| Der Irak-Krieg hat den Terrorismus nicht eingedämmt,
mittlerweile ist auch der von Bush nach dem Krieg versprochene Friedensfahrplan
schon fast wieder Makulatur
Mit den erneuten
Selbstmordanschlägen von Mitgliedern der al-Aksa Brigaden und von Hamas
ist der Friedensplan des sogenannten Nahost-Quartetts in Gefahr, falls er nicht
schon Makulatur geworden ist, auch wenn US-Präsident Bush gegenüber
dem palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas gestern noch
versichert
hat, weiter an der "road map" festzuhalten. Die Terroranschläge in Israel,
aber auch in Saudi-Arabien oder in Marokko zeigen überdies, dass der Sturz
Husseins nichts dazu beigetragen hat, die Region stabiler zu machen und den
Terrorismus einzudämmen. Auch in den USA muss jetzt das
Heimatschutzministerium trotz des erfolgreichen Irak-Kriegs die Terrorwarnung
von "erhöht" auf "hoch" setzen.
Im Juni 2002 hatte Bush in Vorbereitung des Irak-Kriegs und
zur Dämpfung der anti-amerikanischen Stimmung in den arabischen
Ländern in einer Rede
angekündigt, sich für die Schaffung eines palästinensischen
Staates einzusetzen. Wegen des geplanten Kriegs hatte die US-Regierung den
Nahost-Konflikt allerdings erst einmal weiter brodeln lassen und ging wohl
davon aus, dass nach dem Sturz des Diktators die Region friedlicher und
handsamer sein würde, um endlich einen neuen Friedensplan durchsetzen zu
können. Vielleicht ging man davon aus, dass Israel kompromissbereiter sein
würde, wenn durch die Entschärfung des Irak und durch den Druck auf
andere arabische Regierungen die Bedrohung sinkt, während die militanten
Palästinenser ihre Unterstützung in anderen Ländern verlieren,
die Angst vor einer militärischen Intervention der USA haben. Beides
scheint nur kurzfristig eingetreten zu sein, jetzt ist die Situation schon
wieder wie zuvor, wenn überhaupt eine Chance zu einer endgültigen
Beilegung des Konflikts jemals wirklich bestanden hat
Optimistisch sieht der vom Nahost-Quartett unterstützte
Plan eine Beilegung des jahrzehntelangen Konflikts vor, wenn bis 2005 ein
unabhängiger palästinensischer Staat geschaffen worden wäre.
Verbunden werden soll das mit einem Rückzug Israels aus den seit 2000
besetzten Gebieten und mit der Auflösung der seitdem erbauten Siedlungen,
während die Palästinenser für ein Ende des Terrors sorgen
sollen. Mit der Einrichtung eines unabhängigen palästinensischen
Staates, wie dies der gemeinsame Friedensplan von USA, Europäischer Union,
Russland und Vereinten Nationen vorsieht, sollten auch die umliegenden
arabischen Staaten normale Beziehungen mit Israel aufnehmen.
Doch die Errichtung von zwei unabhängigen
demokratischen Staaten, die friedlich nebeneinander existieren, als Ziel der
road
map passt weder den militanten palästinensischen Gruppen, die mit
Anschlägen jede Einigung verhindern wollen, noch den radikalen Israelis
und vor allem den Siedlern, die das Land für sich beanspruchen und
gleichfalls die Gewaltspirale antreiben ( Gewalt
überschattet Friedensgespräche). Sofort sagte denn auch
Ministerpräsident Ariel Scharon nach den ersten Anschlägen den
geplanten Besuch in Washington ab, bei dem er wohl von US-Präsident Bush
unter Druck gesetzt worden wäre, und ließ wieder Militär
vorrücken.
