Manipulation des irdischen Wettergeschehens
von Tim Haines (BBC)
Deutsche Bearbeitung:
Christoph
Drösser
Die Ionosphäre ist die oberste Schicht der irdischen
Lufthülle, ein zarter Schleier aus elektrisch geladenen Luftteilchen. Sie
erfüllt die lebenswichtige Aufgabe, die Erde vor tödlichen kosmischen
Strahlen abzuschirmen. Schon im vergangenen Jahrhundert träumte der
Physiker Nikola Tesla davon, diesen atmosphärischen Schutzschild technisch
zu nutzen.
|
Heute scheinen seine Träume in
greifbare Nähe zu rücken. US-Militärforscher wollen in dem
Projekt
HAARP, für High Altitude Auroral Research Programme,
unter Zuhilfenahme der Ionosphäre extrem langwellige Radiowellen zur
Kommunikation mit U-Booten und zur Erkundung unterirdischer Strukturen um den
Erdball schicken. Gegner des Projekts unterstellen aber weitergehende
Pläne, zum Beispiel die Manipulationen des Wetters.
|
Jede Menge Links zur Ionosphärenforschung
ABENTEUER WISSENSCHAFT am Sonntag,
1.12.96, Südwest 3
Ein Film von Tim Haines
Deutsche Fassung: Christoph Drösser
Länge: 43.15
(Erstsendung am 27.8.96 um 22.15 auf N3)
0.00
Bildanfang
0.03
Sprecherin 1:
Die Sonne - Energiespenderin für
alles Leben auf der Erde. Aber sie bringt uns nicht nur Licht und Wärme:
Bei den gigantischen Eruptionen auf ihrer Oberfläche wird auch eine
tödliche Strahlung aus energiereichen Teilchen in den Weltraum
geschleudert. Aber zum Glück besitzt die Erde einen Schutzschild, der
diese Strahlung abhält:
Die Ionosphäre.
0.29
Normalerweise ist dieser Schutzschild
unsichtbar. Manchmal jedoch verrät er sich - durch die schemenhaft
tanzenden Schleier der Polarlichter, die unter dem Beschuß des
Sonnenwindes hin- und herwogen.
0.42
Seit rund 100 Jahren sind einige
Forscher von der Idee besessen, diese Erscheinungen künstlich anzuregen
und zu manipulieren.
0.55
Titel: Der Griff nach der
Ionosphäre Ein Film von Tim Haines
1.14
Tief im innersten Alaska gibt es eine
geheimnisvolle Forschungsstation. In dieser äußersten
Zurückgezogenheit bauen amerikanische Militärforscher eine seltsame
Maschine, mit der sie es auf einen Teil unserer Atmosphäre abgesehen
haben.
1.32
Die Eiswüste Alaskas wurde aber
nicht nur wegen ihrer Abgeschiedenheit ausgewählt. Die Polarregion ist
geradezu prädestiniert für die Experimente, deren Ziele sich
anhören wie eine Mischung aus Wissenschaft und Science Fiction.
1.46
"HAARP heißt das Projekt,
das auch schon einige Umweltschützer auf den Plan gerufen hat. Es ist die
Rede von unüberschaubaren Manipulationen der Umwelt, bis hin zur
Beeinflussung des Wetters in globalem Maßstab.
2.06
HAARP besteht im wesentlichen aus
einer Ansammlung von Sende-Antennen, die Energie in die oberen
Atmosphärenschichten strahlen - in die Ionosphäre. Das Ziel ist es,
die besonderen magnetischen Eigenschaften dieser unsichtbaren Welt über
unseren Köpfen in den Griff zu bekommen.
2.26
Die elektrischen Stürme, die von
der Sonne ausgehen, sollen gezähmt und nutzbar gemacht werden.
2.35
Die Turbulenzen auf der
Sonnenoberfläche führen zu magnetischen Kräften, die große
Mengen von Materie aus der Oberfläche der Sonne herausreißen und
hinaus ins den planetaren Raum schleudern - das ist der sogenannte Sonnenwind.
2.50
Die Erde ist diesem Teilchenstrom
nicht schutzlos ausgeliefert. Ihr Magnetfeld wird zwar unter dem Beschuß
verbeult und verzerrt, aber es hält den größten Teil der
geladenen Partikel ab.
3.04
Energie in Form von UV- und
Röntgenstrahlen läßt das Magnetfeld jedoch durch. Diese
Strahlen kollidieren in der äußeren Atmosphäre mit den
Luftmolekülen. So entsteht die Ionosphäre - ein Gemisch von
Elektronen und geladenen Molekülen, das man auch ein Plasma nennt.
3.24
Allerdings darf man sich diese Schicht
nicht statisch vorstellen. Das Plasma ist flüchtig und instabil, bewegt
sich wie ein Wind - deutlich zu sehen am Tanz der Nordlichter.
3.35
Der erste Wissenschaftler, der diese
magnetischen Erscheinungen nicht nur als schönes Naturschauspiel begriff,
war Nikola Tesla. Er wollte sie auch technisch nutzbar machen.
Der gebürtige Kroate war 1884
nach Amerika emigriert. Ohne seine Erfindungen hätten wir heute kein
elektrisches Licht. In seinem New Yorker Lieblingspark erinnert noch heute ein
Gedenkstein an ihn und seine vielfältigen Erfindungen.
4.04
Sprecher 1 (William
Terbo):
Man könnte ihn als den Vater des
Wechselstroms bezeichnen. Er hat das Verfahren erfunden, Strom mit Hilfe von
Hochspannungsleitungen über große Entfernungen zu
transportieren.
4.15
Sprecherin 1:
Durch diese Erfindungen wurde Tesla
zum Propheten des neuen Zeitalters der Elektrizität. Ein Visionär mit
Sinn für öffentlichkeitswirksame Auftritte.
4.25
Elektrizität galt damals als
furchtbar gefährlich. Doch Tesla konnte dem staunenden Publikum
demonstrieren, wie man elektrische Leitungen anfassen kann, ohne auf der Stelle
tot umzufallen.
