Polen darf Irak mitbesetzen Es sieht ganz danach aus,
daß bei der Herstellung der Nachkriegsordnung im Irak dem
europäischen Imperialismus nur eine Statistenrolle zufällt. Denn mit
der Neuordnung des Irak streben die USA eine globale Neuordnung an. In ihr
sollen die potentiellen Gegenkräfte zum US-Unilateralismus weitgehend
paralysiert werden.
Washington will das Zweistromland in drei
Militärzonen aufteilen: Als dritte Kontrollmacht neben den USA und
Großbritannien ist Polen vorgesehen. In Warschau hat die Aussicht, sich
an der Unterwerfung eines Staates beteiligen zu dürfen, für Euphorie
gesorgt. Über Nacht sind die Polen welch ein Wunder an der Wisla
zu global players geworden. Zumindest läßt man sie das
glauben. Während die Amerikaner ihre Besatzungstätigkeit alleine
ausüben wollen, sollen Briten und Polen die Führung multinationaler
Kontingente übernehmen. Die »Koalition der Willigen« macht
sich bereit. Das sind Italien, Spanien, die Ukraine, die Niederlande,
Dänemark und Bulgarien, auch das »neue Europa« genannt.
Mit der Ernennung Polens zur Führungsmacht im neuen Europa stellt
die Bush-Administration die realen Kräfteverhältnisse auf dem alten
Kontinent bewußt auf den Kopf. Denn im wirklichen Europa kommt Polen
alles andere als eine führende Rolle zu. Das Land bleibt auch nach dem
EU-Beitritt europäische Peripherie. In der EU-Klassengesellschaft ist dem
östlichen Teil des Kontinents allein die Rolle eines Expansionsobjektes
der westeuropäischen Konzerne zugedacht. Die europäische Integration
hebt die neokolonialen Abhängigkeiten nicht auf, sondern verstärkt
sie. Daran wird auch die in Washington konzipierte Neugestaltung der
politischen Geographie in Europa nichts ändern, da sie rein virtueller
Natur ist. Eine Führungsposition nimmt Warschau nur in der Rangliste der
Unterwürfigkeit ein.
Es geht den USA nicht darum, Polen zu
erhöhen, sondern das imperialistische Kerneuropa zu erniedrigen.
Deutschland, Frankreich und auch Rußland soll jeglicher Einfluß auf
die irakische Nachkriegsökonomie verwehrt werden. Das wäre auch so
geschehen, wenn diese Länder zum Eroberungskrieg der USA keine
defätistische Position eingenommen hätten. Denn in der Erzielung von
entscheidenden strategischen Vorteilen gegenüber der westeuropäischen
Konkurrenz lag ja der wesentliche Kriegsgrund.
Und entsprechend soll
auch die Friedensordnung für den Irak aussehen. UNO und EU sind nur
Aufgaben im humanitären und im Entwicklungshilfebereich zugedacht.
Während die Kriegsallianz sich von »Non
Profit«-Aktivitäten entbunden über die Beute hermacht.
Für die Polen wird dabei nicht viel abfallen. |