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Offener Brief an Schröder


(Flugblatt zum 1. Mai in Oberhausen)


Betrifft: Irak, Kosovo, Agenda 2010


Lieber Herr Bundeskanzler Schröder,

wir hatten uns gefreut, als Sie den Mut fanden, schon frühzeitig Nein
zum Irak-Krieg zu sagen. Deshalb hatten Sie monatelang den Großteil der
Presse gegen sich. Die US-Regierung übte Druck auf die Bundesregierung
aus und versuchte, Sie international zu isolieren. Die Angela Merkel
schlug sich bedingungslos auf die Seite der Bush-Regierung. Da bedurfte
es schon einer großen Standfestigkeit. Dass Sie einen Angriffskrieg
gegen
den Irak ablehnten, halten wir für absolut richtig. Diese Haltung
entspricht sowohl dem Grundgesetz als auch dem in der UN-Charta
festgelegten Gewaltmonopol der Vereinten Nationen. Aber, lieber Herr
Bundeskanzler, ein Widerspruch ist uns aufgefallen, und wir sind sicher
nicht die einzigen, die diesen Widerspruch bemerkt haben: Hat sich nicht
Ihre rot-grüne Bundesregierung 1999 aktiv am Angriffskrieg gegen
Jugoslawien beteiligt, ohne UNO-Mandat, wie jetzt die USA gegen den
Irak?
Ihre Regierung hat damals den Krieg gegen Jugoslawien mit dem
Völkermord an den Kosovo-Albanern begründet. Doch wie wir heute wissen,
hat dieser Völkermord nicht statt gefunden. Viele der angeblichen
Beweise, die Ihr damaliger Verteidigungsminister, der Rudolf Scharping,
uns präsentiert hatte, haben sich inzwischen als plumpe Fälschungen
erwiesen. Tatsächlich hat Serbien die bewaffneten Rebellen der UCK mit
brutaler Waffengewalt unterdrückt, so wie es der NATO-Partner Türkei bis
heute mit den Kurden macht. Saddam Hussein ist mit der innerirakischen
Opposition noch brutaler umgesprungen als Jugoslawien mit dem Kosovo.
Die Giftgas-Angriffe gegen die Kurden 1988 oder die Niederschlagung des
schiitischen Aufstands im Südirak 1991, die Tausende von Toten
forderten, wurden allerdings von USA und NATO still schweigend zur
Kenntnis genommen. Uns erscheinen die Parallelen im Falle Jugoslawien
und
im Falle Irak frappierend: In beiden Fällen handelte es sich um
völkerrechtswidrige Angriffskriege ohne Mandat der UNO, für die an den
Haaren herbei gezogene Gründe angeführt wurden. Deswegen fragen wir: Ist
es nicht Zeit, aus Ihrem Nein zum Irak-Krieg die nahe liegenden
Konsequenzen zu ziehen ? Ist es nicht Zeit einzugestehen, dass der
Kosovo-Krieg ein Fehler war ? Ist es nicht Zeit, sich bei Jugoslawien
für den damaligen Krieg zu entschuldigen und Schadenersatz zu leisten ?
Sie aber, lieber Herr Bundeskanzler, scheinen ganz andere Konsequenzen
aus dem Irak-Krieg zu ziehen. In letzter Zeit sprechen Sie gern von der
"Emanzipation Europas". Was Sie darunter verstehen, haben Sie vor kurzem
in einem Interview der ZEIT erklärt. Wer für sich in Anspruch nehme, im
Ernstfall auch Nein zu sagen wie im Falle Irak, der müsse sich in die
Lage versetzen, auch etwas aus eigener Kraft zu leisten, sagten sie da.
Und weiter: " Insofern stimmt, dass wir uns über die Ausrüstung der
Bundeswehr und über ihre Finanzierung unterhalten müssen. "Verstehen wir
Sie recht: Die Konsequenz aus Ihrem Nein zum Irak-Krieg ist ein Ja zu
höheren Rüstungsausgaben ??? Ihr neuer Verteidigungsminister, der Peter
Struck, will den Bundeswehretat von 2007 an erhöhen. Deutschland und
Europa müssten ihre Fähigkeiten verbessern, um mit den US-Amerikanern
Schritt halten zu können, sagte der Peter Struck. Ja wozu denn das, wenn
Sie nichts als friedliche Absichten in der Welt haben ? Und wie soll das
denn überhaupt finanziert werden ? Sie sagten in Ihrem Interview mit der
ZEIT: "Wir sind es nämlich nicht nur Deutschland, sondern auch Europa
schuldig, die von mir vorgelegte Agenda 2010 durchzusetzen. Denn es wäre
eine völlige Fehleinschätzung zu glauben, man könnte den
partnerschaftlichen Emanzipationsprozess wahrmachen ohne entsprechende
ökonomische Kraft. "Ist das der tiefere Sinn Ihrer Agenda 2010: Weil wir
gegen Krieg sind, müssen wir jetzt Ihre ökonomischen Grausamkeiten
erleiden, damit wir in Zukunft so stark sind, dass wir den Krieg, den
wir nicht wollen, selber führen könnten? Lieber Herr Bundeskanzler:
Damals, in Jugoslawien, waren Sie für den Angriffskrieg, heute, im Irak,
dagegen. Und morgen ?

Mit freundlichen Grüßen

Dieter, Klaus, Manuel, Martin




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Einen Herrn Bush zum Beispiel interessiert es herzlich wenig, ob Sie sich über ihn ärgern.
Sie sind Schöpfer der Ereignisse die in Ihrem Leben eintreten, also seien Sie sich bewußt
wie Sie denken oder sprechen.