Der Leiter der
UN-Waffeninspektionen im Irak, Hans Blix, hat in einem Interview mit dem britischen Guardian zum ersten
Mal klare Worte für das Verhalten der Amerikaner gefunden.
Blix,
der sich bisher immer sehr diplomatisch ausgedrückt hat, wirft den USA
vor, eine Verleumdungskampagne gegen ihn geführt zu haben. "Meine
Verleumder sitzen in Washington. Das sind Bastarde, die Dinge rumerzählen,
die häßliche Dinge in den Medien verbreiten. Nicht, daß mir
das nicht ziemlich egal wäre."
In dem Interview beschuldigt der
75-jährige Blix, der in drei Wochen in den Ruhestand gehen wird:
-
Die Bush-Regierung, daß sie sich darauf verlassen haben, daß die
Waffeninspektoren in den Irak in ihren Berichten stärker
verurteilen,
- "Einige Elemente" innerhalb des Pentagons, hinter der
gegen ihn geführten Verleumdungskampagne zu stecken,
- Washington,
die Vereinten Nationen als "fremde Macht" anzusehen, von der sie hoffen,
daß sie im East River versinkt [Der UN-Hauptsitz befindet sich in New
York, der East River fließt durch die Stadt].
Auf die Frage, ob
er glaube, daß er das Opfer einer Verleumdungskampagne geworden sei,
sagte er: "Ja, vermutlich auf einem niedrigeren Niveau."
Schon vor
seiner Abreise in den Irak im November letzten Jahres, um die
Waffeninspektionen wieder aufzunehmen, wurde er als die schlechteste
mögliche Wahl für die Aufgabe diffamiert.
Mitarbeiter der von
dem Schweden Blix in den letzten drei Jahren geleiteten UNMOVIC sagen offen,
daß die Beziehungen zwischen den Falken der Bush-Regierung und ihrer
Aufgabe schlecht waren.
Blix sagte, seine Beziehungen zu den USA
wären "im großen und ganzen gut" gewesen und wiederholte, daß
er nicht glaubte, daß der Irak die Waffeninspektionen ohne die 200.000
US-Soldaten an seinen Grenzen zugelassen hätte.
"Aber gegen Ende
verließ sich die Regierung auf uns", räumte er ein. Man hoffte, die
Inspektoren würden den Irak in ihren Berichten drastischer verurteilen, so
daß die Stimmung im UN-Sicherheitsrat noch geändert werden
könnte.
Washington, sagt er, sei insbesondere darüber
wütend gewesen, daß die Inspektoren "nicht mehr aus der Entdeckung
von Streubomben und Drohnen gemacht" hätten.
Washingtons
Enttäuschung, daß die UN den Angriff nicht unterstützten sei
"ein Grund für die Skepsis gegenüber den Inspektoren."
Er
sagte weiter, daß er überzeugt sei, daß es "in dieser
Regierung Leute gibt, die sagen, daß es ihnen egal ist, ob die UN im East
River untergeht und andere derbe Dinge."
Statt die UN als eine
Versammlung zur Entscheidungsfindung von Staaten zu sehen, sähe Washington
sie jetzt als "fremde Macht, selbst wenn sie beträchtlichen Einfluß
hat."
Das sei insbesondere im Hinblick auf Präsident Bushs
öffentlich bekundeten Glauben an Präventivschläge beunruhigend.
"Es wäre vorzuziehen und vernünftiger, den Sicherheitsrat um
Legitimation zu ersuchen, insbesondere jetzt, da der Kommunismus nicht mehr
existiert und Rußland und China nicht automatisch ihr Veto einlegen", so
Blix.
Außerdem wäre es "glaubwürdiger" wenn ein Team
internationaler Inspektoren statt der 1.300 Mann starken Truppe in den Irak
gesendet würde, um nach Massenvernichtungswaffen zu suchen, sagte
er.
In einem aktuellen Spiegel-Artikel liest
sich das ganz anders.
Zwar kritisiert Blix dort, daß es
offenbar fehlerhafte Geheimdienstinformationen gegeben habe und hofft,
daß dies sich nicht wiederholt, ansonsten wird seine Einstellung den USA
gegenüber aber als ziemlich positiv dargestellt:
"'Sie sollten
etwas mehr Zeit haben, sich umzuschauen, denn ihre Bedingungen sind nicht
einfach. Sie können sich zum Beispiel nur mit bewaffnetem Begleitschutz
bewegen.' Andererseits planten die USA den Einsatz von 1300 Experten. Das
sind viel mehr als wir zur Verfügung hatten.'
Zudem hätten die
US-Sucher im Gegensatz zu jenen der UNO insgesamt günstigere Bedingungen.
Viele Iraker wären nun bereit, Hinweise zu geben. Die USA sollten daher in
der Lage sein, die Suche im Irak innerhalb einiger Monate'
abzuschließen."