|
Die USA gehen seit
mehreren Tagen in den massivsten Kämpfen seit dem offiziellen Ende des
Irakkrieges gegen irakische Widerstandskämpfer vor. Mehrere Berichte
deuten darauf hin, daß es dabei zu Massakern gekommen
ist.
Al-Jazeera berichtete einer dpa-Meldung vom Samstag zufolge,
daß bei dem Angriff der Amerikaner auf ein Lager bei Sahl etwa 100
Menschen getötet worden sind. Nach US-Angaben handelte es sich bei dem
Lager um ein Ausbildungslager für Terroristen.
Der
Augenzeugenberichten nach 48 Stunden andauernde Angriff auf das Lager wurde von
über 1.000 US-Soldaten mit schweren Waffen geführt.
Ein
Al-Jazeera-Reporter, der das Lager danach besuchte, sah mehrere Leichen. Einige
waren gefesselt.
Ein Bericht
von IslamOnline (IOL) geht noch weiter. Dort wird bestritten, daß es sich
bei den in Sahl bei Rawah getöteten um Kämpfer handelte.
Abu
Saadoun, einer der Stammesältesten von Rawah, sagte, amerikanische
Soldaten hätten über 100 irakische Zivilisten "abgeschlachtet".
US-Soldaten hätten aus Panzern und Hubschraubern das Feuer auf die
Häuser von Zivilisten eröffnet. Einige der Bewohner hätten sich
gegen die Angriffe mit leichten Waffen verteidigt und eine unbekannte Zahl von
US-Soldaten getötet und verletzt, sagten Augenzeugen gegenüber
IOL.
Saadoun sagte gegenüber IOL: "Die Körper von 12 unserer
Jungen wurden gefunden, die mit Seilen gefesselt waren. Jeder hatte eine Kugel
im Kopf. Die Amerikaner haben sie verhaftet und sie sofort auf diese
schreckliche Art hingerichtet."
"Jetzt müssen wir nicht nur die
Besetzung unseres Landes rächen, sondern auch das Abschlachten unserer
Jungen. Wir werden die Tore der Hölle für die Amerikaner öffnen"
fuhr er fort. "Wir haben mehr als 80 unserer Söhne begraben aber wir sind
immer noch verwirrt, was die Amerikaner dazu brachte, unsere Leute zu
massakrieren. Wir sind weit weg von Baghdad und es gibt hier keine Berichte
über Kämpfe."
"Wir haben hier keine Trainingslager wie von den
Besatzungsmächten behauptet. Keine Baathisten. Kein nichts."
Majid
al-Rawi, ein Arzt am Krankenhaus von Rawah, bestätigte, daß es sich
bei den durch die Angriffe Verletzten um Anwohner handelte.
"Die meisten
der Jungen, die ich behandelte, kannte ich persönlich gut", sagte er. "Das
Märchen, Anhänger Saddams und Baathisten zu jagen, ist nur ein
Vorwand der Besatzungsmächte, um Menschenrechte zu verletzen und Leute
gefangenzunehmen und zu töten ohne dafür zur Verantwortung gezogen zu
werden und um zu vermeiden, daß die Medien es enthüllen."
Ein
lokales Oberhaupt, der seinen Namen nicht nennen wollte, sagte gegenüber
IOL: "Ich schwöre bei Allah, dem Allmächtigen, daß es hier
keine Trainingslager gibt. Wir brauchen sie nicht. Jedes irakische Kind
weiß, wie man Waffen benutzt."
Auch AFP berichtete am Sonntag von
einem Massaker in Sahl.
Scheich Gharbi Abdul Aziz, der Imam der
größten Moschee in Rawah, sagte gegenüber AFP, daß
Anwohner Rawas im Lager die Leichen von 7 Menschen gefunden haben, die
gefesselt worden waren und Schüsse in die Stirn, die Brust oder den
Hinterkopf hatten.
Weitere 50 Körper seien gefunden worden, die in
einer Reihe lagen, was auf eine Exekution hinweist.
Iraker verklagt
US-Militär auf 200 Millionen US-Dollar
|
AFP berichtete am
Freitag über die Schadensersatzklage des Irakers Abud Sarhan, in der er
200 Millionen US-Dollar als Entschädigung für den Verlust von 17
Familienangehörigen und 200 Schafen durch einen amerikanischen
Raketenangriff fordert.
Die erste Anhörung soll Sarhans Anwalt,
Rabah al-Alwani, zufolge am 20. Juli am Gericht von Ramadi, 100 Kilometer
westlich Baghdads, stattfinden. "Das Verfahren wird das erste im Irak gegen
US-Soldaten sein. Wir glauben, daß sie übertriebene Gewalt gegen das
irakische Volk eingesetzt haben, das mit den Vereinigten Staaten beim Sturz von
Saddam Husseins Regime zusammengearbeitet hat", sagte al-Alwani gegenüber
AFP.
Der 71-jährige Sarhan sagt, eine amerikanische Rakete sei am
4. April in das Wohnzelt eingeschlagen, in dem sich seine Angehörigen
befanden. Einige zuvor habe er sein Heimatdorf Al-Altash verlassen, das dicht
an einer irakischen Militärbasis liegt, die von Flugzeugen der "Koalition"
stark bombardiert wurde.
Sarhans Halbbruder Hamad Sarhan (25), der bei
dem Angriff verwundet wurde, erzählte, daß das Zelt in einer
nahegelegenen Wüste aufgebaut worden war, weil sie glaubten, dort sicher
zu sein. "Es gab dort keine militärischen Stellungen, nur Schäfer und
ihre Herden."
"Vor dem Nachtgebet schlug eine Rakete neben uns ein, kurz
danach traf eine weitere die Frauensektion."
Das Zelt war in drei
einzelne Sektionen unterteilt, eine für die Männer, eine für die
Frauen und die dritte für die Kinder.
"Es war schrecklich. Wir
konnten nicht erkennen, wessen Gliedmaßen auf dem Boden verteilt waren"
sagte er.
Alle seine Familienangehörigen, sind bei dem Angriff ums
Leben gekommen, nur er und sein Halbbruder überlebten, weil sie für
die rituellen Waschungen in Vorbereitung des Abendgebets nach draußen
gegangen waren.
Ein AFP-Korrespondent der den Ort des Raktenangriffs
besuchte, berichtete, daß dort immer noch Raketentrümmer,
Kinderkleidung und Schafkadaver herumliegen.
Die Klage wurde beim
Gericht von Ramadi eingereicht uns dies informierte die "Koalition" über
das irakische Justizministerium von der Klage. Aref al-Dulaimi, ein Kollege
al-Alwanis, sagte, die Forderung von 200 Millionen US-Dollar wäre
begründet.
"Wir hoffen, daß die zwei US-Führer
[US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und General Tommy Franks] vor das
Gericht treten oder vertreten werden", fügte er
hinzu.
|
|