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31.08.2001 Torsten Kleinz Heise
Ein Brummen geht um in Deutschland

Niederfrequentes Geräusch raubt Menschen den Schlaf - Ein Fall für UFO-Forscher und Verschwörungstheoretiker?

Es kommt in der Nacht. Mal leise, mal lauter, mal auf- und abschwellend. Es durchdringt Betonwände und auch Ohrpfropfen aus Wachs: das Brummen. Niemand weiß, woher es stammt. Immer mehr Menschen in Deutschland werden nachts von dem nervtötenden Geräusch am Schlaf gehindert. Zunächst meldeten sich Betroffene aus Baden-Württemberg, jetzt macht das Phänomen bundesweit Karriere.

Die Geschichte fängt im Sommer 2000 an. Eine Frau in Baden-Württemberg konnte nachts nicht schlafen, weil sie ein merkwürdiges Brummen wach hielt. Sie und ihr Mann konnten keine Ursache feststellen, stellten Heizung, Kühlschrank und alle Elektrogeräte ab. Schließlich alarmierte das Ehepaar die Behörden. Eine erste Messung ergab nichts. Doch das Geräusch hörte nicht auf.

Schließlich wandte sich das Ehepaar an die Presse. Eine Stuttgarter Zeitung brachte im November 2000 den ersten großen Artikel über das Phänomen, das bis dahin für einen Einzelfall gehalten wurde. Doch er stieß auf ungeahnte Resonanz. Eine wahre Flut von Briefen, Faxen und Emails ergoss sich über die Behörden. Die nehmen das Phänomen ernst. In Einzelgesprächen filtern sie 300 Betroffene heraus, die den Ton ähnlich beschreiben und auch nicht unter Hörschäden leiden. Erstmals kommt die Erkenntnis: es handelt sich wohl um ein niederfrequentes Geräusch, unterhalb der Hörschwelle der meisten Menschen.

Fachleute vom Immisionsschutz, Gewerbeaufsicht, der Landesanstalt für Umweltschutz und des Sozialministeriums setzen sich zusammen. In diesem Sommer werden 13 Messungen in Baden-Württemberg durchgeführt. Parallel dazu werden die Betroffenen von Fachärzten der Uniklinik Tübingen untersucht.

Das Messverfahren ist kompliziert. Drei Fachleute kommen mit einem VW-Bus voller Messinstrumente und bauen sie im Haus der Betroffenen auf. Sämtliche Elektrogeräte und sonstige Geräuschverursacher werden abgestellt. Dann bleibt nur noch warten. Die Geräusche können nur in der Nacht wahrgenommen werden, wenn die Umgebung ruhig ist also wird auch dann gemessen. Wenn das Brummopfer den Ton hört, stellen die Experten die Messgeräte an. Beim ersten Messtermin konnte tatsächlich ein niederfrequenter Ton aufgefangen werden. Quelle: unbekannt.

Längst haben sich die Betroffenen organisiert. Unter Brummt.de bietet die "Interessengemeinschaft zur Aufklärung des Brummtons" (IAB) einen Anlaufpunkt für Brummgeschädigte. Im Forum können sich die Betroffenen austauschen. An möglichen Ursachen des Geräusches besteht kein Mangel. Ganz oben auf der Hitliste steht das HAARP, eine gigantische Funkanlage der US-Militärs (Vgl. Ein Schutzpanzer aus Radiowellen? ). Auch Mobilfunkmasten und Mikrowellen werden als mögliche Verursacher gehandelt. Einige Exoten verweisen auf Vulkanausbrüchen in Meeresgräben oder auf geheime NATO-Treibstoff-Pipelines im Boden.

Aber es sind keine UFO-Forscher und Verschwörungstheoretiker, die sich hier versammeln. Man tauscht Beschreibungen des Brummphänomens aus, kommentiert die Berichterstattung. Als Hysteriker wollen sich die Betroffenen nicht bezeichnen lassen. So bezeichnet die IAB einen Bericht über die Thesen von Ulrich Lampater als "Schlag ins Gesicht". Der Privatdozent für Psychosomatik und Psychotherapie an der Universität Hamburg hatte die These vertreten, dass es sich beim Brummphänomen auch um eine Massenhysterien handeln könne. Das Gehirn kann eigenständig Geräuschwahrnehmungen erzeugen, wie das zum Beispiel beim Tinnitus (Ohrensausen) der Fall ist.

Eine Ferndiagnose, die die Betroffenen nicht für sich gelten lassen wollen. Dem Psychotherapeuten mangele es an Kenntnissen zum Brummton. So litten die Opfer zum Teil seit Jahren unter dem nervtötenden Geräusch, sei bisher aber nicht an die Öffentlichkeit getreten.


Die IAB bittet die Presse mit allem Nachdruck darum, zu berücksichtigen, dass die zu ihrem leidigen Problem befragten Experten auch tatsächlich Experten für dieses Problem sind. Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf die Landesanstalt für Umweltschutz in Karlsruhe und deren derzeit laufende Untersuchung.

Denn hier nimmt man die Betroffenen ernst auch wenn man machtlos ist. Bisher gibt es keinen schlüssigen Hinweis auf die Quelle. Trotzdem bleibt die Beruhigung, dass zumindest beim ersten Termin ein Geräusch aufgefangen wurde. Dass das Geräusch real ist und kein Hirngespinst.

Erst im Herbst werden die baden-württembergischen Behörden die Ergebnisse ihrer Untersuchungen vorstellen. Die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass sie eine alleinige Quelle für alle Brummtöne präsentieren können.

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