch einigermaßen verschont. Schlimm hat es dagegen Frankreich,
Schweden und Belgien getroffen. Doch den Vogel schoß Deutschland ab
und der abgeschossene Vogel ist eher als Pleitegeier denn als
Bundesadler zu bezeichnen. Kein anderes europäisches Land hat einen
vergleichbaren Absturz erfahren. Deutschland hat derzeit mehr als 4,7 Millionen
Arbeitslose zu verzeichnen. Das liegt fast in derselben
Größenordnung wie bei der großen Weltwirtschaftskrise 1930.
Die Tendenz ist steigend. Wenn sich nichts ändert, erlebt das braune
Wirtschaftswunderland bald sein blaues Wunder.
Die finanzielle Zeitbombe tickt. Denn auch bei Bund,
Ländern und Gemeinden stehen weitere Entlassungen bevor. Denn sie werden
in absehbarer Zukunft noch weniger Geld haben, um ihre Angestellten zu
bezahlen. So fehlen derzeit 18 Milliarden Mark in den bundesdeutschen
Haushaltskassen. 1998 werden sogar voraussichtlich 31 Milliarden Mark fehlen.
Die Finanzlöcher wachsen scheinbar derzeit noch schneller als die
Ozonlöcher. Diese Schuldenlöcher lassen sich in absehbarer Zukunft
auch nicht mehr flicken. VerFLICKst und zugenäht!
Theo Waigel will die Löcher dennoch stopfen. Er
will die nationalen Goldreserven neu bewerten. Mit dieser goldigen
Wirtschaftspolitik braut sich etwas zusammen, und zwar nicht nur die dichten
Augenbrauen über Theo Waigels besorgten Augenrändern. Theo gegen der
Rest der Welt! Theo gegen den Rest vom Geld! Nun gibt Theo allerdings den
Devisen den Rest.
Die derzeitige wirtschaftliche Situation ist
ziemlich schizo. Denn trotz hoher Arbeitslosigkeit, neuer Armut und einer
Gesamtstaatsverschuldung von circa 2,3 Billionen D-Mark geht es der Wirtschaft
prächtig.
Noch nie haben die europäischen
Großkonzerne so große Gewinne eingefahren wie zur Zeit. Der DAX
steigt in schwindelerregende Höhen. Aber von diesem Wirtschaftswachstum
profitieren derzeit nur die Reichsten der Reichen wie BörsenmaklerInnen
und böse Mark-lerInnen.
Durch das Wirtschaftswachstum werden zwar
voraussichtlich in Zukunft auch für Grethi und Plethi wieder vermehrt
Stellen frei. Doch dies ist nicht viel mehr als ein Tropfen auf den
heißen Stein. Auf lange Sicht wird es bis zur Jahrtausendwende keine
spürbare Entlastung auf dem Arbeitsmarkt geben. Von der von Kohl
versprochenen Halbierung der Arbeitslosenzahlen von (damals) acht Prozent auf
vier Prozent kann jedenfalls keine Rede sein. Solche Versprechen sind reine
VerKOHLung. Das Bundesministerium für Wirtschaft prognostiziert sogar bis
zur Jahrtausendwende eine Steigerung der Arbeitslosenquote von derzeit rund
neun Prozent auf 15 bis 17 Prozent. Dies wäre eine Verdoppelung der
Arbeitslosenquote seit Kohls Versprechens-Verbrechen!
Auch eine andere Prophezeihung vom Bundeskanzler
scheint unerfüllt zu bleiben. Anstatt der versprochenen blühenden
Landschaften im Osten verdorren die blühenden Landschaften im Westen. Die
Unternehmensinsolvenzen stiegen seit 1993 jährlich um circa 3.000 auf nun
29.500 Firmenpleiten pro Jahr. Dieser Trend wird sich laut Prognos noch
mindestens bis ins Jahr 1999 fortsetzen.
Doch viel schlimmer als die industriellen und
kommunalen sind die sozialen Schäden. Denn langsam aber sicher bricht der
Mittelstand weg und es entsteht eine Zweiklassengesellschaft. Die eine
Hälfte schwimmt im Reichtum, die andere Hälfte verarmt.
Die neue Armut wächst derzeit wie ein
Krebsgeschwür. Während Anfang der achtziger Jahre nur rund zwei
Prozent der deutschen Kinder in existentieller Armut aufwuchsen, sind es nun
schon rund 34 Prozent. Die psychischen und physischen Folgeschäden, die
dadurch entstehen, werden uns noch Jahrzehnte begleiten.
Nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Bielefeld
(BAG) ist 1998 infolge von Mietschulden eine große Obdachlosenwelle zu
erwarten. Da in Westdeutschland schon jetzt 880.000 Obdachlose existieren, ist
dies eine Katastrophe.
Neben der Obdachlosigkeit ist eine Gettoisierung zu
beobachten. In manchen westdeutschen Großstädten wie Berlin,
Frankfurt und Offenbach wachsen langsam Wellblechdörfer heran. Dies wird
von den Medien totgeschwiegen.
Crack, einstmals ein Phänomen amerikanischer
Gettos, breitet sich nun auch in diesen mitteleuropäischen Vorstädten
aus. Crack ist der Gradmesser für substanzielle Armut. Jeder weiß um
die Folgen von Crack. Daher werden nur solche Menschen Crack einnehmen, die mit
ihrem Leben abgeschlossen haben, die keine Zukunft mehr für sich
sehen.
In Österreich und in der Schweiz sind die
Probleme noch nicht derart gravierend. Österreich hat im internationalen
Vergleich eine extrem niedrige Arbeitslosenquote von circa vier Prozent. Der
Export wird vorraussichtlich dieses Jahr um 6,5 Prozent zulegen. Auch in der
Schweiz ist die Arbeitslosigkeit eher moderat. Im wirtschaftlichen Vergleich
der europäischen Staaten ist die Schweiz noch immer auf einer der drei
Siegerplätze zu verzeichnen. Gleichwohl wächst langfristig auch in
den Alpenländern die Staatsverschuldung und die Arbeitslosigkeit. Auch
hier bricht der Mittelstand weg. Insbesondere in der Schweiz steht das
Alpenglühen auf Alarmstufe rot, denn in der Eidgenossenschaft wird seit
1990 kein Wirtschaftswachstum mehr verzeichnet. Der wirschaftliche
Alpentraum könnte bald einem wirtschaftlichen Alptraum
weichen.
Diese Probleme werden natürlich von den
Regierungen kaschiert. Die Medien stellen weiterhin die Wirtschaftsmisere als
ein vorübergehendes Problem dar. Deutschland, Österreich und die
Schweiz werden immer noch als Wohlfahrtsstaaten tituliert.
In Wahrheit jedoch steuert Zentraleuropa auf
südamerikanische Verhältnisse zu. Einige reiche Glückspilze und
GroßgrowbesitzerInnen fahren zwar fette Gewinne ein. Der
größte Teil der Bevölkerung verarmt jedoch. Noch nie klaffte
die Schere zwischen reich und arm so weit auseinander wie heute.
Besonders schlimm hat es die Jugend Zentraleuropas
erwischt. Sie wächst derzeit in starre Strukturen hinein. Alle bevorzugten
Arbeitsplätze sind von älteren Generationen besetzt. Substantielle
Bedürfnisse wie gesunde Ernährung, Ausbildung, Wohnung und eine
sinnvolle Arbeit werden der Jugend verwehrt.
Die Chancen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen,
sind derzeit ähnlich hoch, wie im Lotto zu gewinnen. Falls Sie zu den
Glückspilzen mit Ausbildungsplatz gehören, ist noch lange nicht
gewährleistet, daß Sie danach einen Job bekommen. Ohne Vitamin B
läuft gar nichts mehr.
