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Ein Großteil des
nächsten Abschnitts (über Herrn Prof. Krysmanski) ist bereits 3
Monate alt und sollte unbedingt im Ganzen durchgelesen werden. Wer mittendrin
abbricht, tut Herrn Krysmanski wohl möglich unrecht und das wäre
nicht gut. War mein Ernst, aber lest selbst ...
Man sieht, ab und an kommt die
Hinweis-Serie doch wieder zu ihrem Ursprung, dem 11. September
2001, zurück auch wenn dies so nicht immer geplant war. Und
mittlerweile ist viel passiert ... Sachsen ist aufgewacht bzw. aufgeweckt
wurden und darf nun auch etwas über Verschwörungstheorien
schreiben. Am 19.02.2003 erschien in der Sächsischen Zeitung ein Artikel
mit der Überschrift Virtuelle Legenden
(http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=450953).
Die Zwischenüberschriften geben dem Überfliegenden ein
möglicherweise etwas konfuses Bild Der 11. September als Operation
der CIA .. Selbsternannte Experten sammeln
Beweise .. nun ja, lesenswert ist dieser Artikel allemal.
Eigentlich finde ich den Artikel fast schon wieder gut, denn man könnte
ihn auch als versteckte Offenlegung sehen. Der Artikel verwendet zwar
Wörter wie Online-Tratsch, Massenkultur etc., aber
gleichzeitig liefert die SZ gleich ein paar Surftipps mit dazu (nur in der
Papierversion). Im Artikel selbst darf dann auch ein Experte namens
Hans-Jürgen Krysmanski (Soziologe) zu Wort kommen und alles erklären.
SZ-Online wörtlich:
Eines
haben alle Verschwörungstheorien seiner Ansicht
[Hans-Jürgen
Krysmanskis Ansicht, M.W.]
nach gemeinsam: Sie erklären das Unerklärliche, geben auf komplexe
Fragen einfache Antworten. Das mache sie ebenso beliebt wie
bedenklich.
Fantastisch, Herr Krysmanski,
ich habe da eine viel bessere Erklärung. Da gab es mal einen bärtigen
Terroristen, der überall in der Welt sein Unheil trieb. Er bildete 19
Selbstmordattentäter aus, die für Allah und den Heiligen Krieg
sterben wollten. Sie lenkten vier Flugzeuge mit nahezu perfektionistischer
Eleganz und dazu noch völlig unbemerkt in zwei Hochhäuser bzw. und in
eines der bestbewachtesten Gebäude der Welt und bringen 3000 Menschen um.
Keiner wusste an diesem Tag so recht, was die Zeit bringen mochte wozu
gottesfürchtige Moslems alles fähig und bereit waren. Auf einmal
waren überall Schläfer, von denen heute fast keiner mehr
redet. Einfach Wahnsinn, Herr Krysmanski, oder?!?! 19 Monate später haben
wir zwei Kriege hinter uns, ein paar weitere vor uns und keiner weiß
eigentlich, was den Moslems dieser Welt die Aktionen am 11. September
überhaupt Positives gebracht haben. So ganz nebenbei sterben täglich
mindestens 40.000 Menschen an Hunger, mindestens 800 Millionen hungern (auch in
landwirtschaftlich eigentlich reichen Ländern!) und die westliche Welt
braucht wieder mal neue Märkte und Ressourcen. Und die mit der
katastrophalsten Wirtschaft sind ganz vorn dabei. Also, Herr Krysmanski, sie
sind mir wirklich ein Experte!
Medientricks
oder die Moral von der Geschicht
Zieh niemals voreilige Schlüsse!
Das hatte ich also vor drei
Monaten geschrieben und heute bin ich etwas schlauer, denn: wenn man etwas
skeptisch ist, dann macht man noch mehr Entdeckungen. Meine etwas saloppe Art
mit Herrn Krysmanski umzugehen, war wirklich nicht nett. Und dabei bin ich nur
auf einen alten Medientrick reingefallen. Das habe ich zwei Monate später
bemerkt, als ich nach Herrn Hans-Jürgen Krysmanski googelte.
Und siehe da, es gab ihn wirklich. Er ist Soziologe an der Uni Münster und
auf seiner sehr guten Web-Seite (http://www.hjkrysmanski.de/) fand
ich altbekannte Namen (Noam Chomsky, Eliot Weinberger, Gore Vidal, Norman
Mailer etc.) wieder. Ich hatte also Herrn Prof. Krysmanski
fälschlicherweise verdächtigt, selbst einer dieser selbsternannten
Experten zu sein. Aber das Problem hieß nicht Prof.
Krysmanski, sondern Sächsische Zeitung. Mir wurde im
übrigen kürzlich berichtet, dass der Chefredakteur der SZ angeblich
von der BILD-Zeitung gekommen sei. Da ich dies aber nicht wirklich
bestätigen kann, bleibt dies ein Gerücht.
