Die Schamfrist, innerhalb der die US-Monopole ihrer Gier
nicht allzu offen Ausdruck verliehen, war äußerst kurz
bemessen Die universellen Werte, derentwillen die USA in den Krieg gegen den
Irak gezogen sind, werden an der Aktienbörse gehandelt. Daraus wird
mittlerweile auch kein großes Geheimnis mehr gemacht. Zwar war
verkündet worden, daß der Irak nach dem Sturz des Baath-Regimes
selbst über seinen Rohstoffreichtum verfügen werde, ganz so, als
wollte Washington einen antiimperialistischen Umsturz im Irak vollziehen. Doch
dazu hätten die USA einen Krieg gegen den US-Imperialismus führen
müssen.
Die Schamfrist, innerhalb der die US-Monopole ihrer Gier
nicht allzu offen Ausdruck verliehen, war äußerst kurz bemessen.
Inzwischen ist es offiziell, daß der Halliburton-Konzern nicht bloß
brennende Ölquellen löscht und fällige Reparaturen
ausführt, sondern auch mit der Förderung und dem Verkauf von
irakischem Öl beauftragt wurde. Doch nicht die Bedienung der
Geschäftsinteressen des Konzerns hätten dabei im Vordergrund
gestanden, rechtfertigte ein Pentagon-Sprecher den Auftrag, sondern die
Bedürfnisse des irakischen Volkes. Bedürfnisbefriedigung vor
Profitmaximierung. Das war in der Tat die Absicht, die hinter der in den 1960er
Jahren durchgeführten Nationalisierung der irakischen Ölressourcen
stand. Bemerkbar machte sich das in einem für die arabische Welt
beispiellosen Aufschwung der sozialen Entwicklung. Das Embargo bildete den
ersten Akt der sozialen Enteignung des irakischen Volkes.
Die
Privatisierung der irakischen Ölindustrie erfolgt alle
Wettbewerbsprinzipien mißachtend unter der Hand. Konzernchef bei
Halliburton war bis zu seinem Wiedereinstieg in die Politik Vizepräsident
Richard Cheney. Damit erübrigten sich langwierige Ausschreibungen. Wer
gedacht hatte, der wilde Kapitalismus sei eine spezifische
Übergangserscheinung ehemals staatssozialistischer Gesellschaften, hat
sich schwer getäuscht. In den USA hat der rohe, barbarische Kapitalismus
seine entwickeltste Form gefunden. Gemessen an der Fähigkeit zur
Privatisierung der Staatsmacht waren die russischen Oligarchen gegenüber
der organisierten Oligarchie in den USA blutige Anfänger. Der Bushismus
entspricht der Macht der aggressivsten, kriminellsten Elemente des
amerikanischen Kapitalismus. In seiner Asozialität bündelt er die
negativsten amerikanischen Systemeigenschaften. Er verkörpert die radikale
Rechte, die einen aggressiven Ausweg aus der hoffnungslosen Krise der
amerikanischen Gesellschaft sucht, die sich aus dem permanenten Niedergang der
materiellen Produktion und der immer drastischer werdenden sozialen
Polarisierung ergibt. Als äußerste Reaktion ist er die neoliberale
Entsprechung des Faschismus. Die Dimtroffsche Definition des Faschismus als
Herrschaft der am meisten aggressiven, expansionistischen und chauvinistischen
Teile der Finanzoligarchie trifft exakt auch auf den Bushismus zu. Was ihn vom
Faschismus unterscheidet, ist das Fehlen einer Massenbewegung, sein
Privatisierungsliberalismus und die bürgerlich-demokratische Fassade
seiner Diktatur.
Daraus ergibt sich als zwingende Notwendigkeit,
daß die Antkriegsbewegung zu einem höheren Bewußtsein ihrer
selbst gelangt. Das Erlahmen ihrer Kräfte nach der Eroberung des Irak
läßt vorerst auf das Gegenteil schließen. |