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  angelika fischer angelika-fischer@chello.at
Transplantation aus Sicht einer Betroffenen
Bezugnehmend auf den Artikel auf dieser Seite

liebe frau greinert,
zuerst möchte ich zum ausdruck bringen, dass ich ihren schmerz und ihre trauer, ja wut, verstehen kann.
als betroffene, ich bin nierentransplantiert, kann ich jedoch ihren text nicht unkommentiert stehen lassen. gewiss, die machenschaften vieler ärzte (und vorallem der pharmaindustrie) sind nicht zu verteidigen und dies liegt auch nicht in meinem interesse. ich als organempfänger habe selbst schon oft am eigenem leib verspürt, dass viele ärtzte (nicht alle) den bezug zum "menschsein" offensichtlich schon lange verloren haben.
sie machen jedoch meiner meinung nach einen entscheidenen fehler: sie reduzieren ihren sohn auf seinen körper. wenn man davon ausgeht, dass wir geist sind, und dass wir unser leben (und im übrigen auch sterben) selbst kreieren, dann gibt es keinen grund, warum sie in schuld versinken sollten und warum sie im gleichen atemzug allen "organempfängern" ein schlechtes gewissen einreden.
sicherlich, das "wie" - besonders in ihrem fall - ist grausam, das rechtfertigt aber meiner meinung nach noch lange nicht, das "warum" abzulehnen.
konsequenterweise müssten sie dann jegliche medizische eingriffe ablehnen. keine medikamente, keine operationen, alles was medizinisch machbar ist - auch keine hustentropfen !!!
ich darf ihnen versichern, dass sie ihre meinung sicherlich ädern würden, wenn eines ihrer kinder (oder sie selbst)ein paar monate auf die dialysemaschine angewiesen wäre.
wie kommen sie eigentlich dazu zu behaupten, das dialyse weniger schlimm ist, als "die nebenwirkungen" der medikamente nach einer transplantation.
bitte verzeihen sie meine direktheit, aber dies hat mich wirklich wütend gemacht: sie haben keine ahnung. punkt.
die nebenwirkungen der medikamente die man einnehmen muss sind weit weniger dramatisch, als sie sie hier darstellen. ich kenne sehr sehr viele transplantierte, und kein einziger ist an irgendwelchen viren oder bakterien "zugrunde gegangen". ich selbst bin seit 25 jahren betroffen und habe ebenfalls keine neuerlichen organschäden oder ähnliches erlitten. ich lebe ein normales leben, das sie mir offenbar nicht gönnen, denn ich sollte ja tod sein.
sicher, darüber kann man diskutieren. ABER, wenn sie EINE lebensverlängernde massnahme ablehnen müssen sie - wie bereits gesagt - ALLE lebensverlängernden massnahmen, ja alle medizinischen eingriffe - selbst hustentropfen - ablehnen.
dialyse patient sein heisst: sich mindestens jeden 2. tag "vergiftet" fühlen, ständig unter extremen durstgefühl leiden, sich körperlich schlapp fühlen, "zu nichts mehr fähig sein" ... dialyse ist meiner meinung nach weit "unmenschlicher" als "transplantation".
meiem hund würde ich keine dialyse zumuten, wohl aber eine transplantation - wenn dies möglich wäre.
ich kenne beide seiten und weiss daher, wovon ich spreche.
ich habe beim lesen ihres textes den eindruck gewonnen, dass sie vor lauter "schuld" die einwilligung für die "ausweidung" (bitte verzeihen sie diesen ausdruck) ihres sohnes gegeben zu haben, eine möglichkeit suchen, damit fertig zu werden. ich bin der ansicht, dass sie unkonsequent sind und - wie bereits gesagt - einen wichtigen aspekt dabei übersehen. wir sind nicht unser körper, wir "bekleiden" ihn nur für eine gewisse anzahl von jahren. natürlich kann man darüber streiten, ob es rechtens ist, medizinisch einzugreifen, wenn dieser krank ist. aber wenn man sich gegen transplantationen stark macht, muss man auch alle anderen "eingriffe" ablehnen.
wir sind geist und planen und kreieren unser leben selbst. ihr sohn ist nicht tot. und er war es, der die entscheidung getroffen hat, wann und wie er sterben will. dies ist meine feste überzeugung
freundliche grüsse
angelika fischer


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