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17.05.2003 Arnold Schölzel Junge Welt
Amerika erwacht
Aus unserer Rubik: Der Schwarze Kanal
Der Krieg gegen den Irak ist nicht vorbei. Der US-Präsident drückte sich vorsichtig aus, als er das Ende der größeren Kampfhandlungen verkündete. Bei den deutschen Mitgliedern der »Koalition der Willigen«, die sich unter den zahlreich von George W. Bush angebotenen Kriegsgründen die Beseitigung Saddam Husseins ausgesucht hatten, begann dagegen bereits das Leichenzählen. Losung: Je weniger Tote, desto gerechtfertigter der Krieg. Hans Magnus Enzensberger teilte vor einigen Wochen in der FAZ triumphierend mit, daß die von der Friedensbewegung befürchteten Ziffern an Toten weit unterboten wurden. Wann der Dichter sich angesichts der schönen Tabellen einen weiteren schönen Krieg wünscht, ist vermutlich eine Frage der Zeit. Der Effekt der »Noch eine Leiche weniger«-Zahlenpoesie wurde allerdings etwas eingeschränkt durch die Information Donald Rumsfelds in dieser Woche, daß die USA einen neuartigen Bombentyp eingesetzt hätten, der Häuser und Anlagen verschont, aber Menschen verdampft. Da die nicht aufzufinden sind, können sie auch nicht gezählt werden.

Auf empirisch-exakte Wahrheiten dieser Art reduziert sich das Kriegsmarketing der »Willigen« aber nicht. Manchmal drängt es sie zum Allgemeinen. Am Donnerstag veröffentlichte die FAZ eine aufklärerische Ergänzung zu Enzensbergers Abzählprosa. Geschrieben hatte sie der US-Autor Ralph Peters. Er hält sich mit Enzensbergerschen Einzelheiten nicht auf, sondern bemüht das Ganze: »Die Europäer« halten sich demnach lieber an Illusionen als »an harte Realitäten«. »Sie reden viel, tun wenig und machen die Vereinigten Staaten für ihre eigenen Mißstände verantwortlich.« Die Sprechchöre der Friedensbewegung in Berlin unterschieden sich kaum von denen in Bagdad. Aber »Amerika« erwacht jetzt »aus einem tiefen Schlaf«, entziehe sich »dem Bann einer langen Hörigkeit«: »Wir werden eure blutbeschmierten, verrotteten Regeln für das internationale System nicht länger hinnehmen, sondern unsere eigenen Regeln schaffen. Ihr werdet viele unserer Regeln nicht mögen.«

Zumindest die Sprachregeln des US-Autors sind relativ neu: »Wir haben unseren Krieg leicht gewonnen, trotz eurer Proteste und ohne eure Hilfe.« In den USA wurde die Hälfte der Bevölkerung davon überzeugt, daß Saddam Hussein Schuld am 11. September sei. Ralph Peters weiß darüber hinaus, daß Europa nicht half. Deswegen flogen z. B. deutsche AWACS-Besatzungen lediglich zum Urlaub in die Türkei, fuhren deutsche ABC-Panzer seit mehr als einem Jahr in Kuweit spazieren, sperrte die Bundeswehr US-Kasernen und -Flughäfen ab.

Peters’ geschichtsphilosophischer Furor führt ihn zu dem Schluß, daß Hitler »wenigstens aufrichtig in seiner Bigotterie« gewesen sei im Gegensatz zur heutigen Gesellschaft. Da müßte dem Bush-Krieger die Wahl nicht schwerfallen. Auf jeden Fall ist die Reeducation der Westdeutschen ohne Folgen geblieben, die Ostdeutschen hatten ja nie eine. Daher: »Für die Amerikaner kämpfen die Israelis um ihre Existenz, gegen Leute, die sie ausrotten wollen. Ihr empfindet die Israelis als Vorwurf an eure Vergangenheit und schlagt auf sie ein.«, z. B. durch die Lieferung von Patriot-Raketenbatterien während des jüngsten Krieges.

Der Traktat des sich auch als Völkerpsychologen und Nationalpauschalisten betätigenden Peters stellt die Versatzstücke neu zusammen, mit denen sich Antideutsche und sonstiger Mainstream der Bürgerpresse ihr Bild von Faschismus, vom Verhältnis der Bundesrepublik zu den USA und von US-geführten Kriegen machen. Das Resultat läßt die neuen Kombinationen ahnen, die sich zwischen den »partner in leadership« einstellen könnten.

Das Duo Roland Koch - George W. Bush ist vielversprechend. Die FAZ forderte am Freitag schon mal, daß Deutschland sein Verhältnis zu den USA klären müsse, bevor »Europa auf Weltmachtniveau« angekommen« sei. Die nötige Aufrichtigkeit wird Roland Koch aufbringen.


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Einen Herrn Bush zum Beispiel interessiert es herzlich wenig, ob Sie sich über ihn ärgern.
Sie sind Schöpfer der Ereignisse die in Ihrem Leben eintreten, also seien Sie sich bewußt
wie Sie denken oder sprechen.