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15.06.2003   Freace
Iraker verklagt US-Militär auf 200 Millionen US-Dollar

Die USA gehen seit mehreren Tagen in den massivsten Kämpfen seit dem offiziellen Ende des Irakkrieges gegen irakische Widerstandskämpfer vor. Mehrere Berichte deuten darauf hin, daß es dabei zu Massakern gekommen ist.

Al-Jazeera berichtete einer dpa-Meldung vom Samstag zufolge, daß bei dem Angriff der Amerikaner auf ein Lager bei Sahl etwa 100 Menschen getötet worden sind. Nach US-Angaben handelte es sich bei dem Lager um ein Ausbildungslager für Terroristen.

Der Augenzeugenberichten nach 48 Stunden andauernde Angriff auf das Lager wurde von über 1.000 US-Soldaten mit schweren Waffen geführt.

Ein Al-Jazeera-Reporter, der das Lager danach besuchte, sah mehrere Leichen. Einige waren gefesselt.

Ein
Bericht von IslamOnline (IOL) geht noch weiter. Dort wird bestritten, daß es sich bei den in Sahl bei Rawah getöteten um Kämpfer handelte.

Abu Saadoun, einer der Stammesältesten von Rawah, sagte, amerikanische Soldaten hätten über 100 irakische Zivilisten "abgeschlachtet". US-Soldaten hätten aus Panzern und Hubschraubern das Feuer auf die Häuser von Zivilisten eröffnet. Einige der Bewohner hätten sich gegen die Angriffe mit leichten Waffen verteidigt und eine unbekannte Zahl von US-Soldaten getötet und verletzt, sagten Augenzeugen gegenüber IOL.

Saadoun sagte gegenüber IOL: "Die Körper von 12 unserer Jungen wurden gefunden, die mit Seilen gefesselt waren. Jeder hatte eine Kugel im Kopf. Die Amerikaner haben sie verhaftet und sie sofort auf diese schreckliche Art hingerichtet."

"Jetzt müssen wir nicht nur die Besetzung unseres Landes rächen, sondern auch das Abschlachten unserer Jungen. Wir werden die Tore der Hölle für die Amerikaner öffnen" fuhr er fort. "Wir haben mehr als 80 unserer Söhne begraben aber wir sind immer noch verwirrt, was die Amerikaner dazu brachte, unsere Leute zu massakrieren. Wir sind weit weg von Baghdad und es gibt hier keine Berichte über Kämpfe."

"Wir haben hier keine Trainingslager wie von den Besatzungsmächten behauptet. Keine Baathisten. Kein nichts."

Majid al-Rawi, ein Arzt am Krankenhaus von Rawah, bestätigte, daß es sich bei den durch die Angriffe Verletzten um Anwohner handelte.

"Die meisten der Jungen, die ich behandelte, kannte ich persönlich gut", sagte er. "Das Märchen, Anhänger Saddams und Baathisten zu jagen, ist nur ein Vorwand der Besatzungsmächte, um Menschenrechte zu verletzen und Leute gefangenzunehmen und zu töten ohne dafür zur Verantwortung gezogen zu werden und um zu vermeiden, daß die Medien es enthüllen."

Ein lokales Oberhaupt, der seinen Namen nicht nennen wollte, sagte gegenüber IOL: "Ich schwöre bei Allah, dem Allmächtigen, daß es hier keine Trainingslager gibt. Wir brauchen sie nicht. Jedes irakische Kind weiß, wie man Waffen benutzt."

Auch AFP berichtete am Sonntag von einem Massaker in Sahl.

Scheich Gharbi Abdul Aziz, der Imam der größten Moschee in Rawah, sagte gegenüber AFP, daß Anwohner Rawas im Lager die Leichen von 7 Menschen gefunden haben, die gefesselt worden waren und Schüsse in die Stirn, die Brust oder den Hinterkopf hatten.

Weitere 50 Körper seien gefunden worden, die in einer Reihe lagen, was auf eine Exekution hinweist.

 

Iraker verklagt US-Militär auf 200 Millionen US-Dollar
AFP berichtete am Freitag über die Schadensersatzklage des Irakers Abud Sarhan, in der er 200 Millionen US-Dollar als Entschädigung für den Verlust von 17 Familienangehörigen und 200 Schafen durch einen amerikanischen Raketenangriff fordert.

Die erste Anhörung soll Sarhans Anwalt, Rabah al-Alwani, zufolge am 20. Juli am Gericht von Ramadi, 100 Kilometer westlich Baghdads, stattfinden. "Das Verfahren wird das erste im Irak gegen US-Soldaten sein. Wir glauben, daß sie übertriebene Gewalt gegen das irakische Volk eingesetzt haben, das mit den Vereinigten Staaten beim Sturz von Saddam Husseins Regime zusammengearbeitet hat", sagte al-Alwani gegenüber AFP.

Der 71-jährige Sarhan sagt, eine amerikanische Rakete sei am 4. April in das Wohnzelt eingeschlagen, in dem sich seine Angehörigen befanden. Einige zuvor habe er sein Heimatdorf Al-Altash verlassen, das dicht an einer irakischen Militärbasis liegt, die von Flugzeugen der "Koalition" stark bombardiert wurde.

Sarhans Halbbruder Hamad Sarhan (25), der bei dem Angriff verwundet wurde, erzählte, daß das Zelt in einer nahegelegenen Wüste aufgebaut worden war, weil sie glaubten, dort sicher zu sein. "Es gab dort keine militärischen Stellungen, nur Schäfer und ihre Herden."

"Vor dem Nachtgebet schlug eine Rakete neben uns ein, kurz danach traf eine weitere die Frauensektion."

Das Zelt war in drei einzelne Sektionen unterteilt, eine für die Männer, eine für die Frauen und die dritte für die Kinder.

"Es war schrecklich. Wir konnten nicht erkennen, wessen Gliedmaßen auf dem Boden verteilt waren" sagte er.

Alle seine Familienangehörigen, sind bei dem Angriff ums Leben gekommen, nur er und sein Halbbruder überlebten, weil sie für die rituellen Waschungen in Vorbereitung des Abendgebets nach draußen gegangen waren.

Ein AFP-Korrespondent der den Ort des Raktenangriffs besuchte, berichtete, daß dort immer noch Raketentrümmer, Kinderkleidung und Schafkadaver herumliegen.

Die Klage wurde beim Gericht von Ramadi eingereicht uns dies informierte die "Koalition" über das irakische Justizministerium von der Klage. Aref al-Dulaimi, ein Kollege al-Alwanis, sagte, die Forderung von 200 Millionen US-Dollar wäre begründet.

"Wir hoffen, daß die zwei US-Führer [US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und General Tommy Franks] vor das Gericht treten oder vertreten werden", fügte er hinzu.


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