Auch den Studis geht es nicht besser. Die
Studienbedingungen werden zunehmend unrealistisch. Dies gilt für den
Numerus Clausus, die BAföGkriterien, die Klausurenanforderungen und die
Studienangebote. Wenn sich PolitikerInnen über LangzeitstudentInnen
beschweren, ist das reiner Zynismus. Haben Sie dennoch den Spagat geschafft und
ein Studium absolviert, sind Ihre Chancen gleich null, einen vernünftigen
Beruf zu bekommen.
Auch wohnungstechnisch hat es die Generation X
schwerlinks leicht. Keine andere Generation dieses Jahrhunderts ist
schlimm von Obdachlosigkeit betroffen. Mittlerweile suchen rund 40 Prozent der
Jugendlichen zwischen 18 und 25 Jahren verzweifelt eine Wohnung. Im normalen
Stadtbild fällt dies kaum auf, da die meisten unter unerträglichen
Bedingungen in Notlösungen übernachten.
Not macht erfinderisch. Viele aktive Jugendliche
greifen zur Selbsthilfe. Sie haben aus der Not eine Tugend gemacht und leben in
Wagenburgen oder in besetzten Häusern. Den Regierungen in Stuttgart und
Berlin fällt dazu nichts besseres ein, als die Wagenburgen mit brachialer
Gewalt zu räumen.
Doch das schlimmste Übel unter dem viele
Jugendliche zu leiden haben, ist die existentielle Armut. Ständige
Finanznöte lassen viele Jugendliche in einer Art
Dämmerungsbewußtsein dahinvegetieren. Ein menschenwürdiges
Dasein ist nicht mehr möglich. Das Überleben in diesen finanziellen
Notzeiten erfordert viel Kreativität.
Manche schnorren sich durchs Leben. Dies geht aber
auch nicht mehr so einfach. Schließlich gibt es bei der Massenarmut nicht
mehr so viele, die sich anschnorren lassen. Und schon gar nicht mit der
HasdemalneMack-Masche. Oder sie liegen den Eltern auf der Tasche. Dies
wirkt sich natürlich nicht gerade förderlich auf den
Generationenkonflikt aus. Besonders gut fürs Selbstwertgefühl
ist dies auch nicht. Die eher rabiaten ZeitgenossInnen stehlen oder rauben.
Nicht umsonst stiegen Eigentumsdelikte von 1989 bis 1997 in den von
Massenarbeitslosigeit betroffenen Regionen auf das Fünffache an. Andere
dealen und leben ständig unter dem Damoklesschwert des
Betäubungsmittelgesetzes. Wieder andere arbeiten unter absolut
unerträglichen Bedingungen. Diplom-Informatiker zersägen Paletten
für sechs D-Mark die Stunde. Diplomierte Sozpäds tippen Adressen ein.
Promovierte MedizinerInnen stapeln Kisten. Meist ist es jedoch eine Kombination
aus allem. Ein bißchen Schnorren hier, Stereoanlage verscherbeln da,
einen Hunni von der Omi anbaggern, einen Zwanni verchecken, auf dem Acker das
Fallobst sammeln oder ein paar Mark bei einem Zeitarbeitsjob verdienen.
Leben läßt sich das nicht nennen, denn
Leben benötigt ein Lebensziel. Es ist eher ein sinnloses
Aneinandervorbeivegetieren ohne jedweden Zusammenhang. Kein Wunder, daß
die Stimmung der Generation X zwischen Resignation und Aggression hin- und
herpendelt.
Die Unzufriedenheit der Jugend nutzen rechte
RattenfängerInnen aus, um den Strudel der Armut rechtsdrehend zu machen.
Sie bieten einfache und höchst öminöse Erklärungen für
die Misere an. Laut Nazis sind AusländerInnen oder gar das Weltjudentum
für die Misere verantwortlich.
Im mittleren Lager sind die Erklärungen zwar
schon vernünftiger, die wahre Ursache der Massenarmut wird jedoch trotzdem
verfehlt. Bei den Konservativen sind es die ewig überstrapazierte Kosten
der Deutschen Einheit. Bei den Liberalen ist es die Globalisierung des
Arbeitsmarktes. Bei den Linken ist es Waigels katastrophale Finanzpolitik. In
Österreich ist es der vorschnelle Beitritt zur EU. In der Schweiz dagegen
sind es eher die Löcher im Exporthaushalt, die dort so häufig sind
wie die Löcher im Schweizer Käse. Doch das ist alles
Käse!
Die Argumente bezeugen die Unfähigkeit der
PolitikerInnen, über den Tellerrand hinauszuschauen und zeigen, daß
sie sich im Gestrüpp des komplizierten Wirtschaftsgeschehens verstricken.
Die Wirtschaft ist tatsächlich ein wahnsinnig komplexes Gebilde. Sie
brauchen trotzdem nicht ProfessorIn für Wirtschaftsfragen an der Harvard
University zu sein, um zu verstehen, warum derzeit alles den Bach runtergeht.
Sie brauchen ja schließlich auch nicht ChefköchIn vom Ritz zu sein,
um zu schmecken, daß eine Suppe versalzen ist!
Und das Salz des Lebens schmecken Sie, wenn Sie
folgende Story von der goldenen Wirtschaftsbibel lesen!
Nehmen Sie einmal an, Jesus Christus hätte den
Gegenwert von einem Pfennig auf ein Konto eingezahlt. Das Konto wäre mit
fünf Prozent verzinst. Schon im Jahre 1403 hätten Sie von den Zinsen
eine Goldkugel in Größe der Erde kaufen können. 1997 wäre
Ihnen schon eine Vergoldung alle Planeten und Sterne des Universums finanziell
möglich gewesen. Das goldene Zeitaler wäre angebrochen! Und das ohne
Waigelsche Goldneubewertung! Halleluja!
Sie sehen an diesem Beispiel vielleicht schon,
daß an der Religion des Kapitalismus irgendetwas faul ist. Geld
wächst exponentiell und somit in der Endphase galaktisch schnell. Ein
solches exponentielles Wachstum gibt es in der Natur nur in Form eines
Krebsgeschwulstes. Alle natürlichen Prozesse haben dagegen ein begrenztes
S-förmiges Wachstum. Geld ist somit eine Art Krebsgeschwür in unserer
Gesellschaft. Durch seine bösartigen Metastasen wird die Verarmung weiter
Teile der Bevölkerung bedingt:
Stellen Sie sich einmal reiche Menschen vor! Ihre
virtuellen BonzelInchen können das meiste ihres Geldes investieren. Sie
können sich Aktien, Immobilien, Firmenanteile, Optionsscheine und sonstige
nette Dinge kaufen. All dies bringt ihnen noch mehr Gewinn. Durch den Gewinn
werden sie noch reicher. Reiche Menschen haben also die Möglichkeit, noch
reicher zu werden. Zumindest wenn ihr Einkommen über der Investitionslinie
liegt.
Nun sinnieren Sie einmal über richtig arme
SchluckerInnen, die unter dem Existenzminimum leben! Diese pudelarmen Kreaturen
haben keine Möglichkeit, in die Zukunft zu investieren. Von Aktien,
Immobilien, guter Bildung und körperlicher guter Ernährung
können sie nur träumen. Sie müssen ständig der Kohle
hinterherhecheln und womöglich noch einen Kredit aufnehmen, um ihre
nächste Miete bezahlen zu können. Da sie diese mit Zinsen
zurückzahlen müssen, geraten sie in immer tiefere Verschuldung.
Vorrausgesetzt natürlich, sie kommen nicht auf die kriminelle Tour oder
gewinnen sechs Richtige im Lotto. Ersteres ist unwahrscheinlich verwerflich,
letzteres ist verwerflich unwahrscheinlich.
Nun denken Sie vielleicht, es gibt doch auch etwas
dazwischen, die guten alten MittelständlerInnen. Sie machen doch im
Kapitalismus das Gros der Bevölkerung aus. Sie können sich durch
Blut, Schweiß und Mühen ein gutes Einkommen sichern.
