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Cheney hat den Kongreß mit Falschinformationen getäuscht

Am 9. Juni strahlte der britische Radiosender BBC in der Sendung "Five live - up all night" ein Interview mit Lyndon LaRouche aus, das kurz zuvor aufgezeichnet worden war. Vor dem Interview lief ein Bericht über die manipulierten Geheimdienstberichte, die als Begründung für den Irakkrieg herhalten mußten.

BBC: Herr LaRouche, womit sind Sie gegenwärtig beschäftigt?

LaRouche: Wie Sie vielleicht wissen, bin ich nach der jüngsten Statistik der führende Bewerber um die Nominierung zum demokratischen Präsidentschaftskandidaten...

BBC: Was für eine Statistik?

LaRouche: Sie betrifft die Anzahl der Spender für meinen Wahlkampf.

BBC: Donnerwetter! Heißt das, daß Sie mehr Spenden gesammelt haben als beispielsweise Senator Kerry?

LaRouche: Nein, bei der Gesamthöhe stehe ich an vierter Stelle, weil einige andere Kandidaten ein paar sehr gut "gepolsterte" Geldgeber haben. Aber was die breite Unterstützung aus der Bevölkerung angeht, die Anzahl der Menschen, die meiner Kampagne spenden, bin ich der erste.

BBC: Was veranlaßte Sie, sich als Präsidentschaftskandidat 2004 zu bewerben?

LaRouche: Ich entschied mich dazu Anfang 2001, als George W. Bush unter bekanntlich sehr merkwürdigen Umständen unser Präsident wurde. Mir war klar, was kommen würde. Erstens hatte Bush keine Ahnung von Wirtschaft - und das hat er inzwischen wohl recht eindeutig bewiesen. Zweitens könnte jemand versuchen, in den USA etwas ähnliches zu organisieren wie den Reichstagsbrand vom Februar 1933 - etwas ähnliches wie das, was dann tatsächlich geschah.

BBC: Das hört sich ja schlimm an!

LaRouche: Ist es auch. 1933 war es auch furchterregend. Die heutige Zeit ist aus britischer Sicht etwa vergleichbar mit der Zusammenarbeit zwischen Franklin Roosevelt und Winston Churchill in der sehr schwierigen Zeit 1939-40, als die Gefahr bestand, daß sich einige in England mit Hitler und ein paar Leuten in Frankreich zusammentun würden, was eine Katastrophe gewesen wäre. Die Lage heute ist ähnlich, wenn auch die Umstände im einzelnen anders sind. In den USA haben einige Leute leider die gleiche Mentalität, die Churchill und Roosevelt damals verabscheuten.

BBC: Wollen Sie wirklich George Bush oder einige aus seiner Umgebung mit Goebbels, Himmler und dieser Bande vergleichen?

LaRouche: Nicht Bush. Ich denke, Bush ist ein Mann mit begrenzten geistigen Fähigkeiten. Zu einer ausgeklügelten Verschwörung wäre er nicht fähig - geschweige denn sich auf einer Landkarte zurechtfinden! Anders liegt der Fall bei Vizepräsident Dick Cheney, der nun unter Beschuß gekommen ist. Man erhebt sehr schwerwiegende Vorwürfe gegen ihn - nicht nur ich, sondern auch andere, z.B. das Foreign Intelligence Advisory Board des Präsidenten (PFIAB), dem Brent Scowcroft vorsitzt.

BBC: Was ist das für ein Vorwurf?

LaRouche: Bekanntlich hat Cheney, nachdem ein Bericht aus der Botschaft des Niger in Rom einging, den Vorwurf untersuchen lassen, daß der Irak "Yellow cake" (Uranerzkonzentrat mit 70-80% Uran) für Kernwaffen erwerben wollte.

BBC: "Yellow cake" ist die primitivste Form von Uran, richtig?

LaRouche: Genau. Cheney ließ das prüfen und fand schon bald, Ende Februar 2002 heraus, daß die ganze Sache ein Schwindel war, ausgeheckt von jemandem in der Botschaft des Niger in Rom. Trotzdem wurde die Yellow-cake-Story am 24. September 2002 ganz groß herausgebracht. Tony Blairs Büro veröffentlichte an dem Tag ein Dossier, das sich auf diese falsche Behauptung bezieht. Als dann heftig über um den Irakkrieg gerungen wurde, berief sich Cheney immer wieder auf die Yellow-cake-Geschichte, wohl wissend, daß es eine Fälschung war!

BBC: Tony Blairs Dossier geriet sehr schnell in Mißkredit.

LaRouche: Völlig richtig. Trotzdem wurde immer weitergemacht. Man benutzte das vor allem, als der Kongreß zögerte, in einen Krieg einzuwilligen. Die Behauptung, der Irak könne bald in die Massenproduktion von Kernwaffen einsteigen, ließ viele Senatoren umkippen.