Unter Druck steht die US-Regierung mit ihrem Versprechen
nicht nur gegenüber Palästinensern und Israelis, sondern auch im
eigenen Land durch eine konservative Koalition aus fundamentalistischen
christlichen Organisationen und zionistischen Gruppierungen, die erst letztes
Wochenende auf der Konferenz "Interfaith
Zionist Leadership Summit" in Washington die "road map" als Teufelswerk
("satanic") bezeichnet haben. Prekär ist, dass es sich nicht nur um
Bush-Wähler aus der konservativen Ecke handelt, sondern dass diese
konservative Fraktion, die amerikanische Interessen mit israelischen verbindet,
auch in der Regierung stark vertreten ist. Eingeladen zur Veranstaltung waren
Sprecher aus der konservativen Szene wie Joseph Farah von WorldNetDaily,
Michael Leeden vom American Enterprise Institute, Frank Gaffney vom Center for
Security Policy oder Daniel Pipes vom Middle East Forum, den Präsident
Bush unlängst
als Direktor an das US Institute of Peace berufen hat ( Die
Prätorianer-Garde des Imperiums). Mitveranstalter war unter anderem
auch das Jewish Institute for National Security Affairs (JINSA), bei dem Paul
Wolfowitz, Richard Perle, Douglas Feith oder James Woolsey Mitglieder sind. Wie
sehr diese Fraktion den Kurs der Bush-Regierung beeinflusst, lässt sich
daran ermessen, dass bislang auf Scharon wenig wirklicher Druck ausgeübt
worden ist, um den zentralen Konfliktherd im Nahen Osten zu entschärfen,
der auch den Terrorismus nährt.
Thema der Veranstaltung war vor allem, die Opposition gegen
den Friedensplan zu stärken und zu zeigen, dass die amerikanischen
Interessen im Nahen Osten gleichzeitig die der israelischen Regierung sind.
Wenn man den palästinensischen Terrorismus mit einer Staatsgründung
belohne, mache man den Krieg gegen den Terrorismus lächerlich und
bestärke neue arabische Aggression. Zudem sei der Plan mit Partnern
(Russland, EU und UN) geschaffen worden, die sich wiederholt amerikanischen
Interessen entgegen gesetzt und sich gegenüber Israel als feindlich
gezeigt hätten. Unterstützer für islamischen Terrorismus seien
auch Libyen, Syrien, Saudi-Arabien und der Iran.
"You can have a Jewish
state or a Palestinian state. You can not have both."
Im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen wird hier schon
einmal versucht, Bush weiterhin zur unbedingten Unterstützung Israels
anzuhalten. Immerhin stehen hinter den konservativen evangelikalen
Organisationen wie der Christian Coalition, dem Apostolic Congress, American
Values oder dem Christian Boradcasting Network möglicherweise bis zu 45
Millionen Christen, die teilweise auch Israel helfen wollen (oder insgeheim die
Juden lieber in Israel sehen würden). Dazu kommen die jüdischen
Organisationen, die wiederum auf Solidarität pochen. In einem gemeinsamen
Brief, der Bush demnächst übergeben werden soll, fordern
die an der Tagung beteiligten Organisationen, dass zunächst die
Palästinenser Konzessionen zu machen haben, bevor Israel beginnt, sich
hinter die Grenzen von 1967 zurückzuziehen. Vielen geht auch das freilich
viel zu weit.
Als einzigen Text zur Veranstaltung
wurde ein Artikel von Don Feder, der sie organisiert hat, veröffentlicht.
Der ultrakonservative Feder sagt sich "devotion to America and a commitment to
Biblical morality" nach. Seine Aussage ist ziemlich eindeutig:
You can have a Jewish state or a Palestinian state. You
can not have both. ... President Bush says he wants to bring democracy to the
Middle East. If he's serious about creating a Palestinian state, he will end up
destroying the only democracy in the Middle East - Israel. ... ou will not find
a more unlikely candidate for democracy than Arab Moslems. There is a reason
why, among the 22 nations of the Arab world, not one even approaches popular
rule - why they consistently produce leaders like Nasser, Assad (father and
son), Khomeini, Khadafy, Arafat, Saddam and bin Laden. ...A Palestinian state
would make a mockery of our own war on terror, reward the terror masters and
create another Iraq on the borders of our only reliable ally in the region. The
only peace it would bring to Israel is the peace of the grave." |