Möglicherweise wird für sie der Traum vom trauten Eigenheim, einer
vollprogrammierbaren Waschmaschine und sogar einem grow!-Jahresabo wahr. Da
mögen Sie recht haben. Doch die MittelständlerInnen leben stets einen
Schritt vorm Abgrund der Armut. Sie dürfen sich keine
Fehlinvestition leisten. Jeder größere finanzielle Verlust kann
für sie die Katastrophe bedeuten, sei es eine arbeitsverhindernde
Krankheit, sei es ein Hausbrand ohne Versicherung oder ähnliches. Dann
geraten sie in Gefahr, Kredite aufnehmen zu müssen und zu armen
SchluckerInnen zu werden. Dagegen ist die Möglichkeit für unsere
MittelständlerInnen, zu reichen BonzInnen zu werden, höchst gering.
Die meisten Firmen gehen schließlich erst einmal pleite. Dann ist ihr
Versuch, über einen Kredit zu reichen BonzInnen zu werden, nach hinten
losgegangen und sie sind arme SchluckerInnen. Das heißt, immer mehr
Menschen aus dem Mittelstand werden zu armen SchluckerInnen.
Wie Sie sehen, werden die Armen automatisch immer
ärmer und die Reichen immer reicher. Zudem wird der Mittelstand
automatisch ausgedünnt. Dies hat mit dem exponentiellen Wachstum von Geld
und Kapital zu tun.
Die Schere zwischen arm und reich klafft von Jahr zu
Jahr weiter auseinander. Nicht umsonst haben mittlerweile die 400 reichsten
Menschen der Welt so viel Geld wie die ärmere Hälfte der
Weltbevölkerung.
Irgendwann ist es so weit, daß die wenigen
Reichen ihre Produkte nicht mehr in der armen Bevölkerung absetzen
können. Die Nachfrage stagniert. Dann bricht die Wirtschaft völlig
zusammen. Das System des Geldes zerstört sich so am Ende selber.
Schluß! Ende! Finito! Zip und Zappenduster! Ein KO von Kohle, Kosten,
Konten und Konsum.
Das totale KO ist total OK. Denn ein Ende von ist
immer auch die Chance für einen Neuanfang. Hoffentlich ein
Neuanfang ohne Geld. In der
Panokratie gibt es daher kein Geld! Auch
sonstige Tauschmittel existieren nicht mehr.
Erst wenn der Rubel nicht mehr rollt und der Dollar
nicht mehr dollt, können Sie frei werden. Dann sind Sie ein Held in einer
Welt ohne Geld!
Geldlose
Schenkwirtschaft oder Planlose Planwirtschaft
und arbeitslose Marktwirtschaft
Da
in Tjo kein Geld existiert, muß die
Wirtschaft anders strukturiert werden. Im folgenden wird dieses panokratische Wirtschaftsystem erklärt.
Betrachten wir erst einmal das Wirtschaftsystem innerhalb einer Moyzelle:
Alle
MoyzellenbewohnerInnen arbeiten aus freiem Willen nach
ihren Fähigkeiten und Wünschen und verschenken danach ihre Güter
beziehungsweise Dienstleistungen an die übrigen Moyzellenmitglieder.
Dieser von mir postulierte Altruismus der
MoyzellenbewohnerInnen ist nicht illusorisch, wie auf den
ersten Blick vermutet werden könnte. Die MoyzellenmitgliederInnen sind sich schließlich
untereinander sympathisch und vertraut, sonst würden sie nicht
zusammenleben.
Außerdem ist eine
Moyzellengruppe überschaubar klein. Die
einzelnen Moyzellenmitglieder können sich daher mit der
Moyzelle identifizieren und werden gerne
für das Wohl der übrigen Mitglieder arbeiten. Das Hab und Gut wird
untereinander geteilt und von allen benutzt.
Ansatzweise funktioniert dieses Wirtschaftssystem
schon heute in Cliquen, in denen dicke Freundschaften bestehen. Hier gibt einer
dem anderen aus. Jeder beschenkt jeden. Wagen und Wohnung des einen werden vom
anderen mitbenutzt. Steckt einer der Clique in einer materiellen Krise, so wird
ihm von den anderen Freunden ausgeholfen. Das Wirtschaftssystem innerhalb einer
Moyzelle wird ähnlich, jedoch noch
extremer sein.
Tauschwirtschaft oder Gibst Du mir Steine,
geb ich Dir Schand!
Sie sollten das panokratische Wirtschaftssystem nicht mit einer
einfachen Tauschwirtschaft verwechseln! Das panokratische Wirtschaftssystem ist
vielmehr eine parzellierte
Schenkwirtschaft. Die Schenkwirtschaft läßt im Gegensatz zur
Tauschwirtschaft einen prosperierenden Handel zu. Wir erläutern das anhand
des allgemeingültigen Dreieckshandelsproblems:
Person A stellt Produkt A her und benötigt
Produkt B. Person B stellt Produkt B her und benötigt Produkt
C. Person C stellt Produkt C her und benötigt Produkt A.
In der Tauschwirtschaft könnte hier keine
Transaktion stattfinden, sofern die drei Personen sich nicht untereinander
absprechen. Bei drei Personen ist dies eventuell noch möglich, sofern sich
Person A, B und C untereinander kennen und der Wert der einzelnen Produkte
äquivalent ist. Dies ist jedoch äußerst selten der Fall.
Außerdem werden oftmals mehr als drei Personen in eine benötigte
Transaktion envolviert sein, wie in unserem Beispiel. In der realen
Tauschwirtschaft wird meist kein Handel stattfinden, auch wenn er für alle
Beteiligten von Vorteil wäre.
Marktwirtschaft oder Yuppie du Yuppie
die!
Mit der Erfindung des Geldes, wird
dieses Problem gelöst. Jeder der Beteiligten bietet sein Produkt auf dem
Markt an, und erhält beim Verkauf als Gegenwert eine bestimmte Menge des
allgemeingültigen Zahlungsmittels. Mit dem erworbenen Geld kann er dann
das benötigte Produkt kaufen. Die Lösung unseres Tauschproblems in
der Marktwirtschaft lautet daher:
Person A verkauft Produkt A und kauft Produkt
B. Person B verkauft Produkt B und kauft Produkt C. Person C verkauft
Produkt C und kauft Produkt A.
Die Marktwirtschaft ermöglicht somit einen
effizienteren Handel als die Tauschwirtschaft. Durch die Erfindung des Geldes
werden keine Absprachen mehr benötigt, die sich bei zunehmender
Komplexität der Ökonomie derart kompliziert und aufwendig gestalten,
daß sie nicht mehr zu bewältigen sind. Einfach Kasse!
Allerdings zeitigt die Einführung des Geldes
auch negative Konsequenzen. So bietet sich erstmals die Möglichkeit der
Verschuldung und damit der Verarmung und subtilen Ausbeutung.
Während Reiche ihr Geld anlegen und investieren
können, haben Arme diese Möglichkeit nicht, da sie das erworbene Geld
zum Leben benötigen. Geraten Arme in eine Notsituation, müssen sie
Kredite aufnehmen und sie später mit Zinsen zurückzahlen. Diese
Zinstilgung kann zur Kreditneuaufnahme und zu einem Teufelskreislauf der
Neuverschuldung führen, aus dem sich der Schuldner nicht mehr befreien
vermag.
Der Arme darf sich keine finanziellen Experimente
leisten, während der Reiche auf einem fetten Kapitalpolster ruht und auch
riskante Investitionen machen kann. Der Reiche wird so zunehmend reicher und
der Arme immer ärmer. Der Reiche vermag von den Zinsen und Erträgen
seines investierten Kapitals zu leben. Der Arme muß tagtäglich
für seinen Lebensunterhalt schuften.
Das läßt sich auch leicht nachrechnen.
Bei einer sechsprozentigen Verzinsung werden die 82 reichsten Leute
Deutschlands jeweils täglich um 32 Millionen Mark reicher, ohne dafür
nur ein Goldfingerchen zu krümmen!!! Dies entspricht dem gleichzeitigen
Nettoverdienst von 438.000 Arbeitern. Das ist die angebliche Gerechtigkeit
unserer sozialen Marktwirtschaft!
