|
"WIR hatten einen großartigen Tag", sagte Sergeant
Eric Schrumpf von den US Marines letzten Sonntag. "Wir haben eine Menge Leute
getötet." Er fügte noch hinzu: "Gut, wir haben auch ein paar
Zivilisten getötet, aber was soll man machen ?" Er sagte, dass mehrere
Frauen neben einem irakischen Soldaten standen und eine von ihnen getroffen
wurde als er und die anderen Marines das Feuer eröffneten. "Es tut mir
leid", sagte Sergeant Schrumpf, "aber die Frau war im Weg." Was sehr
bemerkenswert für mich an dieser Geschichte ist, ist, dass ich fast die
gleichen Worte schon mal vor 36 Jahren gehört habe, als mir ein Sergeant
der US Marines erzählte, dass er eine schwangere Frau und ein Kind
getötet habe, weil "sie im Weg waren". Das war in Vietnam, einem
anderen Land, in das die amerikanischen Militärmaschine eingedrungen ist,
und bis zu 2 Millionen Tote und weit aus mehr verstümmelte und ruinierte
Menschen hinterließ. Präsident Reagan nannte dies "einen vornehmen
Anlass". Und neulich nannte Präsident Bush die Invasion im Irak - ein
weiterer unprovozierter und räuberischer Akt - "einen vornehmen
Anlass". Seit den Jahren des Vietnamkriegs, sind die Amerikaner,
unmittelbar und durch Handlanger, in viele weitere Länder eingedrungen,
und verursachten großes Leid, aber nichts erzählt uns mehr über
den gegenwärtigen Krieg als ihre dauerhafte Grausamkeit in Vietnam, auch
bekannt als der "erste Medienkrieg". Wie ihr Angriff auf den Irak, wurde die
Vietnaminvasion von rassistischer Verachtung gegenüber den Menschen
begleitet. Die Vietnamesen waren "Gelbhäuter" und "Schlitzaugen", die
niemals kämpfen würden, und innerhalb weniger Wochen vernichtet
seien. Wie heute im Irak, wurde der unzensierte Beweis für das Töten
der Amerikaner nicht im Fernseh gezeigt, aber vertuscht General Colin Powell -
Bushs "liberaler" Außenminister - war schnell umworben, da er zur Aufgabe
hatte, das unbekannte My Lai Massaker zu vertuschen. Am Schluss forderten die
Vietnamesen die Amerikaner heraus und vertrieben sie, aber für einen hohen
Preis. Die Iraker, denen zwei westliche Luftwaffen und ein Disneyland
voller Massenvernichtungswaffen gegenübersteht, werden unwahrscheinlich
die selbe Ehre haben. Und dennoch halten sie sich auch nicht an den Ablauf; Und
ihr außergewöhnlicher Widerstand gegen solche komischen Leute
erforderte intensive Propaganda in Washington und London: Sie zielte nicht auf
sie, aber auf uns. Im Gegensatz zu Vietnam, wird diese Propaganda - es
liegt auf der Hand das sie geschmacklos und subtil ist - momentan global
geführt und so vermarktet und kontrolliert wie ein neues Nischenprodukt.
