http://www.atimes.com/atimes/Middle_East/EE22Ak03.html Es könnte
lehrreich sein zu erfahren, was der US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld
und der "Prinz der Dunkelheit", Richard Perle, letztes Wochenende gemacht
haben. Vom 15. bis zum 18. May waren sie Gäste des Trianon Palace Hotel,
in der Nähe des Schlosses von Versailles bei Paris, um am jährlichen
Treffen des Bilderberg Clubs teilzunehmen.
Je nach ideologischer
Sichtweise könnte man den Bilderberg Club bezeichnen als eine
Ultra-VIP-Gruppe internationaler Lobbyisten der Machtelite Europas und
Amerikas, fähig, internationaler Politik hinter geschlossenen Türen
zu steuern; als ein harmlose "Diskussionsgruppe" von Politikern, Akademikern
und Industriemagnaten; oder als eine geheime kapitalistische Gesellschaft, die
nur im eigenen Interesse handelt und die Weltherrschaft anstrebt.
Der
Bilderberg Club wird von vielen Mitgliedern der Finanz- und Unternehmereliten
als das Oberhaus der Hohepriester des Kapitalismus angesehen. Man kann keine
Mitgliedschaft bei so einem Club beantragen. Jedes Jahr erstellt ein
mysteriöser "Lenkungsausschuß" eine Einladungsliste mit
höchstens 100 Namen. Der Ort ihrer jährlichen Treffen ist nicht
direkt geheim: sie haben ein Hauptbüro in Leiden, in den Niederlanden.
Aber die Treffen selbst unterliegen der größten Geheimhaltung.
Teilnehmer und Gäste enthüllen nur selten, daß sie anwesend
sind. Ihre Geheimhaltung wird vom militärischen Geheimdienst
sichergestellt. Aber was macht diese geheime Gruppe wirklich? Nun, sie reden.
Sie machen Lobbyarbeit. Sie versuchen, ihren bereits riesigen politischen
Einfluß noch weiter zu vergrößern, auf beiden Seiten des
Atlantiks. Und jeder verpflichtet sich zu absoluter Verschwiegenheit über
die Gespräche.
Bilderberg vermischt Bankiers,
Verteidigungsexperten, Pressezaren, Minister, Premierminister, Aristokraten,
internationale Financiers und politische Führer aus Europa und Amerika.
Gäste waren dieses Jahr, neben Rumsfeld und Perle
(US-Vizeverteidigungsminister Paul Wolfowitz ist ebenfalls ein Mitglied), der
Bankier David Rockefeller wie auch diverse Mitglieder der Rockefeller-Familie,
Henry Kissinger, Königin Beatrix der Niederlande, Königin Sofia und
König Juan Carlos von Spanien und hohe Beamte mehrerer Regierungen.
Bilderberg lädt weder Asiaten, Bewohner des Mittleren Ostens,
Lateinamerikaner noch Afrikaner ein oder akzeptiert sie.
Einige der
führenden Financiers der Welt als auch außenpolitischer Strategen
nehmen an Bilderberg teil, ihrer Ansicht nach, um einen gedachten Konsens
aufzupolieren und zu verstärken: eine Illusion, daß Globalisierung,
nach ihren Regeln - was gut für Banken und große Unternehmen ist,
ist auch gut für alle anderen - definiert, unvermeidlich und das Beste
für die Menschheit ist. Wenn sie einen geheimen Plan haben, dann ist es
die Tatsache, daß ihre unglaubliche Konzentration von Wohlstand und Macht
komplett von ihrer Erklärung für ihre Gäste losgelöst ist,
wie Globalisierung 6,2 Milliarden Menschen zugute kommt. Eine der früheren
Gäste des Clubs wurden später wichtige Figuren. Bill Clinton wurde
1991 und Tony Blair in 1993 eingeladen und von Bilderberg
ordnungsgemäß "genehmigt" bevor sie ihre Ämter
antraten.