4.40
Sprecher 1 (Terbo):
Unter Wissenschaftlern war er nicht so
populär - er hielt sich nicht an die üblichen Konventionen und teilte
seine neuen Ideen lieber der Tagespresse mit als den wissenschaftlichen
Fachzeitschriften.
4.55
Sprecherin 1:
Seine phantastischen Visionen, von
Todesstrahlen bis zur Kontaktaufnahme mit anderen Planeten, waren seinen
wissenschaftlichen Kollegen eher suspekt. Heute ist die Zunft da
toleranter.
5.12
Sprecher 2 (Bernard
Eastlund):
Der Grat zwischen Science Fiction und
Wissenschaft ist oft sehr schmal, und ich glaube nicht, daß er zur
Science-Fiction-Szene zu zählen ist. Er kannte sich in der Physik aus, er
wußte, ob es eine vernünftige Grundlage für seine Visionen gab,
und er hat auch eine Versuchsanlage gebaut, um seine Theorien wirklich zu
testen.
5.32
Sprecherin 1:
Im Jahr 1901 begann Tesla mit dem Bau
eines großen Turms in Wardenclyffe auf Long Island.
Auch wenn seine Ideen oft phantastisch
klangen - aufgrund seines Erfolgs mit dem Wechselstrom konnte er auch die
nüchternsten Finanzleute überzeugen. Insbesondere gewann er den
Bankier J. P. Morgan für die Idee, mit seinem Turm drahtlos Nachrichten zu
übertragen.
5.59
Sprecher 1 (Terbo):
J. P. Morgan war daran interessiert,
die Schlußkurse der Londoner Börse als erster zu bekommen, um vor
allen anderen Amerikanern investieren zu können. Tesla sagte ihm,
daß das mit seinem Turm relativ einfach wäre, also bekam er das
Geld. Für Tesla dagegen war das eine viel zu einfache Aufgabe, ihm stand
der Sinn nach erheblich komplizierteren Unternehmungen.
6.24
Sprecherin 1:
Monatelang hielt er seine
tatsächlichen Pläne geheim. Tesla schwebte vor, eine elektrisch
leitende Schicht der Atmosphäre auszunutzen - obwohl damals noch gar nicht
klar war, ob es so etwas überhaupt gab.
6.38
Teslas Vision war die drahtlose
Übertragung von Energie durch hunderte seiner Türme - zur Versorgung
aller möglichen Arten von elektrischen Geräten. Obwohl er nur wenig
über die Ionosphäre wußte, glaubte er, daß sie diese
Energiemengen übertragen könnte.
6.55
Er schlug sogar einen künstlichen
Verteidigungsschild für Amerika vor - sozusagen ein frühes
SDI-Programm.
7.08
Sprecher 1 (Terbo):
Ursprünglich sollte der Turm
demonstrieren, daß man Energie drahtlos übertragen kann. Er wollte
von Long Island aus die Pariser Weltausstellung mit elektrischem Licht
versorgen.
7.19
Sprecherin 1:
Tausende von Dollars wurden in den
Turmbau gesteckt, aber nicht eine einzige Glühbirne konnte in Paris zum
Leuchten gebracht werden.
7.28
Und dann gelang es auch noch einem
gewissen Marconi als Erstem, drahtlos Signale über den Atlantik zu
übertragen - und das mit einer erheblich preiswerteren Apparatur.
Tesla mußte seinen Geldgebern sagen, was er wirklich
vorhatte - und die zogen ihr Geld zurück.
7.46
Sprecher 1 (Terbo):
Das war tragisch für Tesla, weil
er nun sein eigenes Geld in das Projekt stecken mußte und sich damit
völlig ruinierte.
7.57
Sprecherin 1:
Der Turm blieb noch eine Weile stehen,
und es begannen sich bald Mythen um ihn zu ranken: zum Beispiel, daß die
deutschen U-Boote ihn im Ersten Weltkrieg zur Ortung benutzten. Und so wurde er
schließlich abgerissen.
8.10
Tesla gelang es nie wieder, Geldgeber
für seine ehrgeizigen Projekte zu finden und so geriet er als Erfinder in
Vergessenheit, bis er 30 Jahre später starb. Aber seine Ideen leben bis
heute weiter.
8.27
Sprecher 1
(Papadopoulos):
Tesla war genial und hatte viele
reichlich wilde Ideen, von denen aber auch einige verwirklicht wurden, er hielt
unglaublich viele Patente.
8.36
Sprecherin 1:
Besonders Teslas Idee von der aktiven
Nutzung der Ionosphäre hat die Jahrzehnte überlebt. Mit der Technik
des 20. Jahrhunderts ist das Militär jetzt dabei, zumindest Teile von
Teslas Traum zu verwirklichen.
8.56
Sprecherin 1:
Und es war wieder Teslas Rivale
Marconi, der als erster bewies, wie man sich die Ionosphäre zunutze machen
kann. Denn Langwellen-Rundfunk läßt sich nur deshalb über den
Atlantik übertragen, weil die Plasmaschicht der Ionosphäre wie ein
himmlischer Spiegel wirkt.
9.10
Die Radiowellen werden sozusagen im
Zickzack um den Globus gelenkt.
9.17
Wie instabil dieser Spiegel allerdings
ist, konnte jeder Radiohörer erfahren - anhand der ständig
schwankenden Empfangsqualität. Doch immer mehr Forscher beschäftigten
sich nun mit der Ionosphäre - der Tesla der 50er Jahre kam aus
Griechenland.
9.37
Sprecher 1
(Papadopoulos):
Nikolas Christofilos war ein
griechischer Ingenieur und in gewissem Sinne geistesverwandt mit Tesla. Er
entwickelte große neue Ideen, obwohl er gerade erst die Hochschule
absolviert hatte und als Fahrstuhlkonstrukteur in New York arbeitete. Auf ihn
gehen einige wichtige Erfindungen der 50er Jahre zurück.
9.58
Sprecher 2 (Eastlund):
Er beschäftigte sich mit
großen Problemen und entwickelte entsprechend große
Lösungen.
