Kaum von seiner Tour durch Bulgarien, Rumänien, Bosnien,
Kosovo und Mazedonien zurück, sah sich der US-Vize-Verteidigungsminister
Paul Wolfowitz am Donnerstag (Ortszeit) im Kongreß in Washington
unerwartet harscher Kritik ausgesetzt, selbst aus den eigenen republikanischen
Reihen. »Die Planung für den Frieden war weitaus weniger entwickelt
als die Planung für den Krieg«, klagte der republikanische
Vorsitzende des außenpolitischen Senatsausschusses, Senator Richard
Lugar. Der physische und politische Wiederaufbau im Irak würde mindestens
fünf Jahre dauern.
Besonders schwierig wurde es für
Wolfowitz, als der angesehene demokratische Senator Joseph Biden ihn
beschuldigte, die riesigen Kosten vor der US-amerikanischen Öffentlichkeit
zu verheimlichen. Auch nach Meinung von Senator Lugar könnte der
Wiederaufbau des Irak bis zu 100 Milliarden Dollar kosten, gegenüber den
lediglich 2,5 Milliarden, die der US-Kongreß bereits dafür bewilligt
hat. Als Wolfowitz bei seiner Entgegnung auf die eigenen Ressourcen Iraks zum
Wiederaufbau verwies, insbesondere auf »die riesigen
Erdölfelder«, unterbrach ihn Senator Biden barsch: Dies sei eine
»Fehlkalkulation«. Allein für eine Steigerung der derzeitigen
Ölproduktion um eine Million Barrel brauche man zuerst fünf
Milliarden Dollar Investitionen sowie Zeit. Doch blieben ohne die notwendige
Sicherheit die privaten Investitionen aus. Eine Zwickmühle, aus der man
nur schwer herauskomme, weshalb Senator Biden seiner Sorge Ausdruck verlieh,
daß die Vereinigten Staaten sich »im Irak genauso festfahren werden
wie auf dem Balkan«.
Von dort, insbesondere aus Bosnien und dem
Kosovo, hatte Wolfowitz einige interessante »Lehren« für den
Irak mitgebracht, die am Freitag in der New York Times zu lesen waren und die
Wolfowitz vor dem Senatsausschuß nicht erwähnte. Demnach seien die
in Bosnien und im Kosovo bei der »Stabilisierung« nach dem Krieg
gewonnenen Erfahrungen auch auf den Irak anwendbar. Die Entwicklung in Bosnien
hätte bewiesen, wie gefährlich es sei, jetzt im Irak vorschnell
demokratische Wahlen zu organisieren. Seine plötzliche Abneigung gegen
demokratische Wahlen im Irak begründete Wolfowitz damit, daß die
Iraker für diese Staatsform noch nicht reif genug seien.
Damit der
Widerstand gegen die amerikanischen Demokratielehrer im Irak im Rahmen bleibt,
hatte Wolfowitz eine weitere »Lehre« aus Bosnien und dem Kosovo
bereit. Dort seien die robusten
»Friedenshüter«-Streitkräfte »so stark und
mächtig gewesen, daß niemand gewagt hat, sich mit ihnen
anzulegen«. An der Überlegung, »je mehr« Truppen man am
Anfang habe, »um so schneller kann man sie später abziehen«,
sei etwas dran, meinte Wolfowitz. Vor dem Senat aber verteidigte er seine
Kritik am Stabschef der US-Armee, General Eric Shinseki, der bereits im Februar
gewarnt hatte, daß »für die Stabilisierung Iraks mehrere
100000 Soldaten notwendig« seien. So viele bräuchte man nicht, sagte
Wolfowitz. Und der ihn begleitende General Pace unterrichtete den Senat
über den genauen Stand der US-Truppen im Irak: 145000 seien dort und 18000
weitere auf dem Weg nach Irak, wo die USA von 20000 britischen Soldaten
unterstützt werden. |