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| 14.06.2003 |
Rüdiger Göbel |
Junge
Welt |
Eskalation im Irak: Erdölleitung in die Türkei in
Brand gesetzt. 27 Iraker von GIs erschossen Die Gefechte zwischen
bewaffneten Widerstandsgruppen und US-amerikanischen Besatzungssoldaten im Irak
nehmen immer mehr die Züge einer neuen kriegerischen Auseinandersetzung
an. Innerhalb weniger Tage kamen dabei mehrere Dutzend Menschen ums Leben. Im
Norden des Irak sprengten am Freitag Guerilleros eine Ölpipeline. Durch
einen doppelten Bombenanschlag geriet nach Angaben von Anwohnern die
Erdölleitung in die Türkei in Brand. Die Angriffe fanden in der
Nähe der Erdölfelder bei Machul statt, etwa 15 Kilometer von der
Raffineriestadt Baidschi entfernt. Die nun unterbrochene rund 1000 Kilometer
lange Pipeline verband die Ölfelder des Nordirak mit dem türkischen
Hafen Ceyhan an der Mittelmeerküste.
Sechs Wochen nachdem US-
Präsident George W. Bush das Ende der größeren Kampfhandlungen
im Irak verkündet hatte, erschossen US-Soldaten am Freitag in der
Ortschaft Balad nördlich von Bagdad im Zuge einer großangelegten
Kampagne zur Aufstandsbekämpfung 27 Iraker. Nach Angaben des
US-Zentralkommandos hatte eine »organisierte Gruppe« Granaten auf
eine Panzerpatrouille der US-Streitkräfte abgefeuert. Die Soldaten
hätten aus Panzern zurückgefeuert, vier Angreifer getötet und
die übrigen in die Flucht getrieben. Panzer und gepanzerte Fahrzeuge
hätten daraufhin zusammen mit Apache-Hubschraubern die Verfolgung
aufgenommen und weitere 23 Iraker getötet. Angaben über eigene
Verluste machten die Besatzungstruppen nicht.
In der nordirakischen
Stadt Mosul wurden am Freitag bei einem Schußwechsel zwischen irakischen
Zivilisten und US-Soldaten drei Iraker verletzt. Auch im Westen des Landes
wurden die Besatzungstruppen in Kämpfe verwickelt. Mehrere Menschen sollen
dabei nach US-Angaben getötet worden sein. Angaben zur Identität der
Toten machte die US-Armee nicht. Am Donnerstag war im Westen des Irak ein
US-Kampfhubschrauber vom Typ Apache abgeschossen worden. Südwestlich von
Bagdad war ein amerikanischer Kampfjet abgestürzt »aus bisher
unbekanntem Grund«, wie das US-Zentralkommando erklärte.
Neben der größten Militäroffensive seit dem
inoffiziellen Kriegsende startete das US-Zentralkommando auch eine mediale
Kampagne gegen die Widerstandskräfte. So behaupteten die
Besatzungstruppen, im Norden des Landes 74 Männer festgenommen zu haben,
die Anhänger des Terrornetzwerkes Al Qaida seien. Hintergrund der
Anschuldigungen dürfte sein, den legitimen Widerstand gegen die
Besatzungstruppen als illegitimen Terrorismus zu diffamieren. Peinlich für
die USA: Erst vor wenigen Tagen hatten zwei führende Al-Qaida-Aktivisten
bei Verhören durch US-Truppen erklärt, daß der Terrorpate Osama
bin Laden jede Zusammenarbeit mit der irakischen Führung unter Saddam
Hussein abgelehnt habe.
Die irakischen Widerstandsgruppen
erklärten unterdessen, ihren Kampf ausweiten zu wollen. Inzwischen
stellten sie allen Angehörigen aus den Angreiferstaaten USA und
Großbritannien oder ihnen verbündeten Ländern ein Ultimatum,
den Irak bis zum 17. Juni zu verlassen. Dies berichtete die in London
erscheinende arabischsprachige Zeitung Al Quds. Danach seien die Ausländer
ebenso Ziel von Angriffen wie die Besatzungstruppen, »unabhängig
davon, ob sie im zivilen Sektor oder bei den Streitkräften
arbeiten«. Die Warnung schließe Staatsangehörige aus Katar,
Kuwait, Saudi-Arabien, Iran und der Türkei ein. »Nach diesem Datum
werden sie von der Widerstandsbewegung als Angriffsziele betrachtet«,
heißt es in der am Freitag auch auf Englisch veröffentlichten
Erklärung.
Seit Beginn der Irak-Invasion sind nach Angaben des
Pentagon bislang insgesamt 183 US-Soldaten getötet worden, 45 davon nach
dem 1. Mai. »Iraqbodycount« zufolge starben bis Anfang Juni
zwischen 5531 und 7203 Iraker in direkter Folge der militärischen
Intervention der USA und ihren Verbündeten sowie mehr als hundert in der
ersten Maihälfte durch spät gezündete Streubomben. Die Angaben
des unabhängigen Internetdienstes (www.iraqbodycount.net) basieren auf der
täglichen Auswertung internationaler Presseberichte. |
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