10.08
Sprecherin 1:
Christofilos konnte beim
amerikanischen Militär fast alles umsetzen, was ihm in den Kopf kam.
Außerdem führte die Raketentechnik zu einer wahren Explosion der
Atmosphären- und Weltraumforschung.
10.24
Im Jahr 1957 entdeckte James Van
Allen, ein Kollege von Christofilos, weitere Schichten außerhalb der
Ionosphäre, mehr als 1000 Kilometer über der
Erdoberfläche.
10.38
Sprecher 1 (Van Allen):
Wir entdeckten, daß es da
draußen außer kosmischen Strahlen noch eine riesige Menge von
elektrisch geladenen Teilchen gab, gefangen im Magnetfeld der Erde.
10.50
Sprecherin 1:
Endlich konnten die Wissenschaftler
handfeste Aussagen über den Bereich außerhalb der Atmosphäre
machen. Diese Schichten wurden der "Van-Allen-Gürtel genannt und
machten ihren Erfinder weltberühmt. Aber es war auch die hohe Zeit des
Kalten Krieges, und so wurde sofort ein Verdacht laut, der uns heute geradezu
absurd erscheinen muß.
11.14
Sprecher 1 (Van Allen):
Es gab einige Zweifel, ob das, was ich
gemessen hatte, wirklich natürlichen Ursprungs war, oder ob nicht
sowjetische Atombomben dahintersteckten.
11.25
Sprecherin 1:
Und so geriet die Ionosphäre zu
einer der Arenen des internationalen Wettrüstens. Der Druck auf die
Militärforscher wuchs, und in diesem Klima fand Christofilos offene Ohren
für seine höchst unkonventionellen Ideen.
11.41
Unter strikter Geheimhaltung wurde das
sogenannte Argus-Experiment gestartet: Durch die Zündung einer Atombombe
in der Ionosphäre sollte erprobt werden, wie weit sich die
Plasmahülle der Erde manipulieren ließ.
11.58
Für Van Allen war das ein
großartiges wissenschaftliches Experiment. Aber das Militär hatte
andere, ganz vordergründige Ziele im Sinn.
12.18
Sprecher 1 (Van Allen):
Es gab zwei militärische Motive
für das Experiment: Erstens sollte Fähigkeit der Ionosphäre zur
Übertragung des feindlichen Funkverkehrs gestört werden, und zweitens
ging es um die Erzeugung einer Barriere aus hochenergetischen Partikeln - mit
dem Ziel, die Leitsysteme ballistischer Raketen außer Gefecht zu
setzen.
12.36
Sprecherin 1:
Aber das Militär wußte,
daß für seine Zwecke erheblich mehr Sprengkraft nötig war. Im
Pazifik begann deshalb bald darauf eine gewaltige Atomtest-Serie. Eine Reihe
von besonders starken Explosionen lief unter dem beschönigenden Titel "The
Rainbow Bombs, die Regenbogenbomben.
13.01
Sprecher 1 (Van Allen):
Ich glaube nicht, daß die
Öffentlichkeit sehr beunruhigt war. Es war die Zeit des Kalten Krieges,
als man sich von der Sowjetunion bedroht fühlte. Ich glaube, man hielt das
für eine vernünftige und wichtige Vorbeugemaßnahme.
13.18
Sprecher 2 (Lovell):
Ich erinnere mich noch, daß wir
uns im Sommer 1962 viele Sorgen gemacht haben.
Immerhin hatten wir keinen Zugang zu
den genauen Plänen der Amerikaner und konnten nur hoffen, daß sie
wußten, was sie taten. Viele von uns warnten damals, daß die Umwelt
wie von einem Vorschlaghammer getroffen werden könnte.
13.42
Sprecher 1 (Van Allen):
Er malt die ganze Sache sehr
düster, und das ist nach meiner Ansicht nicht angemessen. Das sind zwar
militärische Waffentests, aber sie werden von sehr kompetenten Leuten
durchgeführt, die wir gut kennen.
13.56
Sprecher 2 (Lovell):
Ich bin sehr überrascht, wie
jemand behaupten kann, die Folgen des Experiments zu kennen, selbst Professor
Van Allen. Ich kann das nicht so sehen - wir wissen ja nicht einmal, wo die
Teilchen herkommen.
14.09
Sprecher 1 (Van Allen):
Das war damals in gewissem Sinne ein
legitimer Einwand, aber viele von uns, die wir schon seit Jahren an dem Thema
arbeiteten, hatten die zu erwartenden Effekte ausführlich untersucht, und
wir wußten, daß sie alles andere als katastrophal sein
würden.
14.24
Sprecher 2 (Lovell):
Die amerikanischen Wissenschaftler
jener Zeit behaupteten, daß unsere Sorgen unbegründet seien und die
Effekte nur lokal begrenzt und kurzfristig sein würden.
14.34
Sprecher 1 (Van Allen):
Was den Vorwurf betrifft, wir werden
das Universum beschädigen - da habe ich kein schlechtes Gewissen. Ich
glaube, es wird eher erhellend sein.
14.55
Sprecherin 1:
Die Versuche begannen im Juli 1962.
Drei Bomben zündeten die Amerikaner. Die größte war eine
1,4-Megatonnen-Bombe mit dem Namen "Starfish, "Seestern. Die
Explosion machte über der Insel die Nacht zum Tag.
15.18
Drei weitere Versuche gingen schief.
15.23
Eine Rakete explodierte auf der
Startrampe. Das Geschoß inklusive Gefechtskopf wurde zerstört, die
Insel radioaktiv verseucht.
15.35
Aber die gelungenen Tests bewiesen,
daß mit Hilfe von Atomraketen künstliche magnetische Effekte erzielt
werden können.
15.48
Sprecher 1 (Van Allen):
Die Explosion von "Starfish war
etwa tausendmal so stark wie die beim Argus-Experiment. Entsprechend
größer war der Effekt auf die Ionosphäre, allerdings hielt er
nur eiln paar Stunden an. Aber er führte zu einem magnetischen Sturm, der
die Stromversorgung von Hawaii lahmlegte.
