Zurück zur Seite vorher


Seitenzugriffe seit dem 13.07.2006324

Druckversion dieser Seite

Diese Information an einen Freund senden

 
Wie beurteilen Sie diesen Artikel Wie beurteilen Sie die Quelle dieses Artikels
Hier können Sie Ihren persönlichen Kommentar eingeben,
bzw. Kommentare von anderen Besuchern lesen
Kommentare
bisher
0
Infos von  www.das-gibts-doch-nicht.info
17.06.2003 Jürgen Elsässer Junge Welt
Ein toter Zeuge redet nicht
Die Akte Möllemann: Seit 25 Jahren Spendenbeschaffung aus den Fonds deutscher Panzerschmieden. Teil III
Stichtag 16. Juni: Am gestrigen Montag hätte Jürgen Möllemann wieder vor Gericht erscheinen müssen, um über die Herkunft von Wahlkampfspenden für die FDP Auskunft zu geben. Dabei ging es nicht nur um die 840000 Euro für die Finanzierung des, gelinde gesagt, israelkritischen Flyers vor den Bundestagswahlen, sondern auch um Zuwendungen aus den Jahren 1999 und 2000. Damals hatte der NRW-Landesverband der Liberalen 100000 beziehungsweise 460000 Euro erhalten. Falsch deklarierte Spenden stellen einen Straftatbestand auch für die so begünstigte Partei dar. Deswegen war die FDP schon Ende vergangen Jahres gezwungen, 873500 Euro Geldbuße an den Bundestagspräsidenten zu überweisen. Dafür mußten die chronisch defizitären Liberalen einen Kredit aufnehmen. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sind von der Vermutung geleitet, daß das Geld von illegalen Auslandskonten Möllemanns stammt, auf die Schmiergeldzahlungen aus Waffengeschäften geflossen sind. So sollen von den insgesamt 220 Millionen Mark Bestechungsgeldern, mit denen der Panzerbauer Thyssen Henschel AG im Jahre 1991 den Export von Fuchs-Panzern ermöglicht hat, nach neuesten Angaben der Strafverfolgungsbehörden 8,93 Millionen Euro auf einem Konto des Möllemann-Amigos Rolf Wegener gelandet sein. Zunächst war lediglich von 4,6 Millionen Euro ausgegangen worden (vgl. jW vom 11. Juni).



Ähnlich erfolgreich als Spendenbeschaffer wie Möllemann war zwanzig Jahre vorher ein anderer Liberaler: Heinz Herbert Karry, in Personalunion hessischer Wirtschaftsminister und Bundesschatzmeister der Partei. Auch seine politische Karriere endete abrupt: Am 11. Mai 1981 wurde er in seinem Schlafzimmer erschossen. Erst drei Wochen später tauchte ein Bekennerschreiben der Revolutionären Zellen (RZ) auf, das die Tat in einen Zusammenhang mit »widerlichen und zerstörerischen Projekte(n)« des Ermordeten brachte – Karry war ein energischer Förderer der Startbahn West des Frankfurter Flughafens. Doch bald kamen Zweifel an der RZ-Urheberschaft auf. Die SoKo Karry untersuchte 1267 Spuren, brach aber die Ermittlungen im Januar 1984 ohne Ergebnis ab.

Wie Möllemann machte auch Karry wegen geschmierter Waffengeschäfte deutscher Stahlbarone mit Saudi-Arabien von sich reden. 1976 war es nicht Thyssen, sondern Rheinmetall. Der Düsseldorfer Konzern wollte eine komplette Maschinengewehrfabrik an das Ölscheichtum liefern, das Auftragsvolumen lag bei 500 Millionen Mark. Als das Kabinett von Helmut Schmidt zunächst ablehnte, schloß der Waffenhändler Gerhard Mertins mit der Karry-Vertrauten Johanna Getrud Rech einen Provisionsvertrag über 300000 Mark ab. »Der Erfolg blieb nicht aus: 1978 setzten die FDP-Minister im Bundessicherheitsrat die Genehmigung des Waffendeals durch. Genschers Vertrauter Klaus Kinkel gab die gute Nachricht an Schatzmeister Karry weiter, so erinnert sich ein hoher FDP-Mitarbeiter aus jenen Tagen (...) Danach kassierte Karry direkt. Er soll insgesamt sogar mehr als eine Million aus diesem Deal für die FDP herausgeholt haben.« (Stern, 41/1994)

Das war ihm wohl nicht genug. Zu den Gepflogenheiten des Schatzmeisters gehörte es, Geschäftspartner daran zu erinnern, daß »vor einer Genehmigung« bezüglich der Spendenzahlung »noch eine Null angefügt« werden müsse, behauptete Mertins. Als die Schmiergeldzahlungen zwischenzeitlich stockten, sei Frau Rech mehrfach in seiner Firma erschienen und habe »wegen der Zahlung des Geldes an die FDP Druck gemacht«, das habe er »schlicht als Erpressung« empfunden. (Hans Werner Kilz / Joachim Preuss, »Flick – Die gekaufte Republik«, Hamburg 1983, S. 41 ff.)

