| Im Zuge der weltweiten finanziellen Zusammenbruchskrise ist
nun auch Japan, die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt, in eine
unhaltbare Lage geraten. Selbst die Londoner Financial Times bemerkte am 3.1.:
"Das letzte, was die Welt heute brauchen kann, ist eine neue japanische
Finanzkrise. Aber das ist genau das, was der Welt jetzt bevorsteht." Auf dem
japanischen Finanzsektor lasten nichtrückzahlbare Schulden in Höhe
von etwa 2 Bio. Dollar. Nach Angaben des Bankenvereins erlitten Japans 135
Banken zwischen März und September 2001 Verluste vor Steuern in Höhe
von 10 Mrd.$, die höchsten Verluste seit der Ölkrise 1975. Die
Arbeitslosigkeit schnellt in die Höhe, während Industrieproduktion
und Handel zusammenbrechen. Die japanischen Finanzreserven und der Yen dienten
seit Jahren als "Brandmauer" zum Schutz des Dollar. Dies hat nun ein Ende.
Jedes Jahr schließen die japanischen Geldinstitute und Finanzmärkte
sechs Tage lang für die Neujahrsferien. Aber diesmal waren es keine Ferien
- sondern praktisch Bankfeiertage, wie sie in einer Depression angeordnet
werden. Als Tokio am 27.12. die schlechtesten Produktions- und
Beschäftigungszahlen seit Jahrzehnten vorlegen mußte, berief
Ministerpräsident Koizumi eine Krisensitzung mit dem Kabinett und der
Führung der regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP) in seinen
Amtssitz ein, die bis tief in die Nacht andauerte. Anschließend
erklärte LDP-Generalsekretär Yamasaki, die Regierung werde "alle nur
möglichen Maßnahmen" und "außergewöhnliche Schritte"
unternehmen, um "zu verhindern, daß es jemals einen Run auf die Banken
gibt." Man müsse "verhindern, daß die Wirtschaft in einen
deflationären Zyklus fällt". Bis Ende Dezember wurden immer wieder
Schritte unternommen, um die unhaltbare Lage zu vertuschen. Ein angesehener
Finanzanalyst der Londoner City mutmaßte am 28.12., die japanischen
Behörden würden wohl den einwöchigen "Urlaub" nutzen, um eine
unhaltbare Bankensituation zu managen, denn wenn man diese Lage nicht unter
Kontrolle bringe, könne das sehr schnell das ganze System gefährden.
Aber die "Bankfeiertage" haben bisher keine Wirkung gezeigt. In seiner
Neujahrspressekonferenz am 4.1. mußte Koizumi einräumen: "Auch wenn
die Abschreibung umfangreicher nicht rückzahlbarer Kredite kontinuierlich
fortschreitet, ist die Regierung darauf vorbereitet, weitreichende und flexible
Maßnahmen zu ergreifen, um größere Finanzturbulenzen zu
verhindern. Wir behalten die Finanzlage genau im Auge." Notenbankchef Hayami
erklärte in einem am Neujahrstag veröffentlichten Interview: "Wenn
man eine deflationäre Spirale als einen Prozeß definiert, in dem
sich die Wirtschaft verschlechtert und gleichzeitig die Preise nachgeben, dann
könnten wir durchaus vor einer solchen stehen." Er kritisierte, die
"Reformpolitik" der Regierung Koizumi könne zu einer Beschränkung der
Kreditvergabe der Banken an große industrielle Kreditnehmer führen,
was wiederum zu einer weiteren Reihe "wichtiger Entwicklungen" - sprich
Bankrotten - führen könne. "Die japanische Zentralbank ist bereit,
Finanzinstituten Notkredite zur Verfügung zu stellen." Hayami verwies
jedoch auch auf die Probleme der USA: "Japan hat nicht die größten
Schwierigkeiten von den großen Industrieländern. Viele Analysten
sind der Meinung, daß die US-Wirtschaft in der zweiten Hälfte dieses
Jahres auf Grund laufen wird." |