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07.04.2003 von John Pilger
Übersetzt von: Sebastian Barthel
Orginalartikel: "The War For Truth"
ZNet
Der Krieg für Wahrheit

"WIR hatten einen großartigen Tag", sagte Sergeant Eric Schrumpf von den US Marines letzten Sonntag. "Wir haben eine Menge Leute getötet." Er fügte noch hinzu: "Gut, wir haben auch ein paar Zivilisten getötet, aber was soll man machen ?" Er sagte, dass mehrere Frauen neben einem irakischen Soldaten standen und eine von ihnen getroffen wurde als er und die anderen Marines das Feuer eröffneten. "Es tut mir leid", sagte Sergeant Schrumpf, "aber die Frau war im Weg."

Was sehr bemerkenswert für mich an dieser Geschichte ist, ist, dass ich fast die gleichen Worte schon mal vor 36 Jahren gehört habe, als mir ein Sergeant der US Marines erzählte, dass er eine schwangere Frau und ein Kind getötet habe, weil "sie im Weg waren".

Das war in Vietnam, einem anderen Land, in das die amerikanischen Militärmaschine eingedrungen ist, und bis zu 2 Millionen Tote und weit aus mehr verstümmelte und ruinierte Menschen hinterließ. Präsident Reagan nannte dies "einen vornehmen Anlass". Und neulich nannte Präsident Bush die Invasion im Irak - ein weiterer unprovozierter und räuberischer Akt - "einen vornehmen Anlass".

Seit den Jahren des Vietnamkriegs, sind die Amerikaner, unmittelbar und durch Handlanger, in viele weitere Länder eingedrungen, und verursachten großes Leid, aber nichts erzählt uns mehr über den gegenwärtigen Krieg als ihre dauerhafte Grausamkeit in Vietnam, auch bekannt als der "erste Medienkrieg". Wie ihr Angriff auf den Irak, wurde die Vietnaminvasion von rassistischer Verachtung gegenüber den Menschen begleitet. Die Vietnamesen waren "Gelbhäuter" und "Schlitzaugen", die niemals kämpfen würden, und innerhalb weniger Wochen vernichtet seien. Wie heute im Irak, wurde der unzensierte Beweis für das Töten der Amerikaner nicht im Fernseh gezeigt, aber vertuscht General Colin Powell - Bushs "liberaler" Außenminister - war schnell umworben, da er zur Aufgabe hatte, das unbekannte My Lai Massaker zu vertuschen. Am Schluss forderten die Vietnamesen die Amerikaner heraus und vertrieben sie, aber für einen hohen Preis.

Die Iraker, denen zwei westliche Luftwaffen und ein Disneyland voller Massenvernichtungswaffen gegenübersteht, werden unwahrscheinlich die selbe Ehre haben. Und dennoch halten sie sich auch nicht an den Ablauf; Und ihr außergewöhnlicher Widerstand gegen solche komischen Leute erforderte intensive Propaganda in Washington und London: Sie zielte nicht auf sie, aber auf uns.

Im Gegensatz zu Vietnam, wird diese Propaganda - es liegt auf der Hand das sie geschmacklos und subtil ist - momentan global geführt und so vermarktet und kontrolliert wie ein neues Nischenprodukt. Richard Gaisford, ein "umlagerter" BBC Reporter, sagte kürzlich: "Wir müssen jede Information checken, die wir vom Militär haben. Und der Captain, der unser erster Medien-Verbindungsoffizier ist, wird die Informationen mit dem Oberst checken, und diese werden sie genauso mit dem Brigaden-Hauptquartier checken."

David Miller, Medienanalyst von der Stirling University, nennt es "geniale Öffentlichkeitsarbeit". Das funktioniert folgendermaßen: Hat man sich im 'Coalition Press Information Centre' in Kuwait und im eine Million teuren Pressezentrum in Qatar auf eine offizielle "Linie" geeinigt und diese ausgearbeitet, wird sie dem Weißen Haus mitgeteilt, das auch als das 'Büro für globale Kommunikation' bekannt ist. Dann wird es noch von Blairs Propagandapersonal in der Downing Street für den britischen Gebrauch aufpoliert.

