Irak-Lüge: US-Geheimdienst lanciert Papier gegen
Bush-Administration Das Lügengeflecht der Bush-Administration in Sachen
Massenvernichtungswaffen besstimmt weiter die innenpolitische Diskussion der
USA. Dazu gehört, daß am Wochenende diversen US-Medien ein
Geheimpapier vom Pentagon-eigenen militärischen Nachrichtendienst DIA
(Defence Intelligence Agency) aus dem September vergangenen Jahres zugespielt
wurde. Demnach verfügte der Geheimdienst über keine
»zuverlässigen Informationen« darüber, »ob Irak
chemische Waffen produziert oder hortet, oder wo Irak die
Produktionsstätten für Chemiewaffen hat oder erstellen will«.
Dessen ungeachtet behauptete seinerzeit die Bush-Regierung, sie
wüßte genau, wo Irak die Waffen habe und wo diese versteckt seien.
Ähnlich wie in Großbritannien die Blair-Regierung bei der
Erstellung ihrer den Irak betreffenden »Bedrohungsanalyse« die
regulären britischen Nachrichtendienste ausgeschaltet hatte, so umging
offensichtlich auch die Führungsetage des Pentagon den DIA. Zugleich schuf
sie ihre eigene »nachrichtendienstliche Gruppe« im »Büro
für Sonderpläne« (OSP Office of Special Plans), die sie
auf Bestellung mit den notwendigen Gefälligkeitsgutachten als
»Beweise« über die angebliche Bedrohung durch irakische
Massenvernichtungswaffen versorgte. Wie in Großbritannien, wo inzwischen
der Auslandsnachrichtendienst MI6 die Lügen der Blair-Regierung hat
auffliegen lassen, rächen sich nun auch die US-amerikanischen
Nachrichtendienstler für den groben Mißbrauch ihrer
»Integrität«, indem sie an die Presse gehen.
In London
sah sich der für das Lügengeflecht hauptverantwortliche
»Spinmaster« in Blairs Regierungsmannschaft, der Direktor für
Kommunikation, Alastair Campbell, inzwischen gezwungen, sich beim Chef von MI6,
Sir Richard Dearlove, für die Diskreditierung des Nachrichtendienstes
schriftlich zu entschuldigen. Campbell steckte ebenfalls hinter dem mit alten
Internet-Nachrichten dilettantisch zusammengeschusterten
»Blair-Geheimdienst-Dossier«, das als Arbeit der britischen
Geheimdienste vorgestellt worden war. In der Bush-Administration in Washington
dagegen denkt noch niemand an eine Entschuldigung, obwohl auch dort das
Netzwerk der Lügen Stück für Stück zerfällt.
George W. Bush beschwört derweil weiter ein irakisches
Waffenprogramm, dessen Existenz »wir mit der Zeit herausfinden
werden«. Ende Mai noch hatte der US-Präsident triumphiert:
»Wir haben die Massenvernichtungswaffen gefunden.« Dabei bezog er
sich auf die angeblich mobilen Biowaffenlabore, welche den
US-Streitkräften in Irak übergegeben worden waren. Allerdings wurde
bei einer ersten Untersuchung vor Ort kein Hinweis auf gefährliche Viren
oder Sporen gefunden. Bis heute suchen in den USA Bio-waffenexperten weiter in
den mobilen Laboren und sollen dabei laut Informationen der
Pentagonführung inzwischen »Restspuren« gefährlicher
Substanzen gefunden haben. Vergangene Woche jedoch meldete die New York Times,
amerikanische und britische Geheimdienstanalysten würden bestreiten,
daß die »mysteriösen Anhänger aus dem Irak irgend etwas
mit der Herstellung tödlicher Bakterien zu tun hatten«.
Derweil mehren sich aus London Hinweise, wonach es sich bei den von
US-Außenminister Colin Powell spektakulär in der UNO vorgestellten
»mobilen Biowaffenlaboren« in Wahrheit um Teile eines Systems zur
Herstellung von Wasserstoff zum Aufblasen von Artillerieballons handelt. Dieses
war 1987 von Großbritannien an Irak verkauft worden. Aktuell nun
beschuldigte Senator Bob Graham, einer der Anwärter für die
Präsidentschaftskandidatur der oppositionellen Demokraten, Präsident
Bush, dessen Politik hätte die USA zur »fragwürdigsten Nation
der Welt« gemacht. |