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08.07.2003 Jürgen Heiser Junge Welt
Flucht vor Protesten
US-Präsident sprach am Unabhängigkeitstag nur vor Militärs. Mobilisierung gegen Washingtoner Politik
Der 4. Juli ist seit 1776 US-amerikanischer Unabhängigkeitstag. Fähnchen, Paraden, pathetische Reden gab es zu diesem Datum schon immer reichlich, aber jetzt, in Zeiten des Krieges und »weltweiter Bedrohung der amerikanischen Lebensart«, geht es um mehr. Am vergangenen Freitag sollte das neue National Constitution Center in Philadelphia zum Nationalfeiertag eingeweiht werden; George W. Bush sollte zur Eröffnung feierlich das Band durchschneiden. Er wollte es sich eigentlich nicht nehmen lassen, bei diesem Anlaß ein paar passende Worte an die Nation und die Welt zu richten. Die Gelegenheit schien günstig. Denn Philadelphia soll zu einem neuen Symbol gemacht werden: Mit der Einweihung des National Constitution Centers soll daran erinnert werden, daß hier, in der »Stadt der brüderlichen Liebe«, die erste Verfassung, die Bill of Rights, verkündet wurde.

Die Vorfreude wurde bereits getrübt, als Kritiker des neuen Verfassungszentrums darauf hinwiesen, daß dessen Mauern auf den Grabstätten von Sklaven errichtet worden waren. Doch damit nicht genug: Seit Wochen hatte ein breites Bündnis aus Antikriegs- und Umweltschutzbewegung, Gewerkschaften und Todesstrafengegnern dafür mobilisiert, diesen 4. Juli in eine machtvolle Demonstration gegen die Bush-Regierung zu verwandeln. Man sei nicht gegen die in der Bill of Rights festgeschriebenen Bürgerrechte, so ein Sprecher des Bündnisses, sondern dagegen, die Verfassung »zu einer Disney-Attraktion zu machen und gleichzeitig die von den Gewerkschaften und der Bürgerrechtsbewegung erkämpften Rechte abzuschaffen«. Bereits am 15. Februar waren anläßlich des Internationalen Aktionstages gegen den drohenden Irak-Krieg 15000 Menschen in Philadelphia auf die Straße gegangen.

Bei der Auftaktkundgebung am vergangenen Freitag begrüßte Babette Joseph, Abgeordnete der Republikaner in Pennsylvania, die über zehntausend Demonstrationsteilnehmer mit den Worten: »Anders als die Person im Weißen Haus bin ich tatsächlich in das Amt gewählt worden, das ich ausübe!« Sie erntete großes Gelächter der Menge und erklärte weiter, es fiele ihr schwer, die Wörter »Bush« und »Präsident« in einem Atemzug zu nennen.

Die New Yorker Rechtsanwältin Lynn Stewart, gegen die Justizminister John Ashcroft im letzten Jahr ein Verfahren wegen »Terrorismus« angestrengt hatte, weil sie muslimische Gefangene verteidigt, sagte auf der Kundgebung mit Bezug auf die Unabhängigkeitserklärung der USA von der britischen Krone, daß der Kampf heute darum gehe, die Besatzungsregimes in Palästina und Irak zu beenden. Die Anwältin weiter: »Und bei allem dürfen wir Mumia Abu-Jamal nicht vergessen. Er ist unschuldig und gefangen im Todestrakt. Gefangen hinter Betonmauern, während seiner Kinder erwachsen wurden.«

Auf dem Marsch hielt der Demonstrationszug vor dem Amtssitz von Gouverneur Ed Rendell, der für die Hinrichtung von Mumia Abu-Jamal eintritt. Dort wiesen Rednerinnen der Kampagne für die Freiheit von Abu-Jamal auf dessen Geschichte als Journalist der Black-Panther-Zeitung hin und darauf, daß er trotz seiner Gefangenschaft zu einer weltweit gehörten Stimme gegen den Kriegskurs der USA geworden sei.

Als Erfolg der Mobilisierung wurde gewertet, daß der US-Präsident seine Teilnahme an der Jubelveranstaltung kurzfristig absagte und sich statt dessen auf das sichere Terrain einer Kaserne begab, um seine Ansprache zum Unabhängigkeitstag nur vor Armeeangehörigen zu halten. »Eine Kaserne scheint der einzige Ort zu sein, an den sich Bush noch begeben kann, um massiven Protesten aus dem Weg zu gehen«, sagte Phoebe Jones Schellenberg von Global Women’s Strike. »Aber es muß ihm klar sein, daß Veteranen und Angehörige von Soldaten an den Protesten hier beteiligt sind und sich damit den Tausenden Demonstranten anschließen, die sich zu Bushs Plänen von endlosem Krieg und Besetzung in Opposition befinden.«


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Einen Herrn Bush zum Beispiel interessiert es herzlich wenig, ob Sie sich über ihn ärgern.
Sie sind Schöpfer der Ereignisse die in Ihrem Leben eintreten, also seien Sie sich bewußt
wie Sie denken oder sprechen.