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26.05.2003 Dago Langhans Junge Welt
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Die Supermacht lädt nach – US-Kongreß beschließt für 2004 Verteidigungsetat auf Rekordniveau
Ende letzter Woche beschlossen beide Kammern des US-Kongresses Gesetze, mit denen die Militärausgaben der Vereinigten Staaten auf die Rekordhöhe von 400,5 Milliarden US-Dollar im Jahre 2004 getrieben werden können. Mit dieser Summe übertrafen die Parlamentarier des Repräsentantenhauses und des US-Senats sogar die vom Bush-Kabinett für das Steuerjahr 2004 gewünschte Aufstockung. Christopher Hellman vom rüstungskritischen Center for Defense Information berechnete in der jüngsten Ausgabe des Defense Monitor die von der Bush-Regierung verlangte Erhöhung des Militäretats auf insgesamt 399,1 Milliarden Dollar. Zu den vom Pentagon verlangten 379,9 Milliarden addierte er 19,3 Milliarden Dollar für den Ausbau und Unterhalt des US-Nuklearwaffenarsenals, die sich im Etat des Energieministeriums verbergen.

Laut einem weiteren Artikel von Winslow T. Wheeler im selben Blatt bleibt die Dollar-Arithmetik zukünftiger, tatsächlicher Rüstungsausgaben weitgehend undurchschaubar, wie er am aktuellen Militäretat für das Rechnungsjahr 2003 belegte. Das US-Rüstungsbudget für 2003 wird einmal mit 355 Milliarden, dann mit 365 und letztlich mit 382 Milliarden US-Dollar angegeben. Verblüffenderweise sind alle Zahlen technisch korrekt und zugleich unzutreffend.

Dem Pentagon wurden vom Kongreß für das aktuelle Haushaltsjahr 355 Mrd. Dollar als Etat per Gesetz zugebilligt. Die Zuwendungen per Military Construction Appropriation Bill machen weitere zehn Milliarden aus. Küstenschutz, Energieministerium und andere Institutionen verschlingen weitere 17 Milliarden Dollar für verteidigungsrelevante Haushaltstitel. Die Interventionskosten der Auslandseinsätze des Pentagons in Afghanistan, am Persischen Golf und anderswo, wollte sich das Rumsfeld-Ministerium mit 17 Milliarden Dollar vom Kongreß billigen lassen. Genehmigt wurden dafür sieben Milliarden. Offen bleibt bislang die Entscheidung der US-Parlamentarier über die nachgereichte Bewilligung weiterer 20 Milliarden Dollar für Logistik und Einsatzkosten dieser Auslandsoperationen.

Übereinstimmung allerdings erzielte die Administration mit dem Kongreß Anfang April für den Nachschlag der Kosten für den Irak-Krieg mit einem Volumen von 74,7 Milliarden Dollar. Davon gehen 63 Milliarden an die Streitkräfte, 4,3 Milliarden dienen dem Ausbau der »Inneren Sicherheit«, fünf Milliarden beansprucht der Ausbau internationaler Militärhilfe, um 2,4 Milliarden Dollar für den »Wiederaufbau« des Irak rangeln US-Konzerne, und zu guter Letzt packten die US-Politiker noch 2,4 Milliarden Dollar zur Subventionierung der angeschlagenen US-amerikanischen Luftfahrtindustrie obendrauf.

Wie man die Militärausgaben der Supermacht auch immer kalkulieren mag, bereits der Etat des Jahres 2003 weist gigantischeDimensionen auf. Und das sieht für das Rechnungsjahr 2004 nicht anders aus. Nach den Schätzungen des Defense Monitor machen die Ausgaben der USA und ihrer »Alliierten« mehr als zwei Drittel aller globalen Militärkosten aus. Der anvisierte Militärhaushalt von 400 Milliarden, man kann auch vierhunderttausend Millionen sagen, drängt Rußlands Militärbudget mit seinen kalkulierten 65 Milliarden Dollar abgeschlagen auf den zweiten Platz. Die sieben vom Pentagon als »Schurkenstaaten« ausgemachten Länder Kuba, Iran, Irak, Libyen, Nordkorea, Sudan und Syrien bringen zusammen gerade mal ein Zwanzigstel der US-Militärausgaben auf, wobei unter dem vorherrschenden Besatzungsstatus der Irak nunmehr noch abgerechnet werden muß. Rechnet man zu den Militärbudgets dieser Staaten noch diejenigen Rußlands und Chinas hinzu, kommt man mit 124 Milliarden Dollar auf weniger als ein Drittel der geplanten Kriegsausgaben der USA für 2004.

Bei der Abstimmung um die Militärmilliarden votierte der demokratische Senator Robert C. Byrd aus West Virgina als einziger von 99 Senatoren gegen die geplanten Aufrüstungsmaßnahmen. Das Ergebnis im Repräsentantenhaus erbrachte 361 Stimmen für und 68 Stimmen gegen die Gesetze, die nach einer späteren Feinabstimmung zwischen beiden Kammern den Weg ebnen, für die endgültige Genehmigung des Militäretats 2004 durch die zuständigen Kongreßkomitees.

Zu den wichtigsten Einzelposten des Etats gehören ein Forschungsauftrag für taktische bunkerbrechende Nuklearwaffen im Wert von 21 Milliarden, 9,1 Milliarden für die Entwicklung eines weltraumgestützten Raketenschutzes und 70 Milliarden Dollar für den Erwerb neuer Waffensysteme. Der Gesetzeskatalog erfüllt die Wunschlisten der neokonservativen Falken in der US-Regierung und ihrer Zulieferer, ihrer Stichwort- und früheren Arbeitgeber aus der Rüstungsbranche. Nach einer Studie des unabhängigen World Policy Institute aus dem Jahr 2002 verfügten 32 wichtige Entscheidungsträger der Bush-Regierung über »entscheidende finanzielle Verbindungen zur Rüstungsindustrie«, bevor sie in Amt und Würden gelangten. Der 2001 von Pentagonchef Rumsfeld geschaffene innere Zirkel des Kriegsministeriums, das siebenköpfige Senior Executive Committee, soll laut Rumsfeld »funktionieren wie eine Vorstandsetage für das Ministerium«. Die entsprechenden Herren »werden ihre einzigartigen Qualifikationen als Unternehmensführer zur Empfehlung von Veränderungen in den Geschäftspraktiken des Verteidigungsministeriums nutzen«.


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