Nichtsdestotrotz war der
Effekt des verzwickten Zitierens seitens der SZ immens. Ich war
sauer auf jemanden, der gar nichts dafür konnte. Man stelle
sich mal vor, eine Zeitung berichtet kritisch über die Osterweiterung
Richtung Polen und das Problem der Ostgrenze und setzt dann einen Satz in die
Zeitung wie etwa Wie Willi Brandt einst schon bemerkte, wird jetzt
zusammenwachsen, was auch zusammen gehört. Jeder Unwissende
würde Willi Brandt womöglich für einen Rechtsradikalen o.ä.
halten.
Noch ein Experte ...
Die eher konservative FAZ (ab
und zu darf auch ein kritischer Alibi-Artikel von Arundhati Roy abgedruckt
werden) veröffentlichte am 28.03.2003 einen Artikel eines gewissen
Wilfried von Bredow mit dem Titel Schöne Verschwörung
(http://faz.net/s/Rub9E7BDDB7469E11D4AE7B0008C7F31E1E/Doc~E16E08B744CC241DFBC73DC3D0EC7D962~ATpl~Ecommon~Scontent.html#top).
Von Bredow rezensiert das Buch Geheimsache
09/11. Hintergründe über den 11. September und die Logik
amerikanischer Machtpolitik.
von Nafeez M. Ahmed. Ich möchte den ersten Abschnitt der Buchkritik
einfügen:
Binnen weniger Stunden nach den Terrorangriffen vom 9.
September 2001 hatten sich bereits die ersten Verschwörungstheorien
über die "wahren" Verantwortlichen und Drahtzieher hinter den Terroristen
über das Internet verbreitet. Seither ist der Strom von
Entlarvungsgeschichten nicht abgerissen.
Verschwörungstheorien
sind aber gar keine Theorien, sondern Hirngespinste.
Oft bleiben sie harmlos, weil sie zu durchsichtig sind. Nur wer ein zwanghaftes
Faible für Abseitigkeiten hat, kann sich daran erbauen. Aber es gibt auch
Aufdeckungs-Reports, die lassen sich nicht so einfach zu den Akten legen -
nicht weil sie weniger versponnen wären oder weil ihre Verkünder mehr
politische Urteilskraft besäßen, vielmehr wegen der Griffigkeit
ihrer Argumente. Dadurch werden sie
für schlichte Gemüter auf jedem Niveau und in jedem Milieu attraktiv,
seltsamerweise gerade auch dem akademischen. Und wenn dann noch die
Argumentationsrichtung solcher Entlarvungsmoritaten mitten in einen zentralen
politischen Diskurs hineinzielt, dann drohen sie sogar Teil der herrschenden
Meinung zu werden und diese sozusagen von innen heraus zu
kontaminieren..
Und so weiter und so fort ...
Wilfried von Bredow gibt sich alle Mühe, Verschwörer (vor allem die
akademischen) als arme Irre, die von einem inneren Zwang angetrieben, alles mit
allem verbunden sehen und plötzlich Hirngespinste verbreiten.
Von Bredow macht das ziemlich clever (mal abgesehen davon das es nicht der 9.
September, sondern sicher der 11. sein sollte), auch wenn man seinen Artikel
als Selbstdenkensfähiger wohl eher als sehr lustig empfindet.
Des Weiteren verknüpft er diese Buchrezession noch mit einer weiteren
(Hans v. Sponecks Irak Chronik eines angekündigten
Krieges), wobei er die beiden Bücher vergleicht, obwohl diese sicher
nur bedingt etwas miteinander zu tun haben. Natürlich kommt Hans v.
Sponecks Buch besser weg, aber was wäre wenn unser Bundeskanzler sich
nicht gegen den Irak-Krieg gestellt hätte. Dann wäre wohl auch v.
Sponecks Buch in den Augen von Bredows äußerst subversiv
gewesen.
Wie dem auch sei, Wilfried von
Bredow macht jedenfalls mehrere journalistische Salti, u.a.:
Ahmed fährt die Ergebnisse einer ganzen Heerschar
von selbsternannten Investigateuren auf. Darunter befinden sich
selbstverständlich auch die üblichen Verdächtigen, etwa Jean
Ziegler, Arundhati Roy, John McMurtry, Michel Chossudovsky und Andreas von
Bülow. Zum Schluß präsentiert er noch ein gemeinsam mit John
Leonard verfaßtes Kapitel, in welchem die beiden "nachweisen", daß
die amerikanische Politik seit der Boston Tea Party 1770 nach demselben
Handlungsmuster verläuft - und
dieses Muster heißt: Verschwörung. Das alles ist freilich von vorne
bis hinten nichts als Unsinn. Aber wenn man sich so umhört in diesen
Tagen, stellt man mit Erschrecken fest, auf wieviel Glaubensbereitwilligkeit
solcher Unsinn stößt.
Nun denn meine lieben
Akademiker und Nichtakademiker, hört auf Wilfried Willi von
Bredow hütet Euch vor Verschwörungstheorien und -theoretikern. Ganz
gefährliches Eisen!
In diesem Sinne und lasst es
Euch gut gehen, Euer Micha.
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