Der Abgeordnete Waxman hat zwei Denkschriften an den Präsidenten geschickt, die letzte am 2. Juni. Dies fällt mit den PFIAB-Untersuchungen von Scowcroft zusammen.

Wir haben kein Gesetz über Landesverrat im europäischen Sinne, weil unsere Verfassung in der Definition von Verrat sehr vorsichtig ist. Aber in vielen europäischen Ländern würde man das, was Cheney vorgeworfen wird, als Landesverrat werten. Offizielle Regierungsstellen wurden belogen, um einen Krieg vom Zaun zu brechen...

BBC: Könnte es nicht sein, daß Cheney viele Geheimdienstberichte erhielt und für bare Münze nehmen mußte, weil er seinen Diensten vertraute?

LaRouche: Cheneys Beweggründe sind sehr zweifelhaft. Schon 1991 forderte er eine Ausweitung des Krieges gegen den Irak und einen Nahostkrieg, anfangs wenig erfolgreich. Aber noch am Abend des 11. September 2001 hat er es wieder aufgebracht. Afghanistan wurde benutzt, um europäische Kräfte zur Mitarbeit in einem angestrebten Irakkrieg heranzuziehen.

Man wollte einen Irakkrieg um jeden Preis, gegen das Völkerrecht und gegen die Vorgaben der UN. Cheney war der vehementeste Verfechter davon. Und er benutzte öffentlich Falschinformationen, von denen er wußte, daß sie falsch waren. Das ist eine sehr ernste Sache. Es ist Grund für ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Vizepräsidenten. Und jetzt sind einige Leute in Amerika entschlossen, wenn nicht direkt ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn einzuleiten, so doch ihm klarzumachen, daß es für ihn an der Zeit ist auszusteigen, sich um seinen Garten zukümmern und das Regieren anderen zu überlassen.

BBC: Man kann mit einigem Recht sagen, daß Sie immer zu einem extremen Flügel der Demokraten gehörten; mancher sah Sie vielleicht gar nicht als Demokrat. Sie gelten wohl auch als großer Verfechter von Verschwörungstheorien?

LaRouche: Die Propaganda über meinen Ruf entspricht nicht immer der Wirklichkeit. Im wesentlichen könnte man mich als Anhänger Franklin Roosevelts einstufen. Ich bin kein "Roosevelt-Klon", aber ich teile die Regierungsphilosophie und die Sichtweise bestimmter Schlüsselfragen, die er in seiner Zeit als Präsident vertrat.

BBC: Wie wird Ihrer Ansicht nach die Präsidentschaftswahl 2004 ausgehen?

LaRouche: Ich weiß es nicht, ich weiß nicht einmal, ob Amerika es bis dahin schafft. Wenn wir an den Kurs festhalten, der mit dem Irakkrieg und dem Streit im UN-Sicherheitsrat gefahren wurde, steuern wir unter den Bedingungen der derzeitigen Finanzkrise auf die Hölle zu. Hoffentlich ändern wir noch in dem Jahr unserer Haltung und arbeiten endlich für eine Welt, die von verantwortungsbewußten, souveränen Nationalstaaten gestaltet wird und in der keiner nach Vorherrschaft trachtet. Wenn uns das gelingt, können wir das Jahr 2004 sicher erreichen. Ich wäre nicht überrascht, wenn ich dann gewänne. Bush wird mit Sicherheit nicht gewinnen.

BBC: Wie können Sie da angesichts der Stärke des Regierungsapparats so sicher sein?

LaRouche: Es ist ein Schlamassel, denn eine kleine Minderheit foppt viele Regierungsinstitutionen, die sich meiner Meinung nach sehr feige verhalten. Ich bin ein freimütigerer Typ. Das bringt mir manchmal Ärger ein, aber ich wüßte keinen besseren Weg.

Eine kleine Clique mit Sonderinteressen hat eine schwache, inkompetente Regierung übernommen und benutzt sie für ihre Zwecke. Ich denke, die Finanzkrise wird sich in einem Maße beschleunigen, wie sich das nur wenige vorstellen können, und das wird die Lage grundsätzlich verändern. Aber ich habe die Sorge, daß in den USA ein Kriegsdenken um sich greifen könnte, wie Cheney es verkörpert, und daß diese Verrückten Kriege führen werden, um von der Finanzkrise abzulenken. Wenn wir uns der Finanzkrise stellen, werden wir eine Lösung finden, da bin ich mir sicher. Aber wenn wir das nicht tun, sondern mit dieser Kriegspielerei weitermachen, könnte eine Lage kommen, der wir bei weitem nicht mehr gewachsen sind.

 



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Einen Herrn Bush zum Beispiel interessiert es herzlich wenig, ob Sie sich über ihn ärgern.
Sie sind Schöpfer der Ereignisse die in Ihrem Leben eintreten, also seien Sie sich bewußt
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