Es gibt unzählige dunkle, immer noch ungeklärte
Verbindungen zwischen dem frühen Bilderberg Club und den Nazis, via Prinz
Bernhard der Niederlande, dem Vater von Königin Beatrix, der den Club 1954
gegründet hat (der Name stammt von einem holländischem Hotel), um
"das Verständnis zwischen Europa und Amerika zu verbessern". Bernhard war
Mitglied von Adolf Hitlers SS. Eines der Gründungsmitglieder Bilderbergs
ist Otto Wolff von Amerongen, der aktiv die Geschäftsbeziehungen
Deutschlands mit dem Sowjetblock verbessert hat und in 26 Vorständen,
darunter der Deutschen Bank, gearbeitet hat. Wenige Menschen kennen ihn, und
das vielleicht aus gutem Grund: er wird mit dem Raub der Nazis von
jüdischen Gesellschaften vor und während des 2. Weltkriegs in
Verbindung gebracht.
Rumsfeld ist ein aktiver Bilderberger. Ebenso wie
General Peter Sutherland aus Irland, ein früherer Kommissar der
Europäischen Union und Vorstandsmitglied von Goldman Sachs und BP.
Rumsfeld und Sachs arbeiteten im Jahr 2000 zusammen im Vorstand des Schweizer
Energieunternehmens ABB. Und ABB hat zufällig zwei Leichtwasserreaktoren
an Nordkorea verkauft. Zu der Zeit, natürlich, war Nordkorea nicht aktives
Mitglied der "Achse des Bösen".
Dieses Jahr ging das Treffen in
Versailles am 19. Mai angenehm in das G8-Treffen der Finanzminister in Paris,
eine 20-minütige Autofahrt von Versailles aus, über. Der Prozedur hat
Tradition: was bei Bilderberg passiert ist üblicherweise eine Vorschau auf
das, was später beim vollen G8-Treffen, das dieses Jahr vom 1. bis zum 3.
Juni in Evian-les-Bains in den französischen Alpen abgehalten wird,
besprochen wird.
Am ersten Tag des Treffens gab der französische
Präsident Jacques Chirac eine Willkommensrede, in der er versuchte, die
starken Spannungen zwischen den Gästen wegen des Irakkriegs zu mildern,
indem er betonte, daß die USA und Westeuropa seit langer Zeit Alliierte
sind. Aber Chiracs Ansprache war vermutlich nicht ausreichend, um die Falken in
der US-Regierung, die wegen des "pazifistischen" Frankreichs immer noch
verstimmt sind, zu beruhigen.
Ein einflußreicher europäischer
Bankier enthüllte, daß die herrschende Elite in Europa ihren Lakaien
jetzt sagt, daß der Westen am Rande der finanziellen Kernschmelze steht;
der einzige Weg, ihre kostbaren Investitionen zu sichern ist also, auf die neue
globale Krise im Mittleren Osten zu setzen, die der Nachfolger der Krise des
Kalten Kriegs ist.
Einer Quelle in einer Londoner Bank, die eine
Verbindung mit Versaille hat, zufolge konnten die amerikanischen und die
europäischen Bilderberger ihren Bruch über die amerikanische Invasion
und die Besetzung des Irak, wie auch über den harten Kurs des israelischen
Premierministers Ariel Sharon gegenüber den Palästinensern nicht
heilen. Während die Bilderberger diskutierten lehnte Sharon Bushs Fahrplan
für den Mittleren Osten, der von den anderen Mitgliedern des so genannten
Quartetts, den USA, der EU und Rußland, schon gutgeheißen worden
war, rundweg ab. Dieser Fahrplan ist offensichtlich abgelaufen; selbst die
Anwesenheit von US-Außenminister Colin Powell - der einen Zwischenstop in
Versailles machte um die Bilderberger zu informieren - reichte nicht aus, um
Sharon davon zu überzeugen, den Abbau israelischer Siedlungen auf
palästinensischem Gebiet auch nur zu diskutieren.