16.05
Sprecherin 1:
Während der elektromagnetische
Puls die Lichter in Hawaii verlöschen ließ, wurden die
Südseebewohner gleichzeitig Zeugen eines lebhaften künstlichen
"Nordlichts.
16.17
Die Militärs und auch Van Allen
behaupteten, das Experiment sei im wesentlichen so abgelaufen wie erwartet.
Dabei verschwiegen sie allerdings, daß große Mengen an nuklearen
Spaltprodukten in den Weltraum gelangt waren. Mehr noch:
16.33
Sprecher 2 (Lovell):
Die Explosion zerriß
gleichzeitig die Ionosphäre, beeinträchtigte den
Langstrecken-Funkverkehr und zerstörte sogar die Solarzellen des
britischen Satelliten "Ariel und legte ihn lahm.
16.48
Sprecher 1 (Van Allen):
Ja, da gab es ein paar Satelliten, die
durch die Strahlung außer Gefecht gesetzt wurden. Aber das war
natürlich ebenfalls eines der Anliegen der Militärs gewesen:
herauszufinden, ob auch das möglich wäre.
17.03
Sprecherin 1:
Das Mililtär stellte die
Explosion zwar als einen Meilenstein der strategischen Forschung dar. Aber im
Jahr darauf führte ein internationales Abkommen zum Stopp aller
Atomversuche in der Atmosphäre - zum Bedauern von James Van Allen.
17.17
Sprecher 1 (Van Allen):
Ich könnte mir aber immer noch
kleinere Tests vorstellen, die sind völlig harmlos und könnten
wissenschaftlich sehr interessant sein.
17.28
Aber die Öffentlichkeit reagiert
sehr hysterisch darauf, also glaube ich nicht, daß es in der näheren
Zukunft noch einmal eine solche Gelegenheit geben wird. Langfristig wird sich
vielleicht wieder eine rationalere Haltung durchsetzen.
17.45
Sprecherin 1:
Mitte der 60er Jahre führten
jedoch auch die geostationären Satelliten zu einer Wende: Kurzwellen
können die Ionosphäre ungehindert passieren, und diese Satelliten
wirkten als Spiegel, mit deren Hilfe sich Informationen rund um den Globus
verbreiten ließen. Für viele Experten war die unberechenbare
Ionosphäre damit ein Problem, das der Vergangenheit angehörte.
18.07
Nick Christofilos sah das anders, denn
er hatte schon wieder eine neue Idee, wie man sich die einzigartigen
Eigenschaften der Ionosphäre zunutze machen könnte.
18.17
Die gefürchtetsten Waffen des
Kalten Krieges waren die Atom-U-Boote. Sie konnten zwar monatelang auf
Tauchstation bleiben, aber dort waren sie taub für alle normalen
Radiosignale, weil die nicht ins Wasser eindringen können. Christofilos
jedoch hatte schon eine Lösung für dieses Problem.
18.34
Sprecher 2 (Eastlund):
Er entwarf das Projekt
"Sanguine. Ein großer Teil des Staates Wisconsin sollte mit
Drähten überzogen werden, etwa 20 Zentimeter tief im Boden, und mit
ihrer Hilfe wollte man extrem niedrigfrequente Wellen, sogenannte
Längstwellen, für die Kommunikation mit den U-Booten erzeugt
werden.
18.51
Sprecherin 1:
Denn Längstwellen können
tief ins Wasser eindringen. Also ein ideales Mittel, um mit U-Booten in jeder
Tiefe zu kommunizieren. Der einzige Haken: Man benötigt eine tausende von
Kilometern messende Antenne, um Längstwellen zu erzeugen - damals kein
sehr populäres Projekt - obwohl Christofilos ihm den Namen
"Sanguine, "zuversichtlich, gegeben hatte.
19.16
Inbesondere von den Bewohnern des
Staates Wisconsin hagelte es Proteste. Es entstanden Bürgerinitiativen
gegen das Vorhaben. In der Bevölkerung war das Unbehagen gegenüber
militärischen Großprojekten ohnehin gewachsen. Die Menschen
befürchteten Gesundheits- und Umweltschäden, die mit der Erzeugung
dieser extrem langwelligen Strahlung verbunden sein könnten.
19.42
Obwohl die US-Regierung behauptete,
die Wirkung der Wellen sei nicht schlimmer als die von Hochspannungsleitungen,
blockierte die Kampagne die Pläne fast ein Jahrzehnt lang.
19.54
Sprecher 1
(Papadopoulos):
Die Sache wurde zum Politikum. Der
Kongreß wollte der riesigen Antenne nicht zustimmen, also versuchte man
sie kleiner und effizienter zu machen, es wurden viele Studien
angestellt.
20.06
Sprecherin 1:
Und schließlich bekam die Marine
doch noch ihre Antenne, aber sie war nur ein Abklatsch der ursprünglich
geplanten. Ihre Einsatzmöglichkeiten zur Kommunikation mit den U-Booten
erwiesen sich als sehr begrenzt.
20.21
Nick Christofilos war schon 1972
gestorben, lange vor dem Bau seiner Längstwellen-Antenne. Aber ein anderer
Grieche, Dennis Papadopoulos, verfolgte die Ideen weiter. Und er fand einen
politisch gangbaren Weg für die Navy.
20.38
Sprecher 1
(Papadopoulos):
Obwohl ich wußte, daß
Nicks Pläne sehr fundiert waren, war mir klar, daß sie politisch
nicht durchsetzbar waren. Also suchte ich nach Alternativen. Diese Wellen
pflanzen sich ja fort, indem sie zwischen der Erde und der Ionosphäre hin-
und herspringen. Wenn man nun die Antenne in die Ionosphäre verlagern
könnte, dann hätte man nicht die politischen Probleme wie auf der
Erde, und auch keine Umweltbelastung.
21.00
Sprecherin 1:
Aber wo in diesem chaotischen Plasma
gab es eine Struktur, die als Antenne hätte dienen können?