Der Slogan der kapitalistischen Lobby, daß
sich in der Marktwirtschaft die Leistung lohne, ist somit ein Trugschluß!
Fleiß und Leistung führen in der Marktwirtschaft eben nicht zum
finanziellen Erfolg. Reichtum resultiert vielmehr aus dem Glück,
wohlhabende Vorfahren zu haben, aus skrupellosen Unterdrückungsmethoden
und aus der subtilen Ausbeutung durch Zinserträge.
Banken und Börsen werben oft mit dem Slogan:
Lassen Sie das Geld für sich arbeiten! Doch mal ehrlich,
haben Sie schon jemals Geld arbeiten sehen? Sie stimmen wohl intuitiv zu,
daß es wohl ziemlich unwahrscheinlich sein dürfte, daß morgen
Ihre spärlichen Rubel eifrig zu Ihrem Arbeitsplatz rollen werden.
Schließlich kann Geld als tote Materie naturgemäß nicht
arbeiten! Doch welche Heinzelmännchen erwirtschaften dann den Gewinn der
Anleger und Sparer?
Es sind aus analytischer Perspektive die Schuldner.
Im Grunde genommen arbeitet also die Dritte Welt plus Unter- und Mittelschicht
der Ersten Welt für die ehrenwerten Investoren von Tun- und
Tatnix. Zwar floriert der Kapitalismus, jedoch kommt nur ein winziger
Bruchteil der Menschheit in den Genuß des Reichtums.
Die Reichen unterdrücken die Armen, dies gilt
sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Auf nationaler Ebene
unterdrückt die Oberschicht die Mittel- und Unterschicht. Auf
internationaler Ebene unterdrücken die Industrienationen die
Entwicklungsländer.
Entwicklungsländer benötigen zur
Armutsbekämpfung Kredite, die von Banken der Industrieländer
genehmigt werden. Diese Kredite der Weltbank, des internationalen
Währungsfonds und weiterer Kreditinstitute sind oftmals an strenge
wirtschaftliche Sanierungsprogramme geknüpft, welche die nationale
Souveränität unterhöhlen und die Bevölkerung in der Dritten
Welt hart treffen. Dies erfolgt oftmals unter dem verlogenen Deckmantel der
Entwicklungshilfe.
Die Kredite müssen später mit horrenden
Zinsen zurückgezahlt werden. Um diese Kredite zurückzuzahlen,
muß das Entwicklungsland andere höhere Kredite aufnehmen. Es
gerät somit in immer höhere Auslandsverschuldung.
Die arme Unterschicht in den dortigen Ländern
muß für die Tilgung der Auslandsschulden hart arbeiten und
gerät trotzdem in immer tiefere Armut.
Durch Umschuldungsmaßnahmen werden die
Schulden der Entwicklungsländer immer auf einem solchen Niveau gehalten,
daß zwar die Wirtschaft nicht kollabiert, die kapitalimperialistische
Unterdrückung der Entwicklungsländer jedoch aufrechterhalten
wird.
Die Verschuldung der Dritten Welt ist natürlich
nicht der einzige Grund für die dortige Misere. Ebenso spielt der
zunehmende Raubbau an der Natur, kriegerische Konflikte, Verteilungsprobleme,
Übervölkerung sowie der inländische Kontrast zwischen arm und
reich eine gewichtige Rolle.
Trotzdem hätte das Elend der
Entwicklungsländer ohne Internationalkapitalismus längst nicht so
gravierende Ausmaße. Welch groteske Folgen die internationale
Verschuldung zeitigt, wird insbesondere an der Landwirtschaft deutlich.
Die hochverschuldeten Entwicklungsländer bauen
zur Devisenbeschaffung Maniokwurzeln, Sojaschrot, Getreidekleie und sonstige
Rohstoffe für die Kraftfutterherstellung an. Diese Agrarrohstoffe werden
in die europäische Gemeinschaft oder die USA exportiert. Dort wird damit
Viehfutter für die grausame Massentierhaltung hergestellt. So importiert
zum Beispiel die europäische Gemeinschaft für die billige Kuh- und
Schweinemast Rohstoffe aus 72 außereuropäischen Ländern.
(getreu dem Motto: Wir machen den Weg frei! Zumindest auf der
Milchstraße zu den galaktischen EG-Butterbergen. Ihre
BankRott)
Die meisten dieser Rohstoffherkunftsländer
haben eine Landwirtschaft, die nicht im entferntesten ihre eigene
Bevölkerung ausreichend mit Nahrung versorgt. Die internationale
Kreditpolitik pfuscht also den Entwicklungsländern indirekt ins Landwerk.
Aber welche EuropäerInnen denken beim Verzehr ihrer Schnitzel schon an das
gequälte Schwein oder gar an das hungernde Kind in der Dritten Welt?
Der Kapitalismus ermöglicht so, daß die
Menschen für eine verschwindend kleine Minderheit des Jet-set schuftet.
Die soziale Marktwirtschaft kann zwar die negativen Auswirkungen des
Kapitalismus kurzfristig lindern, auf lange Sicht wird das Elend der Menschheit
durch das Quacksalberattribut sozial jedoch nicht beseitigt.
Während die Mittel- und Oberschicht der Industrienationen
zugegebenermaßen im Luxus schwelgt, lebt trotz all dieser Sozialheuchelei
schon heute die überwiegende Mehrheit der sozialen kapitalistischen Welt
in unsozialer Armut.
Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks erschallt die
kapitalistische SündPhonie in de Luxe mittlerweile in fast
jedem Winkel des runden GloOpus 0815.
Während einige Wirt-uosen im Takt
des Dow-Jones auf die Pauke hauen, gehen die meisten Menschen flöten.
Allerdings sollen sich unter dem Auditorium immer
mehr Musikbanausen tummeln, die auf diese Götterdämmerungs-Melodie
pfeifen.
Schenkwirtschaft oder Schon wieder
Schokolade
Die Schenkwirtschaft vermeidet die negativen
sozialen Probleme der Marktwirtschaft. Verschuldung ist unmöglich!
Gleichzeitig bewahrt die Schenkwirtschaft die Effizienz der Marktwirtschaft.
Sie gestaltet sich sogar flexibler und dynamischer, da die Geldtransaktion beim
Handeln entfällt und die gesamte Bürokratie nicht mehr benötigt
wird.
Es gibt in der
Schenkwirtschaft eine einfache Lösung für
das Dreieckshandelsproblem:
Person B schenkt Produkt B an Person A. Person C
schenkt Produkt C an Person B. Person A schenkt Produkt A an Person C.
Erkennen Sie den großen Vorteil der
Schenkwirtschaft gegenüber der
Tauschwirtschaft? Keine der drei beteiligten Personen erwartet einen
materiellen Gegenwert von der beschenkten Person. Dadurch müssen auch
keine Absprachen unter den drei beteiligten Personen erfolgen.
Die
Schenkwirtschaftsgerechtigkeit oder Wie werde ich ein
Ekel?
Wenn Sie sich richtig bemühen,
eine fremde Person kennenzulernen, so werden Sie fast immer entdecken,
daß sich Ihnen eine neue Welt eröffnet. Jede Person ist ein
Universum für sich. Es gibt nichts interessanteres und aufregenderes als
das Seelenleben und den Charakter Ihres Gegenübers zu
erforschen.
Die meisten Menschen muß mensch einfach zum
Knuddeln gern haben. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.
Natürlich hat jede Person ein paar Marotten, Charakterschwächen und
Macken.
Aber Sie sind es, die den Menschen vom makellosen
Roboter unterscheiden und ihn darum um so liebenswerter machen. Diese kleinen
Charakterfehlerchen sind wie das Salz in der reichhaltigen Suppe der
menschlichen Seele. Der Grundtenor des menschlichen Individuums ist daher
konstruktiv und positiv, auch wenn durchaus schlechte Eigenschaften
mitschwingen.
