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27.06.2003 Philipp Mimkes Junge Welt
Genindustrie stürzt britischen Umweltminister
Warum Michael Meacher gehen mußte. Wachsender US-Druck in Sachen manipulierter Pflanzen
Der Streit zwischen USA und Europäischer Union um gentechnisch veränderte Lebensmittel ist auch nach dem gemeinsamen Gipfel in Washington nicht beigelegt. Spitzengespräche von Vertretern beider Seiten seien »nicht in die richtige Richtung gegangen«, räumte EU-Handelskommissar Pascal Lamy am Mittwoch (Ortszeit) nach Begegnungen mit US-Präsident Bush und weiteren US-Regierungsvertretern ein. »Es gibt Differenzen, und wir haben noch keinen Weg gefunden, damit umzugehen.«

George W. Bush sieht in dem europäischen Moratorium für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen einen Wettbewerbsnachteil für amerikanische Konzerne und droht mit einer Klage bei der Welthandelsorganisation WTO. Ironischerweise dient er hiermit besonders den Interessen eines deutschen Unternehmens: Die Leverkusener Bayer AG ist seit der Übernahme von Aventis CropScience größter europäischer Anbieter von Genpflanzen und selbst auf dem US-amerikanischen Markt die Nummer zwei.

Bereits in der vergangenen Woche hatte dabei nach Angaben der britischen Zeitschrift Daily Telegraph der Bayer-Konzern beim Sturz des britischen Umweltministers Michael Meacher seine Finger mit im Spiel. Meacher, der als das »grüne Gewissen« der Regierung galt, war als profunder Kritiker genveränderter Nahrungsmittel bekannt und den Biotechnik-Firmen seit langem ein Dorn im Auge. Dr. Paul Rylott, Direktor der Bayer-Tochterfirma BioScience und zugleich Vorsitzender der einflußreichen Industrievereinigung »Agricultural Biotechnology Council«, hatte die Diskussion um Meacher mit heftiger Kritik entfacht. Da Premierminister Tony Blair als uneingeschränkter Befürworter der Gentechnik gilt, hatte die englische Presse daraufhin offen über einen Sturz des Ministers spekuliert.

Meacher warf seinerseits in der jüngsten Sonntagsausgabe des Independent dem Regierungschef vor, Hinweise auf Risiken gentechnisch hergestellter Lebensmittel systematisch zu ignorieren und zu vertuschen. »Niemand kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt garantieren, daß gentechnische Nahrungsmittel sicher sind – am allerwenigsten Tony Blair«, so Meacher. Erst Anfang Juni hatte die britische Regierung einen »Gentechnikdialog« initiiert. Dieser soll bereits in drei Monaten eine Empfehlung darüber aussprechen, ob Großbritannien das erste europäische Land wird, in dem gentechnisch veränderte Pflanzen kommerziell angebaut werden dürfen. Die Entscheidung gilt, unabhängig vom Ausgang des WTO-Verfahrens, als richtungsweisend für den Umgang der EU mit Genpflanzen. Der »Gentechnikdialog«, der in ganz Großbritannien Diskussionsrunden zum Thema organisiert, wird von einem elfköpfigen Expertenteam geleitet – mit von der Partie: Bayer-Lobbyist Paul Rylott. Auch die Agriculture and Environment Biotechnology Commission, die die britische Regierung über Risiken der Gentechnik beraten soll, zählt Multifunktionär Rylott zu ihren Mitgliedern.

Axel Köhler-Schnura von der »Coordination gegen Bayer-Gefahren« äußerte dazu: »Es ist kein Zufall, daß der Gentechnikkritiker Meacher just in dem Moment geschaßt wird, in dem über die Zukunft gentechnisch veränderter Lebensmittel in England und in ganz Europa entschieden wird. Es ist erschreckend, daß die Macht des Bayer-Konzerns auch in England groß genug ist, um unliebsame Politiker auszubooten.«

Auch Tony Jupiter, Direktor des größten britischen Umweltverbands »Friends of the Earth«, kritisierte die Entscheidung Blairs: »Das Dialogforum zur Zukunft der Gentechnik in der Landwirtschaft ist noch keine drei Wochen alt – und schon wurde der einzige Minister entlassen, der für ein behutsames Vorgehen plädierte. Dieser Schritt nährt die Befürchtung, daß sich die Regierung über Bedenken in der Bevölkerung hinwegsetzt.« Die Mehrheit der britischen und europäischen Bevölkerung lehnt Gentechnik in Nahrungsmitteln ab. Die Bayer AG hingegen sitzt in den Startlöchern, um modifiziertes Getreide, Raps, Mais und Soja auf den Markt zu bringen.


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Einen Herrn Bush zum Beispiel interessiert es herzlich wenig, ob Sie sich über ihn ärgern.
Sie sind Schöpfer der Ereignisse die in Ihrem Leben eintreten, also seien Sie sich bewußt
wie Sie denken oder sprechen.