Die Wahrheit bei all dem ist überflüssig. Es gibt nur "gute" Nachrichten oder gar keine. Zum Beispiel die Ankunft des britischen Schiff Sir Galahad im Irak mit erschreckend wenigen Tonnen an humanitärer Hilfe war eine "gute" Story mit weitreichender Berichterstattung. Was nicht erwähnt wurde, ist die Tatsache, dass die Blair Regierung weiterhin die absichtliche Verweigerung einer 5,4 Milliarden teuren humanitären Hilfe - die auch Baby Milch und medizinische Güter enthält - Washingtons unterstützt. Dies ist die Hilfe für die der Irak bezahlt hat (aus den Öl-Einnahmen) und der auch der Sicherheitsrat zugestimmt hat.

Was auch gefehlt hat, in dieser bewegenden Geschichte des britischen Helfers, war, dass die Vereinten Nationen unter Bush und Blair dazu gezwungen wurden, das irakische Essen-Verteilungs-System zu stoppen, welches kaum die Hungernot in der Vorkriegszeit verhindern konnte.

BLAIR's Lügen über die irakischen Massenvernichtungswaffen und die angeblichen Verbindungen mit al-Qaeda wurden von der Mehrheit der britischen Bevölkerung enthüllt und zurückgewiesen. Seitdem spielt er mit seiner "Überzeugungs"-Karte. Sein vielleicht letzter Zug der Propaganda ist die Unterstützung "unserer Jungs" zu fordern.

Am 3.September 1967 veröffentlichte die/der Sunday Mirror einen Artikel von mir über Vietnam mit der Schlagzeile auf dem Titelblatt: "Wie kann Britannien einem Krieg wie diesem zustimmen ?". Heute stellt die Zeitung die selbe Frage zur Invasion im Irak. Der Unterschied ist jedoch, dass im Gegensatz zu Blair, der damalige britische Premierminister Harold Wilson einem amerikanischen Präsidenten die Verwendung britischer Truppen für seine "Koalition" verweigerte. Eine Abstimmung im gestrigen Mirror zeigt, dass "78 Prozent darauf bestehen, dass die britischen Truppen nicht nach Hause gebracht werden dürften, bis der Krieg vorbei sei." Abstimmungen an sich können auch Propaganda machen, indem sie mit der Frage die Antwort vorwegnehmen. Was wäre wenn die Frage so gestellt wurde: "Unterstützen Sie die britischen Truppen, die im Irak sind, wenn man bedenkt, dass jede Art von "Befreiung" fehlt und die Anzahl von zivilen Verunglückten steigt ?"

Ich bezweifle, ob es dann auch 78 Prozent gewesen wären. Es gibt zweifellos eine traditionelle Zurückhaltung an Unterstützung für "die Truppen", egal welchen dreckigen Job sie auch machen müssen. Blair's Manipulation in Bezug auf diese Zurückhaltung darf nicht erfolgreich sein. Britische Truppen sind vielleicht besser trainiert als amerikanische, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass sie ein Teil - in der Tat ein unerlässlicher - einer kriminellen Invasion gegen ein Land sind, welches uns nicht bedroht.

Geübt in Medienmanipulation ("Öffentlichkeitsarbeit"), lügen die britischen Militärsprecher genauso häufig wie die amerikanischen; Selbst wenn der Unsinn über den "Erfolg" auch nur halb so trügerisch ist. Die Wahrheit, die sie uns nicht erzählen ist, dass die britische Belagerung von Basra die Zivilbevölkerung erwürgt, und den unschuldigen Männern, Frauen und Kindern großes Leid in ihrem Heimatland zufügt.

Stell dir mal vor, irakische Truppen hätten das selbe mit Birmingham gemacht, einer Stadt mit vergleichbarer Größe. Stell dir die Empörung vor: der volkstümliche Widerstand, ungeachtet wer in London an der Macht war. Wenn wir uns das nicht vorstellen können, dann sind wir einer großen Lüge zum Opfer gefallen, die richtig und falsch verdreht. Wenn wir nicht in der Lage sind, uns in die Iraker hineinzuversetzen, in die Lage der trauernden Familie, jener Frau, hineinzuversetzen, die von Sergeant Schrumpf niedergeschossen wurde - "die Frau die im Weg war" - dann müssen wir uns wirklich Sorgen machen.

Für weitere Artikel von John Pilger zum Thema Irak: http://www.zmag.org/CrisesCurEvts/Iraq/john_pilger.htm
Für weitere Artikel zur Medienberichterstattung im Irak: http://www.zmag.org/CrisesCurEvts/Iraq/media_analysis.htm

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