Schauen wir uns dagegen die Menschheit als
Gesamtheit an, so erkennen wir nichts mehr vom positiven Grundcharakter des
Menschen. Die Menschheit benimmt sich zur Zeit auf unserem Planeten Erde so,
wie ein Schimmelpilz, der einen saftigen Apfel überzieht. So liebenswert
das einzelne Individuum auch ist, so bestialisch verhält sich der Mensch
in der Gruppe oder bessergesagt, in der systemgerechten, hierarchischen
Gruppe.
In eher anarchistisch-libertär strukturierten
Kleingruppen, wie sie gute Freundescliquen oder Geschwister oft darstellen,
überlebt das Prinzip Liebe. Würden Sie persönlich nicht auch
alles menschenmögliche für Ihr Kind, für Ihre Geschwister oder
Ihre Freunde unternehmen, wenn diese in Bedrängnis geraten?
Wir sollten nicht behaupten, wie manche naive
Philosophen, daß der Mensch von Natur aus gut ist. Der Mensch ist weder
gut noch böse, er reflektiert nur die Verhältnisse, in denen er lebt.
Ist das Gesellschaftssystem, in dem er lebt, autoritär und materialistisch
strukturiert, so muß er sich systemadäquat verhalten, um nicht
unterzugehen.
Der heutige Mensch, der von der Pike auf in die
Marktwirtschaft eingebettet ist, wird daher auch den Materialismus und die
damit verbundene Schlechtigkeit des autoritären Systems widerspiegeln.
Wenn der Mensch im Morast der Marktwirtschaft nicht
versinken will, muß er dem Irrlicht Geld hörig sein. In
diesem Schlamm von Intrigen, Geiz und Pfennigfuchserei ist er gezwungen, den
inneren Schuft nach außen zu krempeln und zum Rettungsring aufzupusten.
Nur gefühlskalte ArbeitgeberInnen, die ohne mit der Wimper zu zucken treue
MitarbeiterInnen feuern, vermögen ihre Firma oder Abteilung im Zuge der
Rationalisierung konkurrenzfähig zu halten. Nur Geizkragen, die sich beim
Anblick eines Bettlers oder einer Kollekte krampfhaft an ihre Silberlinge
krallen, können auf ein konstantes Anwachsen ihres Bankkontos hoffen. Nur
Schufte, die skrupellose Waffengeschäfte oder schamlosen Drogenhandel
betreiben, werden zu schnellem Geld kommen. Nur jene niederträchtigen Ekel
werden mit ihrem Schwindel in schwindelnde Höhen hinaufkatapultiert.
Der Kapitalismus belohnt daher negative
Eigenschaften wie Geiz, Mißtrauen, Skrupellosigkeit und Egoismus,
während der positive Altruismus zur dümmlich-naiven Gutmütigkeit
entwertet wird.
Unter diesen Umständen erweist sich der
abgelutschte Slogan, daß sich in der Marktwirtschaft Leistung noch lohne,
als Treibsand, der von der kapitalistischen Lobby in die kurzsichtigen Augen
der Bevölkerung gestreut wurde. Die Leistung, die im Kapitalismus belohnt
wird, nennt sich in der harten Realität skrupelloser Egoismus und die alte
Volksweisheit bewahrheitet sich, daß hohe Tiere nicht Tauben, sondern
Schweine sind. In unserer Gesellschaft landen die goldigsten und
charismatischsten Personen in der Regel in der Gosse, während
charakterlose Schweinebonzen auf ihren Geldsäcken thronen. Ist das die
vielzitierte Gerechtigkeit unseres Rechtsstaates?
Wie anders präsentiert sich hier die
parzellierte
Schenkwirtschaft.
Diejenigen, die in der
Panokratie selbstlos für seine
Nächsten arbeiten, werden auch von ihren MitmoyzellistInnen geachtet und geliebt. Diese
AltruistInnen werden auf lange Sicht reich entlohnt werden. Die Entlohnung
muß nicht immer materieller Natur sein, obschon die AltruistInnen auch
langfristig wertvolle Geschenke der dankbaren MitmoyzellistInnen erhalten werden. Der Lohn kann
auch viel subtiler sein. Was gibt es für ein schöneres Geschenk als
ein Lächeln, in dem tiefe Sympathie mitschwingt, oder ein ehrliches Lob,
welches das Selbstbewußtsein hebt.
Verhält ein Individuum sich dagegen egoistisch,
so verliert er an Sympathie bei seinen
Mitmoyzellisten. Egoisten schneiden sich in der
parzellierten
Schenkwirtschaft
ins eigene Fleisch. Sie isolieren sich zunehmend von der Gruppe, werden von
dieser nur noch rudimentär versorgt und können im Extremfall sogar
von der Moyzelle verstoßen werden. Dem
Egoisten bleibt dann nichts mehr anderes übrig, als mit anderen Egoisten
eine neue Moyzelle zu gründen. Egoisten schaffen
sich somit folglich eine egoistische Umwelt, Altruisten werden dagegen
Altruisten um sich scharen. Jede Person schafft sich automatisch einen
Sozialkontext, der ihrem Verhalten gerecht wird. Nach einiger Zeit wird die
betreffende Person die Lektion gelernt haben, daß sich in einer Panokratie Selbstlosigkeit
auszahlt.
Ergo, Tauschwirtschaft, Kommunismus und vor allem
der Kapitalismus sind materiell orientierte Wirtschaftsphilosophien, die auf
das tote, indirekte Verbum Haben aufbauen. Die
Panokratie hat dagegen das direkte
Kardinalprinzip Sein als Basis ihrer Wirtschaftsphilosophie.
Das allgemeingültige Ideal einer Gesellschaft
verschiebt sich in der
Panokratie. Dadurch, daß es kein Geld
mehr gibt, heißt es nicht mehr: Ich bin wer, wenn ich ein
großes Haus, teures Auto ... habe, sondern: Ich bin wer, wenn
ich gute Laune, große Hilfsbereitschaft ... habe.
Produktreduktion oder Mein Bett, dein
Bett
Die anarchistische Wirtschaftsform
innerhalb der kleinen Moyzellen wird um ein vielfaches
leistungsfähiger sein als die kapitalistische Eigenbrödlerei von
heute. Alle Güter und Maschinen stehen allen Moyzellenmitgliedern gleichzeitig zur Verfügung.
Es werden zum Beispiel für eine 30-Personen-Moyzelle statt 30 Waschmaschinen nur noch
eine benötigt und im Gegensatz zum Kapitalismus anstatt 30 nur drei
Tageszeitungen angeschafft, wobei die MoyzellistInnen obendrein die dreifache Auswahl
haben. 30 Küchen reduzieren sich auf eine gemeinsam benutzte,
gemütliche Kantine.
Es ist in der
Panokratie für den Einzelnen dann
endlich möglich, zu entscheiden, ob er heute lieber seine Freizeit im
Fotolabor, im Swimmingpool, in der Elektronikwerkstatt, im
Künstleratelier, im Kraftraum oder im tropischen Urwald seiner Moyzelle verbringen möchte. In der
sozialen Marktwirtschaft läßt sich normalerweise höchstens
eines dieser Angebote finanzieren.
Sie sehen, daß die Durchschnittsperson in der
Panokratie mehr materielle Möglichkeiten
hat als im Kapitalismus. Und das, obwohl die Durchschnittsperson im
Kapitalismus mehr Eigentum besitzt als in der Panokratie.
Weil Hab und Gut innerhalb einer
Moyzelle geschwisterlich geteilt werden,
brauchen insgesamt weniger Güter angeschafft zu werden, und die einzelne
Person besitzt dennoch mehr. Sie ist ja quasi im Besitz aller Güter der
Moyzelle! Das einzelne Moyzellenmitglied wird materiell (und natürlich
erst recht sozial) reich sein, obwohl es in Statistiken als äußerst
arm erscheinen wird.
Bei der gemeinsamen Benutzung der Maschinen und
Güter sind natürlich Grenzen gesetzt. Jeder braucht sein eigene
Zahnbürste, seine eigenes Bett, seine eigene Kleidung und möglichst
auch sein eigenes, separates, abschließbares Zimmer plus Toilette. Diese
Güter werden ab sofort
Individualgüter genannt.
