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Anmerkung: Die Bewohner von Mas'ha u. Bidia haben in ihrem
Kampf um ihr Land u. ihre Existenz (beides durch die Apartheid-Mauer bedroht)
entlang des Pfads der Bulldozer ein Zeltcamp errichtet. Auch Israelis u.
internationale Aktivisten beteiligen sich daran. Das Camp will ein Zeichen des
Protests setzen gegen die Landaneignung im Zusammenhang mit der Mauer. Wir
suchen noch Leute, die zu uns ins Zeltcamp kommen wollen u. abwechselnd -
tagsüber oder nachts - im Camp bleiben. Das Lager dient zudem als Info-
Center - Gäste willkommen. Kontakt (Jonathan) unter: Tel.: 972 66 327 736
u. E-mail: cat@squat.net 'Activists Against the transfer Wall'. An
einem heißen Tag im Juni 2002 kamen israelische Bulldozer auf das Land
von Salem, nördlich von Dschenin. Sie fingen an, die Bäume zu
entwurzeln u. das Land einzuebnen - in Vorbereitung einer 8 Meter hohen
Betonmauer, die die seit 1967 besetzten palästinensischen Gebiete von
Israel separieren soll. In Israel glaubt die Öffentlichkeit
fälschlicherweise, diese Maßnahme sei einzig dazu gedacht, die
Spannungen zu entschärfen bzw. den Terror zu verhindern u. so dem
israelischen Volk neue Sicherheit zu geben. Viele glauben zudem, die Mauer
werde auf der 'Grünen Linie' (Grenzlinie von 1967) errichtet u. könne
so zur Grundlage einer neuen Grenze mit den besetzten Gebieten werden - wenn
Israel sich denn aus den Gebieten zurückzieht. Nichts ist weiter von der
Wahrheit entfernt als diese Annahme. Anläßlich eines
Treffens des (damaligen) israelischen Kabinetts am 23. Juni 2002 wurde der
Zaunentwurf (Mauer) abgesegnet. Damals protestierte der damalige
Außenminister Shimon Peres, "dieser Plan würde effektiv bedeuten,
dass Israel etwa 22 Prozent der Westbank annektiert" (Ha'aretz, Gideon Alon,
24. Juni 2002). Sowohl auf westlicher Seite ("Saumlinie") des Zauns als auch
auf östlicher (entlang des Jordan) würden einige
palästinensische Gebiete durch den Zaun von der Westbank abgeschnitten.
Auf westlicher Seite schneidet der Zaun tief in palästinensisches Gebiet
ein. Zweck ist es, jüdische Siedlungen wie Alfei Menashe, Elkana u. Ariel
auf die israelische Seite des Zauns zu ziehen. Nur in wenigen Sektionen stimmt
der Zaunverlauf mit der 'Grünen Linie' überein. Aber selbst in diesen
Fällen hat man noch beschlossen, eine zweite Barriere, ein paar Kilometer
nach Osten eingerückt, zu installieren. Der sich windende Verlauf des
Zauns führt mancherort zu einer Art Schlinge, die palästinensische
Städte u. Dörfer einschließt u. ihnen nur einen einzigen
Ausgang gewährt. Auf diese Weise würden durch die neue Mauer
Städte u. Dörfer voneinander abgetrennt - und zwar permanent. Diese
Ortschaften würden zu isolierten Enklaven mutieren. Noch etwas kommt
hinzu: In den meisten Gebieten in Zaunnähe würden die Dörfer von
ihren Ackerflächen abgeschnitten - von der landwirtschaftlich genutzten
Fläche, von der diese Dörfer ja leben. Laut Schätzungen von
B'tselem würde die Mauer mindestens 210 000 Palästinenser in 67
Dörfern u. Städten unmittelbar in ihrer Existenz bedrohen (http://www.btselem.org/Download/2003_Behind_The_Barrier_Heb.doc).