Richard Gaisford, ein "umlagerter" BBC Reporter, sagte kürzlich: "Wir
müssen jede Information checken, die wir vom Militär haben. Und der
Captain, der unser erster Medien-Verbindungsoffizier ist, wird die
Informationen mit dem Oberst checken, und diese werden sie genauso mit dem
Brigaden-Hauptquartier checken." David Miller, Medienanalyst von der
Stirling University, nennt es "geniale Öffentlichkeitsarbeit". Das
funktioniert folgendermaßen: Hat man sich im 'Coalition Press Information
Centre' in Kuwait und im eine Million teuren Pressezentrum in Qatar auf eine
offizielle "Linie" geeinigt und diese ausgearbeitet, wird sie dem Weißen
Haus mitgeteilt, das auch als das 'Büro für globale Kommunikation'
bekannt ist. Dann wird es noch von Blairs Propagandapersonal in der Downing
Street für den britischen Gebrauch aufpoliert. Die Wahrheit bei
all dem ist überflüssig. Es gibt nur "gute" Nachrichten oder gar
keine. Zum Beispiel die Ankunft des britischen Schiff Sir Galahad im Irak mit
erschreckend wenigen Tonnen an humanitärer Hilfe war eine "gute" Story mit
weitreichender Berichterstattung. Was nicht erwähnt wurde, ist die
Tatsache, dass die Blair Regierung weiterhin die absichtliche Verweigerung
einer 5,4 Milliarden teuren humanitären Hilfe - die auch Baby Milch und
medizinische Güter enthält - Washingtons unterstützt. Dies ist
die Hilfe für die der Irak bezahlt hat (aus den Öl-Einnahmen) und der
auch der Sicherheitsrat zugestimmt hat. Was auch gefehlt hat, in
dieser bewegenden Geschichte des britischen Helfers, war, dass die Vereinten
Nationen unter Bush und Blair dazu gezwungen wurden, das irakische
Essen-Verteilungs-System zu stoppen, welches kaum die Hungernot in der
Vorkriegszeit verhindern konnte. BLAIR's Lügen über die
irakischen Massenvernichtungswaffen und die angeblichen Verbindungen mit
al-Qaeda wurden von der Mehrheit der britischen Bevölkerung enthüllt
und zurückgewiesen. Seitdem spielt er mit seiner
"Überzeugungs"-Karte. Sein vielleicht letzter Zug der Propaganda ist die
Unterstützung "unserer Jungs" zu fordern. Am 3.September 1967
veröffentlichte die/der Sunday Mirror einen Artikel von mir über
Vietnam mit der Schlagzeile auf dem Titelblatt: "Wie kann Britannien einem
Krieg wie diesem zustimmen ?". Heute stellt die Zeitung die selbe Frage zur
Invasion im Irak. Der Unterschied ist jedoch, dass im Gegensatz zu Blair, der
damalige britische Premierminister Harold Wilson einem amerikanischen
Präsidenten die Verwendung britischer Truppen für seine "Koalition"
verweigerte. Eine Abstimmung im gestrigen Mirror zeigt, dass "78 Prozent darauf
bestehen, dass die britischen Truppen nicht nach Hause gebracht werden
dürften, bis der Krieg vorbei sei." Abstimmungen an sich können auch
Propaganda machen, indem sie mit der Frage die Antwort vorwegnehmen. Was
wäre wenn die Frage so gestellt wurde: "Unterstützen Sie die
britischen Truppen, die im Irak sind, wenn man bedenkt, dass jede Art von
"Befreiung" fehlt und die Anzahl von zivilen Verunglückten steigt ?"
Ich bezweifle, ob es dann auch 78 Prozent gewesen wären. Es gibt
zweifellos eine traditionelle Zurückhaltung an Unterstützung für
"die Truppen", egal welchen dreckigen Job sie auch machen müssen. Blair's
Manipulation in Bezug auf diese Zurückhaltung darf nicht erfolgreich sein.
Britische Truppen sind vielleicht besser trainiert als amerikanische, aber das
ändert nichts an der Tatsache, dass sie ein Teil - in der Tat ein
unerlässlicher - einer kriminellen Invasion gegen ein Land sind, welches
uns nicht bedroht. Geübt in Medienmanipulation
("Öffentlichkeitsarbeit"), lügen die britischen Militärsprecher
genauso häufig wie die amerikanischen; Selbst wenn der Unsinn über
den "Erfolg" auch nur halb so trügerisch ist. Die Wahrheit, die sie uns
nicht erzählen ist, dass die britische Belagerung von Basra die
Zivilbevölkerung erwürgt, und den unschuldigen Männern, Frauen
und Kindern großes Leid in ihrem Heimatland zufügt. Stell
dir mal vor, irakische Truppen hätten das selbe mit Birmingham gemacht,
einer Stadt mit vergleichbarer Größe. Stell dir die Empörung
vor: der volkstümliche Widerstand, ungeachtet wer in London an der Macht
war. Wenn wir uns das nicht vorstellen können, dann sind wir einer
großen Lüge zum Opfer gefallen, die richtig und falsch verdreht.
Wenn wir nicht in der Lage sind, uns in die Iraker hineinzuversetzen, in die
Lage der trauernden Familie, jener Frau, hineinzuversetzen, die von Sergeant
Schrumpf niedergeschossen wurde - "die Frau die im Weg war" - dann müssen
wir uns wirklich Sorgen machen. Für weitere Artikel von John
Pilger zum Thema Irak:
http://www.zmag.org/CrisesCurEvts/Iraq/john_pilger.htm
Für weitere Artikel zur Medienberichterstattung im Irak:
http://www.zmag.org/CrisesCurEvts/Iraq/media_analysis.htm
--
|