Individualgüter sind unter anderem:
Zahnbürste, Waschlappen, Seife und sonstige
putzige Dinge; eigene, persönliche Toilette; Kleidung (insbesondere
Unterwäsche); Bett; eigenes, abschließbares Zimmer; Dinge mit
individuell-nostalgischem Wert (zum Beispiel Tagebuch des Uropas)
Die meisten Güter lassen sich jedoch gemeinsam
ohne Genußabstriche benutzen. Sie werden fortan, im Unterschied zu den
Individualgütern, Gemeingüter genannt.
Gemeingüter sind unter anderem:
CD-othek; Bücher; Zeitschriften; Zeitungen;
Swimmingpool; Wohnzimmer; Dusche; Küche, Kantine; Waschmaschine;
Wäschetrockner; Staubsauger; Spülmaschine; Fotolabor; Werkzeuge;
Elektroniklabor; Chemielabor; Werkstätten; Kunstatelier; Proberaum;
diverse Musikinstrumente; Computer; Laserdrucker; Fernsehen und andere
elektronischen Medien; Videorecorder; Videofilme; Kraftraum; Sporthalle;
Verkehrsmittel (infolge der V-Red nicht unbedingt notwendig)
Gemeingüter sind also wesentlich zahlreicher
und auch kostspieliger als Individualgüter. Daher vermag eine
Durchschnittsperson in der sozialen Marktwirtschaft viele Gemeingüter nicht zu bezahlen. Eine parzellare
Panokratie kann es sich dagegen leisten,
wesentlich weniger Gemeingüter zu fabrizieren, und trotzdem jedem Menschen
diese Güter bereitzustellen. Das Bruttosozialprodukt kann somit wesentlich
niedriger angesetzt werden, ohne daß es zu einer
Lebensqualitätseinbuße käme. Die potentielle Reduzierung dieses
Bruttosozialproduktes wird fortan Produktreduktion (kurz: P-Red)
genannt.
Eigentum oder Diebstahl
In
einer Panokratie existiert zwar Privateigentum,
jedoch kein Geld und damit kein Zins. Die alte Knechtschaft durch Zins ist
beseitigt.
Individualgüter sind das einzige Privateigentum,
das in einer Panokratie existiert, wobei unbewegbare
Individualgüter, wie insbesondere das Privatzimmer
beim Umziehen in eine andere Moyzelle wieder zum Gemeingut werden. Bei der Definition der
Individualgüter einer bestimmten Person sollte
großzügig vorgegangen werden. Persönliche Kunstwerke,
nostalgische Objekte von geliebten Personen sowie alle Objekte, die dem
Eigentümer viel bedeuten, sollten die MoyzellistInnen als Individualgut tolerieren, denn schließlich
sind sie nicht in jenem Sinne Kapital, als daß sie zu einer
expotentiellen Vermehrung des Eigentums beitragen könnten.
Gemeingüter gehören der Moyzelle, oder falls sie selten gebraucht
werden (zum Beispiel Preßlufthammer, Spezialwerkzeuge) der Poy- oder gar der Fayzelle. So gibt es auf verschiedenen
Subsidiarebenen Eigentum. Je seltener das Produkt
verwendet wird, desto höher liegt die Subsidiarebene. So könnten beispielsweise
bestimmte Laborgeräte, die nur alle paar Jubeljahre benötigt werden,
durchaus Eigentum einer Exozelle sein.
Löst sich eine
Subsidiarzelle auf, so geht das Eigentum in den
Besitz der darüberliegenden Subsidiarebene über. Eine sich formierende
Subsidiarebene bekommt von der
übergeordneten Subsidiarzelle das nötige Eigentum
zugewiesen.
Auch beim Tode einer Person gehen seine
Individualgüter in den Besitz seiner Moyzelle über. Vererben lassen sich
jedoch familiär-nostalgische Dinge ohne Produktivwert. Vererbung gibt es
demnach nur sehr bedingt.
Berufsmultisubsidiarität oder Berufung statt
Beruf
Aber
nicht nur diese Produktreduktion ist für die höhere
Leistungsfähigkeit einer panokratischen Wirtschaft verantwortlich, sondern
auch die sogenannte Automotivation. Was ist Automotivation?
Der Mensch in einer sozialen Marktwirtschaft wird
infolge finanzieller Sachzwänge zur Arbeit gezwungen. Diese Arbeit ist oft
sinnentleert.
Oder glauben Sie, daß
- ArbeiterInnen einen Sinn darin sehen, am
Fließband monoton-abstrakte Teile zu bearbeiten?
- ManagerInnen einen Sinn darin sehen, ihr Leben
dafür zu opfern, daß Meister Propper eine Umsatzsteigerung von 5,6
Prozent erfährt?
- StudentInnen einen Sinn darin sehen, abstrakte
Formeln zu büffeln, die sie ja doch wieder in einem Jahr vergessen haben?
Menschen im Kapitalismus verrichten ihre Arbeit nur
darum, weil sie sie tun müssen. Sie haben keine andere Wahl. Dazu wird die
Arbeit infolge der steigenden Arbeitsteilung zunehmend inhuman, langweilig und
monoton. Menschen werden vom kapitalistischen System wie SklavInnen zu
Sinnlostätigkeiten beordert. Dementsprechend verrichten sie ihre Arbeit
lustlos und unmotiviert. Sie quälen sich von Kaffeepause zu Kaffeepause
mit Magenkrämpfen voran, machen alles so langsam und behäbig wie
möglich, behindern die Arbeit ihrer KollegInnen und geben vor, in
hektischer Aktivität zu sein, wenn Vorgesetzte am Arbeitsplatz
vorbeischreiten. Eigene originelle Ideen werden sie nicht verwirklichen; sie
möchten ja nicht ihren ChefInnen auf den Schlips treten. Auf die
Qualität ihrer Produkte werden sie auch nicht sonderlich achten.
Hauptsache ist nicht, daß das Produkt hochwertig ist, sondern, daß
das Produkt es lebe der Bluff hochwertig erscheint!
Es liegt durchaus im Sinne der ProduzentInnen, wenn
die fabrizierte Ware schon nach einiger Zeit von selbst kaputtgeht und die
KundInnen nochmal bei ihnen einkaufen müssen, was den Profit
erhöht.
Der in der Marktwirtschaft eingebettete Mensch
arbeitet somit unproduktiv. Sowohl die Originalität, die Sinnhaftigkeit,
die Qualität und die Quantität sind im kapitalistischen
Produktionsprozeß nicht gewährleistet.
Im
panokratischen
Wirtschaftssystem
dagegen kann jeder seine Arbeit frei aussuchen. Beruf, Berufung und Hobby sind
daher identisch. Auch läßt sich seine Arbeitszeit frei einteilen.
PanokratInnen werden nicht durch ChefInnen
bevormundet und können daher frei ihren kreativ-originellen Ideen
frönen. TjonierInnen in der Panokratie arbeiten daher motiviert. Sie
werden in Freiheit mit Konzentration, Elan und Motivation an die Arbeit gehen.
Sie sehen einen Sinn in ihrer Arbeit und werden, da die Kontradiktion zwischen
Arbeit und Erholung aufgehoben ist, auch keinen Urlaub
benötigen.
Auch werden sie darauf achten, daß ihre
Produkte langlebig und qualitativ hochwertig sind. Sinnlose Ex- und-Hop-Waren
werden sie nicht produzieren; wer fabriziert schon gerne freiwillig
Nonsense-Produkte? ArbeiterInnen im Kapitalismus fabrizieren minderwertige
Sinnloswaren und schlechte Dienstleistungen,
TjonierInnen in der Panokratie dagegen hochqualitative
Güter.
Kurzum, die ArbeiterInnen im Kapitalismus machen
ihren Beruf, die ArbeiterInnen in einer
Panokratie dagegen frönen ihrer
Berufung!