Insgesamt 5 Enklaven mit palästinensischen Dörfern wären
zwischen Zaun u. 'Grüner Linie' eingekesselt. Diese Enklaven wären
sowohl voneinander als auch vom Rest der Westbank abgeschnitten - wahre
Gefängnisse also. In diese Kategorie fallen insgesamt 13 Dörfer mit
11 700 Bewohnern (und ich spreche hier von Zaunsegmenten, wie sie vorgesehen
waren, noch ehe der Zaun auf Druck der (jüdischen) Siedler auch Ariel
Immanuel u. Kdumim einschließen sollte). Den Palästinensern wird
versprochen, man werde Tore u. Checkpoints einrichten, sodass Bewohner, die von
ihren Ländereien abgeschnitten sind, diese trotzdem weiter erreichen
könnten. Aber aus alter wie neuer Erfahrung wissen wir, dass das Passieren
eines Checkpoints nicht zuletzt von der Willkür der dortigen Soldaten
abhängt. Die Soldaten halten sich nicht an feste Regeln - jedenfalls an
keine, die den Palästinensern geläufig sind. Oft werden
Palästinenser, die an einer Straßensperre vorbei wollen, stundenlang
festgehalten. Die Soldaten konfiszieren ihnen die Ausweise, die
Autoschlüssel, ja selbst die Autos. Zudem ist anzunehmen, dass es für
das Passieren der (angeblichen) Zauntore einer speziellen Genehmigung der
israelischen Behörden bedürfen wird. Die Ländereien von
Mas'ha Am 23. April 2003 kamen die Bulldozer im Dorf Mas'ha an. Das
Dorf liegt nahe der israelischen Siedlung Elkana. Eigentlich läge diese
Siedlung etwa 7 km von der 'Grünen Linie' entfernt. Aber mittlerweile
wurde die Zaunroute, auf die man sich beim Kabinettstreffen am 24. Juni 2002
geeinigt hatte, ja verändert, sodass nun auch Elkana auf israelischer
Seite liegen soll. Und jetzt sind die Bulldozer also dabei, das Dorf Mas'ha von
dessen einzig verbliebener Erwerbsquelle (nach zweieinhalb Jahren Abriegelung)
abzutrennen: 98 Prozent des Lands, das zu Mas'ha gehört, soll der
israelischen Zaunseite zugeschlagen werden - besser gesagt, soll es zwischen
Zaun u. 'Grüner Linie' verschwinden. Auch vom Dorf Bidia Sanniriya u.
weiteren Dörfern der Region sollen tausende Dunams Land verlorengehen.
Abgesehen von dem Land, das den Dörfern entzogen werden soll, wird der
Zaun auch noch die Straße zwischen Dschenin u. Ramallah unterbrechen. Ein
Segment der Straße soll auf israelischer Zaunseite liegen. Auf die Art
kann man die palästinensischen Enklaven noch effizienter voneinander
isolieren. Aber Gier nach Land ist nicht der einzige Grund, weshalb
die Bulldozer nach Bidia u. Mas'ha kamen. Die Ländereien dieser
Dörfer liegen ausgerechnet über dem westlichen Bereich des
Gebirgs-Grundwasserbassins (ein riesiges Wasserreservoir, das in der Westbank
entspringt; dessen Wasser fließen aber auch unterirdisch bis nach
Zentral-Israel hinein). Von jenen 600 Millionen Kubikmetern Wasser, die
jährlich aus dem Gebirgsreservoir entnommen werden können, nimmt
Israel in seinen verschiedenen Gebieten etwa 500 Millionen für sich in
Anspruch. Die Kontrolle über diese Wasserressourcen zu behalten, war immer
eines der Hauptmotive für die Aufrechterhaltung der israelischen
Besatzung. So wurden in den 70gern die ersten (jüdischen) Siedlungen durch
die damaligen israelischen Arbeitspartei-Regierungen ausgerechnet in Gebieten
genehmigt, die als "kritisch" in Bezug auf Bohrungen eingestuft wurden. Eine
dieser Siedlungen war Elkana. Zu ihrer Errichtung trug ein Plan bei, der
irreführend Plan zum 'Schutze der Ressourcen des Yarkon' hieß. Seit
der Okkupation im Jahr 1967 hat Israel den Palästinensern verboten, neue
Brunnen zu graben. Im Gebiet um Mas'ha u. Bidia sowie in jenen Ländereien,
die man inzwischen von Kalkilia u. Tul Karem abgetrennt hat, gibt es jedoch
noch viele Brunnen, die bereits vor 1967 in Betrieb waren. Ihre Nutzung
reduziert die Wassermenge, die Israel für sich entziehen kann, vielleicht
um eine kleine Menge. Aus der Abtrennung dieser Dörfer von ihren Brunnen
verspricht sich Israel daher einen doppelten Vorteil: Zum einen Kontrolle
über die Wasserreserven, zum andern können die Dörfer so ihrer
Existenzgrundlage beraubt werden. Dadurch werden die Dorfbewohner zum Exodus
gezwungen. Seit Juni 2002 sind bereits 4 000 Bewohner aus der Gegend von
Kalkilia abgewandert. Auf die Art bedeutet der Zaun 'stiller Transfer'. Machen
wir uns klar - dieser Zaun hat nichts mit Frieden oder Sicherheit zu tun.
Transfer, Gier nach Land u. Kontrolle über die Wasserressourcen - das ist
der wahre Treibstoff für die Bulldozer der Israelis.
http://www.tau.ac.il/~reinhart -- |