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Infos von  www.das-gibts-doch-nicht.info
9.1.2002    
Maastricht-Euro wird in der Depression versagen
Mit der Einführung des neuen Euro-Bargeldes wurde zwar kurzfristig in einigen Ländern der Eurozone eine gewisse Euphorie ausgelöst, doch die Folgen der weltweiten Wirtschaftsdepression werden bald die Grundfesten der neuen Währung erschüttern. Bereits jetzt leidet die deutsche Wirtschaft, die vom Export hochwertiger Investitionsgüter abhängt, unter dem dramatischen Rückgang des weltweiten Produktionsniveaus - wobei China, Indien und Rußland bemerkenswerte Ausnahmen bilden. Schon das Jahr 2001 brachte einen dramatischen Anstieg der Firmenpleiten. Rund 33 000 Unternehmen mit einer halben Million Beschäftigten und 30 Mrd. Euro an ausstehenden Schulden mußten Bankrott anmelden. Am schlimmsten traf es den westdeutschen Mittelstand und wieder einmal die Baubranche. Die Folge waren Massenentlassungen: Daimler-Chrysler 30 000, Siemens, Infineon und Epcos zusammen 23 000, RWE 12 000, die vier größten Banken insgesamt 29 000, Deutsche Post 12 000, die Chemieriesen Bayer und BASF insgesamt 10 000. Aber der deutschen Wirtschaft und damit der ganzen Eurozone stehen noch größere Schwierigkeiten ins Haus. Sehr bald wird sich die von der Wall Street und ihren scheinheiligen Nachbetern verbreitete Illusion von der "Wirtschaftserholung der USA in der zweiten Jahreshälfte" in Luft auflösen. Gleichzeitig droht die Finanz- und Wirtschaftskrise in Japan völlig außer Kontrolle zu geraten. Und der Bankrott Argentiniens könnte weltweit weitere staatliche Zahlungsunfähigkeiten nach sich ziehen. Unter diesen Bedingungen werden die europäischen Regierungen zu "unorthodoxen" Maßnahmen gegen den wirtschaftlichen Niedergang und für die Ankurbelung der Realwirtschaft greifen müssen - sonst drohen ihnen schwere soziale und politische Turbulenzen. Innerhalb der italienischen Regierung gibt es bereits ominöse Risse, die zum Rücktritt von Außenminister Ruggiero - einem "Darling" der internationalen Finanzoligarchie - geführt haben; in Frankreich, Deutschland und Portugal stehen Wahlen bevor. Einige Regierungen der Eurozone warnen bereits, sie seien bald nicht mehr in der Lage, die Maastrichter Kriterien für die Obergrenze des Haushaltsdefizits einzuhalten. Angesichts der Schwere der aufkommenden Krise wäre es jedoch völlig unzureichend, lediglich größere Defizite einzuräumen oder die EZB-Zinsen zu senken, wenn man aus der wirtschaftlichen Abwärtsspirale ausbrechen will. Eine Form "Hamiltonischer Nationalbankpolitik", die Kredite schöpft und unter Depressionsbedingungen in produktive Investitionen in Industrie und Landwirtschaft lenkt, wird unvermeidlich sein. Erfolgreiche Vorbilder liefern die Kreditmechanismen des ersten US-Finanzministers Alexander Hamilton, die Investitionspolitik der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in der Nachkriegszeit oder die "indikative Wirtschaftssteuerung" in Frankreich unter Charles de Gaulle. In der heutigen Situation sollte dies offensichtlich die Schaffung Millionen neuer, produktiver Arbeitsplätzen über Infrastruktur-Großvorhaben wie die "Transeuropäischen Netze" und die "Eurasische Landbrücke" einschließen. Eine Wiederbelebung der europäischen Wirtschaft über diese Methoden erfordert aber einen klaren Bruch mit den vorherrschenden, gescheiterten wirtschaftspolitischen Prinzipien, und speziell eine Abkehr vom Maastrichter Vertrag - insbesondere Artikel 104. Die Realität wird Europa in naher Zukunft eine klare Entscheidung abverlangen: Am Ende steht entweder eine wirtschaftlich ruinierte Eurozone, welche die Prinzipien des Maastrichter Vertrages "bis zum bitteren Ende" hochgehalten hat, oder ein erstarktes Europa auf radikal veränderter wirtschaftspolitischer Grundlage.

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