Beruf beziehungsweise Berufung in der
Panokratie wird wenig mit der Fronarbeit in
den aktuellen Marktwirtschaften zu tun haben. TjonierInnen können sich jederzeit einer
anderen Arbeit widmen, falls die bisherige ihnen keine Befriedigung mehr
bietet.
Es entsteht automatisch eine sogenannte
Berufsmultisubsidiarität oder kurz und goldig
Bemus. Für die Bemus ein Beispiel:
1.Sie können morgens an Ihrem neuen
spielerischen Geschichtslernprogramm weiterprogrammieren, bis Sie merken,
daß Ihre Konzentrationsfähigkeit nachläßt
(Exozellebene). 2.Danach erholen Sie sich mit
ein wenig Gartenarbeit (Moyzellebene). 3.Plötzlich ergreift Sie
während der Gartenarbeit Lust, an dem Tisch für die Schwupsmoyzelle weiterzuschreinern (Poyzellebene) bis 4.Ihre Flunk-Bandmitglieder
Sie zum Proben abholen (Fayzellebene). 5.Abends spielen Sie noch ein
wenig mit den Kindern (Moyzellebene). 6.Bis in die späte Nacht
bemusen Sie aus Interesse noch einmal Ihr Geschichtslernprogramm, bis
Ihnen die Augen zufallen (Exozellebene). 7.Sie träumen noch von
Ihrem morgigen Flunk-Konzert mit Ihrer Hardcoreband in Ihrer Surzelle (Surzellebene).
Infolge der
Bemus wird es also keine
ausschließlichen KopfarbeiterInnen oder MuskelarbeiterInnen mehr geben.
TjonierInnen sind auf allen Subsidiarebenen gefordert und in keiner
überfordert. Das Leben in der Panokratie ist ausgeglichen.
Gesundheitsschäden, Verblödung und Abstumpfung infolge einseitiger
Arbeitsbelastung werden ausbleiben.
Ein weiterer wichtiger Pluspunkt für die
Panokratie ist, daß kein Mensch mehr
das ArbeitsLos ziehen kann. Die fehlende Arbeitslosigkeit in der
Panokratie setzt weitere Produktivkräfte
frei, welche die tjonische Wirtschaft antreiben.
Arbeitsreduktion oder Es gibt wenig zu tun,
packen wirs an!
Ein weiterer Vorteil des panokratischen Wirtschaftssystem ist es,
daß viele Arbeiten gar nicht mehr verrichtet werden müssen, da sie
infolge der sogenannten Effizienzfaktoren entfallen. Die
Effizienzfaktoren sind :
- der gute Gesundheitszustand der Bevölkerung
- die seelische Zufriedenheit der Bevölkerung
- die Zielgerichtetheit der Produktion
- der Wegfall des Verkaufsprozesses
- die Nichtexistenz der Werbung
- der Wegfall der Bürokratie
- der höhere Automatisationsgrad
- die Verlagerung der Altenpflege und der
Kinderbetreuung in die Moyzelle
- der Wegfall der Umweltverschmutzung
Diese Befreiung von diversen Arbeiten wird
Arbeitsreduktion (kurz: A-Red) genannt. Berufe und Arbeiten, die
in einer
Panokratie entfallen sind
beispielsweise:
VerkäuferInnen, RichterInnen, VertreterInnen,
PolitikerInnen, Bankangestellte, BörsenmaklerInnen, Werbefachleute,
RechtsanwältInnen, WirtschaftsingenieurInnen, UmweltingenieurIn,
Müllabfuhr, KloputzerInnen, KanalisationsarbeiterInnen, PolizistInnen,
Militär- und Ersatzdienstleistende, KindergärtnerInnen,
KrankenpflegerInnen, TaxifahrerInnen, SchaffnerInnen, KassiererInnen,
SekretärInnen, Putzhilfen, alle bürokratischen Berufe
Berufe, die in einer
Panokratie zumindest in wesentlich geringerer
Anzahl benötigt werden, sind:
SeelsorgerInnen, ChirurgInnen, ÄrztInnen,
ZahnärztInnen, PsychiaterInnen, ArbeiterInnen
Es ist deduktiv ersichtlich, daß unter den
Berufen, die in der
Panokratie entfallen, gerade jene zu finden
sind, die niemand gerne ausführt!
KloputzerInnen werden beispielsweise nicht mehr
benötigt, da alle
MoyzellistInnen als Individualgut eine eigene Trockentoilette
besitzen, um die sie sich selbst kümmern. Aus demselben Grund fallen
Kanalisationsarbeiten unter den Tisch der panokratischen Planung. Monotone
Fließbandarbeiten, gesundheitsschädliche Arbeiten und
Müllbeseitigungsarbeiten wird es Individualproduktion sei Dank
auch nicht mehr geben. Die sozialen Aufgaben, die heute von einer
anonymen, unmenschlichen Institution bewältigt werden, übernehmen die
eigenen geliebten Moyzellisten. Die politischen, juristischen,
exekutiven und bürokratischen Berufe entfallen, da in Tjo kein Staatsgebilde
existiert.
Niemand muß in der
Panokratie zu menschenunwürdigen
Arbeiten gezwungen werden! Ein wichtiger Keim für die Ausbildung von
hierarchischen Strukturen ist somit beseitigt.
Es werden natürlich auch einige Berufsklassen
gebraucht, die in der Marktwirtschaft nicht notwendig sind. Diese sind
allerdings in der Minderzahl:
MoyzellarchitektInnen, MoyzellökologeInnen
Insgesamt kann gesagt werden, daß sich in der
Panokratie die meisten Tätigkeiten
einsparen lassen. Die Arbeitsreduktion dürfte schätzungsweise 80
Prozent betragen. Die von diesen Tätigkeiten und Berufen befreiten
Personen, können sich nun mehr den Moyzellenmitmenschen, der Grundlagenforschung, der
Produktion, der Kunst und der Musik widmen Tätigkeiten, welche die
technische und kulturelle Entwicklung beschleunigen.
Panokratischer
Umweltschutz oder Was wird Ihnen
blühen?
P-Red und V-Red (Produktreduktion und
Verkehrsreduktion) sind die zwei dicksten Pfeiler des Umweltschutzes in der
Panokratie. Ohne
Lebensqualitätseinbuße werden in einer Panokratie ganz automatisch nur noch ein
verschwindend kleiner Bruchteil derjenigen Ressourcen verbraucht, die in einer
vergleichbaren Marktwirtschaft verschwendet würden.
Die Langlebigkeit
panokratischer Produkte unterstützt diese
Ressourcensparsamkeit. Ein wichtiger Vorteil der Panokratie ist somit, daß
Umweltverschmutzung und Ressourcenverschwendung praktisch der Vergangenheit
angehören.
Dadurch daß jede
Moyzelle ein in sich recht geschlossenes
Ökosystem darstellt, von dem die Moyzellenmitmenschen auch ihre Nahrung beziehen, werden
sie strikt darauf achten, daß keine Giftstoffe oder Einwegwaren
importiert werden. Denn schließlich würde jeder Giftstoff
spätestens nach einem Jahr auf dem Mittagstisch landen. Alle TjonierInnen würden sich und ihren
Freunden selbst ins Fleisch schneiden, falls sie ein Umweltdelikt
begehen.
Es werden sich somit von alleine zwei separate
Kreisläufe herauskristallisieren: zum einen ein
intramoyzellarer Ökokreislauf und zum anderen
ein intermoyzellarer Technikkreislauf, der durch
Totalrecycling der High-Tech-Güter entsteht. Umweltschädliche Waren
und Stoffe werden in einer parzellaren Panokratie nicht fabriziert, denn diese
Güter sind schließlich von keiner Moyzelle erwünscht. Natur und Technik
müssen kein Widerspruch sein. Sie können sich vielmehr in
harmonischer Symbiose ergänzen. Die wichtigste Bedingung für eine
Technik-Natur-Symbiose ist die Vermeidung naturschädlicher
Produkte.
