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PNAC-Mastermind Paul
Wolfowitz war offensichtlich der Erste, der den Inhalt der amerikanischen
Hegemoniestrategie offen legen will. Nicht umsonst wagt er es, nicht einmal
einem Monat nach dem offiziellem Kriegsende zu verkünden, dass
die Massenvernichtungswaffen nur aus quasi bürokratischen
Gründen als Kriegsgrund angegeben worden sind (http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID1895218,00.html).
Da ist sie also wieder diese Wildwest-Mentalität Also, Jungs, jetzt
mal Schluss mit Euren Spielchen. Redet nicht so lang drumherum wir sagen
jetzt ganz offen, was wir denken. Eigentlich schon wieder richtig
ehrlich. Im Grunde genommen sogar wohl das Beste (im Sinne von am
zeitsparendsten, was man momentan tun kann). Damit geriet Tony Blair auf
einmal kräftig ins Trudeln und die US-Amerikaner kommen ihren eigentlichen
Zielen immer näher. Es wird nicht lange dauern, dann können sie auch
sagen: Wenn irgendjemand irgendwo in der Welt Probleme mit uns hat, dann
soll er es sagen. Dann schicken wir 250.000 Mann zu Friedensgesprächen und
wir sehen weiter.
Als ebenso
bemerkenswert, wenn gleich viel bedrohlicher, empfand ich
US-Justizminister Ashcrofts Forderung, die Sicherheitsgesetze in den USA weiter
zu verschärfen (http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,251885,00.html).
Er forderte u.a., dass man verdächtige Personen ab sofort einknasten und
im Zweifelsfall auch die Todesstrafe anwenden könne. Also, Freunde der
DAF, da haben wir sie wieder die gemeinsamen deutsch-amerikanischen
Werte. Was früher die Commies waren, sind heute die
Terroristen. Was bei uns die Juden waren, könnte in den USA evtl. bald
auch den Moslems (oder sonstigen Staatsfeinden aller coleur)
blühen.
Altes vom
PNAC
Im übrigen ist die Welt
(und insbesondere die US-Amerikaner) manchmal wirklich sehr offen nicht
zuletzt seit dem es das Internet gibt. Das PNAC ist nicht etwa ein geheimer
konspirativer Treff, nein, ganz im Gegenteil ... sie haben sogar eine eigene
Homepage (http://www.newamericancentury.org/index.html)!
Unter dem Statement of Priciples, der Absichtserklärung des
Projekts also, sind alle Unterzeichner, incl. der bereits
erwähnten Berühmt-Berüchtigten (Donald Rumsfeld, Jeb Bush, Paul
Wolfowitz, Zalmay Khilalzad etc.) aufgeführt. Und wenn man sich den
Projektplan (http://www.newamericancentury.org/RebuildingAmericasDefenses.pdf)
runterlädt, findet man auf Seite 63 den bereits in Hinweis 33
erwähnten Absatz:
Further, the process of transformation,
even if it brings revolutionary change, is likely to be a long one, absent some
catastrophic and catalyzing event
like a new Pearl Harbor. Domestic
politics and industrial policy will shape the pace and content of
transformation as much as the requirements of current
missions.
Oder zu deutsch:
Des Weiteren ist der
Transformationsprozess, selbst wenn er revolutionäre Veränderungen
mit sich bringt, wahrscheinlich ein langer, es sei denn es gäbe ein
katastrophales und als Katalysator wirkendes Ereignis ähnlich einem
neuen Pearl Harbor. Innenpolitik und Wirtschaftspolitik werden die
Geschwindigkeit und den Inhalt der Transformation bestimmen ebenso wie die
Erfordernisse gegenwärtiger Missionen.
Noch einmal erwähnt sei,
dass dieser Strategiebericht von September 2000 (!), also drei Monaten vor der
Wahl George W. Bushs zum Präsidenten und einem Jahr vor den
Anschlägen vom 11. September, stammt. Die Finanzkrisen in den USA in den
Jahren 2001 und 2002 (Enron, WorldCom etc.) sollte man dabei im Hinterkopf
behalten.
Die bereits erwähnte
Absichtserklärung (www.newamericancentury.org/statementofprinciples.htm)
mutet da nicht weniger bizarr an. Bevor die Namen der Unterzeichner
aufgeführt sind, schließt man mit folgenden Worten:
Such a
Reaganite policy of military strength and moral clarity may not be fashionable
today. But it is necessary if the United States is to build on the successes of
this past century and to ensure our security and our greatness in the
next.
Solch eine Reagan-ähnliche
Politik der militärischen Stärke und moralischen Klarheit mag
heutzutage vielleicht nicht mehr modern sein. Aber sie ist notwendig, wenn die
Vereinten Staaten auf den Erfolgen aus dem letzten Jahrhundert aufbauen und
ihre Sicherheit und Großartigkeit im nächsten Jahrhundert
garantieren wollen.
Mir fiel beim Lesen dieser
Absichtserklärung wieder der Transparenttext eines Dresdners
ein, der beim Protest gegen den Irak-Krieg im März 2003 fragte:
Wer befreit die
USA?
In diesem
Sinne, einen guten Start in die Woche und watch your head, Euer
Micha. |