Im äußersten Norden der USA fand Papadopoulos,
wonach er suchte - am Rande der Arktis, in Alaska, wo Wissenschaftler sich
schon lange mit den magnetischen Phänomenen der Ionosphäre
beschäftigen. Und sich auch nach jahrzehntelanger Beobachtung immer noch
von den tanzenden Nordlichtern faszinieren lassen.
21.28
Sprecher 1 (Neal Brown):
Sie verändern ständig ihre
Farben und Formen. Wie wenn man an einem Sommertag die Wolken betrachtet und
sich dabei verschiedene Tiere vorstellt.
21.42
Sprecherin 1:
Die Polarlichter sind ein sichtbarer
Beweis für das Zusammenspiel elektrisch geladener Teilchen von der Sonne
mit dem irdischen Magnetfeld. Sein äußerer Bereich, die
Magnetosphäre, schützt uns vor dem Sonnenwind, hat aber Löcher
am Nord- und Südpol, wo die magnetischen Feldlinien trichterförmig
zusammenlaufen. Wenn die energiereichen Sonnenteilchen entlang dieser Linien
heranrasen und auf die Ionosphäre treffen, erzeugen sie einen bunt
leuchtenden Ring, den wir als Nordlicht bezeihungsweise Südlicht
bezeichnen.
22.10
Nur ein geringer Teil der Energie ist
tatsächlich als Polarlicht sichtbar. Der Sonnenwind erzeugt vor allem ein
riesiges elektrisches Potential.
22.19
Sprecher 1 (Brown):
Parallel zur Erdoberfläche
fließt ein sehr großer elektrischer Strom, etwa in derselben Region
wie dieser Lichtvorhang, aber oft auch etwas ausgedehnter. Wir nennen das den
Elektrojet, und er entspricht einem Stromfluß von etlichen tausend
Ampère.
22.35
Sprecherin 1:
Das war die Struktur, nach der Dennis
Papadopoulos gesucht hatte. Er schlug vor, den Elektrojet als riesige Antenne
zu benutzen und so die Längstwellen zu erzeugen, die zur Kommunikation mit
den U-Booten nötig waren. Aber das war vorerst nur reine Theorie.
22.54
Sprecher 1
(Papadopoulos):
Der Vorschlag ging aus dem Labor an
die Navy. Die hoffte damals aber, daß sie die Antenne in Wisconsin
irgendwie doch noch bekommen würde, und jede Alternative erschien da
gefährlich. Also haben sie die Sache nicht weiterverfolgt.
23.16
Sprecherin 1:
Die Ablehnung durch die Marine
frustrierte Papadopoulos. Aber woanders ging die Erforschung der
Ionosphäre weiter. Ein besonders interessanter Apparat war der sogenannte
Ionosphären-Heater, zu deutsch "Erhitzer: Diese Einrichtung strahlte
Kurzwellen-Energie direkt in die Ionosphäre, um dort eine gewisse Menge
Plasma gezielt aufzuheizen.
23.38
O-Ton Robinson
23.45
Sprecher 2 (Robinson):
Man könnte das Ganze am ehesten
mit einem Mikrowellenherd vergleichen. Die heizende Energie steckt in der
elektromagnetischen Welle. Die Welle selber ist nicht heiß. Sie
produziert die Wärme erst, wenn sie in dem Material, auf das sie trifft,
Bewegung erzeugt, die Bewegung führt zu Reibung, und so entsteht die
Wärme. Es ist so, als nähme man die geladenen Teilchen und riebe sie
aneinander, wie zwei Streichhölzer.
24.12
Sprecherin 1:
Anfang der 80er Jahre zeigten
Experimente in Skandinavien, daß man mit dieser Technik die
Ionosphäre auf sehr subtile Weise beeinflussen kann.
24.28
Sprecher 2 (Robinson):
Bei einem ihrer Experimente haben sie
den Heater mit der Musik aus einer Hifi-Anlage moduliert. Ich glaube, beim
ersten Versuch haben sie Wagners "Walkürenritt verwendet. Sie haben
die damit modulierten Wellen mit dem Heater in den Elektrojet hochgeschickt,
und der Elektrojet reagierrte mit entsprechenden akustischen Signalen
zurück zur Erde, so als ob er ein riesiges Stimmband wäre.
25.05
Sprecherin 1:
Endlich gab es also eine Methode, die
ungreifbare Ionosphäre zu manipulieren. Der Heater war ein interessantes
Forschungsinstrument, aber das Militär war von seiner praktischen
Anwendbarkeit noch lange nicht überzeugt. Ein Ölkonzern jedoch war
zumindest auf diese Technik aufmerksam geworden:
25.22
Im unwirtlichen Hügelland
Nordalaskas hatte die Firma Arco ein Problem: Sie wußte nicht wohin mit
Milliarden von Kubikmetern überschüssigem Erdgas. Nachdem man mehrere
Verwendungsmöglichkeiten verworfen hatte, wandte Arco sich an den
Plasmaphysiker Ben Eastlund, um mit ihm eine nicht-chemische
Verwendungsmöglichkeit zu überlegen.
25.46
Denn es war zu teuer, eigens eine
Pipeline herunter in die USA zu bauen.
25.54
Sprecher 2 (Eastlund):
Ich dachte sofort an Radiowellen -
denn mit dieser riesigen Energiemenge könnte man eine Menge Wellen
erzeugen. Die zweite Idee war: Wir sind hier in Alaska, also in der Nähe
des magnetischen Nordpols. Und mein dritter Gedanke war, daß die
sowjetischen Raketen den Weg über den Pol nehmen würden. Ich habe
dann noch ein bißchen Physik hineingesteckt und kam zu dem Ergebnis,
daß diese Wellen in den oberen Regionen des Magnetfelds sehr
energiereiche Elektronen erzeugen könnten.
26.29
Wenn nur genügend viele von
diesen Elektronen sich in eine Rakete bohren würden, könnten sie
diese zur Explosion bringen oder auch nur die Elektronik zerstören, also
auf vielfältige Weise Schaden anrichten.