Hier einige Beispiele für die Ersetzung von
naturschädlichen Stoffen durch naturunschädliche:
- chemische Ölfarbe durch Naturpigmente in
Leinöl
- künstliche naturidentische Vitamine durch
Vitamine aus vitaminreichen Nahrungsmitteln
- chemische Antioxidantien durch Gewürze mit
antioxidativer Wirkung wie Vanille, Rosmarin, Nelke oder durch extrahiertes
Vitamin E oder C
- Sprayflaschen mit Treibgasen durch
Zerstäuber, oder besser: eine Airbrush
- Desinfektionsmittel durch Propolis
- Fungizide durch ätherisches Nelken- oder
Zimtöl
- Insektizide durch ätherische Öle
- Holzschutzmittel durch Bienenwachs mit Propolis
- Monokulturen mit massiven Kunstdüngereinsatz
durch ungedüngte homöostatische Polykulturen
- Autos, Busse, Laster, Flugzeuge und Züge
durch Materioport
Es läßt sich für fast jedes
naturschädliche Produkt ein naturunschädliches Äquivalent
finden. Auf die wenigen verbleibenden Spezialprodukte, bei denen kein
naturverträglicher Ersatz gefunden werden kann, muß verzichtet
werden.
Die
Schenkebenen oder Tief- und
Hochstapellauf
Die Produkte werden in der
Panokratie auf verschiedenen Subsidiarebenen verschenkt. Um so komplexer und
sophistizierter das Produkt ist, desto höher liegt die Schenkebene.
Dabei liegt die Produktionsebene mindestens eine
Subsidiarzelle unter der Schenkebene. Beispielsweise werden Möbel
von einer möbelspezialisierten Moyzelle fabriziert und eine Ebene
höher, also innerhalb der eigenen Poyzelle, an die bedürftigen Nachbarmoyzellen verschenkt. Die Schenkebenen können variabel, je nach der
aktuellen Wirtschaftssituation gehoben oder gesenkt werden.
Im folgenden einige Produkte in ihren vermutlichen
Schenkebenen:
Moyzelle (~25 Personen)
- Entspannung (Kino, Swimmingpool, Sport, Spiel,
Basteln, Hobbys, usw.)
- Minibibliotheken (Bücher, Zeitschriften,
Lernprogramme, usw.)
- Gastronomie (Kochen, Geschirrspülen, usw.)
- Säuberungsdienstleistungen
- Grundnahrungsmittel (Ziegenmilch,
Getreideprodukte, Obst, Gemüse, usw.)
- Soziale Dienste (Kranken-, Alten-, und
Behindertenpflege, Seelsorge, Babysitten, Kinderbetreuung, usw.)
Poyzelle (~625 Personen)
- verschiedene Gemüsesorten (Kohlrabi,
Spargel, Schwarzwurzeln, usw.)
- verschiedene Obstsorten (Johannisbeeren,
Aprikosen, Äpfel, usw.)
- gängige Gewürze (Zwiebel, Knoblauch,
Thymian, Rosmarin, usw.)
- laktovegetarische Nahrungsmittel
(Hühnereier, Kuh-, Stuten-, Buttermilch, Joghurt, Kefir, Eiscreme, usw.)
- organische Rohstoffe (Horn, Baumwolle, Holz,
Kork, usw.)
- Rohstoffveredelung (Ledergerbung,
Stoffherstellung, Furniere, Extraktion ätherischer Öle, usw.)
- Saatgut
- soziale Dienstleistungen (astrologische Beratung,
Kummerkiste, usw.)
- Reparaturen
- Moyzellenbau
- Dummymoyzellenverwaltung
- Toilettenartikel (Klopapier, Seife, Shampoo,
Creme, Haarspray, usw.)
- Poykultur (Vernissagen, Performances, Theater,
Musikbands, Feste-, Party- und Konzertorganisation, usw.)
- Roh-Handwerkskompetenzenunterricht
Fayzelle (~15.625 Personen)
- Genußmittel (Kaffee, Tee, Kakao, exotische
Gewürze, usw.)
- Heilmittel (Heiltees, homöopathische Mittel,
Heilextrakte, usw.)
- Möbel (Bett, Futon, Schrank, Tisch, usw.)
- Textilien (Wolle, Baumwollstoffe, usw.)
- Kleidung (Schuhe, Docs, Lederjacken, Jeans,
T-Shirts, usw.)
- Schmiedearbeiten (Hufeisen, Hammer,
Schmiedeskulpturen, usw.)
- Werkzeugbau (Hammer, Spaten, Pinsel, Leiter,
usw.)
- Reparaturen
- Moyzellenbau
- umfangreiche Verleihstationen für
Minibibliotheken der
Moyzellen (Videothek, Bibliothek, Fotothek,
CD-Verleih, usw.)
- Energieversorgung
- Haushaltsprodukte (Töpfe, Geschirr, Besteck,
usw.)
- individuelle Computerprogramme
(Computersteuerungen, BTX-Lokalzeitungen, BTX-Veranstaltungskalender, usw.)
- Druckereien (Lokalzeitungen, Bücherdruck der
Fayzellisten, usw.)
- Häuserbau
- Klempnerei (Rohrverlegung, Armaturproduktion,
usw.)
- Elektroinstallation
- differenzierter Handwerkskompetenzenunterricht
Surzelle (~390.625 Personen)
- einfache elektronische Grundelemente (Kabel,
Stecker, Spulen, usw.)
- Maschinenbau (Pflückmaschinen, Roboter,
Airbrushs, Kompressoren, usw.)
- Sportgerätebau (Sk8boards, Fahrräder,
Butterflygeräte, Hantelgeräte, usw.)
- optische Produkte (Linsen, Brillen, Fotoapparate,
Teleskope, usw.)
- Elektrogerätebau (Computer, Boxen, Radios,
Synthesizer, usw.)
- Lokalradios
- Kulturangebote (Konzerte, Museen, usw.)
- umfangreiche Bibliotheken, Videotheken und
Audiotheken
- akademischer Grundkompetenzunterricht
Hyperzelle (~9,8 Millionen Personen)
- elektronische Schwarze Bretter
- High-Tech-Produkte
- Regionalradios
- Regionalfernsehen (Programm per Volksentscheid,
usw.)
- elektronische Bauelemente (Widerstände,
Kondensatoren, Transistoren, Dioden, Ics, OP-AMPs, usw.)
- Materioport
- Kommunikationssystem
- spezialisierter akademischer Kompetenzunterricht
Exozelle (~244 Millionen Personen)
- Landesradios
- Landesfernsehen
- externe Forschungsanlagen (Teilchenbeschleuniger,
Observatorien, usw.)
- Raumfahrt (Satelliten, Raumsonden, usw.)
- archäologische Großgrabungen
- Grundlagenforschung
- Normierung
- high intgrated curcuits (Mikroprozessoren, RAMs,
ROMs, neural-network-chips, usw.)
Terrazelle (~6,1 Milliarden Personen)
- Kontrolle der irdischen Atmosphäre und der
Aquasphäre
- globaler Umweltschutz (Begrenzung der
CO2-Produktion, Schutz der Regenwälder, usw.)
- großangelegte Wüstenbewässerungen
- Satellitenkoordination (Satellitenplattformen,
Frequenzzuteilung, Raumbedarf, usw.)
- Schutz archaischer Kulturen (Amazonasindianer,
usw.)
- globales Kernwaffenverbot
- externe Großforschungsanlagen
(Weltraumobservatorien, bemannte Planetensonden, usw.)
- globale Normierungen (Materioport,
Kommunikationssysteme, usw.)
- Suche nach extraterrestischen Lebensformen
- globale Medien
- Bevölkerungswachstumskontrolle
- Weltraumbesiedelungshilfen (Terraforming,
Asterioidenausbau, Raumstationenkonstruktion, usw.)
- Schutz der Erde vor Kometen- oder
Asterioideneinschlägen
- planetarisches Kommunikationsnetz
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