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Beim Nachsinnen
über Sinn oder Unsinn der ganzen SARS-Hysterie ist natürlich ein
kleines Detail außen vor geblieben:
Die diesjährige schwere
Grippewelle hat ... rund 15 000 Menschen das Leben gekostet. In
durchschnittlichen Jahren gebe es bundesweit nur rund 5000 bis 8000 Todesopfer
der Infektionskrankheit, sagte ... Wie kommt diese erstaunliche
Performance der Grippe-Aktie von 100 bzw. 200 % zu Stande? Nun ich vermute
folgendes, gebe aber natürlich zu, mich auch täuschen zu
können:
Die Französin
Simone Delarue, von 1964 bis 1979 leitende Direktorin der französischen
Nationalen Liga für Impffreiheit, ab 1979 Präsidentin und
heute Ehrenpräsidentin dieser Vereinigung, hat vor ein paar Jahren (kann
leider kein Erscheinungsjahr finden) ein Buch mit dem deutschen Titel
Impfschutz Irrtum oder Lüge? veröffentlicht. Ich
kenne das Buch selbst nicht, aber der vor mit liegende Flyer enthält zum
Beispiel eine Graphik, die ich rechts eingefügt habe. Aussage der Graphik:
Umso mehr geimpft wurde, desto höher war auch die Zahl der Todesopfer, die
durch genau diese Krankheit gestorben sind.
Ebenso wird auf ein
weiteres Phänomen eingegangen:
In den Ländern der Dritten Welt
wird seit Jahrzehnten sehr viel geimpft, z.T. mehr als bei uns; und doch
grassieren dort gerade die Seuchen, gegen die am meisten geimpft wird. Der
größte Impftest der WHO (Weltgesundheitsorganisation) gegen TB in
Indien an 260.000 Menschen wurde nicht fortgeführt, weil die Impfung
völlig erfolglos war.:p>
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Was könnte dies nun alles
mit unserer guten alten Grippe zu tun haben? Nun, ich vermute mal folgendes:
Spätestens seit dem 11. September 2001 wissen wir wieder wie schnell
das Böse überall und immer zuschlagen kann. Nicht nur
Terroristen, nein auch Krankheiten. SARS ist das beste Beispiel dafür, wie
schnell Menschen wahrscheinlich zu dem Schluss Was interessiert mich ein
Krieg im Irak, wenn ich hier an SARS sterbe? neigen könnten. Kurz
und gut, mit der Macht der Medien kann man viele Angstpotenziale aufbauen und
verstärken. Und wenn es die Medien nicht machen, dann macht es der Vater
oder die Mutter; etwa so Junge, hast du dich dieses Jahr schon gegen
Grippe impfen lassen?, Oh, nein., Na, dann mal schnell,
sonst kriegst du sie noch!. Zufälligerweise werden dann
wahrscheinlich genau so viele Geimpfte an Grippe erkrankt sein wie
Nichtgeimpfte. Nun nehmen wir mal an, dass die Anzahl der
Gegen-Grippe-Geimpften (die GGGs also) im Jahr 2002 stark zu genommen
hätten. Dafür habe ich noch keinen Beweis, aber wenn sich Deutschland
für Eurobeträge in Millionenhöhe Pockenimpfstoff besorgt, dann
wäre dies prinzipiell auch für die Grippe denkbar. Oder dass der
Grippeimpfstoff, der angeblich nur 3 der fast 200 Grippeerreger abdeckt (auch
diese Angabe ungewiss!), nun dieses Jahr mal zu überhaupt nichts getaugt
hat. Oder dass die Zahl der Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von
Medikamenten der Pharmariesen zugenommen hat. Oder dass zum Beispiel aufgrund
des schlechter werdenden Gesundheitssystems (ich schäme mich schon, es als
solches zu bezeichnen) mehr Menschen in Krankenhäusern gestorben sind und
die Ärzte dann mal eben kurz Tod durch Grippe notiert haben.
Oder, oder, oder ...
Man sieht also, die
Möglichkeiten sind immens, wie man Statistiken auslegen kann und noch
größer sind die Möglichkeiten sie zu fälschen. Drum sollte
man nie den alten Einstein vergessen, der die Statistik als die Hure der
Mathematik bezeichnete sie schlafe mit jedem, so lange der Preis
stimmt. Ebenso gilt der Ausspruch eines Unbekannten (vielleicht
weiß ja jemand, wie der Erschaffer dieses Zitats hieß):
Glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht
hast!