26.42
Ich entwarf eine Antenne, die so
groß war, daß sie im Prinzip den Van-Allen-Gürtel mit
energetischen Teilchen füllen könnte. So wollte ich einen
vollständigen Schutzschild erzeugen, der diese Teilchen auf alle
möglichen Flugrouten der Raketen verteilen würde.
27.00
Sprecherin 1:
Eastlunds Konzept machte die
Militärs hellhörig, denn große Ideen waren damals wieder in
Mode.
27.07
Ronald Reagan hatte gerade sein
SDI-Programm verkündet. Eastlunds riesiger Ionosphären-Erhitzer
verlangte keine aufwendige Weltaumtechnologie, und trotzdem waren seine
energiegeladenen Teilchenwolken theoretisch in der Lage, einen nuklearen
Angriff abzuwehren.
27.27
Ein genialer Geistesblitz, das fand
auch Eastlunds Chef.
27.34
Sprecher 2 (Eastlund):
Er sagte: Ben, verlaß' bitte den
Raum. Und ich ging hinaus und dachte, das war wohl das Aus. Aber er rief mich
wieder herein und sagte: Ben, ich hab' dich nur 'rausgeschickt, weil das so
aufregend ist, daß ich Angst hatte, etwas Falsches zu sagen.
27.48
Sprecher 1
(Papadopoulos):
Das war eine Idee nach dem Geschmack
der Generäle - ein Schutzschild, der alles zerstört, was durch ihn
hindurch will.
27.58
Sprecher 2 (Eastlund):
Bis zum Ende des Jahres arbeitete ich
an den Patenten, und wir reichten drei sehr umfassende Patentanträge ein.
28.08
Praktisch jede Anwendung, die wir uns
auch nur entfernt vorstellen konnten, schrieben wir da hinein. Außer dem
globalen Anti-Raketen-Schutzschild dachten wir etwa an Elektronenwolken, die
aktiv Raketen zerstören konnten, an die Störung des Funkverkehrs und
an die Erzeugung von Längstwellen. Das Patentamt grub ein Projekt von
Nikola Tesla aus, von dem ich noch nie etwas gehört hatte, zwei Artikel
aus der New York Times. Tesla genoß einen solchen Ruf, daß
es keine Rolle spielte, daß das eigentlich gar keine Patente waren. Mit
allen seinen Ideen durfte sich ein Patent nicht überschneiden.
28.47
Sprecher 1 (Terbo):
Wenn man heute vom SDI-Projekt
spricht, also von Star Wars, dann spricht man auch über Tesla, denn das
ist genau die Art von Verteidigungssystem, an die er schon vor dem Ersten
Weltkrieg gedacht hat. Er war seiner Zeit weit voraus, und wenn die Presse
über diese Dinge berichtete, wurde er meist als Exzentriker
dargestellt.
29.07
Sprecherin 1:
Eastlunds Ideen waren reine Theorie.
Jemand mußte hingehen und sie ausprobieren. Und es gab tatsächlich
jemanden mit Erfahrung auf diesem Gebiet:
29.19
Sprecher 2 (Eastlund):
Wir haben ein paar exzellente Leute
zusammengeholt, darunter Dennis Papadopoulos. Er hatte große Erfahrung
mit Längstwellen, und er spielte eine Schlüsselrolle bei dem
theoretischen Nachweis, daß man diese heißen Elektronen
tatsächlich erzeugen konnte.
29.33
Sprecherin 1:
Für Papadopoulos war die Erzeugung heißer
Elektronen eine Sache und die Errichtung eines riesigen Abwehrschildes eine
ganz andere.
29.42
Sprecher 1
(Papadopoulos):
Es gab nicht nur große
physikalische Probleme - denn der vorgeschlagene Beschleunigungsmechanismus war
einfach nicht zu realisieren - auch wenn er funktioniert hätte, wäre
die Welt-Energieproduktion eines ganzen Jahres notwendig gewesen, um diese
Energie zu erzeugen. Es war totaler Wahnsinn!
30.03
Sprecher 2 (Eastlund):
Schon einen Tag, nachdem das Patent
erteilt wurde, rief die New York Times an und wollte mich interviewen.
Ich gab ihnen ein Interview, und das hat wohl bei Arco für Unruhe gesorgt
und war vielleicht ein Grund dafür, warum ich nicht bei dem Projekt
bleiben durfte.
30.20
Die offizielle Begründung war,
daß meine Ideen zu abwegig seien, aber das waren sie sowieso von Anfang
an, nur das hatte bis dahin niemanden gestört.
30.30
Sprecherin 1:
Papadopoulos versuchte, Eastlunds
hochfliegende Ideen auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen und sich
praktikablere Anwendungen zu überlegen. Und das gelang ihm.
30.44
Das Militär begann sich wieder
für die Ionosphäre zu interessieren. Und Arco gelang es, über
eine Tochterfirma den Zuschlag für den Bau des größten
Ionosphären-Heaters der Welt zu bekommen. Eastlund war nicht mehr dabei,
wissenschaftlicher Leiter des Projekts war jetzt Papadopoulos.
31.02
Sprecher 1
(Papadopoulos):
Ich glaube, die Zeit war einfach reif.
Wir hatten im Laufe der Jahre schon eine Menge Erfahrungen gesammelt, es gab
viele Ionosphären-Heater in Tromsö, in der Sowjetunion, in Arecibo.
Jetzt wollten wir einen erheblich stärkeren Heater, mit dem wir eine Menge
praktischer Dinge tun konnten.
31.30
Sprecherin 1:
Dies war die Geburtsstunde des "High
Frequency Active Auroral Research Programme, abgekürzt
"HAARP.
31.40
In Alaska begann die Marine mit dem
Bau von 150 Antennen auf einem 13 Hektar großen Areal.