Amerikanische
imperiale Abenteuer werden üblicherweise auf Bilderbergtreffen geprobt.
Europas Elite stand einer amerikanischen Invasion des Irak seit des Bilderberg
Treffens 2002 in Chantilly, Virginia, ablehnend gegenüber. Rumsfeld selbst
hatte ihnen versprochen, daß es nicht passieren würde. Letzte Woche
schlugen alle auf Rumsfeld ein und fragten nach den verrufenen
"Massenvernichtungswaffen". Die meisten der europäischen Elite glauben dem
amerikanischen Versprechen nicht, daß das irakische Öl "dem
irakischen Volk zugute kommen" wird. Sie wissen, daß Erträge aus dem
irakischen Öl verwendet werden, um wiederaufzubauen, was Amerika
zerbombte. Und die Diskussion dauert an, welche Art Verträge, die Bechtel
und Halliburton belohnten, Westeurope "zugute" kommen wird.
Europas
Elite ist, laut denen, die Bilderberg nahestehen, mißtrauisch, daß
die USA keine stabile rechtmäßige Zentralregierung im Irak brauchen
oder sogar wollen. Wenn das passiert wird es keinen Grund mehr für die USA
geben, in dem Land zu bleiben. Europas Elite sieht, wie die USA "am Boden
Fakten schaffen": Einrichtung einer langfristigen Militärpräsenz und
Wiederankurbelung der Ölproduktion unter amerikanischer Kontrolle. Das
könnte jahrelang so weitergehen, so lange, wie die Amerikaner ausreichend
wichtige Dienste bereitstellen können, um die Iraker davon abzuhalten,
sich in einen nationalen Befreiungskampf zu stürzen.
Es war auch
extrem schwierig auf dem Treffen einen Konsens über die Notwendigkeit
einer von der NATO unabhängigen europäischen Armee zu finden. Das
amerikanische Establishment ist natürliche gegen eine Armee der EU. Aber
das sind auch einige Europäer, beginnend mit dem Armeegegner Lord
Robertson, dem Generalsekretär der NATO. Europas Elite hält die
US-Dominierung der NATO nicht länger aus. Einige Europäer schlagen
eine eigene Truppe, aber unter Kontrolle der NATO, vor. Amerikaner
argumentieren, daß eine eigene EU-Truppe die Rolle der NATO als die Armee
der UN schwächen würde. Und die Amerikaner bestehen darauf, daß
die NATO nicht mehr nur an die Verteidigung Europas gebunden ist; die Truppen
können jetzt überall auf der Welt eingesetzt werden, mit oder ohne
Auftrag des UN-Sicherheitsrats. Der tote Punkt bleibt.
Alle diese
entscheidenden Entwicklungen wurden hinter geschlossenen Türen besprochen.
Das Trianon Palace Hotel in Versailles war für die Öffentlichkeit
geschlossen und alle Nicht-Bilderberg-Gäste mußten auschecken.
Aushilfskräfte wurden nach Hause geschickt. Denjenigen, die blieben, wurde
gesagt, daß sie gefeuert würden wenn sie dabei erwischt würden,
irgendetwas über das Treffen zu verraten. Sie durften mit keinem
Bilderberger sprechen bevor dieser sie nicht ansprach. Sie durften niemand in
die Augen sehen. Bewaffnete Wachen riegelten das Hotel komplett ab. Einige
Mitglieder der amerikanischen Presse waren anwesend - aber die
Öffentlichkeit wird nie davon erfahren: Bilderberg-Nachrichten werden
nicht gedruckt oder gesendet. Keine Journalisten von durch multinationalen
Bilderberg-Tycoons wie Rupert Murdoch kontrollierten Medien waren oder werden
je darüber berichten dürfen. Selbst wenn sie es irgendwie schaffen
sollten, in die Party hineinzuplatzen. There's no business like (private) elite
business.
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