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19.3.2003 Aus dem Englischen übersetzt: SiG-Redaktion
Original unter http://www.jvjp.ch/
 
Europäische Juden fordern Sanktionen gegen Israel
In Brüssel trafen sich 17 Organisationen, die von der EU eine aktive Friedenspolitik für den Nahen Osten verlangen
Reutlinger Generalanzeiger 19.3.2003

Brüssel. (GEA) Die Debatten im Foyer der Rue Pletinckx Nummer 19 haben einen vielsprachigen Chor für eine aktive europäische Friedenspolitik im israelisch-palästinensischen Konflikt ausgelöst.
Die Konferenz von 17 jüdischen Gruppen aus neun europäischen Ländern, die sich voriges Wochenende in Brüssel trafen, sorgt unter Juden in Europa weiter kräftig für Gesprächsstoff.
Die meisten Teilnehmer kamen vom Verband: 'European Jews for a Just Peace' (EJJP) Europäische Juden für einen gerechten Frieden, der im September 2002 unter dem Motto 'Sagt nicht, dass ihr es nicht gewusst habt' seine Gründungserklärung veröffentlicht hatte.
Die Berlinerin und Deutsch-Amerikanerin Audrey Berlowitz sieht in den Initiativen 'Anlass zur Hoffnung', dass sich eine neue jüdische Stimme in Europa Gehör verschafft: 'Wir ertragen es nicht mehr, uns von konservativen jüdischen Gemeinden das Wort diktieren zu lassen.'
Bei seiner Gründung verdeutlichte der Verband, dass ein 'gerechter Frieden' nur dann möglich sei, wenn Israel sich aus den besetzten Gebieten zurückziehe, einer palästinensischen Staatsgründung zustimme mit Jerusalem als doppelter Hauptstadt.
Jetzt auf der Konferenz in Brüssel veröffentlichten die gut 100 Teilnehmer einen offenen Brief an die Außenminister der EU und forderten sie auf, das Sonderabkommen mit Israel auszusetzen.
Nach diesem Assoziationsvertrag von 2000 darf Israel wie ein EU-Staat zollfrei Waren in die Europäische Union einführen. Explizit weist Artikel 2 auf die Einhaltung der Menschenrechte und internationale Rechte hin. Nach Überzeugung vieler europäischer Juden werden genau 'diese Rechte täglich in den besetzten Palästinensischen Gebieten gebrochen', durch Tötungen, willkürliche Festnahme und Zerstörung von Wohnhäusern sowie durch Abriegelung von Dörfern und Städten. EJJP-Chef Richard Kuper fordert dagegen mit vielen gleichgesinnten jüdischen Europäern eine 'einzig den Menschenrechten verpflichtete Moral, die auch bei Israel keine Ausnahme machen darf'.
Dass die Realität davon weit entfernt ist, beklagt auch Adi Dagan, Sprecherin der israelischen Menschenrechtsgruppe 'Machsom-Watch' (Checkpointbeobachter). Sie berichtet von täglicher willkürlicher Gewalt gegen palästinensische Zivilisten, die auf dem Weg zur Arbeit,Schule oder Universität an den Check points stundenlang warten müssen, gedemütigt und geschlagen werden. Und immer wieder wird selbst Ambulanzen mit schwer Verletzten der Weg versperrt.
Nach Überzeugung von Abi Dagan braucht die israelische Friedensbewegung Unterstützung aus Europa, um diese Realität der internationalen Öffentlichkeit klar zu machen. Peretz Kidron, Sprecher der israelischen Gruppe Yesh Gvul ('Es reicht') pflichtet ihr bei. Er ist Wehrdienstverweigerer und verweigert wie mittlerweile über Tausend 'Refusniks' den Einsatz in den besetzten Gebieten. Die Besatzung und die Verletzungen fundamentaler Menschenrechte einer ganzen Zivilbevölkerung bezeichnet er als 'Verbrechen'.

Aus aktuellem Anlass warnt der EJJP ausdrücklich auch vor einer neuen Eskalation in den besetzten Palästinensischen Gebieten im Schatten eines Krieges gegen den Irak.
 
http://www.jvjp.ch/
Europäische Juden für einen gerechten Frieden

Wir, Vertreter von sechzehn jüdischen Friedensorganisationen aus acht europäischen Ländern, haben uns auf der Konferenz 'Don´t say you didn´t know' in Amsterdam am 19. und 20. September 2002 getroffen.
Wir rufen die israelische Regierung dazu auf, ihre aktuelle Politik zu ändern und die Vorschläge der folgenden Erklärung zu verwirklichen;
wir rufen alle andere Regierungen, die UNO und die EU, auf die israelische Regierung Druck auszuüben, damit sie die Vorschläge der folgenden Erklärung verwirklicht:

Erklärung
Wir glauben, dass der einzige Ausweg aus der jetzigen Sackgasse in einem Abkommen auf der Grundlage der Schaffung eines unabhängigen und lebensfähigen palästinensischen Staates und der Garantie eines sicheren und anerkannten (safe and secure) Israel und Palästina besteht.

Dies setzt voraus:
1. die sofortige Beendigung der Besetzung der Besetzten Gebiete - Westbank, Gaza und Ostjerusalem - und die Anerkennung der Grenzen vom 4. Juni 1967;
2. die vollständige Räumung aller jüdischen Siedlungen in allen Besetzten Gebieten;
3. die Anerkennung des Rechtes beider Staaten, Jerusalem als ihre Hauptstadt zu haben;
4. die Anerkennung von Israels Anteil an der Schaffung des Problems der palästinensischen Flüchtlinge. Israel muss prinzipiell das Rückkehrrecht der Palästinenser als Menschenrecht anerkennen. Die praktische Lösung dieses Problems wird durch ein Abkommen zwischen beiden Parteien auf der Grundlage von gerechten, fairen und praktikablen Erwägungen gelöst werden. Ein solches Abkommen wird Entschädigung beinhalten und die Rückkehr in das Territorium des palästinensischen Staates oder Israels, ohne die Existenz Israels zu gefährden.
Wir rufen die internationale Gemeinschaft und insbesondere Europa zur politischen und finanziellen Unterstützung auf.
September 2002

Unterzeichner:
An Other Jewish Voice (The Netherlands)
Union des Progressistes Juifs de Belgique -UPJB (Belgium)
Network of Jews Against Occupation, Rome (Italy)
Group Martin Buber-Jews for Peace (U.K.)
Friends of the Israeli Palestinian Coalition of Peace
Just Peace UK
Jews for Justice for Palestinians (U.K.)
Jewish Socialist Group (U.K.)
British Friends of Peace Now
Rabbis for Human Rights UK
Jewish Manifesto (Sweden)
The Swedish Jewish Peace Group (Sweden)
Jüdische Stimme fur einen gerechten Frieden zwischen Israel und Palastina (Schweiz)
Union Juive Francaise pour la paix - UJFP (France)
Le Cercle Français de Juive Diasporque de Gauche cercle Gaston Cremieux (France)
New Outlook (Dänemark)
Kontaktadresse der 'European Jews for a Just Peace'
Een Ander Joods Geluid An Other Jewish Voice
Amsterdam, Netherlands
eajg@xs4all.nl




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