31.52
Sprecher 1
(Papadopoulos):
HAARP ist nichts weiter als eine Reihe
von Radiosendern. Es sind viele kleine Antennen, und sie senden Radiowellen in
der Art von Mittelwellen aus. Die treten in Wechselwirkung mit den Elektronen
der Ionosphäre, rütteln sie hin und her und erhitzen sie so. Dadurch
ändern sich die elektromagnetischen Eigenschaften dieses Mediums. Wir
haben jetzt gelernt, wie man das gezielt macht, um bestimmte Aufgaben zu
erfüllen.
32.21
Sprecherin 1:
HAARP ist auf dem neuesten Stand der
Technik, der zur Zeit modernste Ionosphären-Heater der Welt.
32.33
Sprecher 1 (Brown):
HAARP unterscheidet sich von
früheren Experimenten dadurch, daß die meist sehr grobe,
hochenergetische Erhitzungsexperimente waren. HAARP versucht dagegen
auszunutzen, was schon an Energie in der Ionosphäre existiert, und daran
nur feine Veränderungen vorzunehmen.
32.50
Sprecher 2 (Eastlund):
Bei dieser Anlage kann man die
Frequenz verändern, man kann die Richtung ändern, und man kann die
Fokussierung variieren. Sie ist sehr flexibel und daher für alle
möglichen Zwecke verwendbar.
33.00
Sprecherin 1:
Für Wissenschaftler mag HAARP
sehr beeindruckend sein, aber für viele Einheimische ist es vor allem ein
weiteres militärisches Projekt, das ihre Umwelt bedroht.
33.12
Sprecherin 2
(Engebretson):
Wenn die Leute dem Projekt
mißtrauen, dann wohl vor allem deshalb, weil sie der Regierung nicht
trauen.
33.21
Wir leben hier in einer dünn
besiedelten Gegend. Die Leute kommen nach Alaska, weil sie vor der Zivilisation
fliehen, und wenn dann in dieser Gegend ein militärisches
Großprojekt aufgezogen wird, dann werden sie schon ein bißchen
mißtrauisch.
33.42
Sprecher 2 (Nick
Begich):
Die haben vor, die Ionosphäre zu
stören, das ist die oberste Schicht der Atmosphäre, die uns Menschen
vor der kosmischen Strahlung schützt. Und sie wollen da riesige Mengen von
Energie hineinpumpen und Experimente anstellen mit diesem Schutzschild, der uns
vor sehr schädlichen Strahlen schützt.
34.03
Sprecher 1
(Papadopoulos):
Solche Wellen, wie wir sie bei HAARP
verwenden, umgeben uns ständig. Sie werden auch von der Natur erzeugt,
etwa bei Gewittern.
34.13
Die Wellen, die wir erzeugen, sind
kohärenter, so daß wir sie leichter unter Kontrolle halten und
messen können, aber ihre Intensität macht nur einen geringen
Bruchteil der natürlich erzeugten Strahlung aus.
34.25
Sprecherin 1:
Um nachzuweisen, daß von HAARP
keine Gefahr ausgeht, gab das Militär ein Umweltgutachten in Auftrag -
aber wie schon bei früheren Protesten schenkten die Umweltschützer
den Regierungsbeteuerungen kein Vertrauen.
34.40
Sprecher 2 (Begich):
Es gibt ja schon eine lange Geschichte
von militärischen Experimenten. Und oft genug wurde dabei die eigene
Zivilbevölkerung geschädigt. Bei den oberirdischen Atomtests in den
40er und 50er Jahren zum Beispiel waren die Gesundheitsrisiken bekannt, und die
Tests wurden trotzdem durchgeführt.
34.56
Sprecherin 1:
HAARP nahm Ende 1995 die Arbeit auf.
Nach 25jähriger Wartezeit konnte Papadopoulos endlich seine
Längstwellen erzeugen. Diesmal mit dem Ziel, sie tief in den Boden
eindringen zu lassen, um dort Formationen mehrere hundert Meter unter der Erde
auszumachen.
35.13
Jahrelang hatte das Militär zwar
an einem Radar gearbeitet, das in den Boden eindringt, aber ohne Erfolg, weil
man damit nur wenige Meter tief kam.
35.24
Sprecher 1
(Papadopoulos):
Bei niedrigeren Frequenzen dringen die
Wellen besser ein, so daß wir Bilder aus größerer Tiefe
bekommen.
35.40
Sprecherin 1:
Die Stadt Fairbanks in Alaska lieferte
das erste Objekt, das Papadopoulos aufspüren wollte: den Stollen eines
alten Bergwerks, etwa 30 Meter unter der Erde. HAARP sollte Bilder dieser
unterirdischen Struktur liefern.
35.58
Man regte den Elektrojet zu
langwelligen Schwingungen an. Sensoren in Fairbanks fingen die Reflektionen
dieser Wellen aus dem Erdboden auf, und nach entsprechender Computerbearbeitung
war klar und deutlich der alte Bergwerksstollen zu erkennen.
36.15
Sprecher 1
(Papadopoulos):
Das war der weltweit erste Test dieses
Konzeptes, und ich war wirklich verblüfft - normalerweise geht der erste
Versuch immer schief. Dieser Test dagegen übertraf alle unsere
Erwartungen.
36.27
Das ist ein fantastisches
Fernerkundungs-Instrument. Man kann damit die Ionosphäre erforschen und
ebenso den Boden, unterirdische Strukturen oder die Ozeane. Man kann sogar die
Wassertemperatur messen.
Ich glaube, der Traum, den ich seit 25
Jahren habe, wird nun endlich Wirklichkeit, und als wir das erste Bild bekamen
- das war wirklich ein herrlicher Moment.
36.50
Sprecherin 1:
HAARP hat bisher umgerechnet 90
Millionen Mark gekostet, und ein solches militärisches High-Tech-Projekt
zieht auch Investitionen für zivile Forschungen nach sich. Trotzdem ist
die Freude darüber nicht ungeteilt; die Sache hat einen seltsamen
Beigeschmack:
37.07
Sprecher 1 (Brown):
Zivile Wissenschaftler beäugen
das Projekt ein wenig mißtrauisch, sie fragen sich, warum das
Militär daran interessiert ist. Da gibt es natürlich zunächst
die ganz offenen, harmlosen Begründungen. Aber jeder, der einmal mit einem
militärischen Projekt zu tun hatte, kann den Verdacht nicht loswerden, da
könnte eine dunklere Absicht dahinterstecken.
