Rumsfeld: Neue Waffen mit thermobarischen Sprengköpfen
im Irak eingesetzt Nach unerwartet harten, wochenlangen Kämpfen im
Süden kam der plötzliche Fall von Bagdad am 9. April 2003 ebenso
unerwartet. Was war geschehen?« Die Frage, ob dieser plötzliche
Wandel mit dem Einsatz neuer, in ihrer Zerstörungskraft demoralisierenden
US-Waffen zu tun hatte, stellte jüngst in einem Rundschreiben der
»Deutsch-Arabischen Gesellschaft« der Irak-Kenner Prof. Dr.
Sommerfeld von der Universität Marburg.
Der weltbekannte
Archäologe beschäftigte sich in seinem Bericht zwar
hauptsächlich mit den Plünderungen der Museen, schrieb aber auch
über den Einsatz neuer US-Waffen, die so Sommerfeld nach
Berichten von »unmittelbar Beteiligten« dazu geführt
hätten, »die Maschinengewehre der Iraker zum Schmelzen« zu
bringen. Von den Menschen ließen sie »nur Knochen ohne Fleisch
übrig«. Sommerfeld unterstrich, daß die Aussagen seiner
Gewährsleute in Bagdad »tendentiell zutreffen dürften, auch
wenn die Details gegenwärtig noch nicht ausrecherchiert werden
können«. Bereits am 25. April hatte Sommerfeld auf der
Einfallstraße nach Bagdad »Dutzende von ausgebrannten normalen
Zivilfahrzeugen« gesehen, »die im Weg gewesen waren und eliminiert
wurden, wobei die zivilen Wageninsassen, auch viele Frauen und Kinder, zu Tode
kamen«.
Bestätigt wurde der Einsatz der neuen
thermobarischen Waffen im Irak von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am
Mittwoch (Ortszeit) vor dem militärischen Beschaffungsausschuß des
US-Senats, wobei der beschriebene Waffentyp die oben genannten Wirkungen
hervorrufen könnte.
Die USA hätten, so Rumsfeld, zum ersten
Mal eine Waffe eingesetzt, »die Menschen tötet, aber Gebäude
nicht zerstört«. Dabei handele es sich um eine von
Kampfhubschraubern abzufeuernde »Hellfire« (Höllenfeuer)
genannte Rakete vom Typ »AGM-114N Metal Augmented Charge«, die mit
einem neuartigen thermobarischen Kampfkopf ausgerüstet sei. Die Wortteile
»therme« (griechisch für Hitze) und »baros«
(Druck) deuten an, daß es sich dabei um eine Abwandlung und
Miniaturisierung der riesigen als »Daisy Cutter« bekannten Bombe
geht. Die »Daisy Cutter« (Gänseblümchenschneider) ist
nach der Atombombe die US-Waffe mit der größten, in einem Radius von
bis zu 600 Metern absolut tödlichen Wirkung.
Vor dem
Kongreßausschuß, in dem Rumsfeld einen 380 Milliarden
Dollar-Rüstungshaushalt für 2004 vertrat, schwärmte der
US-Verteidigungsminister insbesondere über die Qualität der neuen
Waffe, die »im ersten Stock eines Gebäudes alle umbringen kann, ohne
daß die darüber oder darunter liegenden Stockwerke beschädigt
werden«. Auch könne sie Menschen töten, »die sich um die
Ecke« oder »in mehrräumigen Bunkerkomplexen« versteckt
halten. Wie oft und wo die neuartige Bombe im Irak-Krieg eingesetzt wurde,
sagte Rumsfeld nicht. |