Amerika nicht das Land der
unbegrenzten Möglichkeiten, sondern der
unmöglichen
Begrenztheiten. In der ARD wurde am 09.03.2003 die Sendung
Kulturreport ausgestrahlt. Unter
anderem war dort zu hören warum sie in
den USA kein kritisches Buch mehr kaufen sollten. Das
Ende der
Meinungsfreiheit und die totale Überwachung im sog. Mutterland der
Demokratie.
Amerika, unser Vorbild für Demokratie, Meinungsfreiheit und
Bürgerrechte. Ein Land in dem laut
Verfassung jeder sagen kann was er
will. So jedenfalls die Theorie und Praxis für die ersten
zwei
Jahrhunderte. Doch es hat jüngst ein paar kleine
Änderungen gegeben. Natürlich zur Sicherheit
der Menschen! Haben
sie schon einmal darüber nachgedacht, ob sie sich damit
verdächtig
machen, wenn sie in den USA z.B. ein Buch kaufen? Sollten
sie aber! Sollte auch jeder
Amerikaner, denn das FBI liest ab sofort mit. Es
be-spitzelt seine eigenen Landsleute. Der
Kongreß-abgeordnete Bernard
Sanders sagte: Sie gehen in einen Buchladen und unter einem
sehr sehr
dürftigen Vorwand kann das FBI nach ihnen reingehen, und die
Buchhändlerin fragen,
was für ein Buch diese Person gekauft hat.
Die Buch-händlerin würde das Gesetz verletzen, wenn
sie dem FBI
diese Bücher nicht nennt. Außerdem erlaubt das Gesetz dem FBI,
Buchhändler und
alle Bibliothekare zu zwingen, ihnen alle Leute aus der
Kunden-Kartei zu nennen die ein
bestimmtes Buch gelesen haben. Damit
können sie dann Listen von möglichen Verdächtigen
aufstellen.
Wer liest ist verdächtig. Nur langsam regt sich politischer Wiederstand.
Der
Kogreß-abgeordnete Sanders und einige seiner Kollegen wollen sich
wehren. Doch dazu müßten
sie erst einmal das Gesetz ändern.
Diese FBI-Durchsuchungen sind seit Oktober 2001 legal.
Damals wurde unter
dem Schock des 11.09. der US Patriot-Act in einer Nacht- und
Nebelaktion
verabschiedet. Ein Antiterrorpaket, welches dem FBI unter
anderem ermöglicht, ohne einen
unabhängigen Gerichtsbeschluß
Buchläden zu durchforsten. Buchhändler Joe Murphy: Ich
kann
mir nicht vorstellen, was man in einem normalen Buchladen finden könnte,
das in
irgendeiner Weise für einen Terroranschlag weiterhilft. Welche
Lektüre beweist denn, daß man
Terrorist ist? Ich könnte
ihnen keinen Titel von uns nennen, womit das ginge. Bleibt die Frage,
wonach
das FBI suchen könnte, außer nach kritischen Meinungen. Die Gefahr
ist, wenn sie in
einen Buchladen gehen und ein interessantes Buch entdecken,
z.B. über den Nahen Osten, in
dem Moment wo sie anfangen zu denken,
vielleicht werde ich überprüft, wenn ich das Buch
kaufe, und
entscheiden sich dann dagegen, in dem Moment haben sie nicht mehr die Freiheit
zu
lesen, was sie lesen möchten. Der Kampf gegen den Terror -
Kollateralschaden ist schon jetzt die
Bürgerfreiheit. Laut einer
Uni-versitätsstudie soll es bereits 180 solcher Durchsuchungen
gegeben
haben. Offizielle Angaben gibt es nicht. Auch der überprüfte Leser
wird es nie erfahren,
denn der Buchhändler darf es ihm nicht sagen.