Johanna Gertrud Rech packte im September 1980 aus, nachdem sie von der FDP entlassen worden war. So begann eine Staatsaffäre, die die Abhängigkeit aller Parteien von illegalen Zahlungen des Militärisch-Industriellen Komplexes nachwies – der Flick-Skandal. Schnell stellte sich heraus, daß die FDP dabei eine Schlüsselrolle spielte, weil sie die für Kapitalförderung und Außenhandel entscheidenden Ressorts im Kabinett Helmut Schmidts unter Kontrolle hatte. »Die FDP-Minister Friderichs und Lambsdorff dirigieren Flicks Geleitzüge«, schrieben die Spiegel-Redakteure Hans Werner Kilz und Joachim Preuss über die Millionentransfers des Ruhrindustriellen. In dieser Situation brachte das plötzliche Ableben Karrys Erleichterung. Alle Zahlungen Flicks, hinter denen in den Kassenbüchern »wg. Lambsdorff« vermerkt war, seien nach Auskunft des gräflichen Anwalts nämlich in Wirklichkeit nicht an seinen Mandanten, sondern an Karry gegangen. Der aber konnte zum Zeitpunkt der Ermittlungen schon nicht mehr widersprechen.

Die Strafverfolger stießen in der Flick-Affäre auch zum ersten Mal auf den Namen Jürgen Möllemann. Der damals erst 32jährige Bundestagsabgeordnete stand 1978 als Direktionsassistent auf der Gehaltsliste eines Flick-Tochterunternehmens und bezog Zusatzeinkünfte von 60000 Mark jährlich. Dem Konzern konnte er nützlich sein, weil er schon Mitte der siebziger Jahre Präsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft geworden und 1976 in dieser Eigenschaft sogar vom saudischen König Fahd empfangen worden war. Genau diesem spendablen Potentaten wollte Flick damals den neuen Kampfpanzer LeopardII aus seinem Tochterunternehmen Krauss-Maffei verkaufen. Möllemann als Staatssekretär Genschers und Lambsdorff als Wirtschaftsminister warben sowohl im Kabinett Schmidt wie im Kabinett Kohl für das lukrative Geschäft, scheiterten aber schließlich. Das Verbot von Rüstungsexporten in Spannungsgebiete war damals noch ein wichtiger Grundsatz und verhinderte die Realisierung von Möllemanns Slogan »Leo für Oel«.

Ein anderer Deal gelang allerdings Anfang der 80er Jahre: Die Lieferung von ABC-Dekontaminationsfahrzeugen an die Vereinigten Arabischen Emirate, »wobei ebenfalls Schmiergeld in Millionenhöhe gezahlt wurde« (Stern, 25/2003). 1985 hatte Möllemann ein verdecktes Konto bei der Bank PNS-Paribas in Paris eingerichtet, das im Zuge der aktuellen Ermittlungen zur Flyer-Finanzierung aufgeflogen ist.

* Teil IV folgt in Kürze


Diese Domain  www.das-gibts-doch-nicht.info an einen Freund weiterempfehlen

Diese Seite zu den Favoriten hinzufügen

Diese Seite auf Ihrem PC speichern!

Möchten Sie diese Domaine als Startseite haben...

 


Das Kopieren und Verteilen dieser Information ist ausdrücklich erwünscht!
www.das-gibts-doch-nicht.info


Sinn dieser Informationen

Zurück zur Seite vorher

Zur Gesamtübersicht

Wenn Sie sich wegen irgendeiner Information ärgern, deswegen wütend oder frustriert werden bzw. Hass oder Wut auf entsprechende Personen bekommen, sind SIE selbst der einzige der diese Emotion in Form von Krankheiten zurückbekommt. Ihre Wut trifft niemals den anderen.
Einen Herrn Bush zum Beispiel interessiert es herzlich wenig, ob Sie sich über ihn ärgern.
Sie sind Schöpfer der Ereignisse die in Ihrem Leben eintreten, also seien Sie sich bewußt
wie Sie denken oder sprechen.