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Niederfrequentes Geräusch raubt
Menschen den Schlaf - Ein Fall für UFO-Forscher und
Verschwörungstheoretiker?
Es kommt in der Nacht. Mal leise,
mal lauter, mal auf- und abschwellend. Es durchdringt Betonwände und auch
Ohrpfropfen aus Wachs: das Brummen. Niemand weiß, woher es stammt. Immer
mehr Menschen in Deutschland werden nachts von dem nervtötenden
Geräusch am Schlaf gehindert. Zunächst meldeten sich Betroffene aus
Baden-Württemberg, jetzt macht das Phänomen bundesweit
Karriere.
Die Geschichte fängt im Sommer 2000 an. Eine Frau in
Baden-Württemberg konnte nachts nicht schlafen, weil sie ein
merkwürdiges Brummen wach hielt. Sie und ihr Mann konnten keine Ursache
feststellen, stellten Heizung, Kühlschrank und alle Elektrogeräte ab.
Schließlich alarmierte das Ehepaar die Behörden. Eine erste Messung
ergab nichts. Doch das Geräusch hörte nicht auf.
Schließlich wandte sich das
Ehepaar an die Presse. Eine Stuttgarter Zeitung brachte im November 2000 den
ersten großen Artikel über das Phänomen, das bis dahin für
einen Einzelfall gehalten wurde. Doch er stieß auf ungeahnte Resonanz.
Eine wahre Flut von Briefen, Faxen und Emails ergoss sich über die
Behörden. Die nehmen das Phänomen ernst. In Einzelgesprächen
filtern sie 300 Betroffene heraus, die den Ton ähnlich beschreiben und
auch nicht unter Hörschäden leiden. Erstmals kommt die Erkenntnis: es
handelt sich wohl um ein niederfrequentes Geräusch, unterhalb der
Hörschwelle der meisten Menschen.
Fachleute vom Immisionsschutz, Gewerbeaufsicht, der
Landesanstalt für Umweltschutz und des Sozialministeriums setzen sich
zusammen. In diesem Sommer werden 13 Messungen in Baden-Württemberg
durchgeführt. Parallel dazu werden die Betroffenen von Fachärzten der
Uniklinik Tübingen untersucht.
Das Messverfahren ist kompliziert.
Drei Fachleute kommen mit einem VW-Bus voller Messinstrumente und bauen sie im
Haus der Betroffenen auf. Sämtliche Elektrogeräte und sonstige
Geräuschverursacher werden abgestellt. Dann bleibt nur noch warten. Die
Geräusche können nur in der Nacht wahrgenommen werden, wenn die
Umgebung ruhig ist also wird auch dann gemessen. Wenn das Brummopfer den Ton
hört, stellen die Experten die Messgeräte an. Beim ersten Messtermin
konnte tatsächlich ein niederfrequenter Ton aufgefangen werden. Quelle:
unbekannt.
Längst haben sich die Betroffenen organisiert. Unter
Brummt.de bietet die
"Interessengemeinschaft zur Aufklärung des Brummtons" (IAB) einen
Anlaufpunkt für Brummgeschädigte. Im Forum können sich die
Betroffenen austauschen. An möglichen Ursachen des Geräusches besteht
kein Mangel. Ganz oben auf der Hitliste steht das HAARP, eine gigantische Funkanlage der US-Militärs
(Vgl.
Ein Schutzpanzer aus Radiowellen? ). Auch Mobilfunkmasten
und Mikrowellen werden als mögliche Verursacher gehandelt. Einige Exoten
verweisen auf Vulkanausbrüchen in Meeresgräben oder auf geheime
NATO-Treibstoff-Pipelines im Boden.
Aber es sind keine UFO-Forscher und
Verschwörungstheoretiker, die sich hier versammeln. Man tauscht
Beschreibungen des Brummphänomens aus, kommentiert die Berichterstattung.
Als Hysteriker wollen sich die Betroffenen nicht bezeichnen lassen. So
bezeichnet die IAB einen Bericht über die Thesen von Ulrich Lampater als
"Schlag ins Gesicht". Der Privatdozent für Psychosomatik und
Psychotherapie an der Universität Hamburg hatte die These vertreten, dass
es sich beim Brummphänomen auch um eine Massenhysterien handeln
könne. Das Gehirn kann eigenständig Geräuschwahrnehmungen
erzeugen, wie das zum Beispiel beim Tinnitus (Ohrensausen) der Fall ist.
Eine Ferndiagnose, die die Betroffenen nicht für sich
gelten lassen wollen. Dem Psychotherapeuten mangele es an Kenntnissen zum
Brummton. So litten die Opfer zum Teil seit Jahren unter dem nervtötenden
Geräusch, sei bisher aber nicht an die Öffentlichkeit getreten.
| Die IAB bittet die Presse
mit allem Nachdruck darum, zu berücksichtigen, dass die zu ihrem leidigen
Problem befragten Experten auch tatsächlich Experten für dieses
Problem sind. Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf die Landesanstalt
für Umweltschutz in Karlsruhe und deren derzeit laufende
Untersuchung. |
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Denn hier nimmt man die Betroffenen ernst auch wenn man
machtlos ist. Bisher gibt es keinen schlüssigen Hinweis auf die Quelle.
Trotzdem bleibt die Beruhigung, dass zumindest beim ersten Termin ein
Geräusch aufgefangen wurde. Dass das Geräusch real ist und kein
Hirngespinst.
Erst im Herbst werden die
baden-württembergischen Behörden die Ergebnisse ihrer Untersuchungen
vorstellen. Die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass sie eine alleinige Quelle
für alle Brummtöne präsentieren können. |