Buchhändlerin Linda Ramsdell wurde gefragt ob
sie schon Besuch vom FBI
gehabt hat. Ihre Antwort: Das darf ich ihnen nicht sagen, das ist
Teil
dieser Schweigevorschrift. Mit irgend jemanden darüber zu reden
verbietet mir die Bestimmung
215 des US Patriot-Acts. Auch die
Leihbibliotheken haben ge-legentlich das FBI zu Gast. Hier
gibt es
öffentliche Internetzugänge, freie Informationen, aber mit dem
Agenten im Nacken. Die
meisten Computer registrieren die Suchpfade im
Internet, und wenn die mit dem
Bibliotheksausweis verbunden werden, ergibt
das persönlich identifizierbare Daten über den
Benutzer. Chris
Finan, von american bock-sellers foundation for free ex-pression
sagte: Wir
von unserer Stiftung haben Informationen, daß das FBI
gerne noch einen oben drauflegen
möchte, die Pläne für ein
Nachfolgegesetz zum Terrorkampf liegen schon in der Schublade
des
Justizministeriums. Vor kurzem kamen sie durch eine Indiskretion an die
Öffentlichkeit. Ein
Entwurf der viele Bürgerrechte ganz über
den Haufen werfen würde. Mit diesem zweiten Teil des
US Patriot-Acts
sollen geheime Verhaftungen möglich werden, ohne daß Angehörige
oder
Anwälte davon erfahren. Eine Gendatenbank für Ausländer
soll aufgebaut werden. Das
Justizministerium hat nicht dementiert, nur
abgewiegelt: es handele sich doch nur um einen
Entwurf. Doch der hat
über 100 Seiten und sieht wirklich nicht aus wie ein Notizzettel. Sagt
auch
die Organisation die das ganze ans Licht gebracht hat. Bill Allison,
center for publicy integrity:
Das neue Gesetz würde bedeuten, sie
sind Bürger der Vereinigten Staaten, sie haben mit
irgendwelchen
Aktivitäten zu tun, die aber einer Organisation zugute kommen, die
der
Justizminister für terroristisch hält, dann kann ihnen die
Staatsbürgerschaft entzogen werden. Es
braucht nicht viel Phantasie
sich auszumalen was dann folgt. Ohne Staatsbürgerschaft können
sie
vor ein Militärgericht gestellt werden. Sie könnten in ein anderes
Land deportiert werden,
ohne jeden verfassungsrechtlichen Schutz. War nicht
Amerika einmal das Land, in dem auch
äußerst spezielle Gruppen
wie ein amerikanisch-arabisch-feministisches Forum für Frieden
in
Palästina und Irak offen demonstrieren konnte? Wer wird sich das
noch trauen?
Verfassungs-rechtler Joseph Onek: Ich habe
schließlich für das Justizministerium gearbeitet, ich
weiß,
dort hatte man immer schon einen Wunschzettel was man nicht alles gerne tun
dürfen
würde.
Normalerweise würden sie das alles nicht
durchkriegen, aber mit dem Argument: Kampf gegen
den Terror
werden sie noch einiges durchsetzen, und man weiß nicht immer wie lange
diese
Gesetze gültig bleiben. Denn der Krieg gegen den Terror hat
gerade erst begonnen, und er hat
eben kein bestimmtes Ende. Notstandsgesetze
für den Dauereinsatz. Solange wie es eben nötig
ist, um die Welt
zur Ordnung zu rufen, und zur Demokratie zu erziehen. Aber wie überzeugt
man
die Welt von etwas das man selbst preisgegeben hat? Es besteht die
große Gefahr, daß es noch
mehr solcher Gesetze geben wird. Vor
allem, wenn es noch zu weiteren Terroranschlägen kommt,
könnten
sie leicht durchgebracht werden. Ich habe Angst, daß wir bei unserer
Verteidigung der
Demokratie, die Demokratie opfern. Wir laufen Gefahr, genau
das zu opfern, wofür wir eigentlich
alle kämpfen.
Soweit
der Beitrag im Kulturreport. Nur sind wir in der Bundesrepublik Deutschland
schon viel
weiter fortgeschritten. Hier werden Publikationen verboten. Wer
eine kritische Meinung hat und
wahrhafte Hintergründe zu finden sucht,
wird eingesperrt. Unbequeme Politiker die eine andere
Meinung haben als
erlaubt, sind selbstverständlich untragbar und müssen
weg. Siehe
Möllemann, Herta Däubler-Gmelin, Walter Kolbow
SPD-Verteidigungsstaatssekretär. Er soll Bush
als Diktator
bezeichnet haben, womit viele andere Politiker und freiheitsliebende Menschen
mit
ihm übereinstimmen.