Zu guter Letzt möchte ich
noch einmal auf das Buch Das Medizinkartell Die sieben
Todsünden der Gesundheitsindustrie (von Kurt Langbein & Klaus
Ehgartner) zu sprechen kommen. Es gibt wohl kein besseres Buch, welches man
lesen sollte, wenn man krank ist
J.
Ich kam also vom Allgemeinarzt meiner Wahl zurück und konnte mir nach
dieser Lektüre auch erklären, warum auf seinem Namensschild der
Hinweis Alle Kassen & Privat fast doppelt so groß
geschrieben stand wie die Bezeichnung Allgemeinarzt. Es hat einen
Grund, warum die Schwestern meist nicht zuerst nach dem gesundheitlichen
Problem fragen, sondern ob man denn auch die Chipkarte mithätte. Die
unheilvolle Verbindungen von Gesundheit und Geld, von Gesundheitssystem und
Krankenkasse, von Pharmakonzernen und Forschung werden in diesem Buch sehr
präzise und anhand vieler Fallbeispiele dargestellt. Das Gesundheitswesen
als Fließbandarbeit ich habe das Buch fast durch und die
Beschreibung auf dem Buchrücken aufregende und erschütternde
Beispiele ist keineswegs untertrieben.
Ein paar Daten aus dem
Buch:
Gaben 1966 nur 14 % der Ärzte
an, dass sie ihre Berufswahl bedauern, so würden in den 80er Jahren schon
58 % nicht mehr den selben Beruf wählen, wenn sie noch einmal von vorne
anfangen könnten. Die Gründe dafür: Wenn als Anfangsmotivation
der Wunsch, Menschen zu helfen, steht, wird den Jungmedizinern spätestens
beim ersten Praktikum klar, dass sie Arbeiter in einem Fließbandbetrieb
sind. Das Einzige, was sie aus der Jahrhundertwende der Götter in
Weiß mitgenommen haben, sind die Arbeitszeiten. (S.
158)
Der Prozentsatz von Medizinstudenten,
die bei Umfragen angeben, dass es im Beruf für sie von hoher Bedeutung
ist, gut zu verdienen, hat im Lauf der letzten Jahrzehnte von 40 % auf 80 %
zugenommen. (S. 159)
Das Buch räumt auch mit
dem weitverbreiteten Vorurteil auf, dass die Moderne Medizin uns die
erhöhte Lebenserwartung gebracht hätte. Hintergrund: wurden Deutsche
um 1900 durchschnittlich nur 47 Jahre alt, waren es in den 1990er immerhin
schon 30 Jahre mehr.
Ein Team der Standford University hat
berechnet, wie die Verdienste für den Zugewinn von 30 Lebensjahren
aufzuteilen sind. Mit einem Anteil von fünf bis bestenfalls
fünfeinhalb Jahren schneidet der riesige Medizinapparat, der schon jeden
zehnten erarbeiteten Euro verschlingt, dabei recht bescheiden ab.
(S. 185)
Die größten
Fortschritte gehen auf das Konto der sozialen Errungenschaften (Errichtung
einer Kanalisation, verbesserte Ernährung etc.). Aber mit sozialen
Errungenschaften ließ sich schon vor 100 bis 150 Jahren kein großes
Geld verdienen und davon hatte auch die Industrie nichts. Folglich standen
Sozialmediziner wie z.B. Rudolph Virchow immer im Hintergrund derer mit deren
Erfindungen und Entdeckungen (z.B. Robert Koch, Louis Pasteur) man einen Haufen
Geld verdienen konnte.
Nun Fazit aus der
Geschichte: Schaut Euch Euren Arzt immer genau an und vergesst den gesunden
Menschenverstand nicht. Der hilft nicht nur bei mathematischen Spielereien
weiter. Fazit 2 für alle Mediziner: Seid Euch Eurer Aufgabe bewusst
will ich Menschen helfen oder lasse ich das System entscheiden, was ich tue.
Letzter Satz gilt im übrigen nicht nur für Ärzte, sondern er ist
allgemeingültig!
In diesem Sinne lasst es Euch
gut gehen und eine schöne Arbeitswoche, Euer Micha. |