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08.05.2003 Scott Ritter Junge Welt
Gutes Timing
Dokumentiert: Scott Ritter* zur Kampagne gegen den Labour-Abgeordneten George Galloway
Der britische Labour-Abgeordnete und prominente Irak-Kriegsgegner George Galloway ist jahrelang von der Regierung Saddam Husseins ausgehalten worden, behauptet die britische Boulevardpresse (siehe jW vom 7.5.). Am Dienstag setzte die Partei von Premier Tony Blair nun die Mitgliedschaft Galloways vorläufig aus – »bis eine interne Untersuchung abgeschlossen ist«, wie es in London hieß.

Ich war schockiert über die angeblich durch Dokumentenfunde im Irak gestützten Behauptungen, Galloway sei in irgendeiner Weise durch die irakische Regierung finanziert worden, um ihre Interessen zu vertreten. Ich war schockiert, weil diese Behauptungen, sollten sie sich als wahr erweisen, die Integrität und Glaubwürdigkeit eines Mannes auf dramatische Weise untergraben würden, für den ich großen Respekt empfinde.

Aber ebenso schockiert war ich über das Timing dieser Behauptungen. Ich bin selbst Zielscheibe von Schmutzkampagnen gewesen, deren Zweck der Rufmord an Menschen ist, die sich in Opposition zu den derzeit Mächtigen befinden. Seither sind mir dramatische Offenbarungen in höchstem Maß verdächtig geworden, deren passendes Timing eine Stimme des Widerspruchs zum Schweigen bringt. Die Vorwürfe gegen Galloway sind ernst und sollten gründlich untersucht werden. Haben sie irgendeinen Gehalt? Ich werde jedenfalls nach wie vor bis zum Beweis des Gegenteils von seiner Unschuld ausgehen. Ich hoffe, daß die Vorwürfe gegen ihn gegenstandslos sind, aber, um ehrlich zu sein, ich weiß es einfach nicht.

Aber ich weiß ein paar Dinge über George Galloway und den Fall, für den er sich eingesetzt hat. Ich weiß, daß er mitgeholfen hat, die Mariam-Stiftung ins Leben zu rufen – eine humanitäre Organisation, die 1998 gegründet wurde, um einem irakischen Mädchen zu helfen, das an Leukämie erkrankt war und wegen der wirtschaftlichen Sanktionen keine angemessene medizinische Behandlung bekommen konnte.

Ich weiß, daß Galloway die Britisch-Irakische Freundschaftsgesellschaft mit aufgebaut hat. Ich weiß es, weil er mich dazu einlud, beim Gründungstreffen in London zu sprechen. Seine Rede an jenem Abend war menschlich, voller Freundlichkeit und Mitgefühl. Er sprach über das Leiden der irakischen Bevölkerung als Folge des zehn Jahre dauernden wirtschaftlichen Embargos. Ich hörte ihn die Diktatur Saddam Husseins anprangern. Aber ich hörte auch seine Prügel für die Politik seines eigenen Landes und die der USA dafür, daß sie unschuldige Menschen im Irak einem solchen Leiden ausgeliefert hatten.

Die Gründung der Freundschaftsgesellschaft zu jener Zeit war politisch völlig unkorrekt. Galloways politische Widersacher konnten daraus Vorteile schlagen, indem sie sie als »pro Saddam« denunzierten. Ich bin sicher, daß viele Briten in den kommenden Monaten solchen Freundschaftsorganisationen beitreten werden – jetzt, wo so etwas voll im Trend liegt. Galloway war den Menschen im Irak zu einer Zeit ein Freund, als sie diese Freundschaft und das Verständnis der britischen Bevölkerung am nötigsten brauchten.

Zuzulassen, daß George Galloway gerade jetzt zum Schweigen gebracht wird, wo sich seine Kritik an der britischen Politik gegenüber dem Irak als fundamental berechtigt herausgestellt hat, würde eine Pervertierung jeder Demokratie bedeuten. Statt ihn kalt zu stellen, sollte die britische Bevölkerung seine Feststellungen lieber im Licht der zum Vorschein kommenden Tatsache betrachten, daß es Blair ist und nicht Galloway, der Dinge getan hat, die der Ermittlung bedürfen.

* Der US-Marine Scott Ritter arbeitete von 1991 bis 1998 als UN-Waffeninspekteur im Irak (Übersetzung: Annette Schiffmann)


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