37.29
Sprecherin 1:
Neuere Forschungsergebnisse erlauben
den Schluß, daß HAARP vielleicht doch keine so unnatürliche
Sache ist. Ein Gewitter kann eine ähnliche Wirkung haben wie ein
ionosphärischer Heater. Erst vor kurzem sind die sogenannten
"Sprites entdeckt worden - Lichtblitze, die von Gewitterwolken nach oben
gehen.
37.51
Sprecher 1
(Papadopoulos):
Sprites sind Lichtblitze, die in 70
Kilometer Höhe auf und ab springen - ein erstaunliches Phänomen. Auch
diese Blitze wirken wie Antennen und beeinflussen die Ionosphäre genau wie
HAARP, nur mit mehr Energie.
38.13
Sprecherin 1:
Diese Blitze gehen einher mit
gewaltigen Ausbrüchen von Kurzwellenstrahlung, die ihre Energie bis hinauf
in die Ionosphäre pumpen, 70 Kilometer über dem Erdboden.
38.30
Sprecher 1
(Papadopoulos):
Da oben sind also andauernd etwa eine
Million HAARPs in Betrieb. Auf eine Million natürlicher Blitzentladungen
kommt eine von uns, und entsprechend ist die Energie, die von den Blitzen
ausgeht, mindestens eine Million mal größer, wahrscheinlich noch
mehr - also wie sollen unsere Versuche da Schaden anrichten?
38.50
Sprecherin 1:
Aber die HAARP-Gegner wollen trotzdem
nicht locker lassen. Denn in den historischen Konzept-Papieren findet sich noch
ein weiterer, sehr bizarrer Vorschlag zur Beeinflussung der Umwelt.
39.04
Ben Eastlund hatte damals auf Anraten
seines Anwalts alle denkbaren Anwendungen in seine Patentschrift aufgenommen.
Auch die seinerzeit noch
reichlich phantastische Idee, mit
einer Einrichtung wie HAARP das Wetter zu manipulieren.
39.19
Sprecher 2 (Eastlund):
Man kann diese Antenne parallel zum
Boden ausrichten, und dann könnte man die Jet-Streams aus dem
Gleichgewicht bringen und über Alaska lenken.
39.31
Ich stellte mir vor, man könnte
vielleicht den Jet-Stream lenken, indem man an seinem Rand oder am Rand einer
rotierenden Wolkenformation Kräfte wirken läßt. So könnten
wir vielleicht das Wetter beeinflussen.
39.42
Zur Zeit ist die Welt den Launen des
Jet-Streams machtlos ausgeliefert, und ich dachte, es könnte vielleicht
nützlich sein, ihn eines Tages unter Kontrolle zu bringen.
39.54
Die Mechanismen des Wetters zu
studieren, ist für einen Wissenschaftler okay, aber der Vorschlag, es zu
beeinflussen, ist ein bißchen gefährlich: Man wird schnell
ausgelacht und als unseriös betrachtetDas war mir zwar bewußt, als
ich das Patent geschrieben habe, aber Tatsache ist, daß ich damals die
Möglichkeit sah, und es kommt vielleicht eine Zeit, in der die Menschen
darauf angewiesen sein werden, das Wetter auf irgendeine Art zu
verändern.
40.23
Sprecherin 1:
Im Jahr 1995 führte der US-Senat
eine Anhörung zum Thema HAARP durch. Der Hinweis auf die eventuelle
Möglichkeit, das Wetter zu verändern, wurde von der extremen Rechten
aufgegriffen. Diese Gruppierungen, die jede Form von Regierung ablehnen, sahen
in der Wettermanipulation eine ultimative Kriegswaffe, die verheerendere
Wirkungen haben könnte als jede Atombombe.
41.00
Offiziell wurde daraufhin dementiert,
daß die Beeinflussung des Wetters zu den Zielen von HAARP gehöre.
Aber die Umweltschützer bleiben mißtrauisch.
41.11
Sprecher 2 (Begich):
Uns wird oft Panikmache vorgeworfen,
aber vielleicht ist es wirklich an der Zeit, die Alarmglocken zu läuten.
Jetzt, 30, 40, 50 Jahre nach den großen Atomtests der USA, merken wir,
wie riskant das damals alles war und welchen Schaden diese Generation
angerichtet hat. Deshalb ist es vielleicht sinnvoll, jetzt Alarm zu schlagen,
bevor es zu spät ist.
41.32
Sprecherin 2
(Engebretson):
Das ist doch kompletter Unsinn. Mutter
Natur ist viel mächtiger als alles, was der Mensch je unternehmen
kann.
41.43
Sprecher 1
(Papadopoulos):
Der entscheidende Punkt ist die
Energie. Das ist so, als wollte eine Fliege einen LKW stoppen. Die Energie von
HAARP ist vielleicht ein Trillionstel der Energie eines Wirbelsturms, und
selbst wenn man bestimmte katalytische Effekte unterstellt, die die Wirkung von
HAARP verstärken könnten, dann verstärken sie die Wirkung
vielleicht um den Faktor 2 oder 3 oder 5, aber nicht um den Faktor 10
Millionen. Es ist also ein reines Energieproblem.
42.12
Sprecherin 1:
Für die Gegner von HAARP ist
nicht die Frage, was das Projekt wirklich kann oder nicht kann. Ihnen geht es
um die Vorstellung, daß damit die Umwelt manipuliert werden könnte -
und das lehnen sie ab.
42.25
Die Antennen im fernen Alaska sind das
Ergebnis von 100 Jahren Ionosphärenforschung. Es bleibt abzuwarten, ob sie
zukünftig friedlicher Grundlagenforschung dienen werden oder nur dem Ziel
von Militärs, auch die Ionosphäre zu beherrschen.
42.39
Abspann
43.15
Bildende |